Geschmückt mit fremden Federn – Grüne Ministerin Spiegel sperrt kritische Rückfragen

Kritik unerwünscht? Screenshot der privaten Facebookseite der Frau Ministerin Spiegel / via Facebook

Der erste Corona-Impfstoff kommt höchstwahrscheinlich aus Deutschland und ist eine Errungenschaft der Gentechnik. Auf Facebook wird dies parteiübergreifend gefeiert, auch von den Grünen. Anne Spiegel, Ministerin für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz in Rheinland-Pfalz und Spitzenkandidatin ihrer Partei zur Landtagswahl 2021, spricht auf Facebook gar von „Vorsprung, Made in Rheinland-Pfalz“ und dass sie sich freue, „dass die Entwicklung eines Impfstoffs, der vermutlich vielen Menschen das Leben retten und uns helfen wird die Pandemie zu meistern, aus Rheinland-Pfalz stammt.“

Weniger erfreut ist die Frau Ministerin, die ausweislich ihres Profils dort „privat unterwegs“ ist, über kritische Hinweise unter ihrem Post, dass es die Grünen waren, die 1998 die Gentechnik in der Medizin verbieten und stattdessen auf „alternative Möglichkeiten“ setzen wollten. Rigoros werden bisher sämtliche Kommentare hierzu gelöscht und die Autorinnen und Autoren gesperrt. Ganz offenbar ist das Demokratie- und Diskussionsverständnis der Frau Ministerin deutlich weniger ausgeprägt, als ihre neu gefundene Liebe zur Gentechnik.

Kritik unerwünscht – eine Auswahl gesperrter Kommentare und Kommentatoren. Screenshots: Freigabe der jeweiligen Autoren zur Nutzung liegt vor.

Hätten die Grünen damals Erfolg gehabt, hätte die in der Partei häufig anzutreffende Wissenschaftsfeindlichkeit dazu geführt, dass die, wie die Frau Ministerin richtig anmerkt, jetzt zu rettenden Leben eben nicht hätten gerettet werden können. Auch wäre spannend zu erfahren, ob die gleichen Personen, die sich jetzt mit dem Erfolg der Gentechnik und der Rettung von Menschenleben identifizieren, auch mit dem Gegenteil identifiziert und hierfür Verantwortung übernommen hätten.

In welcher Weise sich das Schmücken mit fremden Federn auf die historisch häufig wissenschaftsfeindliche Haltung innerhalb der Grünen auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Update (12.11.2020):

Mittlerweile sind etliche Kommentare wieder freigegeben und die Autorinnen und Autoren entsperrt. Nach Aussage von Josef Winkler, Landesvorsitzender der Grünen in Rheinland-Pfalz, sei eine Software, die Kommentare automatisch überwacht, für die Sperren verantwortlich gewesen. Welcher Softwarefehler dafür sorgte, dass offenbar ausschließlich kritische Kommentare gegenüber der oft zu beobachtenden Parteihaltung der Grünen sowie Kommentare mit einer positiven Haltung gegenüber der Gentechnik gesperrt wurden, konnte bisher nicht beantwortet werden.

 

 

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8 Kommentare

  1. #1 | Philipp Beckhove sagt am 11. November 2020 um 18:42 Uhr

    Super! Den Artikel kann ich nur jedem weiter empfehlen

  2. #2 | ccarlton sagt am 11. November 2020 um 18:50 Uhr

    Demokratie- und Diskussionsverständnis der Grünen: Citybahn Wiesbaden. Da wollte die Partei, die früher so sehr für direkte Demokratie war, die Mitbestimmung der Bürger komplett verhindern.

    Aber was den Impfstoff angeht, sollten wir abwarten bis wir mehr als eine Pressemitteilung in der Hand haben. Ich erinnere nur an Cure Vac.

  3. #4 | ccarlton sagt am 11. November 2020 um 21:03 Uhr

    Nicht das. Die andere Geschichte über die. Die, die so richtig groß durch die Presse ging. Ohne Fakten und zum Teil auch nach dem eindeutigen Dementi.

  4. #5 | Philipp sagt am 11. November 2020 um 21:31 Uhr

    @ccarlton

    Die Wiesbadener können sich aber auch mal fragen, ob ein nicht vorhandener ÖPNV mit dem Haupstadtstatus eines der wichtigsten deutschen Bundesländer zusammenpasst.

  5. #6 | ccarlton sagt am 12. November 2020 um 08:11 Uhr

    Ich meinte diese Geschichte.

    https://www.welt.de/wirtschaft/article206594327/CureVac-Trumps-Angriff-ist-ein-Weckruf-fuer-Deutschland.html

    PR in eigener Sache von Herrn Hopp. Mehr war das nicht.

  6. #7 | ccarlton sagt am 12. November 2020 um 13:15 Uhr

    #5:

    Die Wiesbadener wissen wahrscheinlich selbst am besten, was gut für sie ist. Und daß es dort keinen ÖPNV gibt, wage ich zu bezweifeln. Ebenso, daß Landeshauptstädte aus Gründen des Status eine Straßenbahn benötigen.

  7. #8 | Berthold Grabe sagt am 12. November 2020 um 13:20 Uhr

    Grün bedeutet Bildung mit vorurteilbedingten Scheuklappen wie sie in eine vermeintlich heile Welt gehören sollten.
    Heimatfilm oder Pippi Langstrumpf Syndrom nenne ich das mit Flucht aus Realität.
    Nicht fähig aus einer Problemanalyse sinnvolle Aktionen zu generieren.

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