Warum und wie Adolf Sauerland doch auf der Trauerfeier war

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Adolf Sauerland

Bei der Trauerfeier zum Gedenken an die Opfer des Love Parade-Unglücks am Samstag war Adolf Sauerland nicht anwesend, aus Respekt vor den Angehörigen, wie er sagte. Das stimmt und stimmt doch nicht: Er war anwesend, und zwar in einer Art, welche die Trauerfeier mit einem Makel behaftet. Eine kurze Betrachtung aus kommunikationstheoretischer Sicht.

Nein, persönlich anwesend war Adolf Sauerland, nach allem was wir wissen, nicht. Er blieb der Trauerfeier fern. Man könnte sagen, aus Gründen der Deeskalation. Dies Fernbleiben aber ist ein kommunikativer Akt, der vor dem Hintergrund seines Verhaltens in den Tagen seit der Katastrophe gesehen werden muss, vor allem seiner Weigerung, die politische Verantwortung zu übernehmen. Dann ergibt sich die folgende Lesart: Ohne vorherigen Rücktritt ist es ein demonstratives Fernbleiben. Dies hat die kommunikative Eigenschaft, dem Abwesenden eine gedankliche, auch gefühlte Präsenz bei den Anwesenden, aber auch Zuschauern, zu verschaffen. Er ist nur leiblich abwesend, durch seine in der Medienöffentlichkeit vollzogene Geste des Nichterscheinens aber in den Köpfen präsent. Das dergestalt demonstrative Fehlen beeinflusst die Atmosphäre der Veranstaltung unweigerlich. Sein vorheriger Rückzug hätte das Fernbleiben erklärt, stimmig, weil konsequent wirken lassen. So aber hat er unentrinnbar das Gegenteil von dem bewirkt, was er zu erreichen vorgab: Die Trauerfeier von dem Mann frei zu halten, der für viele ein unverständliches – und unerträgliches, da verletzendes – Verhalten an den Tag legt – ihm selbst.

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10 Kommentare

  1. #1 | Frank sagt am 2. August 2010 um 07:43 Uhr

    Sehr treffende Analyse.

  2. #2 | Johann Wolfgang Schoop sagt am 2. August 2010 um 08:10 Uhr

    Mir ist die mediale Hetzjagd auf Sauerland und die Veranstalter nicht ganz verständlich.

    5 Polizisten oder Securities vor dem Bauzaun an der Treppe, und es hätte nicht einmal Verletzte gegeben. Operative Fehler können mit jedem noch so guten Konzept passieren.

    Die Probleme, die das Unglück begünstigt haben (instabile Kommunikation), waren nach bisherigem Stand nie Thema der Sicherheits-Erörterungen.

    So frustrierend das klingt: manchmal sterben Menschen, ohne, dass es einen Schuldigen gibt.

  3. #3 | Michael Stein sagt am 2. August 2010 um 09:36 Uhr

    @ J.W Schoop
    Haha, sehr gut, wir Satire-Blogger sollten zusammenhalten!

  4. #4 | ch_we sagt am 2. August 2010 um 10:34 Uhr

    Schöner Text!

  5. #5 | Oigen sagt am 2. August 2010 um 10:49 Uhr

    Ich würde zu der Sache mal gerne folgendes äußern. Ich finde wer ein solches Großereignis in einer Stadt wie Duisburg holt und sich dafür stark macht und dann am Freitag davor erst aus dem Urlaub kommt, der hat allein schon deshalb genug Grund zum Rücktritt.

  6. #6 | Der Hans sagt am 2. August 2010 um 10:53 Uhr

    Paul Watzlawick lässt grüßen.
    Aber ob er das so gemeint hat?
    Ich glaube, er würde sich gerade instrumentalisiert fühlen.

    Die einzig wirklich objektive und faire Frage zu diesem Komplex
    stellt die Süddeutsche: Würde jemand von uns wegen eines
    zugegebenermaßen schlimmen Fahrlässigkeitsfehlers auf seine
    Altersversorgung verzichten, nachdem er ein Leben lang
    gearbeitet hat und anscheinend sogar beliebt war?

    Mir kommt da eher „den ersten Stein werfen“ in den Kopf
    als „nicht nicht-kommunizieren“.

  7. #7 | Stefan Laurin sagt am 2. August 2010 um 10:58 Uhr

    @Hans: Sauerland ist Lehrer und kann in den Landesdienst zurückkehren. Für seine Jahre als OB würde er bei einem Rücktritt von der Stadt nachversichert werden. Er ist also nicht vom Armut bedroht.

  8. #8 | Der Hans sagt am 2. August 2010 um 11:37 Uhr

    @Stefan Laurin:

    Pension ist nicht Rente; in so ziemlich keiner Hinsicht.
    (Höhe, Beihilfen, Alimentationsprinzip … nicht gerechnet, den Spaß, wenn er sich in seinem Alter gesetzlich krankenversichern möchte)

    Zudem gibt es keinen Rücktritt für Oberbürgermeister.
    Es ist also keinesfalls gesichert, dass er anschließend weiter als Beamter arbeiten könnte. Die Chancen stünden nicht schlecht, dass es eben jenen Beamtenstatus aufgeben müsste, um den (nicht geregelten) „Rücktritt“ faktisch zu vollziehen.
    Dann aber würde er nicht für seine OB-Jahre nachversichert (das ist übrigens etwas Schlechtes, denn es würde nur der Bruttoverdienst ohne Rücklagen für Pensionszahlungen nachgezahlt), sondern für sein gesamtes Dienstleben.

    Wenn er bestraft werden soll, dann ist das Strafrecht der rechte Ort dafür.
    Wenn er „weg soll als OB“, dann ist die Abwahl das rechte Mittel.
    Und wenn sich herausstellt, dass seine Verfehlungen so groß waren, dass er die oben beschriebenen Folgen einer Entfernung aus dem Beamtenverhältnis verdient hat, dann sieht das Beamtenrecht diese Folge sogar zwangsweise vor.

  9. #9 | Kira sagt am 2. August 2010 um 13:24 Uhr

    Ich finde es schlimm, wenn jemand nicht erkennt, dass er einen schlimmen Fehler gemacht hat und nicht bereit ist, dafür gerade zu stehen. Nur das laut „der Hans“ bisschen Geld im Blick zu haben und einfach weiter zu machen. Finde das Verhalten wirklich peinlich.

  10. #10 | Helmut Junge sagt am 2. August 2010 um 13:51 Uhr

    Ich vermute, daß Sauerland sich bis zum Abwahltermin krank melden wird.
    Das ist vielleicht mittlerweile auch so, daß er „fertig“ ist.
    Er hat einen Stellvertreter, der dann bis zur Neuwahl übernehmen kann.

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