
Wenn alte wirtschaftspolitische Ideen wieder als Lösung gelten, lohnt ein Blick zurück.
Am 20. Juni 1948 wurde in den westlichen Besatzungszonen die D-Mark eingeführt. Gleichzeitig setzte Ludwig Erhard (CDU) gegen erhebliche Widerstände eine weitgehende Aufhebung von Bewirtschaftung und Preiskontrollen durch. Nicht sämtliche Preise wurden freigegeben, und die Währungsreform war nicht Erhards Werk allein. Aber seine entscheidende Überzeugung war klar: Stabiles Geld allein würde nicht genügen. Deutschland brauchte auch wieder funktionierende Märkte, Wettbewerb und Preise, in denen sich Knappheit, Angebot und Nachfrage widerspiegelten.
Was anschließend geschah, war bemerkenswert. Waren, die zuvor gehortet, getauscht oder auf Schwarzmärkten gehandelt worden waren, tauchten wieder im regulären Handel auf. Die Schaufenster füllten sich. Produktion und Produktivität nahmen kräftig zu. Währungsreform und marktwirtschaftliche Wirtschaftsreform schufen wesentliche Voraussetzungen für das sich anschließende Wirtschaftswunder.
Erhard hatte keine Zauberformel entdeckt. Er setzte auf einen einfachen ökonomischen Mechanismus: Preise übermitteln Informationen. Sie zeigen Knappheit an und schaffen Anreize für Produktion, Investitionen und zusätzliches Angebot. Wer Preise politisch außer Kraft setzt, beseitigt deshalb nicht die Knappheit – er beseitigt zunächst einmal das Preissignal.
Besonders lehrreich ist, was danach geschah. Vierzig Jahre lang existierten in Deutschland zwei Wirtschaftssysteme nebeneinander. Im Westen entwickelte sich die Soziale Marktwirtschaft, im Osten eine von der SED gelenkte sozialistische Planwirtschaft. Natürlich waren die Ausgangsbedingungen nicht völlig identisch. Aber das langfristige Ergebnis war eindeutig genug: Die Bundesrepublik entwickelte sich zu einer der wohlhabendsten Industrienationen der Welt. Die DDR blieb bei Produktivität, Wohlstand und Warenangebot weit zurück – und 1961 ließ die SED-Führung eine Mauer errichten, um die massenhafte Abwanderung ihrer Bürger zu stoppen.
Ruinen schaffen ohne Waffen – mit staatlicher Wirtschaftslenkung geht das.
Umso bemerkenswerter ist es, wenn ausgerechnet in Berlin wieder politische Konzepte populär werden, die auf Mietendeckel, Vergesellschaftung und die Zurückdrängung marktwirtschaftlicher Mechanismen setzen. Die Berliner Linke spricht bei der Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände selbst von einem „bewussten Bruch mit Markt und privater Verwertungslogik“.
Die historische Verbindung ist ebenfalls kein Geheimnis: Die heutige Linke entstand 2007 aus WASG und Linkspartei.PDS; die PDS wiederum war aus der SED hervorgegangen. Gerade diese Tradition wäre ein guter Grund, besonders kritisch hinzusehen, wenn erneut versprochen wird, Knappheit ließe sich durch staatliche Preisvorgaben und die Zurückdrängung privaten Eigentums lösen.
Berlin braucht bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber braucht Berlin mehr Wohnungen. Dafür braucht es Bauland, schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, eine Vereinfachung des Baurechts, niedrigere Baukosten und Investitionen – private, genossenschaftliche und öffentliche.
Ludwig Erhards große historische Leistung war die Erkenntnis, dass Wohlstand nicht administrativ verordnet werden kann. Eine funktionierende Marktwirtschaft setzt auf Eigentum, Wettbewerb und Preise, die Knappheit sichtbar machen – und schafft damit Anreize, diese Knappheit durch zusätzliches Angebot zu überwinden.
Fast achtzig Jahre später ist diese Erinnerung aktueller, als viele denken.
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