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Wir in Waltrop gehen noch immer zum Parkfest – Hier ist ja sonst nichts los!

In Waltrop ist wieder Parkfest. Foto: Robin Patzwaldt

Ab Freitag ist es wieder soweit. Das Parkfest in Waltrop öffnet für drei Tage seine Tore. Vom 23. bis zum 25. August 2019 pilgern dann erwartete 70.000 Besucher in den Moselbachpark im Zentrum des 30.000 Einwohner-Städtchens im Kreis Recklinghausen. Eine in Anbetracht des Gebotenen erstaunlich hohe Zahl, die mit namhafteren Festivals in weit größeren Städten des Ruhrgebiets durchaus mithalten kann.

Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass in Waltrop eigentlich nichts wirklich spektakuläres geboten wird. Und die nun anstehende 44. Auflage des Stadtfestes wird sich grundsätzlich auch gar nicht großartig von der 34. oder 35. unterscheiden. Nur, dass alles deutlich teurer geworden ist.

Wer, wie ich, die Entwicklung des Parkfestes von Beginn an mitverfolgt hat, der muss sich wirklich wundern, dass die Leute das Alles so gutmütig mitmachen.

In den ersten Jahren, in den 1970er-Jahren, war die überwiegend am letzten August-Wochenende terminierte Sause in erster Linie noch ein Stadtfest für die Waltroper selber. Im seinerzeit frisch errichteten Stadtpark im Zentrum der damals aufstrebenden Stadt trafen sich tausende Bürger zum lockeren Fest. Der Kommerz stand hier nicht im Mittelpunkt, sondern das Stadtleben.

Vereine organisierten das Programm sowie die Bierstände und sorgten für eine Menge Spaß. Die Feuerwehr aus dem benachbarten Datteln war über Jahre mit ihrer Wasserorgel präsent, sorgte für Unterhaltung auf Provinzniveau. Nett war das.

Das Alles erscheint inzwischen Ewigkeiten her zu sein. Der ‚Button‘, der zum Eintritt an allen drei Tagen berechtigte, kostete meiner Erinnerung nach über Jahre hinweg 3 DM. Später waren es dann einmal deren 5. Kein nennenswerter Kostenfaktor, mehr ein Unkostenbeitrag, damit der Stadtpark hinterher wieder in Ordnung gebracht werden konnte.

Über die Jahre hinweg wurde das Ganze schrittweise immer mehr aufgebläht, was wohl auch der ständigen Konkurrenzsituation zum inzwischen pleitegegangenen Kanalfestival in Datteln geschuldet war, welches im Regelfall eine Woche vor dem Parkfest auf Besucher- bzw. Kunden-Fang ging.

Beide Städte versuchten sich in Sachen der gebuchten ‚Stars‘ und des Rahmenprogramms immer wieder aufs Neue zu übertrumpfen. Die Lokalzeitungen übertrafen sich parallel dazu stets mit Meldungen über neue Besucherrekorde. Bei beiden Festivals sollen es in der Spitze deutlich über 100.000 gewesen sein.

Irgendwann, vor ein paar Jahren, kollabierte das Kanalfestival dann. Erst trat es deutlich auf die Ausgabenbremse, inzwischen gibt es dieses schon seit Jahren gar nicht mehr. In Waltrop versucht man trotz der weggefallenen Konkurrenz von der anderen Seite des Kanals weiterhin eine ganze Schar von B- und C-Promis zu verpflichten, somit auch über den lokalen Raum hinaus um die Gunst der Leute zu buhlen.

Auf der Strecke geblieben ist dabei leider der Zauber der ersten Jahre. Ein ganzes Heer von Sicherheitsleuten umringt inzwischen den Stadtpark. Längst vorbei sind die Zeiten in denen man sein eigenes Bier im Rucksack mit in den Park bringen konnte, wie meine Kumpels und ich es noch vor rund 20 Jahren stets gemacht haben.

Der Kommerz hat sich ausgebreitet, was sich auch an den kräftig gestiegenen Eintrittspreisen ablesen lässt. So kostet das 3-Tages-Ticket, welches früher für 3 bzw. 5 DM zu bekommen war, aktuell immerhin schon 16,50 Euro. Die Tageskarte schlägt mit 9 Euro zu Buche. Sicherlich noch immer keine große Investition, mit den eher symbolischen Unkostenbeiträgen der ersten Jahre aber längst schon nicht mehr zu vergleichen.

Eine unschöne Entwicklung, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass die stetig wachsende Anzahl der verpflichteten Künstler, den Spaß nicht proportional hat wachsen lassen.

Trotzdem kommen noch immer zwischen 60.000 und 70.000 Leute an den drei Tagen zusammen. Eine erstaunliche Beliebtheit für eine Veranstaltung, von der fast jeder Waltroper sagt, dass sie im Laufe der Jahre viel von ihrer Magie verloren hat.

Wie ist das zu erklären? Nun, Waltrop liegt im Kreis Recklinghausen, einer Region also, die fast in jeder Erfolgs-Statistik weit hinten liegt. Das Vest ist wirtschaftlich seit Jahren total abgehängt und spielt kulturell auch fast keine Rolle (mehr). Das Waltroper Parkfest liegt da zusammen mit den Ruhrfestspielen von Recklinghausen im mageren Kulturangebot der Region schon fast automatisch sehr weit vorne.

Und wir Waltroper? Wir gehen in großer Mehrheit auch unverdrossen weiterhin zum Parkfest. Hier ist halt sonst fast nichts los. Da nimmt man mit, was einem geboten wird… auch wenn das nicht wirklich viel Neues ist. 😉

 

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15 Kommentare zu “Wir in Waltrop gehen noch immer zum Parkfest – Hier ist ja sonst nichts los!

  • #1
    Waldemar Rietmann

    Wow,
    selten so viel Quatsch gelesen. Mögen Sie eigentlich irgendetwas an der Stadt?

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Waldemar Rietmann: Oh, ja. Vieles sogar. Warum? Nur weil man etwas kritisch begleitet, heisst das doch nicht, dass einem etwas grundsätzlich nicht gefällt…. Eher im Gegenteil. Fortgesetzte Kritik zeigt doch die Wertschätzung. Sonst könnte man sich die Mühe auf Fehlentwicklungen hinzuweisen ja gleich sparen. 😉

  • #3
    thomas weigle

    Kein Kanalfest mehr? Darauf ein "Kanalwasser." Oder gibt es das auch nicht mehr, Robin?

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Das Kanalfestival ist schon ein paar Jahre nicht mehr. Die hatten sich völlig verhoben. Ein Jahr mit extrem schlechtem Wetter brachte sie kräftig in Schieflage. Kurz darauf war das Fest dann endgültig Geschichte:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kanalfestival_Datteln

  • #5
    Joe

    Also ich finde das LIne-Up jetzt nicht sooo schlecht!
    Immerhin kenne ich 3 Bands…
    Das sind mehr als meist bei Essen Original!

  • #6
    Ke

    Wir müssen insgesamt auch darüber nachdenken, ob die Sicherheitsauflagen aktuell nicht vollkommen überzogen sind, wenn man sie mit dem Engagement der Behörden gegen anderen Lebensrisiken, die komplett ignoriert werden, vergleicht.
    Diese Auflagen machen mehr kaputt als sie helfen.

    Das gilt auch für den Brandschutz.

  • #7
  • #8
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @ke: Ich kenne und schätze die Brüder ‚Wingenfelder‘. Das sind die Köpfe von ‚Fury in the slaughterhouse‘, einer Band, dir in den 90er-Jahren in meiner Generation (also Leute die jetzt zwischen 40 und 50 sind) mal recht populär war. Meine Kumpels von ausserhalb wollten dafür jetzt aber auch nicht extra nach Waltrop kommen, da das eben das Soloprojekt der beiden Musiker ist. Zeitgleich gehen die Wingenfelders akltuell nämlich auch mit der kompletten Band auf Tour. Und diese Termine haben meine Bekannten dann bevorzugt… Aber das nur am Rande.

  • #9
    M. Hoelscheidt

    In Waltrop ist auch sonst was los….
    Museumsfest, TheaterMajestic, Oktoberfest , Schützenfest, Trecker Treff, bis diese Jahr Beachparty, Waltroper Sommernacht, Kirche und Kultur, Brunnengeflüster, Kulturforum Kapelle, VHS Konzerte Tanz-Projekt,, Chor und Orgel Konzerte, Yahooo, Stadthalle (neues Programm) ,
    welche Zielgruppe findet hier garnix?
    Die Infos sind also nur aus der scheinbar etwas älteren Erinnerung, oder schlecht recherchiert oder doch nur eine Meinungsäußerung (war das als solche gekennzeichnet? )
    Ich bin Anwohnerin und freue mich über den lebendigen Park, die professionelle Organisation und das Engagement der Leute!
    Das würde ich dem Schwimmbad nebenan auch gönnen.
    Über dessen Entwicklung würde ich mir Mal einen kritischen Beitrag wünschen.

  • #10
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @M. Hoelscheidt: Diese Aufzählung der lokalen ‚Attraktionen‘ zeigt es doch sehr schön: Die erwähnten Angebote richten sich in erster Linie an Alte, Kinder und Fans der Landjugend. Besser hätte man gar nicht zeigen können, woran es hapert. Es hat ja seine Gründe, dass junge Leute nacxh der Schule Waltrop vielfach verlassen, sobald sie es können. Das ist einer davon.

  • #11
    M. Hoelscheidt

    Ach, ich hatte ja den Pyjamaball vergessen, an dem "Alte" Kinder und Fans der Landjugend jdie Teilnehmer sind…Sie beantworten in ihrer Antwort mir nicht,vwas denn, außer einer besseren Anbindung der Öpnv an UNIs Discos o.ä. , für junge Menschen Waltrop so unzumutbar macht.Ich kenne einige, die nach der Zeit außerhalb von Waltrop auch genau hierhin ziehen, um ihren eigenen Kindern diese unzumutbare Kleinstadt anzutun.
    Auch unterschätzen sie die Bedeutung der vielen Waltroper Sportvereine gegenüber dem Feeling von "Hier ist was los".
    Wie alt sind Sie, das Sie für "die Jungen"das Wort ergreifen? Wie lange wohnen Sie nichtehr hier?Aus welchem Grund sind Sie weggezogen?Weil hier zuwenig Party ist?
    Ehrlich? Und dann versteh ich ihr negative Beschreibung der Entwicklung des Parkfestes trotzdem nicht.
    An diesen Tagen ist hier was los.Und das ist für Waltrop Klasse!
    Ich bin dann mal feiern. Das geht mit Waltropern richtig gut!

  • #12
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @M. Hoelscheidt: In dem Kommentar ist jetzt so viel falsch, dass ich mich in meiner Antwort darauf kurz fasse:

    Ich bin Jahrgang 1971 und lebe seit 1973 in Waltrop, habe also die traurige Entwicklung der Stadt seit den 1970ern hautnah miterleben müssen. Und wenn sie auch einmal mit ein paar Leuten mittleren Alters sprechen, die nichtem Heimat- oder Schützenverein angehören, werden Ihnen das viele von denen auch so bestätigen. Und wie ich schon in der Überschrift schrieb, gehen Waltroper natürlich noch immer mehrheitlich auf das Parkfest, obwohl es eben inzwischen viel von seinem alten Glanz verloren hat, da es eigentlich seit Jahren immer das Gleiche ist. Hier ist halt sonst wenig los. Da nimmt man was man kriegen kann. Und natürlich kann ich meine Ansprüche so weit herunterschrauben, dass ich ein paar weitere Veranstaltungen im Jahresverlauf aufzählen kann. An der grundsätzlich negativen Tendenz ändert das aber nichts. Das zeigen ja auch die Besucherzahlen, die die früheren gut 100.000 Besucher lange schon nicht mehr erreichen.

    PS: Auch der von Ihnen zitierte Pyjamaball hat inzwischen ja nur noch rund 2.000 statt der früheren gut 10.000 Besucher (in der Spitze waren es gar 15.000). Auch da läuft es also schon seit Jahren nicht gerade blendend.

  • #13
    Robert Müser

    Nananna …

    Waltrop hat noch ein sehr schönes Kaufhaus für überteuerte (tw. nutzlose) Dinge, die die gutbetuchte Kundschaft nach Anreise aus dem größeren Umland mit gutem Gewissen gerne in die Kofferräume ihrer SUV und Co. legt, ist das nichts?

    Außerdem bekommt die geneigte Kundschaft bei Brot & Butter sehr gute Lebensmittel. Welche Stadt in der Größe von Waltrop hat schon ein solches Angebot?

    Unmittelbar in der Nähe dieses Konsumtempels befindet sich noch ein wunderbarer Hersteller sehr guter Fahrräder – also ein wenig Respekt vor diesem Kleinod am Rande des Ruhrgebietes …

  • #14
    Jörg Burbaum

    Was ist überhaupt ein Ruhrbaron ? Einer der wegen seiner hohen Geburt über dem dummen Pöbel steht der jedes Jahr mit Freude dem Parkfest entgegen fiebert? Das Parkfest ist das, was wir daraus machen: Jeder kann sich einbringen, einen Stand machen etc. Viele kriegen den Arsch nicht mehr hoch, beschweren sich dann aber übers Rahmenprogramm. Habt Spaß, trefft eure Kumpels und rudert mit high five, und: Fisher z und Bob geldorf sind ja nun auch keine Provinzmusiker. Vom friedlich fröhlichem Parkfest grüßt Jörg Burbaum

  • #15
    M. Hoelscheidt

    Wenn"soviel falsch" nur als Behauptung dasteht und nicht begründet wird, ist das Debattieren hiermit auch für mich beendet.

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