Vor dem Top-Spiel BVB gegen Bayern ist von einer neuen Bescheidenheit nicht viel zu spüren

BVB gegen Bayern in Dortmund beim DFB-Supercup im Sommer 2019. Foto: Robin Patzwaldt

So ist das manchmal mit den guten Vorsätzen. Da hatte sich die Fußball-Bundesliga noch vor wenigen Tagen doch ganz fest vorgenommen in Zukunft etwas demütiger und bescheidener auftreten zu wollen. Doch schon nach kurzer Zeit scheint dieser gute Vorsatz wieder vergessen.

Im Vorfeld der Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Corona-Pause gelobten diverse Beteiligte noch ‚Besserung‘, betonten unisono, dass der Profi-Fußball in Zukunft wieder deutlich ‚kleinere Brötchen‘ backen müsse und auch wolle.

Heute, wo das Spitzenspiel Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München auf dem Programm steht, da mag sich aber offenbar bereits niemand mehr so richtig an diese hehren Ziele erinnern. Fast hat man keine zwei Wochen nach dem Re-Start schon das Gefühl, dass alles wieder beim Alten ist. Nur, dass eben die Fans in den Stadien fehlen.

Seit Tagen kennen die einschlägigen Medien scheinbar nur noch ein Thema: Den Klassiker BVB gegen Bayern. Die Formkurven beider Teams werden analysiert, die Aufstellungen diskutiert. Begleitet wird das Ganze von Sportwetten-Werbung. Ganz wie in alten Zeiten!

Klar, das angekündigte Spiel ist auch in Corona-Zeiten eine nette Abwechslung vom Pandemie-Alltag, wird abermals Millionen in seinen Bann ziehen. Doch das, was zehn Tage nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs daraus gemacht wird, das lässt vermuten, dass die guten Vorsätze aus den Wochen ohne Bundesligaspiele längst wieder in Vergessenheit geraten sind.

Wann, wenn nicht jetzt, könnte man diese angekündigte neue Bescheidenheit der Bundesliga demonstrieren?

Es gibt auch heute auf der Welt weitaus wichtigeres als ein Fußballspiel. Selbst wenn dies zwischen den beiden aktuell besten Mannschaften Deutschlands ausgetragen wird.

Die Bundesliga wollte sich für die Zukunft neu aufstellen. Die zuletzt vielfach kritisierten Auswüchse des modernen Profigeschäfts, die die Liga innerhalb weniger Tage nach dem Corona-Stopp in Existenznot gebracht haben, sie sollten nach einhelliger Meinung fast aller Protagonisten und der DFL nicht nur hinterfragt, sie sollten bestmöglich reduziert, ja vielleicht sogar ausgemerzt werden.

Und nun? Wann soll das geschehen, wenn nicht jetzt?

Die Liga läuft. Die Zuschauer vor den TV-Geräten gewöhnen sich gerade daran, dass die Stadien bis auf Weiteres leer sind. Die Qualität der Begegnungen, die man zuletzt sehen konnte, sie war fast wieder die Alte. Und der mediale Hype, der um die Spiele aufgebaut wird, der ist es auch schon fast wieder.

Die Chance aus der Notsituation zwischen März und Mai 2020 tatsächlich etwas zu lernen, die DFL und die am Profifußball mitverdienenden Medienpartner, sie scheinen sie gerade zu verspielen. Die altbekannte Vermarktungsmaschine, sie läuft jedenfalls schon wieder auf Hochtouren.

Ein Lerneffekt durch die Corona-Krise? Er ist bisher nicht wirklich zu erkennen

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Wermtreu Golmeran
Wermtreu Golmeran
4 Jahre zuvor

Hallo Herr Patzwaldt,

schreiben Sie schon an ihrem "Ich hab ja schon immer gesagt, dass Favre der falsche Trainer ist"-Artikel?

Gerade habe ich mir das Kimmich-Törchen angeschaut, das alles andere als phänomenal oder gar unhaltbar war. Jeder 1b Torhüter hätte den halten müssen, bzw. hätte so gestanden, dass Kimmich gar nicht auf die Idee gekommen wäre zu schießen. Aber Bürki ist oft nur 1c. Bei den Jane Toren stand er auch zweimal falsch. Mit so einem Torhüter kann man zwar oben mitspielen, um Meister zu werden oder bei der CL ganz oben mitzuspielen, braucht man aber mindestens einen 1b Torhüter oder ganz ganz viel Glück.

Favre wird am Ende der Saison erleichtert gehen. Das ZorWatzKehlSamms sollte sich überlegen, ob der BVB wirklich Meister werden will und in der CL lange mitspielen will und dann einem Teil der Kriegskasse für einen Ausnahme-Goalie ausgeben.

Weidenfeller war zwar auch nicht 1a, aber ihm unterliefen in den entscheiden Spielen weniger eklatante Patzer und er war wohl als Integrationsfigur in der damals noch dönerbudenkulturgeprägten Mannschaft um Schmelzer, Grosskreutz und Co. anscheinend systemrelevant.

Favre sollte zu Arsenal gehen oder zu PSG, wobei er dort wahrscheinlich die selben Probleme bekommen wird wie Tuchel.

Beste Grüsse

Werntreu Golmeran

thomas weigle
thomas weigle
4 Jahre zuvor

@Werntreu Golmeran Kimmich hat es laut eigener Aussage nicht gesehen,aber es wurde vorher gesagt, dass B. gerne etwas weit vor dem Tor steht, also habe er einfach draufgehalten. Die Begeisterungsstürme, die dieses Tor bei journalistischen Betrachtern ausgelöst hat, sind mir, wie offensichtlich ihnen auch, unverständlich.
Was mich ärgert ist, dass es der BVB zum wiederholten Male nicht verstanden hat, den Bau…ääähh Bayern wenigstens vorübergehend das Signal auf ROT zu stellen.

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