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Vom schmerzlichen Vermissen einer Party, an der man ohnehin nicht teilgenommen hätte

Karneval in Mainz, Foto: R. v. Cube

Vielleicht liegt es ja an der uns Dortmundern nachgesagten recht humorlosen ‚westfälischen Art‘, dass ich mit dem Thema Karneval recht wenig anfangen kann. Und doch muss ich hiermit zugeben, dass mich das heute landesweit angestimmte große Gejammer über den Ausfall der für den 11.11. ursprünglich vorgesehenen Festivitäten in seiner Ausprägung erstaunt.

Dass man im Rheinland und in den anderen Karnevalshochburgen der Republik aktuell sehr traurig darüber ist, dass die mit dem Karneval verbundenen Festtage in diesem Jahr nicht wie sonst üblich, ablaufen können, das ist verständlich.

Doch das große Wehklagen erfasst diesmal scheinbar das gesamte Land, also auch Städte, in denen auch sonst an einem 11. November gar nichts los ist. Schon etwas bizarr!

Wer heute einmal einen Blick in die Medienlandschaft wirft, der bekommt leicht das Gefühl vermittelt, dass uns heute ein ganz großer Feiertag coronabedingt durch die Lappen geht.

Insbesondere die Kollegen vom WDR posten auf Facebook gerade quasi im Dauerfeuer Meldungen, wo der geliebte Karnevalsauftakt an diesem Tage überall entfallen muss. Städte wie Hagen oder Witten werden da zum Beispiel genannt.

Überall dort müsse heute leider auf die Feier zum Beginn der fünften Jahreszeit verzichtet werden. Zumindest in der Realität. Virtuell geht da laut der Kollegen offensichtlich selbst in diesem Jahr einiges.

Aber jetzt mal unter uns: Karneval im östlichen Ruhrgebiet? Ich lebe schon fast 50 Jahre in der Region und habe die Karnevalisten hier schon immer als ein recht sonderbares Häuflein von Außenseitern empfunden.

Das soll gar nicht böse gemeint sein. Ich gönne jedem dem Spaß, den er sich im Leben machen möchte, solange er andere damit nicht belästig oder einschränkt. Aber jetzt plötzlich so zu tun als habe auch das Ruhrgebiet heute furchtbar darunter zu leiden, das kommt mir nicht nur inhaltlich falsch vor, es ist in diesen Zeiten auch nicht ganz ungefährlich aus meiner Sicht.

Denn hier wird eine negative Auswirkung der Corona-Pandemie offensichtlich künstlich aufgeblasen, die 95 Prozent der Bevölkerung des Ruhrgebiets wohl gar nicht bemerken würde, wenn sie aktuell nicht ständig betont würde.

Dass heute auch ein paar hundert Feierlustige im Großraum Dortmund (und natürlich darüber hinaus 😉 ) nicht feiern dürfen, das ist schade, aber eben in Anbetracht der Pandemie auch nicht zu ändern.

Mal auf den Punkt gebracht: Kennt ihr persönlich jemandem aus dem Ruhrgebiet, der heute Karneval gefeiert hätte, statt seinen sonst üblichen Tagesgeschäften nachzugehen? Ich keine(n) einzige(n). Und ich wette, bei vielen von euch ist das auch so. Warum also dieser Aufstand?

Es ist nicht ungefährlich durch das wiederholte öffentliche Betonen des Wegfalls dieser Feiern indirekt eine Unzufriedenheit zu fördern, die es in den Jahren zuvor so gar nicht hätte geben können, weil die große Mehrheit im Ruhrgebiet die Nachricht vom offiziellen Karnevalsauftakt erst am Abend in der Tagesschau Kenntnis genommen hätte, statt schon den ganzen Tag über klammheimlich zu bedauern, dass heute eine Party nicht möglich ist, an der man ohnehin nicht teilgenommen hätte….

 

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Ein Kommentar zu “Vom schmerzlichen Vermissen einer Party, an der man ohnehin nicht teilgenommen hätte

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    Rano64

    Zur Lage aus dem Epizentrum am Rhein: Die karnevalsverrückten Kollegen und Freunde sitzen zu Hause, schicken sich gegenseitig Filmchen von glorreichen vergangenen Sessionen und stoßen virtuell auf kommende glorreiche Sessionen an.

    Alaaaf!

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