„Nazis im Knast – Wegsperren – und gut is‘?!“

Nazi-Demo im Saarlandstraßenquartier im Dezember 2010Das Dortmunder Antifa Bündnis (DAB)stellt sich heute Abend im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung die Frage, was mit Nazis passiert, wenn sie im Knast landen. Hier die Ankündigung:

Dutzende Überfälle auf die Hirsch-Q, Angriffe gegen das KulturHaus Taranta Babu, Parteibüros, ein Amoklauf gegen Polizeibeamte und der Mord an Mehmet Kubaşık durch den NSU – die Liste der Naziüberfälle in Dortmund ist lang. Eine effektive Strafverfolgung & Verurteilungen von Nazis findet bislang jedoch kaum statt. In den vergangenen Monaten hat das Dortmunder Antifa-Bündnis dies mehrfach aufgezeigt und kritisiert.

Nun kommt Bewegung in die Sache: In den nächsten Wochen und Monaten finden in Dortmund diverse Prozesse gegen Neonazis statt: Sven Kahlin, verurteilt zu sieben Jahren Jugendstrafe wegen Totschlags an dem 32-jährigen Punk Thomas Schulz, ist ein Jahr nach seiner vorzeitigen Haftentlassung und anschließender Crashtour wieder in der Untersuchungshaft gelandet und sieht sich weiteren Strafverfahren für diverse Gewaltdelikte gegenüber. Die Führungskader der Neonazikameradschaft „NW-

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bodo im März: Cartoons, Container, Handicaps – das Straßenmagazin im März

Heute erscheint die neue Ausgabe des Straßenmagazins bodo. Hier die Meldung der bodo-Redaktion, warum es sich auch im März lohnt bodo zu kaufen:

Im März-Heft des Straßenmagazins porträtiert bodo den Dortmunder Cartoonisten Ari Plikat, dessen Arbeiten in taz und Freitag, in Zitty und Titanic erscheinen.

Mit Kersten R. geht es nach Ladenschluss zum „Containern“. Der 53jährige versorgt sich aus den Mülltonnen der großen Supermärkte, um ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen. Zu diesem Thema besucht bodo den ersten Teil einer Veranstaltungsreihe zu Wegen aus
der „Plunder- und Plündergesellschaft“ und berichtet über Nahrungsmittelspekulation, „geplante Obsoleszenz“ und die „Biolücke“.

In Bochum besucht die Redaktion die „Toastmasters“, Angehörige einer weltweiten Vereinigung, die sich seit 1924 der Förderung der Kunst des öffentlichen Redens verschrieben hat. Im integrativen CAP-Supermarkt in Laer, der Menschen mit Behinderungen für den Arbeitsmarkt qualifiziert, macht die Redaktion einen Probeeinkauf.  

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Münster: „Keine Homezone für Nazis – ob in Parteien, freien Kräften oder am Stammtisch“

Am 3. März gibt es in Münster Proteste gegen eine Naziaufmarsch in der Stadt, am Tag zuvor eine Vorabenddemo in Hamm. Wir dokumentieren eine Aufruf der Antifa Münster

Für den 03. März kündigt eine kleine Gruppe Nazis, die sich selbst „Nationale Sozialisten Münster“ nennt, einen Aufmarsch durch Münster an.  Bereits 2006 konnten durch Blockaden von Anwohner_innen und antifaschistischen Initiativen die Nazis daran gehindert werden, durch Münster zu spuken. Beide Male hatte es sich nach wenigen Metern ausmarschiert.

In Münster bestehen gute antifaschistische Strukturen und zivilgesellschaftliche Initiativen, die es den Nazis bislang unmöglich gemacht hat, sich zu etablieren. Das soll auch in Zukunft so bleiben!

Die münsteraner Nazis waren immer auf Hilfe von außerhalb angewiesen, die sie vor allem von der

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Das geht doch nie wieder weg…

Von außen sieht das Gebäude nicht besonders beeindruckend aus, Nachkriegsbau, wie in Hagen üblich, Waschbetonfassade, vierstöckig mit Ladenlokal im Erdgeschoß. Auf der großen Glasscheibe, die durch Lamellenvorhänge aus Siebzigerjahre-Arztpraxen gegen neugierige Blicke abgeschirmt wird, prangt in großen, roten Lettern der Schriftzug „Tattoo & Bodypiercing“. Auf dem Weg zum Ganzkörper-Tattoo. Von unserem Gastautor Sascha Bisley.

Wir schreiben das Jahr 1990. Zu dieser Zeit war ein solches Schaufenster noch eine echte Rarität und veranlasste viele Stadtbummler ihre Nase daran platt zu drücken um eine kleine, visuelle Kostprobe der dunklen Seite der Macht zu erhaschen. Eine Zeit ohne Mobilfunkgeräte für Jedermann, ohne „DSDS“ und „Next Top Model“. Eine Zeit, in der Facebook belächelt und ein Alkopop für einen Lutscher mit Fanta-Korn Geschmack gehalten worden wäre. Goldene Zeiten.

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Grüne: Das große Schweigen in Düsseldorf

Wenn man in eine Partei eintritt, dann ist nicht alles eitel Sonnenschein. Eine Binsenweisheit, klar. Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten gehören irgendwie dazu, können ja auch Spaß machen und die eigene Meinung weiterentwickeln helfen. Unser Gastautor Robin  Patzwaldt ist Mitglied von Bündnis90/Die Grünen in Waltrop.

Doch was schon mir als einfachem Basisgrünen klar ist, dass sollte der Parteispitze doch eigentlich erstrecht klar sein, oder? Ich bin mir da jüngst nicht mehr so sicher.

In den nun knapp zwei Jahren meiner Parteizugehörigkeit habe ich viel Kritik an Entwicklungen in ‚meiner‘ Partei geübt, habe mich für die Einhaltung von konkreten Wahlversprechen eingesetzt. Manchmal mochte ich gar nicht glauben, wie merkwürdig sich unsere Landessspitze mit Regierungsverantwortung plötzlich  in vor der Wahl noch ziemlich zentralen Punkten plötzlich verhielt. Plötzlich war man nicht zuständig, zeigte auf Gerichte und auf die Vorgängerregierung statt selber das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, oder es zumindest ernsthaft zu versuchen.

Also begann ich, zusammen mit Mitgliedern meines Waltroper  OVs diese Dinge intern und auch öffentlich zu kritisieren.

Das dies wohl nicht gerade auf Begeisterung bei unseren Parteikollegen in Essen (RVR) und Düsseldorf (Landesgrüne) stieß nahm ich dabei gerne in Kauf, wollte ich doch auch noch am nächsten Morgen erhobenen

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Staatsakt: „Die Nazi-Opfer wurden ermordet, weil sie Migranten waren“

Heinz Buschkowsky Foto: Felgentreu_Buschkowsky.JPG: David Wintzer Lizenz: GNU ab 1.2 /CC

In Berlin ist gestern der Opfer des Rechtsterrorismus in Deutschland gedacht worden. Während bei dem Staatsakt würdige Reden gehalten wurden, meldete sich danach Neuköllns Bürgermeister Buschkowsky medial zu Wort. Und selbst an dem Tag, an dem der Toten des Neonazi-Terrors gedacht wurde, musste er über sein Paradethema referieren: die angeblichen Versäumnisse der Migranten bei der Integration. Von publikative.org

Im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt hat die zentrale Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer rechtsextremistischer Gewalt stattgefunden. Bundeskanzlerin Merkel bat die Familien der Opfer um Verzeihung, sie entschuldigte sich für falsche Verdächtigungen durch die Ermittlungsbehörden. Viele Angehörige seien über Jahre hinweg selbst im Visier der Sicherheitsbehörden gewesen. “Diese Jahre müssen für sie ein Albtraum gewesen sein”, sagte Merkel. Die Morde seien “eine Schande für unser Land”. Besonders beeindruckend waren zudem die Reden der Angehörigen der Opfer.

Weniger beeindruckend war der Auftritt von Heinz Buschkowsky. In der ARD betonte der Neuköllner Bürgermeister nach der Trauerfeier, es gebe ja auch viele Probleme bei der Integration, so könnten mehr als 70 Prozent der Erstklässler mit Migrationshintergrund in Neukölln kein Deutsch. Später war zudem noch von gefährlichen Parallelgesellschaften die Rede. Was genau das Ganze mit der rassistischen Mordserie und dem Gedenken an die Opfer zu tun hat? Schwer zu sagen. Haben die Migranten vielleicht ein bisschen selbst schuld, weil sie sich angeblich nicht gut benehmen? Und was sollte Buschkowsky eigentlich zum Thema Rechtsterrorismus beitragen? Warum stand da kein Fachmann für

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Griechenland: Aus dem Leben eines kretischen Schulbusfahrers

Haus in Paleochora Foto: Reinhold Karn Lizenz: GNU ab 1.1/CC

Wie trifft die Krise die  einfachen Menschen in Griechenland? Ein Gastbeitrag von Susanne Krueger, Radio Kreta, Paleochora

Ein Abend im Oktober 2011. Gemeindeversammlung in einem südwestkretischen Dorf, alle sind da. Thema: die Krise und ihre Auswirkungen auf die Gemeinde und ihr Budget Der Bürgermeister verkündet eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Kürzungen hier, Abstriche da, kein Geld mehr für Leistungen, wie z.B. den örtlichen Schulbus. Unser kleines Dorf im Südwesten Kretas hat zwar nur knapp 2.000 Einwohner, dafür aber eine Grund- und Hauptschule, sowie ein Gymnasium. Und auf diese Schulen gehen auch viele Kinder aus den umliegenden Dörfern. Diese wurden bis dato vom gemeindeeigenen Schulbus zur Schule und wieder nach Hause gebracht. Doch dafür war im Oktober 2011 kein Geld mehr da. Ein Raunen ging durch die Menge, denn dass hiergegen etwas unternommen werden musste, war klar.

Auch die Einwohner unseres kleinen kretischen Dorfes kennen keinen Spaß, wenn es um das Wohl und die Bildung ihrer Kinder geht. Fazit: „Das geht gar nicht! Wenn die Gemeinde (also die Politik) das nicht mehr leisten kann, machen wir das halt selbst – wie so vieles.“ Der Bürgermeister beschwichtigte, dass das ja nur eine Übergangssituation sei, aber, „ja, ähm, ob nicht eventuell… hmmmm…. Manoli, du hast doch so ́nen Bus, ob du nicht vielleicht…?“ Und nun kommt unser Protagonist Manolis, bürgerlich Emmanouil L.* ins Spiel. Selbst passionierter Familienvater (3 kleine Kinder, 2 davon

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Dortmunder U: Ernstfall Besucher!

Honke Rambow hat das Dortmunder U besucht. Und dem  Kreativzentrum einen Brief geschrieben…

Liebes Dortmunder U,

du machst mich traurig. Es ist ja ok, dass der Platz vor dir gerade wieder aufgerissen wird und man irgendwo durch einen Hintereingang gehen muss. So kommt man wenigstens drum herum, die gesprungenen Fensterscheiben deines Haupteinganges sehen zu müssen.

Und ja, wir verstehen, dass du innen scheiße aussiehst, wenn nur fünf Besucher da sind. Dann sieht man halt jede Schlampigkeit am Bau, jeden Fleck an der Wand und auch die ganzen anderen gesprungenen Scheiben in allen Etagen. Aber wäre es nicht schön, wenn nicht überall mit Tesafilm Schilder an die Türen gepappt wären, die einem den Eingang verwehren, sondern lieber mal irgendwo ein Schild wäre, dass mir anzeigt, wo ich hingehen kann? Und wäre es nicht schön, wenn im Fahrstuhl die Schutzfolie von der Wand entfernt wäre.

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Kein Grund zur Aufregung: Die Gauck-Debatte in den sozialen Netzwerken

Joachim Gauck Foto: J. Patrick Fischer Lizenz: CC 3.0 via Wikipedia

Nach dem Shitstorm kommt der Gegensturm: Was wird der „Netzgemeinde“ nicht alles vorgeworfen, nachdem sie auf die große Gauck-Koalition damit reagierte, die Kritik an dem Bundespräsidenten in spe erneut pointiert vorzutragen. Von unserem Gastautor Rolf van Raden.

Ganz unvermittelt und „plötzlich“ sei im Netz eine „Mär vom bösen Gauck“ erfunden worden, beschwert sich etwa Christian Jakubetz bei Cicero online. Ober-Blogger Sascha Lobo rümpft dagegen auf Spiegel Online die Nase: „Die deutschsprachige, digitale Öffentlichkeit – Netzgemeinde wie Online-Medien – muss sich in Teilen einen Vorwurf machen lassen, den sie mit Vorliebe Dritten vorhält: mangelnde Online-Kompetenz.“ Dabei verweist Lobo auf die Recherchen von Patrick Breitenbach im Blog der Karlshochschule Karlsruhe, die angebliche Unwahrheiten und Verkürzungen von Gauck-Zitaten belegen sollen. Viel Aufregung um ein kurzweiliges Netz-Phänomen, die aus zwei Gründen problematisch ist: Erstens weil sie zugespitzte und zuweilen polemische Meinungsäußerungen in den sozialen Medien unbotmäßig überhöht, und zweitens, weil sie dazu geeignet ist, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Klar, es klingt dramatisch: Erst wollten ihn alle haben. Und jetzt, wo Merkel und Co. dem Volke endlich Gauck geben, kommen diese Internet-Miesepeter aus ihren Löchern und machen uns alles madig. Wie soll da noch eine Demokratie funktionieren, wenn selbst ein Publikumsliebling wie Gauck unmittelbar nach seiner Nominierung aus heiterem

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Karneval – oder die Vertreibung der Bitch aus ihrem letzten Domizil

Genau vor einem Jahr,  am Rosenmontag 2011,  habe ich Chantal und Jasmin allein unter Vielen auf dem Vorsprung eines Karnevalsbrunnens hocken sehen. Von unserer Gastautorin  Anne Winterhager.

Zwei „ganz besondere junge Frauen“, die sich dagegen entschieden haben ihr eigenes Gemüse anzupflanzen und immer vernünftig zu sein, – die sich vielleicht sogar aktiv dagegen entschieden haben sauber zu sein, an diesem Tag.

Zwei Hasen, die alles andere als niedlich sind: Rosa Ohren, Feinstrumpfhose glatt wie eine Schlittschuhbahn, garantiert ohne besondere Bildung und ultra betrunken – Objekte der Begierde für tausende Jungen und Männer – in den 90gern und frühen 2000ern zumindest.

Aber was ist heute?

Heute guckt die männliche Teenagerwelt in ihrem Prinzessinnenkleidern an den zwei Bitches  vorbei, arrogant und herablassend, durch eine geföhnte Haarsträhne und ein riesiges Brillengestell hindurch,  mit einem verschwörerischen Augenzwinkern zu den Mädchen mit den hellbrauen, glatten Haaren aus ihrer Klasse am Humboldt-Gymnasium.

Ihre ewigen Retterinnen und besten Freundinnen, die so vernünftig sind, dass sie immer bereit stehen einen besoffenen Jungen mit Spucke im Haar in ihrem Fiat Punto nach Hause zu fahren..

Und Jasmin und Chantal, diese aufregenden Personen, verlieren an diesem Tag jeden Mann der ihnen gefällt an diese schlimmen, schlimmen Frauen mit den idiotischen Bienchenfühlern und dem kreisrunden, gelben Fleck auf der Nase.

Traurig und ungerecht. In diesem Sinne: Helau und Alaaf.