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Die Fußball-Europameisterschaft 2020 wird für die Fans zum Desaster

Fußball. Quelle: Wikipedia, Foto: Anton, Lizenz: cc

Fußball. Quelle: Wikipedia, Foto: Anton, Lizenz: cc

Am Freitag legte sich die UEFA fest, dass das in sieben Jahren anstehende Turnier in 13 Städten in 13 Ländern ausgetragen wird. Die Bewerbungen müssen bis September 2013 eingereicht werden. Erwünscht sind ausdrücklich Bewerbungen aus ganz Europa.

Jedes Land kann zwei einreichen, von denen jedoch maximal eine Erfolg haben wird.

Das Ruhrgebiet dürfte mit dem möglichen Spielort ‚Dortmund‘ einen ganz aussichtsreichen Bewerber haben. Auch Berlin, München und Stuttgart werden derzeit noch als mögliche Spielorte in Deutschland gehandelt.

Wie die UEFA nach einer Sitzung ihres Exekutivkomitees nun bekanntgab, werden 2020 in zwölf Gastgeberländern in einem Stadion jeweils drei Vorrundenspiele sowie eine Partie der K.o.-Runde stattfinden. Eine 13. Nation wird den Zuschlag nur für die Finalrunde, mit beiden Halbfinals sowie dem Endspiel, erhalten. Welche 13 Standorte den Zuschlag für 2020 erhalten werden, das entscheidet sich im Herbst 2014.

Doch so verlockend einige EM-Spiele hier direkt vor der Haustür auch seien mögen, insgesamt ist die Entscheidung der UEFA, aus meiner Sicht, ein echtes Desaster für den Fußball.

Natürlich, ein von mehreren, darunter vermutlich auch kleinere, Verbänden ausgerichtetes Turnier fördert vordergründig den europäischen Gedanken. Es ermöglicht ein noch internationaleres Fußballfest, erreicht bzw. beteiligt wohl mehr Menschen. Alles schön und gut.

Auf der Strecke bleibt dabei aber wohl (einmal wieder) der ‚normale‘ Fan und damit der traditionelle Fußball.

War es bisher immer eine ganz großes Fußballfest in ein bis zwei Ausrichterländern, welche dann häufig auch ganz in einer speziellen Turnierstimmung versanken (Erinnern wir uns an die Fußball-WM 2006 in Deutschland.), wird diese spezielle Turnierstimmung mit internationalen Gästen und Festen bei der EM 2020, bei 13 Gastgeberländern, wohl nur schwerlich aufkommen.

Und wer wird Karten für die wenigen Spiele in seinem Land bekommen? Die ‚einfache‘ Fußballfreund von der Straße? Wohl kaum!

Die Tickets werden überwiegend an Sponsoren und elitäre Gesellschaftsschichten gehen.

Das Geschacher um die wenigen verfügbaren Tickets wird 2020 vermutlich eine ganz neue Dimension erreichen, da sich diesmal dann die selbsternannten ‚Eliten‘ aus gleich 13 europäischen Ländern in die Kartenvergabe einmischen werden.

Tut das der Stimmung in den Stadien gut? Keinesfalls, wie ein Blick über die Ehrentribünen der Bundesligastadien ja schon an jedem Wochenende eindrucksvoll beweist.

Vielen Besuchern der EM-Spiele wird das Catering und das ‚Kalte Buffet‘ wichtiger sein als dieses eher lästige Spiel auf dem Rasen, welches das gute Essen für sie so ungünstig zeitlich zu begrenzen droht.

Der von der UEFA damit endgültig eingeschlagene Weg macht den Fußball auf Dauer kaputt!

Und das kann auch die Tatsache nicht verbergen, dass die Einnahmen aus Vermarktung und Eintrittsgeldern bei der EM 2020 vermutlich deutlich steigen werden.

Aber wahrscheinlich ist es sogar gerade das, was den Fußball nach und nach kaputtgehen lassen wird. Nur interessiert das Platini und Co. wohl nicht wirklich.

Für die UEFA scheint die Vermarktung ihres Sports wichtiger zu sein als der einzelne Fan. Das haben Sie mit dieser Entscheidung einmal mehr deutlich gezeigt.

Schade für den Fußballsport und für den ‚normalen‘ Fußballfreund, der jedes Wochenende die Spiele seines örtlichen Vereins besucht. Ihm ist durch die jüngste Entscheidung ein mögliches Fußballfest, eine Highlight seines Fußballlebens damit in 2020 endgültig abhandengekommen…

 

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7 Kommentare zu “Die Fußball-Europameisterschaft 2020 wird für die Fans zum Desaster

  • #1
    deichgraf

    Macht doch nichts wenn nur die Elite zum schauen kommt.Haben die Sicherheitsbehörden wenigstens kein Ärger mit Bengalos oder volltrunkenden Fans.Können sich dann auch in Ruhe die Spiele ansehen.;)

  • #2
    AnonymousCoward

    Aus dem Ruhrgebiet kommend wäre eine Reise nach Amsterdam oder Paris ähnlich anstrengend wie eine nach München. Von der reinen Geographie her sehe ich nicht, wieso ein Europaweites Turnier die Anreise zu bestimmten Spielorten beschwerlicher machen sollte. Die Chance, dass ein Spielort in der Nähe des eigenen Wohnorts liegen wird, nimmt ja sogar zu durch das neue Verfahren. Dass der ’normale‘ Fan zu leiden hat, dass liegt nicht an der Spielortpolitik, sondern an der Kartenverkaufspolitik. Und abgesehen davon: Welcher ’normale‘ Vereinsfußballfan kann sich schon für die Nationalmannschaft begeistern?

  • #3
    Seraquael

    So aufgebläht wie die Fussball Europameisterschaft in den letzten 20 Jahren geworden ist war abzusehen das dieser Ausrichtungsmodus irgendwann kommen wird und eigentlich habe ich damit weniger ein Problem als damit das es immer wieder die fünf bis zehn reichsten Verbände sind die in den Genuß der Austragung kommen. Ein großes und modernes Stadion kann sich jeder Verband leisten und so werden wir in Zukunft vielleicht auch mal Spiele aus Zypern oder Slowenien sehen. Ich persönlich finde das auch ganz reizvoll. Und Dank moderner Medien und Public Viewing sehe ich auch kein Stimmungsproblem außerhalb der Stadien, wer weiß vielleicht kommt ja sogar mal ein echtes europäisches Wir-Gefühl auf.

    Was nun die Kartenvergabe angeht finde ich Herr Platzwaldt vermischt hier zwei grundlgend unterschiedliche Probleme. Halbleere Stadien durch überreichliche Sponsorenkontingente kommen bei allen großen Sportveranstaltungen vor und was die Preise angeht war die Höhe für die wenn auch wenigen frei verfügbaren Tickets bei den letzten großen Fußballturnieren im Vergleich zu Formel 1, oder Eishockey sogar noch recht moderat. Natürlich nicht gerade Schnäppchen aber mit ein paar mehr Karten die insgesamt zur Verfügung stehen könnte man die Preise auf ein erträgliches Niveau drücken und ich glaube genau diese Chance bietet diese Art der Turnieraustragung.

    Die Dezentralisierung des Turniers könnte sogar eine Chance sein die Sponsoren insgesamt ein bisschen zurechtzustutzen. Wie gesagt: Ein Spiel pro Verband, alle Verbände haben ihre Haupt- und Ligasponsoren. Es wird der UEFA also schwerfallen zwei oder drei übermächtige Turniersponsoren durchzusetzen die die einzelnen Landesverbände unter Druck setzten und den Umgang mit ihren eigenen Sponsoren sind sie gewohnt, da fallen mit Sicherheit mehr Karten für die Allgemeinheit ab. Außerdem kann ein Verband das eine Turnierpiel, wenn auch vielleicht mal zur Warnung, ohne größere Sponsorenbeteiligung durchziehen, die Fernsehgelder sollten dafür reichen. So ein Warnschuss klappt vielleicht nicht in einem so korrupten Verband wie dem DFB oder der UEFA insgesamt aber beim französischen FFF, der ist dezentraler organsiert mit einzelnen Sponsoren denen man nicht so hörig ist oder dem türkischen TFF, hier spielen die Sponsoren international keine große Rolle und haben auch nicht einen so großen Anteil an den Gesamteinnahmen, sehe ich schon eine Möglichkeit.

    Alles in allem wird es auch in Zukunft nur wenige Verbände geben die sie die Ausrichtung der EM in der jetzigen Form noch leisten können, deswegen muss man jetzt nach Alternativen suchen und sollte das Ganze dann aber auch als Chance betrachten bisherige Fehlentwicklungen zu stoppen und zu korrigieren

    Mein Favourit wäre sowie so ein Einteilung Europas in sieben Meisterschaftsbezirke mit je sieben Ländern die alle wechselseitig nach einem festen Modus die Meisterschaften austragen und so jedes siebte Mal drankämen. Das hielte die wiederkehrende finanzielle Belastung in Grenzen da man genug Zeit hätte Rücklagen zu bilden, ein Vierteljahrzehnt sollte ausreichen und würde trotzdem die Möglichkeit einer gewissen geographischen Nähe zulassen. Außerdem könnte man darauf achten das es in jedem Bezirk mindestens einen solventen Verband gibt der das Grundgerüst der Turnierorganisation übernimmt wobei schwächere Verbände ggf. von der gesamten UEFA ein wenig finanzielle Unterstützung erhalten.

    Gruß Sera

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  • #5
    Martin Schmitz

    Zum einen stört mich die Entwicklung – sprich die Festivalisierung und Kommerzialisierung – des Fußballs schon länger. Von daher ist die aktuelle Entscheidung nur ein Tropfen auf den eh schon heißen Stein. Zumindest auf Länderspielebene interessiere ich mich gar nicht mehr für Fußball. Selbst die großen Turniere sind mir eigentlich egal.

    In der Bundesliga sehe ich ähnliche Entwicklungen, wobei die starke Fanszene noch so etwas wie zu-Hause-Stimmung vermittelt. Aber ich muss eigentlich sagen, dass ich mittlerweile gar nicht so traurig bin, dass mein Verein in der 2. Liga spielt, wo es eben doch vordergründig um Fußball geht und nicht um den Hype drumherum. Hier ist es einfach familiärer als z.B. im ehem. Westfalenstadion.

  • #6
    TuxDerPinguin

    Nationalmannschaften ist eh ein überholtes Konzept.
    Demnächst wird die Europameisterschaft zwischen der EU und England ausgespielt.

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