Wenn Mäuse die Schule schließen – und die Ratten schon längst da sind

Nagersichtung direkt am Marktplatz in Waltrop. Foto: Robin Patzwaldt

Es gibt diese Nachrichten, bei denen man unweigerlich innehält. Nicht, weil sie so spektakulär wären. Sondern weil man sich fragt: Meinen die das ernst? Eine solche Meldung flatterte in dieser Woche aus dem beschaulichen Waltrop in die Öffentlichkeit. Die Schule Oberwiese wurde geschlossen. Der Grund? Ein „Nagerbefall“. Klingt dramatisch, ein bisschen nach Katastrophenschutz, vielleicht sogar nach einem Drehbuch für eine mittelmäßige Netflix-Serie.

Inzwischen wissen wir: Es sind Mäuse. Ja, richtig gelesen. Mäuse. Und wegen dieser Mäuse bleibt eine Schule über eine Woche dicht.

Die Maus, das unbekannte Wesen

Natürlich: Gesundheitsschutz geht vor. Das betont auch die Stadtverwaltung pflichtschuldig. Man wolle kein Risiko eingehen, heißt es aus dem Rathaus. Ein zertifizierter Schädlingsbekämpfer sei im Einsatz, dazu kämen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen.

Alles absolut nachvollziehbar – zumindest auf dem Papier.

Denn offenbar ist der Mäusebefall so gravierend, dass gleich der komplette Schulbetrieb eingestellt wird. Vom 5. bis mindestens zum 13. März bleibt die Schule dicht, Distanzunterricht inklusive.

Man könnte fast meinen, Waltrop sei von einer Nagerapokalypse heimgesucht worden.

Wenn da nicht ein kleines Detail wäre.

Die Ratten, über die keiner sprechen will

Wer in Waltrop in den vergangenen Monaten mit offenen Augen durch die Stadt gelaufen ist, dürfte sich über die plötzliche Sensibilität gegenüber Mäusen allerdings ein wenig wundern.

Denn während jetzt wegen einiger Mäuse eine Schule geschlossen wird, hat sich im gesamten Stadtgebiet längst eine ganz andere Nagerfraktion bemerkbar gemacht: Ratten.

Und zwar nicht vereinzelt.

Egal ob in Wohnsiedlungen, an Grünflächen oder auf dem Friedhof – immer häufiger berichten Bürger von Begegnungen mit den pelzigen Stadtbewohnern. Nicht selten sogar am helllichten Tag.

Ich selbst habe erst vor wenigen Tagen eine tote Ratte direkt am Waltroper Marktplatz gesehen. Und nein, das war kein einmaliges Erlebnis.

Ein Ruhrgebietsproblem?

Das Ganze ist übrigens kein rein Waltroper Phänomen.

Wer kürzlich durch die Fußgängerzone in Dortmund geschlendert ist, dürfte ebenfalls auf eine interessante Stadtdekoration gestoßen sein: Rattenfallen. Mehrere davon. Mitten in der Innenstadt.

Das wirft natürlich Fragen auf. Etwa die, ob wir es gerade mit einer stillen, pelzigen Expansion zu tun haben. Während Städte über Digitalisierung, Verkehrswende und Smart-City-Konzepte diskutieren, scheinen sich andere Lebensformen ebenfalls bestens an das urbane Umfeld anzupassen.

Sehr anpassungsfähig, diese Nager.

Prioritäten und Perspektiven

Nun also die Mäuse in der Schule Oberwiese in Waltrop.

Natürlich ist es richtig, hier konsequent zu handeln. Niemand möchte, dass Schülerinnen und Schüler oder Lehrkräfte gesundheitliche Risiken eingehen.

Aber gleichzeitig wirkt die Situation ein wenig wie ein kommunales Theaterstück mit merkwürdiger Rollenverteilung:

Auf der Bühne werden die Mäuse bekämpft – während im Hintergrund die Ratten durchs Bild laufen.

Vielleicht wäre es also an der Zeit, das Thema insgesamt etwas ernster zu betrachten. Denn wenn immer mehr Bürger von Rattensichtungen berichten und gleichzeitig Schulen wegen Mäusen schließen müssen, dann deutet das auf ein Problem hin, das größer sein könnte als eine kurzfristige Schlagzeile.

Willkommen im Nagerrevier

Ob die Schule Oberwiese nach dem 13. März wieder öffnet, soll in den kommenden Tagen entschieden werden. Bis dahin wird gereinigt, desinfiziert und bekämpft, was das Zeug hält.

Man kann nur hoffen, dass die Maßnahmen Erfolg haben.

Denn eines ist klar: Wenn schon Mäuse einen Schulbetrieb lahmlegen können, möchte man sich lieber nicht ausmalen, was passiert, wenn die Ratten irgendwann offiziell auf den Stundenplan drängen.

Im Ruhrgebiet wäre schließlich alles möglich.

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