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André Breitenreiter wird bei seiner eigenen Vorstellung auf Schalke fast zur Randfigur

André Breitenreiter als Trainer des SC Paderborn. Quelle: Wikipedia, Foto: Northside, Lizenz: CC BY-SA 3.0

André Breitenreiter als Trainer des SC Paderborn. Quelle: Wikipedia, Foto: Northside, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Eigentlich war die Pressekonferenz bei S04 am gestrigen Nachmittag ja ausschließlich für die Vorstellung des neuen Schalke-Trainers André Breitenreiter angedacht. Doch der Verlauf der knapp einstündigen Veranstaltung in Gelsenkirchen machte jedermann, wohl auch Breitenreiter selbst, mal wieder eines rasch ganz deutlich, dass der FC Schalke 04, gerade auch was die mediale Begleitung und die damit verbundene Unruhe betrifft, eben längst nicht wie jeder andere Bundesligist im Lande ist.
Denn nachdem die ersten Fragen der versammelten Journalisten tatsächlich noch an den Neutrainer selber gingen, drehte sich die Veranstaltung schon relativ rasch im Kern um jemanden, der nun eigentlich gar keine Rolle in Gelsenkirchen mehr spielen sollte, den über die jüngsten Ereignisse der vergangenen Tage noch immer recht verärgert wirkenden und aus seiner Belgischen Heimat lautstark und energisch über Horst Heldt & Co. meckernden und sich heftig beschwerenden Marc Wilmots. Ein Dilemma, welches auch André Breitenreiter nach einigen Minuten auf der gestrigen PK auf Schalke nur noch mit einem leicht gequält wirkenden Lächeln quittieren konnte.
Ob der neue Übungsleiter der Königsblauen da so langsam im Ansatz realisiert hat auf was er sich da eingelassen hat?

 

Der 41-Jährige André Breitenreiter absolvierte seine kurze Antrittsrede ganz nach Wunsch von Sportchef Horst Heldt. Brav und wie auf Bestellung sprudelten aus ihm die Worte heraus, die Heldt bei der Jobbeschreibung kürzlich als notwendig herausgestellt hatte. Er wolle den Teamgeist fördern, ein neues ‚Wir‘-Gefühl entwickeln, die Fans mit ins Boot holen, einen attraktiven Fußball spielen lassen, die Jugend fördern usw.. Nichts, was nicht auch jeder andere Trainerkandidat in dieser Situation gesagt hätte. Dabei lächelte Breitenreiter sympathisch, wirkte motiviert und durchaus selbstbewusst. Aufgabe erfüllt, was Breitenreiter betrifft. Er hat gestern nichts falsch gemacht.
In den Mittelpunkt der eigentlich extra für den 41-Jährigen angesetzten PK rückte dann allerdings rasch der ebenfalls anwesende Horst Heldt. Mit einer zunehmend großen Anzahl von Fragen in Richtung des nicht als Cheftrainer engagierten Marc Wilmots konfrontiert, brachte der ehemalige Magath-Zögling jedoch nicht wirklich viel Licht in den Ablauf der vergangenen 14 Tage in Gelsenkirchen.

 

Man habe von Vereinsseite aus letztendlich zwei Wunschkandidaten gehabt, Markus Weinzierl und eben André Breitenreiter. Er sei froh, dass es letztendlich mit Breitenreiter zu einer Einigung gekommen sei, so Heldt. Viel mehr gab es am Ende nicht aus ihm heraus zu kitzeln.
Fest steht, Breitenreiter traf sich erst am vergangenen Mittwoch erstmalig mit Heldt, wie er selber sagte. Am Dienstag habe er eine erste SMS erhalten, daraufhin noch am Abend mit Horst Heldt telefoniert. Das klingt, wenn man berücksichtigt, dass Horst Heldt betonte er habe mit diversen Kandidaten gesprochen, nicht gerade nach dem früh kontaktierten Idealkandidaten, denn da war schon mehr als eine Woche der angeblich rund 14tägigen Trainerfindungsphase verstrichen. Auch wenn man Heldt durchaus glauben kann, aus seiner Sicht am Ende mit Weinzierl und Breitenreiter am ehesten kompatibel übereingekommen zu sein, nicht gerade nachvollziehbar. Klingt das so wirklich nach einem tatsächlichen Wunschtrainer? Wie auch immer, das lässt diverse Fragen offen.

 

Nicht erstaunlich also, dass sich Heldt gestern in der PK diverse Nachfragen dazu gefallen lassen musste, und der Vorwurf er werfe hier viele Nebelkerzen ganz offen ausgesprochen im Raum stand. Die Fragen zur Trainerfindung und zum Thema Wilmots wurden offenkundig so unzureichend klar beantwortet, dass immer weitere Detailfragen zum Thema folgten. Wer hat wann wen kontaktiert bzw. abgesagt. Heldts und Wilmots Aussagen widersprachen sich noch immer. Am Ende weigerte sich Heldt zum Thema überhaupt noch etwas zu sagen, mit der Begründung er habe eigentlich schon alles dazu gesagt. Hatte er? Diverse Journalisten waren offenbar anderer Meinung, sahen die Abläufe nicht wirklich schlüssig erklärt. Der arme André Breitenreiter saß in dieser Phase der PK fast schon etwas unbeteiligt daneben und lächelte gequält.
Auch die am Ende wirklich entscheidenden Neuigkeiten des Nachmittags, den Verbleib von Benedikt Höwedes auf Schalke und die endgültigen Trennungen von den zuletzt aussortierten Spielern Boateng und Sam überließ der neue Coach am Ende Horst Heldt zur offiziellen Verkündung, der ihm in der jeweiligen Situation die Antworten mehr oder weniger elegant abnahm.
Wurde Breitenreiter nun also gleich in eine Situation im medialen Schatten von Horst Heldt gedrängt, oder ist das vielleicht sogar die Situation die ihn ohnehin in den nächsten Wochen und Monaten erwarten wird?

 

Der Auftakt gestern in Gelsenkirchen hat jedenfalls vielen Kritikern der Gelsenkirchener gezeigt, dass André Breitenreiter tatsächlich, bei aller Sympathie die sich der ehemalige Paderborn-Trainer sicherlich auch durch seinen kumpelhaften Auftritt gestern bei den Fans der Königsblauen verdient hat, in der Gefahr steht zu einer wenig durchsetzungsstarken Randfigur auf Schalke zu verkommen. Denn schon beim Auftakt seiner Amtszeit war er letztendlich fast nur eine Randfigur im aktuellen Schalker Theater.
Genau das ist es ja auch, was die Kritiker einem Horst Heldt vorwerfen, und für den wahren Grund halten, warum ein Marc Wilmots eben letztendlich, wie immer die genauen Abläufe dabei waren, vermutlich nicht nach Schalke heimgekehrt sein soll. Denn eine Persönlichkeit vom Format eines Marc Wilmots hätte sicherlich durch seine Durchsetzungskraft gar nicht erst zugelassen hier zu einer Art Randperson zu werden. Wilmots hätte das Heft des Handelns (und des Redens) mit hoher Wahrscheinlichkeit an sich genommen. Ganz im Gegenteil zum eher bescheiden und doch auch unübersehbar etwas aufgeregt wirkenden Breitenreiter.

Und genau dieser Unterschied der beiden Trainerkandidaten könnte Horst Heldt so ganz gut ins Anforderungsprofil für den neuen Schalke-Trainer gepasst haben…

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8 Kommentare zu “André Breitenreiter wird bei seiner eigenen Vorstellung auf Schalke fast zur Randfigur

  • #1
    weckenbrock

    Hallo Robin,

    Sie kleiden da etwas in den Mantel einer Analyse, das sich aus dieser PK aus meiner Sicht einfach nicht herauslesen lässt. Weil es so schön passen würde und weil HH so ein prima Opfer abgibt. Mein Senf dazu:

    (1) Es ist normal, dass bei einer PK nicht nur ein neuer Trainer was sagt, sondern auch derjenige, der ihn einstellt. Zumal dann, wenn Dinge gefragt werden, die er und nicht ein neuer Trainer beantworten kann.

    (2) Das Thema Marc Wilmots gehört aus meiner Sicht auch nur am Rande in diese PK. Es war nur so, dass drei belgische Journalisten es einzig auf dieses Thema abgesehen hatten. Ist doch klar, dass Heldt nach einer Antwort darauf verweist, dass es vor allem um den neuen Trainer und nicht um einen nicht gewählten Trainer gehen sollte. Auch klar, dass die Belgier nachhaken – aber das kann man HH nicht zum Vorwurf machen. Seine Erklärung, dass man sich mit mehreren Kandidaten unterhält und dann den besten mit dem besten Komzept auswählt, ist nachvollziehbar – das läuft in jedem Unternehmen, das eine freie Stelle hat, genauso ab. Wenn man Wilmots’ unprofessionelle Reaktion auf die Absage sieht, kann man nur froh sein, dass er es erst einmal nicht geworden ist. Das Thema hätte er nämlich auch so mit Heldt klären können. Und nicht über die Medienmaschine rumbellen, er habe sich ja gar nicht beworben.

    (3) Breitenreiter ist erst einmal durch die Geschäftstelle gelaufen und kennt Schalke bis dato nur aus der Ferne. Was soll er mehr beitragen als das, was er zum Gespräch beigetragen hat? Ich fand ihn gut und seinen Redeanteil angemessen. Hätte man ihn mehr gefragt, hätte er vielleicht auch noch mehr gesagt.

    (4) Sich jetzt für einen bodenständigen Trainer zu entscheiden, der mit jungen Leuten arbeiten kann und will, dessen Kernkompetenz sicher auch die Förderung von Teamgeist ist, der Spieler motiviert und zu neuen Höchstleistungen treiben kann, statt dass sie schlechter werden, ist doch genau richtig. Das sind die zentralen Mankos auf Schalke – und es ist ein Segen, dass der Verein das endlich eingesehen hat. Es brauchte Zeit und ein paar strategische Fehler, bis man das eingesehen hat. Jetzt ist es passiert: Gut, dass man auf Khedira und einen teuren Star-Trainer verzichtet hat.

    Schalke ist anders als viele andere Clubs. Es bleibt in gewisser Weise proletenhaft, es gibt Maulwürfe und so weiter. Das wissen auch die Presseleute. Daraus machen sie ihr News-Geschäft.

    Beste Grüße

  • #2
    leoluca

    Man sollte sich den Auftritt von Horst Heldt auf der PK nicht schön reden.

    Er sagte: "Bei den ganzen Gesprächen haben sich 2 Favoriten herauskristallisiert, Weinzierl und Breitenreiter".

    Gleichzeitig gibt er zu, dass man die Gespräche mit Breitenreiter erst am selben Tag begonnen habe, als Weinzierl absagte. Da waren schon 2 Wochen nach der Entlassung des vorherigen Trainers Di Matteo vergangen. Und statt ein klares Wort zu Wilmots zu sagen, eiert Heldt auch hier herum und mauert, als die Fragen unangenehm werden.

    Diese überforderte Kommunikation des Managers hat leider den Auftritt von André Breitenreiter beschädigt, der einen geerdeten Eindruck macht, eine offene Kommunikation führt und entschlossen und kompetent wirkt.

    Heldt hat einen Trainer Wilmots nicht gewollt, so viel steht fest, sonst hätte er sein ursprüngliches Angebot an Wilmots nachgebessert, das übrigens deutlich schlechter war als das vor einem Jahr, als man schon mal mit Wilmots verhandelte. HH wollte eine Lösung finden, die für den Verein heisst: weiter so. Wenn Wilmots äußert, man sei konzeptionell nur schwer zusammengekommen, deutet das an, dass Wilmots grundlegende Änderungen eingefordert hat. Das wäre m. E. auch dringend notwendig und Heldt hat sie nicht gewollt.

    Hinzu kommt: Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, die Verhandlungen mit Wilmots öffentlich zu kommunizieren statt ihn durch diesen Affront, diese Art der Absage gegen sich aufzubringen. Man hat die Beschädigung des Gesprächspartners mindestens billigend in Kauf genommen, um sich selbst nach dieser medialen Katastrophenwoche ins gute Licht zu rücken. Deshalb musste Heldt auf der PK herumdrucksen, deshalb fand er keine klaren Worte zu diesem Vorgang. Und ob die Schalker Führung damit jetzt wieder in einem besseren öffentlichen Licht steht, möchte ich bezweifeln. Die Vokabeln kennt man, die dann fallen: windig, unberechenbar. Ja, die bösen Medien.

  • #3
    Klaus Lohmann

    @ weckenbrock: "das läuft in jedem Unternehmen, das eine freie Stelle hat, genauso ab"

    Selbst (seriöse) Headhunter, denen man wohl kein öffentliches Lautsprech und höchste Diskretion nachsagt, sind nicht so bescheuert und lancieren falsche News über ihre Klienten, wenn diese eben nicht ernsthaft kontaktiert wurden. Das spricht sich in der Branche sehr schnell rum, genau so wie in der Profifußball-Branche Heldts Ruf durch solche Kinderspielchen seit Längerem ernsthaft ramponiert ist.

    Nach Schalke wird Heldt wohl eher in seinen "alten" Beruf zurückkehren müssen,und deshalb klammert er sich mit aller Macht und Intriganz an seinen Stuhl;-)

  • #4
    thomas weigle

    @ weckenbrock naja, ich habe gestern die PK der SGE gesehen. Also da war einer die Hauptperson, der neue alte Trainer und der Rest war Beiwerk, trotz eines anwesenden Schwergewichtes wie Heribert Bruchhagen.

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Wo Du gerade den Namen Armin Veh und die SGE ins Spiel bringst: Der konnte ja gestern sehr elegant darüber hinweggehen, dass er den Club vor einem Jahr ja mangels Perspektive auf eigenen Wunsch verlassen hat, nun aber, bei fast unveränderter Lage, offenbar frisch motiviert wieder genau dorthin zurückkehrt. Die 5-6 Mio. Euro mehr an Etat, welche er da gestern angeführt hat, wirken ja als Beweggrund eigentlich auch nicht gerade sehr überzeugend. Doch mit seiner offenen und witzigen Art sind er und Bruchhagen da gestern ja elegant aus der Sache herausgekommen. Bin auch da gespannt, wie die Sache in der neuen Saison laufen wird. Veh soll in Frankfurt ja auch nicht nur Freunde im Umfeld haben, wie man hört…

  • #6
    thomas weigle

    @ Robin Ich habe jedenfalls nicht verstanden, warum er wieder bei der Eintracht ist. Wie heißt es so schön: Ich habe noch Klärungsbedarf. Auch eine Umfrage des HR, der ja so was wie der Haussender der SGE ist, zeigte, dass die Hälfte der Befragten nicht mit der Rückkehr einverstanden ist, nur etwas unter 20& zeigten sich angetan. Das wird spannend, wenn kein halbwegs guter Start gelingt….

  • #7
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ich mag Veh und seine Art. Aber nachvollziehbar waren seine letzten Karriereschritte für mich auch nicht. Auch sein freiwilliges Ausscheiden beim VfB Stuttgart im Herbst hat ja viele Fragezeichen hinterlassen.

  • #8
    thomas weigle

    Geht mir auch so,@Robin. Wenn er im Jahr zuvor am Riederwald geblieben wäre und hätte ein ähnliches Ergebnis wie Schaaf eingefahren, hätten ihn die Fans in der Sänfte vom Waldstadion zum Riederwald getragen, denn bis zu seinem Weggang war er bei den Fans unbestritten ein Publikumserfolg. andererseits sind drei Jahre bei der SGE auch schon ein Ausrufezeichen gewesen, denn die einzige Unruhe um ihn, war die von ihm erwünschte Laufzeit der Verträge (1Jahr) und jeweils die Frage, ob er verlängert.

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