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Wird ‚Galeria Karstadt Kaufhof’ in der Corona-Pandemie unverhältnismäßig bevorzugt?

Shopping in besonderen Zeiten. Archiv-Foto: Meike Ruschmeyer

Die Corona-Pandemie verursacht bekanntlich seit vielen Monaten gewaltige Schäden in der Wirtschaft. Kaum ein Unternehmen, das nicht betroffen ist. Immer wieder kursieren daher in diesen Tagen und Wochen Meldungen von in Not geratenen Unternehmen und Konzernen, die auf Hilfe von außen angewiesen sind, wenn sie nicht in Kürze kollabieren wollen.

Jüngstes Beispiel ist der schon vor der aktuellen Krise und dem derzeitigen Lockdown mehr als angeschlagene Kaufhaus-Konzern ‚Galeria Karstadt Kaufhof (GKK)‘.

Im Zusammenhang mit der Schieflage von GKK wurde in den vergangenen Stunden über konkrete Stabilisierungsmaßnahmen zugunsten des letzten deutschen Warenhauskonzerns in Höhe von bis zu 460 Millionen Euro berichtet. Eine Wahnsinnssumme, von der man noch nicht einmal weiß, ob sie am Ende ausreichen wird um den Untergang bis zum Ende der Pandemie zu verhindern.

Und dies Alles vor dem Hintergrund, dass dem Konzern, der dem unaufhaltsamen Trend zum Onlinehandel seit etlichen Jahren schon nicht ausreichend und erfolgreich Rechnung getragen hat, ohnehin vermutlich keine große Zukunft mehr beschieden sein dürfte.

Die gravierenden Probleme von GKK sind ja nicht coronabedingt, sondern die Pandemie hat sich hier nur als ein Beschleuniger des Niedergangs erwiesen.

Jetzt noch einmal rund eine halbe Milliarde Euro zusätzlich an staatlichen Krediten für diesen vermutlich eh dem Untergang geweihten Konzern anzubieten erscheint sehr riskant. Ungewöhnlich in diesem Zusammenhang auch, dass sich kaum Widerstand dagegen zu formieren scheint. Zur Erinnerung: Als Unterstützung in Form von vergleichsweise geringem Umfang für Profifußballklubs wie den FC Schalke 04 oder aber den 1. FC Köln öffentlich diskutiert wurde, fand das im Vergleich sehr viele Gegner.

Natürlich, Karstadt/Kaufhof ist für unsere Innenstädte in diesem Lande noch immer von einer großen Bedeutung. Würden die großen Kaufhäuser in naher Zukunft aus den Fußgängerzonen im Lande komplett verschwinden, es wäre ein dramatischer Einschnitt.

Doch auch wenn Sport-Vereine wie Schalke oder Köln aus dem Freizeitbereich verschwinden würden, wäre das für Millionen von Menschen ein harter Schlag, den sie sich gar nicht richtig ausmalen können.

Warum also regt sich vielfach deutlich vernehmbarer Widerstand gegen eine Bürgschaft bzw. Kredite für die darbenden Fußballvereine, wird die Tatsache, dass diese nach Hilfe verlangen hier von vielen Kritikern als grobes Missmanagement der Verantwortlichen gedeutet, die aktuelle Situation der großen Kaufhäuser aber überwiegend deutlich milder und verständnisvoller betrachtet?

Warum wird GKK die staatliche Unterstützung offenbar von vielen eher ‚gegönnt‘? Wirklich logisch ist das so nicht. Oder?

Und weshalb sollte der Staat ein seit Jahren durch viele kaufmännische Fehlentscheidungen in den Sturzflug übergegangenen Großkonzern in dieser weltweiten Krise stärker unterstützen als etliche kleine Unternehmen, die bis vor dem Lockdown prächtig liefen, verweigert ihnen teilweise seit November zugesagte Zahlungen, bringt es nicht hin diesen durchaus lebens- und zukunftsfähigen Betrieben eine Perspektive zu bieten?

Statt jetzt noch einmal viele hundert Millionen für perspektivlose Kaufhäuser locker zu machen, die in einigen Jahren eh nicht mehr in der aktuellen Form existieren werden, sollten lieber Unternehmen mit größeren Zukunftschancen unterstützt werden.

Egal ob die Schalker Profikicker, die Millionen von uns sehr am Herzen liegen, oder aber der kleine Friseurladen und die nächstgelegene Eckkneipe. Dort ist finanzielle Unterstützung sicherlich vielfach sinnvoller untergebracht als bei einem längst dem Untergang geweihten Kaufhauskonzern, der seine besten Tage nach allgemeiner Einschätzung schon lange hinter sich hat.

Manchmal muss man sich in diesen Tagen über die gesetzten Prioritäten schon sehr wundern….

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Ein Kommentar zu “Wird ‚Galeria Karstadt Kaufhof’ in der Corona-Pandemie unverhältnismäßig bevorzugt?

  • #1
    Ali Mente

    "Ungewöhnlich in diesem Zusammenhang auch, dass sich kaum Widerstand dagegen zu formieren scheint."

    Warum auch? Das ganze ist doch alternativlos, so wie alle Maßnahmen in der Corona-Krise. Nur "Covidioten" verstehen das nicht aber die sind ja zum Glück gesellschaftlich geächtet.

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