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Warum fristet der Handball-Sport eigentlich nur ein Schattendasein?

Handball kann Spaß machen. Quelle: Wikipedia, Foto: Steindy (talk), Lizenz: CC BY-SA 3.0

Als ich in den 1980er-Jahren noch ein Teenager war, da versuchten meine Eltern alles um mich in den örtlichen Handballverein zu lotsen. Handball wäre doch ein so toller Sport, warb zum Beispiel meine Mutter über Monate hinweg um mein Interesse. Und tatsächlich hatte sie mich dann irgendwann ‚weichgekocht‘. Für rund zwei Jahre versuchte ich mich aktiv in dieser Sportart, bis mich gesundheitliche Probleme ausbremsten.

Eine gewisse Verbundenheit zu dieser Sportart ist mir dadurch bis heute erhalten geblieben, auch wenn ich Fußball und Eishockey bis zum heutigen Tag immer noch deutlich lieber anschaue.

Warum ich das hier heute erzähle? Weil am kommenden Wochenende die aktuelle Saison in der Handball-Bundesliga zu Ende geht und eigentlich kein Mensch davon Notiz zu nehmen scheint. Zumindest nicht außerhalb der direkt involvierten Handballstädte.

Das ist schade, denn inzwischen bietet auch der Abo-Sender ‚Sky‘ in Sachen Handball ein Angebot, wie man es sich in meiner Kindheit und Jugend nur gewünscht hätte. Alle neun Spiele werden am Sonntag im TV gezeigt.

Der Popularität der Sportart hat das breite Medienangebot trotzdem nicht wirklich auf die Sprünge geholfen. Ich habe hier im Ruhrgebiet beispielsweise noch niemanden getroffen, der mich beim üblichen ‚Smalltalk‘ auf die aktuellen Geschehnisse im Handball angesprochen hätte.

Das mag einerseits daran liegen, dass es in dieser Region im Herrenbereich inzwischen keinen Top-Handballsport mehr zu bestaunen gibt, andererseits zeigt das Beispiel aber auch erneut, wie sehr in diesem Lande inzwischen alles dem allmächtigen Fußball untergeordnet wird. Selbst hier im Blog, wie ich freimütig einräume. 😉

Ich persönlich erinnere mich noch ganz gut an die Zeiten, als der VfL Gummersbach von Zeit zu Zeit seine Heimspiele in der Dortmunder Westfalenhalle austrug, dort auch im Europacup zu Ehren kam. Zuletzt war das meiner Recherche nach im Jahre 2015 der Fall, als die 50. Saison der Bundesliga mit einem Spiel zwischen Gummersbach und Kiel in der Westfalenhalle eröffnet wurde. Immerhin 11.000 Zuschauer waren damals dem Vernehmen nach mit dabei. Eigentlich keine ganz schlechte Voraussetzung um das in Zukunft weiter auszubauen.

Enttäuschend, dass die Gelegenheit bisher nicht erkennbar genutzt wurde um den Sport in Dortmund und Umgebung ganz groß und regelmäßig zu etablieren.

In den 1980er Jahren reichte es für den OSC Dortmund zumindest zeitweilig für Erstligaehren im Handball. Doch das ist lange her. Die BVB-Damen-Mannschaft schafft es zudem hin und wieder einmal in das Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit. Doch ist Frauenhandball eben noch deutlich mehr Nischensport als das bei den Herren schon der Fall ist. Die alte Traditionsmannschaft von TUSEM Essen ist im Herrenbereich auch schon lange nicht mehr im Blickfeld der Besten.

Wenn am Sonntag also im Fernduell Kiel und Flensburg um die Deutsche Meisterschaft 2019 kämpfen und der VfL Gummersbach sich beim Spiel in Bietigheim gegen den drohenden Abstieg wert, dann wird das garantiert kein Straßenfeger sein. Schon gar nicht hier bei uns im Ruhrgebiet, wo der Handballsport schon lange keine nennenswerte Rolle mehr spielt.

Schade eigentlich!

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7 Kommentare zu “Warum fristet der Handball-Sport eigentlich nur ein Schattendasein?

  • #1
    thomad weigle

    Der Handball fristet nur im Vergleich zum Fußball ein Schattendasein, wie alle anderen Sportarten auch. Der Spitzenhandball ist in zu wenig Großstädten zu Hause. Das ist ein Erbe der Feldhandballzeit, in dem auch die Spitze vielfach auf dem Dorf bzw. in Kleinstädten zu Hause war. Auch in NRW. Gummersbach gehörte in diese Kategorie. Göppingen in BW dito, die in den 60ern 2x den Europacup holten, einige Jahre vor dem VFL.Einige dieser "Dorfmannschaften spielten nach dem Sterben auf dem Feld noch einige Jahre in der Bundesliga: Leutershausen, Birkenau, Hochdorf und Schutterwald. Nicht zu vergessen Großwallstadt, die mehrfach Meister waren und 2x den Europacup holten. Ach ja, Anfang des Jahrtausends spielten die Rhein-Neckar-Löwen unter dem Label Kronau-Östringenin der BL.

    Die Final-Four der CL in Köln sind regelmäßig ausverkauft, auch ohne deutsche Beteiligung seit drei Jahren, die Final-Four des DHB-Pokals in HH dito. Dazu braucht es dort keinen HSV.
    Die kleineren Hallen in Wetzlar, Kassel, wo Melsungen spielt, Göppingen sind gut besucht. In Großstädten wie Hamburg, Essen oder auch FFM gab es Erstligahandball. In der Halle jedenfalls, leider nicht auf der geschäftlichen Ebene. In allen drei Städten wurden kurz vor bzw. sogar während dem wirtschaftlichen Niedergang europäische Pokale gewonnen.
    Es wäre doch schön, hier mal was über die BVB-Damen lesen, die seit vielen Jahren Stammgast in der BL sind. Oder auch mal über jenen Verein aus Dortmund, der einst mindestens in einem deutschen Endspiel stand. Mir fällt der Name einfach nicht ein

  • #2
    Nina

    Ich bin empört! Das ist Diskriminierung von Männern. Keiner nimmt Handballer Ernst! 😀

  • #3
    Wolfram Obermanns

    Handball ist für die meisten zu sportlich: schnell, hart, taktisch. Fußball ist viel mehr ein Jedermann Sport, den man gut als Tresenmannschaft betreiben kann. Was auch schön ist.
    Wer könnte sich beim Handball ernsthaft jemanden wie z.B. Oliver Welke als Moderator vorstellen?
    Ich glaube auch gar nicht, daß der ÖRR noch Kameraleute und Regisseure hat, die wüßten wie man so ein Spiel mit der Kamera einfängt. Das müssten die erst wieder lernen.
    Außerdem fehlen die Bierhol- und Pinkelpausen während des Spiels, die es selbst in der Bundesliga bei laufendem Ballwechsel gibt.

  • #4
    thomad weigle

    Die wenigen Handballübertragungen im ÖRR sind gut gemacht, inklusive Wiederholungen. Gott sei Dank fehlt in dem schnellen Spiel die Zeit für unzählige Zeitlupenaufnahmen wie beim großen Bruder.. Dort, wo hochklassiger Handball geboten wird, kommen die Leute. Das früher auch in der Westfalenhalle so. Würde dort heute DHB_ Mannschaft antreten, wäre die Halle voll. Selbst hier im beschaulichen Halle waren letzt über 10.000 Zuschauer. Ich hatte mich etwa 5 Wochen vor dem Spiel um eine Karte bemüht, denn wann kann man sich zu Fuß zu einer EM-Quali begeben? Zu spät, war schon ausverkauft.
    Auch der TBVLemgo hat, als er noch besser drauf war, manches Spiel in Halle ausgetragen, bspw habe ich mal ein Spiel gegen den VFL Gummersbach gesehen, Die haben nicht in Halle gespielt, weil da die Luft besser ist.
    Beim Fußball mit seinen oft langweiligen Spielphasen ist das Bierholen ja eine Abwechslung. Beim Handball braucht`s das nicht. In manchen Spielen fällt pro Minute ein Tor, manchmal sogar mehr. Spiele mit weniger als 40 Toren sind mittlerweile eine Seltenheit. Regeländerungen haben das Spiel schneller gemacht, Zeitspiel bspw.wird rigoros unterbunden.

  • #5
    Jenner

    Ein anderes Thema sind die Fans. Beim Fußball Schlägereien, Randale, Bengalos und viel Polizei. Das gibt es beim Handball und beim Eishockey nicht! Die Fans der gegnerischen Mannschaften gehen da sogar nach dem Spiel ein Bier miteinander trinken!

  • #6
    Joe

    Man sollte nicht vergessen, dass Auftritte der deutschen Teams bei den Handball EMs und WMs regelmäßig Straßenfeger sind (zuletzt im Januar).
    Das Potenzial für den Sport in Deutschland ist also da.
    Der große Unterschied zur Bundesliga:
    Im Januar hat der Handball die ungeteilte mediale Aufmerksamkeit und die Übertragungen werden gut gemacht und laufen zur Prime Time.
    Ich plädiere daher schon seit langem dafür, die Terminpläne von Sportarten wie Handball, Eishockey und Basketball anzupassen und die Highlights wie Playoffs etc. im Herbst/Winter durchzuführen.
    Die Aufmerksamkeit wäre größer, jede Wette!

  • #7
    thomad weigle

    @Jenner Dortmunder und Schalker Fans trinken auch schon mal Bier miteinander, das bekannte Flieger-Pils.

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