WAZ-Blätter können nicht ohne dpa

Seit heute müssen die Zeitungen der WAZ-Gruppe ohne den Tickerdienst der Deutschen-Presse Agentur (dpa) auskommen. Die ersten Gehversuche sind kläglich: Eine Exklusivmeldung der Nachrichtenagentur deklarierten WAZ-Blätter zu „Medienberichten“ um.

Fangen wir vorne an. Feiertage sind in der Regel nachrichtenarm. Das stellt die Zeitungsredaktionen vor die Schwierigkeit, ihre Seiten zu füllen. Nachrichtenagenturen wissen um die Not ihrer Kunden und beliefern sie daher mit möglichst vielen eigenen Geschichten. Gefragt sind dabei vor allem Interviews. So eines führte der dpa-Kollege Marc-Oliver von Riegen mit der Bundes-Drogenbeauftragten Sabine Bätzing. Die Frau sprach sich in dem Gespräch für die Einführung einer 0,3-Promille-Grenze im Straßenverkehr aus.

Die Forderung ist nun wirklich keine Überraschung, aber an einem Tag nach der Silvester-Feier ist das ein gutes Thema. Das dachten sich wohl auch die Redaktionen von NRZ und der Westfälischen Rundschau. Das Thema sollte die Leser erreichen, egal wie. Bätzings Zitate wurden von der NRZ kurzerhand mit dem Zusatz „nach Medienberichten“ verwendet. Der Hinweis auf dpa entfiel. Das Schwesterblatt Westfälische Rundschau fuhr die Promille-Nachricht indem sie die NRZ zitiert.

Die NRZ-Mannschaft wollte mehr: Nachdem sie schon das Thema der Deutschen-Presse Agentur unter Anwendungen unüblicher Methoden aufgegriffen hatten, wollten sie nun auf der Promille-Welle reiten: Sie sprach mit dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, und macht daraus eine Vorabmeldung für die Agenturen. Ein solches Vorab sollte man nur machen, wenn die Nachricht wirklich wichtig ist, so die Grundregel, die ich in vielen Redaktionen gelernt habe. Und was sagt Freiberg der NRZ? „Der Grundgedanke (von Bätzing) ist richtig. Allerdings muss man auch dafür sorgen, dass die Polizei Gesetzesverschärfungen überwachen kann.“ Ziemlich unspannend.

Die Nummer der NRZ-Leute ist journalistisch unsauber und unkollegial. Wenn denen das egal ist, dann sollten sie zumindest im Blick haben, warum die WAZ-Verlagsoberen den Vertrag mit der Deutschen-Presse Agentur gekündigt haben. Sie wollen sparen. Und die Vorgehensweise bei der Bätzing-Geschichte zeigt, es geht auch ohne Agenturen, wenn man die journalistischen Grundregeln über Bord wirft. Aber liebe NRZ-Leute vergesst nicht: Sie sparen auch beim Personal.

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Jochen Hoff
15 Jahre zuvor

Ich wette, dass die sich die Journalisten bis auf einen oder zwei Interviewer gleich ganz sparen und die Texte in Indien oder China schreiben lassen. Jetzt rächt es sich, dass die Journalisten so brav neoliberal mitgelogen haben. Sie werden Opfer ihrer Berichterstattung.

schuri
schuri
15 Jahre zuvor

nun ja, kein dpa mehr heisst ja nicht auf agenturen zu verzichten. zähle heute im dünnen waz mantel allein 24 agenturmeldungen von afp, ddp, rtr.

Klaus
Klaus
15 Jahre zuvor

„Feiertagen sind in der Regel nachrichtenarm.“

„Die NRZ-Mannschaft wollten mehr“

„wenn man die journalistische Grundregeln über Bord wirft“

Bitte verbessern. Danke.

David Schraven
Admin
15 Jahre zuvor

@ Hans-Klaus

comment image

schau mal da.

Bitte. Wenn Du nicht mehr zu dem armseligen Verhalten der NRZ zu sagen hast, als Rechtsschreibkrams – Dann schreib doch dem Duden. Danke.

schuri
schuri
15 Jahre zuvor

@paul h.: was ich will? was ergänzen. finde, der normleser darf ruhig wissen, dass die waz weiter agenturen druckt.

David Schraven
Admin
15 Jahre zuvor

@ schuri,

so wie ich das sehe, hat Paul nicht geschrieben, dass die WAZ ohen Agenturen auskommen will, sondern ohne den Tickerdienst der dpa. Insofern verstehe ich Deine Ergänzung nicht.

Klaus
Klaus
15 Jahre zuvor

Diese Fehler nerven mich auf einem Blog mindestens genau so wie in meiner Lokalzeitung. Deswegen lasse ich mir sicher nicht den Mund verbieten.

Schön getroffen, mein Potrait 🙂

zoom
15 Jahre zuvor

@Klaus
Bitte verbessern:

Schön getroffen, mein Por(!!!)trait 🙂

zur WAZ: Alles gesagt und richtig.

Abschreiben ohne Quelle ist „cheesy“ aber nimmer journalistisch 🙁

Klaus
Klaus
15 Jahre zuvor

LOL. War ja klar, dass sowas dann passiert 😀

Gerd
Gerd
15 Jahre zuvor

Was sollen diese heillosen Übertreibungen hier? Die Meldung von Bätzings neuer Schnapsidee stand in „Welt online“. Es ist absolut üblich, dass Medien sich von anderen Medien anregen lassen und dann eine Geschichte weiterdrehen, das passiert hundertmal pro Tag. Sieht man selbstverständlich ab von so famosen Leuten wie David Schraven machen das viele Journalisten, und es ist nicht erkennbar, was daran derart verwerflich sein soll. Dass die Sache hier so breit getreten wird, hat doch in Wahrheit ganz andere Gründe, die mit der derzeitigen Situation der WAZ-Gruppe zusammenhängen. Soll uns doch bitte niemand für dumm verkaufen.

schlange
schlange
15 Jahre zuvor

als weitere anmerkung (so weit ich weiß):
die waz bezieht zwar für ihre print-produkte keine dpa-dienste mehr, allerdings ist der westen weiterhin (und die zeitungen im östlichen bereich) im dpa-verteiler. somit existiert immer noch freier zugriff.

David Schraven
Admin
15 Jahre zuvor

@ Gerd

Natürlich nehmen alle Schreiber überall Themen auf, aber die oben von Paul beschriebene Nummer ist schon faul. Dass dann noch auf die Welt online zu beziehen, die den dpa-Ticker verwurstet haben, macht die Nummer auch nicht besser. Die NRZ-Leute wussten natürlich, dass sie bei dpa abschreiben – ohne dafür zu bezahlen. Das ist wurstig. Aber dann einen Anruf zu tätigen und das Sammelsurium aus Abschrieb und Telefonat als Vorab rauszugeben. Das ist peinlich. Und dafür schämen sich die NRZ Oberen heute auch. Jede Wette.

Gerd
Gerd
15 Jahre zuvor

Verehrter Herr Schraven, Sie sind selbst Profi genug, um zu wissen, dass Informationen heutzutage blitzschnell durch die Medien geistern und man nach kurzer Zeit kaum noch weiß, wo eigentlich die Ursprungsquelle war. Wer eine Exklusivmeldung von Ihnen aufgreift und weiterdreht, wird anschließend selten bei Ihnen einen Obulus hinterlassen haben, oder? Ich bleibe dabei: Die ganz und gar unrealistische Trennschärfe, die in diesem Fall angemahnt wird, hat ausschließlich einen durchsichtigen medienpolitischen Hintergrund, für den die journalistische Ethik als Vorwand dient.

Gerd
Gerd
15 Jahre zuvor

Herr Havers, Es ist ziemlich peinlich, wenn Sie sich hier als Insider aufspielen, aber über das nötige Wissen nicht verfügen. Auch „derwesten“ hat dpa seit 1. Januar NICHT mehr.

David Schraven
Admin
15 Jahre zuvor

@ Gerd

was ist der „durchsichtige medienpolitische Hintergrund“, die Weltverschwörung? Erklär Dich mal. Und mystifiziere nicht rum. Wir reden vom abschreiben. Und Du?

Zudem – bei der Geschichte war völlig klar, von wem die Geschichte kam. Was anders zu behaupten ist quatsch. Und wie gesagt, die Weiterdrehe ist ja OK. Aber dann auch noch eine Vorab rausposaunen, uohhhhh – peinlich. Und wie gesagt, dpa abzukupfern ohne zu löhnen, das ist unsolidarisch – mit den Kollegen in der WAZ, die von Journalisten zu Copy-pastern degradiert werden – und mit den Kollegen von dpa, die gute Agenturarbeit machen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Konzept der Autorenzeitung auf dem Klauen von Geschichten aufbaut.

Gerd
Gerd
15 Jahre zuvor

Herr Schraven, peinlich sind vor allem Sie, der ja nicht zum ersten Mal aus einer Mücke einen Elefanten macht, wenn ich da nur an das preisgekrönte Uhlenberg-Bashing denke. Aber lassen wir das. Von Weltverschwörung habe ich nix geschrieben, für weitergehende Nachhilfe fehlt mir die Zeit. Wir kommen hier nicht zusammen, und das muss man dann auch mal irgendwann akzeptieren, was ich hiermit tue. Abgesehen davon habe ich nicht die geringste Lust, mich hier ungefragt Duzen zu lassen, auch wenn das in solchen Blogs üblich zu sein scheint. Viel Vergnügen noch.

Paul Havers
Paul Havers
15 Jahre zuvor

@Gerd: wo steht, dass ich ein Insider bin? Ich bin mal davon ausgegangen, dass derWesten weiterhin dpa verwendet, weil am 1.1. noch einige dpa-Meldungen verwendet wurden.
Schade, dass ihr Motive nicht offen legen. Eines würde ich aber noch gerne noch anmerken. Als Journalist sollte man immer wissen, was die Ursprungsquelle für eine Nachricht ist. Sonst fliegt man ganz böse auch die Nase.

David
15 Jahre zuvor

@ Gerd,

was ist denn jetzt mit den angeblichen durchsichtigen medienpolitischen Hintergründen? Wer die Lippen spitzt sollte auch pfeifen. Oder kommt da nur warme Luft? Übrigens, wer sich mit Vornamen vorstellt, sollte damit rechnen, geduzt zu werden, Gerd.

trackback
15 Jahre zuvor

Nun sei bedankt, mein lieber Schwan! …

Wagner hat die aktuelle Situation der Medienbranche in seinem Lohengrin sehr schön beschrieben.

Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!
Zieh durch die weite Flut zurück,
dahin, woher mich trug dein Kahn,
kehr wieder nur zu unsrem…

RVR Kenner
RVR Kenner
15 Jahre zuvor

Sehr geehrter Troll-Gerd,

sind Sie eigentlich neidisch, dass Sie noch nie was gewonnen haben, schon gar nicht einen Preis für Ihre Arbeit oder was soll das Schraven-Bashing?
Wenn man abgebrüht genug ist, dann verkommt auch verseuchtes Wasser zum Kinkerlitzchen, ist schon angekommen.
Peinlich ist, wenn man sich als Insider ausgibt und die Skandale rund um Uhlenberg als Bashing anprangert. Wenn Sie also der Deep Throat der Medienbranche sind, dann schrieben Sie doch, wie das alles wirklich war und räumen den nächsten Preis ab, auf den Sie echt scharf zu sein scheinen.
Aber Sie wissen es ja gar nicht, oder?

Schade, erst heiße Luft und dann nix mehr. In Deinem Alter muss man nicht mehr aufschneiden, oder? Nie im Leben käme ich auch darauf, ein (journalistisches) Schwergewicht wie Gerd zu duzen.
Bitte schreib weiter heiße Luft Gerd, ich muss meine Jahresanfangsdepressionen loswerden und ich habe gerade Tränen gelacht.

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