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Das Kulturhauptstadtjahr ist zu Ende – wie fandet ihr es?

In Glaube, Sitte, Heimat | 54 Kommentare | Von Stefan Laurin

Heute geht das Kulturhauptstadtjahr offiziell zu Ende. Tausende von Veranstaltungen, eine Katastrophe, gehaltene und gebrochen Versprechen – es war ein wichtiges Jahr für das Ruhrgebiet. Wir haben viel darüber geschrieben. Jetzt seit ihr dran: Wie fandet ihr es?



54 Kommentare und 3 Ping(s) zu »Das Kulturhauptstadtjahr ist zu Ende – wie fandet ihr es?«

  1. #51 | Frau Rose sagt am 23. Dezember 2010 um 09:10

    @Mimi Müller: Um diese gesprächsentleerten Phrasen geht es mir doch gar nicht – die nerven mich ebenso wie sie. Aber muss ich mich, nur weil ich im Ruhrgebiet bin
    und um noch mal Goosen zu zitieren mit “Hey, Du Arschloch” oder so ähnlich begrüssen lassen? Nein, will und muss ich nicht. Und Diskurse können tief, aber müssen nicht unbedingt unterhalb der Gürtellinie sein. Wie steht es denn mit gegenseitiger Anerkennung und Respekt?

    Und darf ich Sie vielleicht noch mal an den Künstler von “2-3 Strassen” erinnern.
    Nur weil er Künstler ist, gab und gibt es ihm noch langen nicht das Recht so
    verachtend mit den Teilnehmern umzuspringen. Und dieses Projekt hat wg. seines schlechten Umgangs bestimmt keine besondere Qualität, es hat jene und das Potential des Projektes eher kaputt gemacht. Aber wenn ich ihre letzten Worte jedoch lese, scheinen sie gar nicht so weit von jenem Künstler entfernt zu sein.
    Schade.

  2. #52 | Bürokratenfeind sagt am 23. Dezember 2010 um 14:54

    Um noch mal auf die Kulturhauptstadt 2010 zurück zu kommen. Die langen Jahre des kulturellen Underdogdaseins haben bei den Menschen im Revier den Wunsch entstehen lassen, einmal so zu sein wie die anderen; wie München, Hamburg oder Berlin. Anerkannte Orte der Hochkultur. Um so zu werden wie diese, kopiert man die Modelle der anderen und weicht nur selten von deren standarisierten Vorgaben ab. Und selbst diese sogenannte Hochkultur wird im Revier nur halbherzig vertreten (Henze). Das Ruhrgebiet scheut nichts so sehr, wie das kulturelle Experiment. Lieber setzt man auf Spektakel. Da schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Der Masse der Leute gefällt es und gleichzeitg setzt man sich nicht der Kritik des Feuilletons aus. Das Resultat dieser Kulturpolitik ist dann, wie die FAZ schon richtig bemerkte: “mehr Masse als Klasse”.
    Warum können sich diese Minderwertigkeitkomplexe, ein kultureller Niemand zu sein, so lange halten, obwohl aus dieser Region immer wieder ausgezeichnete Künstler hervor gehen.
    Einer der vielen Gründe ist sicher der sinnentleerte Sprachgebrauch, der bei der WAZ jahrzehntelang gepflegt wurde.
    “Die Tangokommentare”.
    Ich habe diese Bezeichnung hier im Blog zum ersten Mal von David Schraven gehört. Die “Tangokommentare” der WAZ waren es, die mich, seit ich lesen konnte, täglich begleiteten. So eine Art Gehirnwäsche, die alles und jenes in
    glitschige Belanglosigkeiten ververwandelten.

    Viele ihrer Sätze Frau Rose sind typische Tangokommentare z. B.

    “Irgendwie verstehe ich Euch Ruhri’s, die hier über Ruhr.2010 so mosern, nicht. Klar, kann man verschiedenes an der Konzeption, Umsetzung und/oder den schönen “Hochglanz-Bildlein” kritisieren. Vielleicht mag auch die freie Szene zu kurz gekommen sein – auch da kann ich Kritik sehr gut nachvollziehen.”

    Und auch Arnold Voss Beitrag #31 ist ein einziger grandioser “Tangokommentar”

    Kein Wunder, dass Mini Müller sich darüber erregte. Dieser Sprachgebrauch zeigt die Angst ihrer Benutzer, von der Ruhrgebietskonsensgesellschaft abgelehnt zu werden. Diese Angst hat ein Künstler nicht. Gute Künstler sind immer etwas autistisch. Wollen nicht Bestandteil der “Crowd” sein. Darin unterscheiden sie sich von den im Ruhrgebiet so beliebten Kunsthandwerkern.

  3. #53 | Frau Rose sagt am 23. Dezember 2010 um 21:58

    @Bürokratenfeind: Vielleicht klären Sie mal auf, was genau sie unter einem Tango-Kommentar verstehen. Mir war dieser Begriff bislang unbekannt.

    Und noch mal: Bei einigen Kommentaren hat man beim Lesen eben das Gefühl, dass die Kritik einfach gegen Ruhr.2010 geht, weil man gegen die Macher dahinter ist. Diese scheinbare Pauschalkritik nervt mich, verbunden mit dem Ton.
    Ich finde hingegen, dass der Artikel von A. Rossmann in der FAZ Ruhr.2010 sehr gut bilanziert und wichtige Punkte der Ruhr.2010-Kritik anspricht bzw. auf den Punkt bringt. Sachlich und klar.

    Und ich habe keine Angst von der Ruhrgebietskonsensgesellschaft abgelehnt zu werden, im Gegenteil: ich sage oft relativ offen und unverblümt meine Meinung. Und ich bin kein Freund der “Eventisierung” der Kultur und/oder Gesellschaft. Aber ich finde die hiesige Diskussion mit den ständigen Unterstellungen einfach mühsam.

    Ich würde mir wünschen, sie würden lesen/zuhören, statt ständig Schubladen zu suchen, in dene Sie mich und auch andere einsortieren.

  4. #54 | Helmut Junge sagt am 23. Dezember 2010 um 23:09

    @Frau Rose,
    wenn ich da weiterhelfen kann.
    Der David Schraven hat zum Thema “Tangokommentar” gesagt:
    “Niemandem auf der Welt ist mit einem Tango-Kommentar geholfen, also ein Schritt vor, ein Schritt zurück. Das brauchen wir nicht. Man braucht einen Text, der zugespitzt ist, der scharf ist.”
    Wenn ich das richtig verstehe, könnte jeder “sowohl als auch-Kommentar” damit gemeint sein.
    Es gibt eben Menschen, die klare Kante bevorzugen, und in Kauf nehmen, daß sie damit anecken.
    Andererseits gibt es viel mehr Menschen, die genau das nicht mögen.
    Wenn Sie also schreiben:
    “Irgendwie verstehe ich Euch Ruhri’s, die hier über Ruhr.2010 so mosern, nicht. Klar, kann man verschiedenes an der Konzeption, Umsetzung und/oder den schönen “Hochglanz-Bildlein” kritisieren. Vielleicht mag auch die freie Szene zu kurz gekommen sein – auch da kann ich Kritik sehr gut nachvollziehen.”,

    sollten Sie doch eigentlich Verständnis für diejenigen haben, die genau wegen dieser Kriikpunkte mosern.
    Wenn Sie das Verständnis nicht aufbringen können, ist das vermutlich nach Auffassung von @Bürokratenfeind ein “Tangokommentar”, und zwar deswegen, weil sie inkonsequent sind.
    Ansonsten finde ich die Diskussion dieses Quartetts sehr amüsant.
    Eine endgültige Meinung habe ich mir allerdings noch nicht gebildet.
    Vielleicht werde ich mich noch dazu melden.

  5. #55 | gunwalt sagt am 24. Dezember 2010 um 08:01

    Ein fotografischer Kommentar ist im folgenden Link angekündigt:
    http://www.gunwalt.de/blog/2010/12/weihnachtsgeschenke5/

  6. #56 | Frau Rose sagt am 24. Dezember 2010 um 16:32

    @Helmut Junge und @ All,

    Danke für die Erläuterungen. Es mag sein, dass meine Kommentare nicht konsequent erscheinen. Aber vielleicht hat dies mit den unterschiedlichen Ebenen zu tun, auf denen ich mich innerhalb von Ruhr.2010 bewegt habe und das Ruhr.2010 an sich schon ein sehr komplexes Ding ist/ war. Und dies meine ich nicht nur in Bezug auf die 53 beteiligten Städte, sondern auch in Bezug auf das ursprüngliche Konzept von der „Europäischen Kulturhauptstadt“ (Gründung) bis hin zur diesjährigen Konstellation Essen für das Ruhrgebiet, Pecs und Istanbul.

    Zu meiner Person: 2009 bin ich ins Ruhrgebiet „zurück“gekommen und ichmuss sagen, ohne das bevorstehende Kulturhauptstadtjahr hätte ich diesen Schritt nicht gemacht. Das Ruhrgebiet hat mich bis zu jenem Zeitpunkt trotz meiner Wurzeln hier nicht mehr interessiert. Außer ab und an mal ein Verwandtschafts-besuch garniert mit Besuchen in den bekannten Theatern oder eben im Museum Folkwang etc. Aber das Motto der Kulturhauptstadt Europas “Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel” sowie die Möglichkeit, daran partizipieren zu können, haben mein Interesse am Ruhrgebiet geweckt. Dann wurde ich auch noch Teilnehmerin von „2-3 Straßen“.
    D.h. ich habe das Ruhrgebiet im nun ablaufenden Jahr als „Heimkehrerin“, Kulturschaffende (Ich war an ca. 10 Kulturhauptstadtprojekten beteiligt) und als Projektteilnehmerin des o.g. Ausstellungsprojektes erlebt. So kann man vielleicht sagen: “Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“ – eigentlich ja 3. Aus diesen einzelnen Perspektiven habe ich eben unterschiedliche Meinungen und eben noch keine abschließende und auf einen Nenner gebracht.
    Aber ich habe das Ruhrgebiet schätzen gelernt und es wirft auch Fragen bei mir auf.

    Zu Ruhr.2010: Ich kann den Ärger der freien Szene und sonstigen Akteuren verstehen, teils nicht berücksichtigt worden zu sein – aber ich fnde ihn auch an einigen Punkten überzogen. Ich kann den Unmut einiger Kommunen verstehen, die von der finanziellen Situation ausgemergelt, lieber den Kelch von Ruhr.2010 an sich vorbei gereicht hätten. Ich kann nicht verstehen, warum die Kommunikation hier immer noch von soviel Kirchturmdenken geprägt ist. Liegt es u.a. am hiesigen roten Filz? Ich kann nicht verstehen, warum in verschiedene Projekte dieses und jenes Geld gepumpt worden ist, dann aber hier und da an Mitarbeitern gespart wurde. In einem Projekt ist so bspw. die Pressearbeit hinten runter gefallen und daher ist gar kein Besucher zu jener Veranstaltung gekommenr (dieses Projekt bewegte sich an der Grenze zum 3-stelligen Bereich). Ich finde es ärgerlich, dass teilweise von hiesigen Künstlern kostenloses Engagement abgefordert wurde und dann wiederum viel Geld in Externe gepumpt worden ist.
    Aber ich habe auch Menschen kennen gelernt, die sich als Künstler verstehen, die ich aber weniger als solche bezeichnen würde. Will sagen, nicht jeder, der ein wenig “aquarelliert” etc. ist auch in der Tat ein Künstler. (@Mimi Müller: Ich glaube unsere Definition von Künstler sein oder Anspruch ist nicht weit voneinander entfernt) Und diesbgzl. kann ich wiederum verstehen, wenn solche „Künstler“ eben nicht weiter bei Ruhr.2010 berücksichtigt worden sind. Irgendwo muss man eben auch Punkte machen.

    So, dann noch mal zur Mentalität, die ich so einfach nicht nachvollziehen kann und ich mich frage, wo kommt jener „Minderwertigkeitskomplex“ her. Damit meine ich u.a. eben Frank Goosens „Woanders ist doch auch scheiße“. Nach diesem Ausspruch degradiert man sich nach meinem Verständnis dazu, selber auch an einem „Scheiß- Ort“ zu leben. Das ist ein Gedanke, der mir fremd ist. Ich lebe gerne an Orten, die ich gut finde und ich mich wohlfühle. Daher noch mal die Frage: Was ist denn das für ein Bild sich in „scheiße“ wohlzufühlen? Aber es gibt mittlerweile eine Generation hier, wie ich erleben konnte, die sich positiv mit der Region identifiziert und die auch frei heraus sagt: „Nee, ich bleib hier – ich muss nicht nach Berlin.“

    Und dann gibt es noch das Kapitel, dass die Kunst und Kultur sich verändert. Die Wirtschaft hat die Kreativität als Standortfaktor erkannt. Ich denke, dies ist berechtigt. Wer will schon in einer Stadt leben, wo es keine lebendige Kultur wie Kino, Kunst, Theater…. gibt? Aber Kultur- und Kreativwirtschaft ist m.E. nicht das Allheilmittel gegen diverse Probleme. Und Kunst und Kultur sollte andererseits nicht im Dienste der Wirtschaft stehen. Dennoch finde ich es positiv, wenn die Kreativen endlich mal etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen.
    Aber wo führt das hin? Keine Ahnung. Sehr ambivalent betrachte ich die Entwicklung, dass an den Kunsthochschulen im Prinzip Managementkurse angeboten werden. Die Kunstschüler sollen bereits früh lernen, sich entsprechend zu vermarkten. Ebenso muss auch im Museumsbetrieb alles noch größer und besser sein, sei es die MoMA-Ausstellung vor einigen Jahren in Berlin, die allseits gepriesene die Nacht der Museen bzw. die Extraschicht. Ich habe meine Zweifel, ob es dabei wirklich noch um die Kunst und Kontemplation (Adorno!) geht.

    Ich war vor wenigen Tagen auf einem Symposium, wo das neue Ruhrmuseum als Wahrzeichen des neuen Kulturkapitalismus beschrieben wurde. Die Kohlenwäscherei, einst zum Herzstück einer Zeche gehörend, nun zum Museum umfunktioniert, zudem die Besucher per „Fließband“-Rolltreppe transportiert werden. Die Rolltreppe wurde zudem mit einer Fahrt in den „Kultur-Höllenschlund“ verglichen. Wenn man zudem noch bedenkt, dass wohl nicht wenige Japaner (oder waren es Chinesen) Interesse haben, die hiesigen umfunktionierten und teils aufwendig illuminierten Gebäude der Montanindustrie angeblich gerne kaufen, mitnehmen und bei sich wieder 1.1 aufbauen möchten. Dann fragt man sich, was für ein Bild ist beabsichtigt und/oder kommt beim Betrachter an. Wo bleibt da Kultur und Geschichte? Und man kann auch fragen, welche Bilder hat uns diesbzgl. Ruhr.2010 geliefert?

    Ich vermag mit so vielen Gedanken im Kopf einfach noch keine klaren Antworten finden. Und den Erfolg/ Mißerfolg wird man m.E. auch erst genauer in 4-5 Jahren ablesen können.

    So, nun aber „Frohe Weihnachten“ und freue mich auf weitere Kommentare!

  7. #57 | Frau Rose sagt am 24. Dezember 2010 um 16:36

    Ups, Fehler: Mit 3-stellig meinte ich an der Grenze zu 100.000, wenn diese nicht sogar überschritten wurde.

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