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Ist Katholizismus heilbar?

Arzt und schielender Löwe aus der Serie "Daktari"

Der Bund der Katholischen Ärzte will Homosexuelle therapieren und zu Heterosexuellen machen. Damit rückt eine Frage wieder ins Zentrum, über die sich die Wissenschaft seit Jahrtausenden streitet: Ist Katholizismus heilbar?

Immer wieder sorgen Katholiken für Aufregung: In Regensburg verklagen sie Blogger wie Stefan Aigner. In vielen Ländern der Welt haben sie die Verfolgung von Kinderschändern blockiert und immer wieder stehen sie im Zentrum von Finanzskandalen. Doch viele Menschen sind sich sicher, das Katholiken für diese Handlungen nicht voll verantwortlich gemacht werden dürfen und sehen Katholizismus als eine Krankheit an. Was Katholiken wiederum bestreiten. Sie sprechen  von „Glauben“. Ihr Oberhaupt ist sich sogar sicher, Gottes Willen zu verkünden, wenn er einen bestimmten Hut aufsetzt. Was wiederum Kritiker als Krankheitszeichen werten.

In den vergangenen Jahrtausenden gab es verschiedene Versuche, Menschen vom Katholizismus zu befreien. Die Römer setzten früh auf die umstrittene Löwen-Therapie. Die war nicht nur erfolglos, sondern sorgte auch noch für eine schlechte Presse – bis heute.

Bewährt hat sich dagegen der sanfte Weg. Er war auch bei der Therapie anderer Religionserkrankungen häufig erfolgreich. Die therapeutischen Mittel: Bücher und Stifte. Menschen die lesen und schreiben können, die über ein gewisses Maß an Bildung verfügen, zeigten sich in der Vergangenheit häufig immun gegen viele Religionserkrankungen. Auch Katholizismus konnte so in vielen Fällen therapiert werden. Ist Katholizismus heilbar? Die Antwort ist eindeutig: Ja, aber es ist ein komplizierter Prozess.

 

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18 Kommentare zu “Ist Katholizismus heilbar?

  • #1
    Werner Jurga

    „Nicht der Katholik ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“?
    Okay, irgendwann ist jede Metapher ausgereizt. Nicht dass ich eine besondere Sympathie für den Katholizismus hätte, doch man muss sehen, dass Homophobie im Grunde in JEDER Konfession bzw. Religion anzutreffen ist. Man denke an die Evangelikalen in den USA, die Verfolgung in den islamischen Staaten etc.
    Erwähnt werden muss aber auch, dass die – man muss sagen: militante – Homophobie gegenwärtig in den osteuropäischen Ländern nur schwerlich auf den Einfluss der orthodoxen Kirche reduziert werden kann.
    Es gibt auch Homophobie ohne Religion; es gibt aber keine Religion ohne Homophobie.

  • #2
  • #3
    Gerd Herholz

    „Persönlich bin ich nicht mit der Frage nach Gott konfrontiert. Ich finde es durchaus erträglich, mein Leben zu verbringen, wissend, daß ich mir niemals die Totalität des Universums werde erklären können.“
    Claude Lévi-Strauss

    „…vor kurzem hätte ich gern noch jeden Menschen für den Atheismus gewonnen, weil, wie ich vermeinte, nur die Freiheit des Gedankens glücklich macht! Und jetzt – mag doch jeder tun, was er will, was geht mich das an. Schlimm aber wird es sein, wenn die Gottgläubigen mir auf den Hals rücken und mich gesetzlich zu allerhand verpflichten wollen…“
    (Béla Bartók, 1907, in einem Brief an Stefi Geyer)

    Volker Hage über den ZDF-Film „Ich, Reich-Ranicki“:
    „Gleich in den ersten Minuten macht dieser Film klar, dass er sich nicht mit langer Vorrede aufzuhalten gedenkt. Es spricht Marcel Reich-Ranicki, 86, über Gott. ‚Gott ist eine literarische Erfindung’, sagt er. ‚Es gibt keinen Gott.’ Schon als Kind habe er nicht begriffen, ‚was das ist: Gott’“.

    Die Werke von Kopernikus und Galilei standen bis 1822 auf dem Index. Drei Jahrhunderte Starrsinn, das ist hübsch.
    (Albert Camus, franz. Schriftsteller, 1913-1960)

    „Wir alle wissen, daß unsere Postmoderne genausoviel, wenn nicht mehr Aufklärung nötig hat als die Vormoderne.“
    (Wilhelm Genazino in „Die Unberechenbarkeit der Worte“ in:W.G.: Der gedehnte Blick, S. 14, Hanser Verlag 2004)

  • #4
    BioBlubb

    Ich gehe mit weiten Teilen des Artikels d’accord, es ist allerdings etwas unglücklich, dem „Bund katholischer Ärzte“ hier nochmehr Aufmerksamkeit zu schenken, bedenkt man, dass der Verein lediglich über ein aktives Mitglied verfügt… Quelle: http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2011/06/zur-wahrnehmung-organisierter-religion-in-der-wissenschaftsblogosphare.php

  • #5
    68er

    Haltet Eure Kinder vor dem nicht keimfreien Wasser fern, das – unter der Tarnbezeichnung „Weihwasser“ beim Initiationsritus „Taufe“ verwendet – dringend vom Robert-Koch-Institut untersucht werden sollte!

    Vielleicht sind es aber auch die Sprossen?

    Oder das Trinkwasser?

    Oder zu viel oder zu wenig Alkoholkonsum?

    Heilbar ist Katholizismus nur in dem Sinne, dass man gegen ihn immunisiert werden kann. Man bleibt aber immer Katholik, denn der Virus wurde einem ja bei der Taufe eingeimpft und so bleibt man Virenträger. Damit muss man leben.

    Wenn man Glück hat, konnte man Antikörper bilden und ist somit immun.

    Die beste Therapie ist wohl die Verhaltenstherapie, die auch in Eigenregie funktioniert: Lesen, Denken, Lesen, Nachdenken….

  • #6
    Arnold Voß

    Religion ist nicht heilbar. Wir Menschen brauchen Hokuspokus und Rituale. Und die Hoffnung dass wenigsten n a c h einem wohlmöglich beschissenen, zumindest aber nicht sonderlich befriedigenden Leben soetwas wie Glück aufscheint.

    Wir sind im Großen und Ganzen einfach zu allein, als dass wir den Trost und die Zuwendung eines höheren Wesens nicht auch während unserer Erdenzeit immer mal wieder gebrauchen können. Egal ob es das jetzt wirklich gibt oder nicht. Autosuggestion ist deswegen die stärkste Kraft der Gläubigen.

    Und gegen die ist kein Kraut gewachsen. Im Positiven wie im Negativen. Wie sagte einst ein kluger Mensch, dessen Namen mir jetzt nicht einfällt: Gott ist das einzige Wesen das nicht zu existieren braucht, um zu herrschen.

  • #7
    Frank

    Jede Phobie basiert auf der Projektion eigener unterdrückter Phantasien auf andere Menschen.

    D.h. die Phobie vor dem Schwulen basiert auf einer Unterstellung, die eigenen Wünschen oder Verhalten entspringt. Der Naziopa aus Nachbars Garten, der dem Schwulen vorsorglich Schläge androht, für den Fall dass der ihm zu Nahe kommt, entspringt seiner Gepflogenheit, in anderen Menschen dienstbare Objekte zu sehen. Mithin enttarnt seine Homophobie lediglich seine Sicht auf das weibliche Geschlecht. Er fürchtet, vom Schwulen so belästigt zu werden, wie er die Frauen zu belästigen pflegt. Er kann sich nicht vorstellen, dass sich ihm Schwuler ohne Absichten nähert, weil er sich keiner Frau ohne Absichten nähert.

    Homophobe Katholiken hingegen offenbaren nicht ihre Sicht auf die Frau sondern ihre Angst, verführt zu werden, oder ihre Gewissheit, verführbar zu sein, was sie mit einem Ansehensverlust im bürgerlichen Milljöh in Verbindung bringen und unter allen Umständen vermeiden wollen.

  • #8
  • #9
    Will

    Glaube ist wichtig. Es ist die Außeinandersetzung mit sich selbst und dem großen und ganzen was einen umgibt. Jeder Mensch braucht den Glauben, um leben zu können. Und weil Glaube sehr viel mit Emotionen zu tun hat, konnten sich Religionen, die genau auf diesen menschlichen Instinkt spezialisiert sind, in der Menschheitsgeschichte so erfolgreich etablieren. Sie substituieren das Vorgehen sich mit sich selbst zu beschäftigen.

    Meinermeinung nach ist Glaube aber etwas sehr Privates und Religionen sind nichts anderes als Swingerklubs für Emotionalkrüppel.

    Wären alle Menschen auf dieser Welt gläubig, gäbe es keine Religionen mehr. Sogar Homosexuelle könnten dann in Frieden leben.
    Amen

  • #10
    Teasy

    Nur weil ein paar Spinner, die sich „katholisch“ nennen, mal wieder Mist fabrizieren, muss man nicht gleich „den Katholizismus“ verspotten. Das ist mehr als billig.

  • Pingback: zoom » Umleitung: EHEC, Wagenknecht, TaM, Aanatol und mehr. «

  • #12
    h.f.ullmann

    oh je, es gibt tatsächlich noch Leute die Kirchenpropaganda verbreiten ein Mensch könne ohne Glauben nicht leben? Man lebt viel besser ohne, probieren sie es mal, befreien sie sich!

  • #13
    Frank

    @Teasy #10

    Doch, man muss die Extreme immer ins Visier nehmen. Und Stefans schöner Artikel und die Reaktion darauf zeigt, dass man Leute immer mit ihrem eigenen Verhalten spiegeln muss, damit sie ihren Fehler erkennen..

    Was mich an vielen Katholiken stört ist, dass sich in ihnen eher die Autorität der Kirche als die Lehre Jesu Christi widerspiegelt.

  • Pingback: Links anne Ruhr (09.06.2011) » Pottblog

  • #15
  • #16
    Tom

    Ich habe als ehemaliger Insasse kath. Messen die Versammlung als etwas erlebt, in welchem das Existenzrecht anderer Religionen nicht anerkannt wird. Grundsätzliche Menschenrechte – wie die Meinungsfreiheit – werden abgelehnt. Auch das Recht selbstbestimmt oder einfach nur „anders“ Leben zu wollen wird nicht akzeptiert.

    Auf diesem totalitären Nährboden wächst mancherorts ein widerliches Gewächs aus latentem Rassismus, Antisemitismus und antidemokratischen Tendenzen. Reden wir mal gar nicht von den regelmäßigen Aufforderungen, anderen Überzeugungen – vor allem Atheisten – „entschieden entgegen zu treten“. Man mag sich auch daran erinnern, dass der Papst kürzlich offiziell die Säkularisierung – eine wesentliche Errungenschaft der Demokratie – verurteilt hat.

    Ich gönne jedem seine persönliche Verrücktheit. Aber er möge mir doch bitte damit vom Hals bleiben.

    Ich erinnere mich noch an eine Predigt eines Bischofs der sinngemäß sagte: „Wer der Meinung ist, dass die Kirche Veränderungen nötig hätte, oder sogar nach Reformen ruft, der muss sich fragen ob er noch Teil dieser Gemeinschaft ist oder nicht.“ Dem ließ er dann noch einige Bemerkungen über Farbige folgen, die ich hier nicht wiedergeben möchte.

    Ein Sprecher erläuterte am nächsten Tag im Radio: Man müsse auch jene Meinungen des Papstes und der Kirche mittragen und öffentlich verteidigen, die man eigentlich nicht akzeptiert. Dies sei Teil der „religiösen Disziplin“.
    Kritiker müssten sich klar machen, dass es keinen „Schönwetterkatholizismus“ gäbe, bei dem man sich nur den angenehmen Teil herauspicken dürfe.

    Da weiß man doch gleich wohin der Zug fährt. Ich persönlich will mit deren Fahrplan jedoch nichts zu tun haben und erwarte von einer Demokratie, dass sie mir diese Personen vom Hals hält. Damit ich meine Kinder erziehen kann, ohne dass ihnen jemand Gewalt androht, weil „lautes spielen am heiligen Sonntag verboten“ sei – wie dies meinen muslimischen Nachbarn kürzlich widerfuhr. Es ist ganz klar, dass der Staat nicht christlich/katholisch und demokratisch zur gleichen Zeit sein kann. Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ohne gesellschaftlichen Zwang sind keine Optionen, sondern eine Notwendigkeit ohne die eine demokratische Gesellschaftsordnung nicht möglich ist.

    Und eines noch: man kann nicht einerseits islamische Staaten kritisieren, aber andererseits Säkularisierung ablehnen oder sogar mit der Einführung eines christlichen „Wächterrates“ liebäugeln.
    Christliche Ethik mag einen Platz in den Kirchen haben, aber es gibt einen Grund warum Religion sich niemals mit Politik vermischen darf. Für die Folgen daraus gibt es ein Wort: Diktatur.
    Wer glaubt, man könne das Bild Honeckers einfach mit Jesus ersetzen und das Ergebnis wäre immer noch eine Demokratie, der irrt.

  • #17
    Arnold Voss

    Wenn die Diskussion hier fruchtbar werden soll muss man schon zwischen den Religionen als Instutionen/Gemeinschaften und dem individuellen Glauben bzw. der individuellen Bereitschaft/Neigung an ein irgendwie geartetes höheres Wesen zu glauben, unterscheiden.

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