Mutterglück und anderer Wahnsinn 4: Die Schwangerschaftsfee

Take the Fair Face of Woman, and Gently Suspending, With Butterflies, Flowers, and Jewels Attending, Thus Your Fairy is Made of Most Beautiful Things von Sophie Gengembre Anderson (1823–1903)

Ja, wir werden die Antwort auf alle unsere Fragen im Internet finden. Dachte ich. Und lag total daneben.Versucht man Informationen auf diese Weise zu bekommen, dann steht man letztlich mit einem Informationsoverkill und tausend weiteren Fragen da und ist zudem noch schwer verunsichert. Und fühlt sich gleich doppelt alleine. Fazit: Nicht alle Schwangerschaftsforen sind sinnvoll. Okay, es muss doch irgendein schwangeres Paar in meinem Freundeskreis geben, bei dem ich mal nachfragen kann. Dachte ich. Und lag erneut total daneben. Niemand erwartete ein Kind.  Von unserer Gastautorin  Nina Ryschawy.

Logischerweise mussten ja die Frauen meiner Familie mit der Materie bekannt sein, also fragte ich da. Meistgehörte Antwort: „Das ist alles schon so lange her, ich weiß nicht mehr genau“.

Umpf.

Also munter hinein in die nächste Buchhandlung. Als ich vor dem Regal mit den Schwangerschaftsratgebern stand, blieb mir die

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Schrott der Engel. Gedanken zu LA.

Sascha Bisley
Sascha Bisley

So hatte ich mir das gar nicht vorgestellt. Es ist riesig, heiß und stickig, ja, aber irgendwie auch gar nicht so wie erwartet. Erwartungen hatte ich ja nicht besonders viele, Los Angeles jedoch hatte ich mir anders vorgestellt. Irgendwie dreckiger, lauter und auf den ersten Blick auch gefährlicher.

von unserem Gastautoren: Sascha Bisley

Vor ein paar Stunden war ich noch in Iserlohn, das hat mir mehr Angst gemacht. Nun stehe ich am Ausgang des LAX, ein Flughafen mit eigener Postleitzahl, warte auf mein Taxi und weiß gar nicht wo ich hin will. Ich habe weder ein Hotel noch eine Ahnung wie ich in dem besoffenen Kopp überhaupt eine annehmbare Entscheidung treffen könnte. Delta Airways ist schmuddelig und die Flugbegleiterinnen sind extrem hässlich. Vielleicht nicht immer. Bei meinem Flug schon. Aber diese Fluglinie verfügt über einen schier unerschöpflichen Vorrat an hervorragenden Weinen. Ich bin mir sicher, daß noch Wein da war als er mir verweigert wurde. Ein schroffes „Sie haben genug!“ machte meine Pläne, den Rekord für „die größte von einer Einzelperson getrunkene Menge Wein während eines Fluges“ zunichte.
Als ich auf den Mülleimer mit integriertem Aschenbecher zugehe, muß ich

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Piraten: „Mehr persönliche Freiheit und Demokratie“

Die nächsten Jahre werden für die weitere Entwicklung der Gesellschaft entscheidend sein.  Der Wandel zur Informationsgesellschaft führt zu zahlreichen neuen Perspektiven und Chancen. Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten stellen die Menschen vor große Herausforderungen, bieten jedoch auch die Möglichkeit, den weltweiten Fortschritt regional für mehr persönliche Freiheit und Demokratie einzusetzen. Diesen Prozess möchten wir in NRW aktiv mitgestalten. Die drei folgenden Schwerpunkte habe ich mir für ein mögliches Landtagsmandat gesetzt. Unsere Gastautorin Monika Pieper kandidiert auf Listenplatz 9 bei der Piratenpartei für den Landtag NRW.

Mir ist eine starke Bürgerbeteiligung in der Politik wichtig. Vor der Bürgerbeteiligung steht die Bürgerinformation. Wir möchten die klassische repräsentative Politik durch möglichst viele Elemente der direkten Demokratie ergänzen. Damit das sinnvoll möglich ist, sollten zuerst informelle Hierarchien abgebaut werden. Die Bürger müssen die Chance haben, sich umfassend über Vorgänge und Zusammenhänge in der Politik und Verwaltung zu informieren, um dann mitentscheiden zu können. Während es in anderen Ländern, wie z.B. den USA oder England, seit langer Zeit selbstverständlich ist, Daten der kommunalen und landesweiten Verwaltung zu veröffentlichen, stehen wir in Deutschland, und auch im zukunftsorientierten NRW, erst am Anfang dieses Wandels.

In vielen Kommunen liegen die Daten bisher nur in Papierform vor. Die ersten Kommunen beginnen zwar damit, ihre Haushaltspläne in maschinenlesbarer Form im Internet zu veröffentlichen, diese Daten werden jedoch meistens nur als schlecht aufbereitete Datenknäuel zur Verfügung gestellt. Gerade hier muss ein Umdenken in den Kommunen stattfinden. Es ist wichtig, den Bürgern die Daten endlich flächendeckend übersichtlich und verständlich zur Verfügung zu stellen.

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Mutterglück und anderer Wahnsinn 3: Der Arzt und die große Liebe

Nun war der Schwangerschaftstest also positiv, die Familie eingeweiht. Jetzt fehlte nur noch die Bestätigung des Arztes. Und selbst wenn man sich über ein „Ja, sie sind definitiv schwanger,“ freuen würde, spielt auch die Angst mit hinein. Die Angst, dass man vielleicht doch nicht schwanger ist. Dann die Angst, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte.  Von unserer Gastautorin Nina Ryschawy.

Hinzu kommt noch eine große Verwirrung.

Am Tag nach der großen Eröffnung ging es dann also zum Arzt. Partner Hpunkt liess mich zu keiner Sekunde alleine. Ohne ihn hätte ich das auch schlecht geschafft.

Wir warteten lange denn wir hatten keinen Termin. Wurden dann nach Hause geschickt, man würde uns benachrichtigen wenn der Arzt Zeit hätte. Gerade zu Hause angekommen klingelte auch schon das Telefon und wir machten uns auf den Weg zurück in die Praxis.

Da sitzt man dann, wartet auf das Unmögliche und der Arzt bringt nach der Eröffnung, dass wir einen positiven Schwangerschaftstest hatten nicht etwa Jubelstürme hervor, sondern ein ganz nüchternes „Dann schauen wir mal!“ Versteh einer die Welt.

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Piratenpartei NRW: Urheberrecht und Eigentum

Kaum sind die Piraten voll auf der politischen Bühne aufgeschlagen, donnert das Mediengewitter: Erst die 51 Tatort-Autoren, jetzt eine Publikation des Handelsblattes mit dem vorgeblichen Ziel, Kreative und ihren kulturellen Beitrag zu schützen. Von unserem Gastautor Sebastian Kreutz, Piratenpartei NRW.
Leider ist der Text derart von inhaltlichen Fehlern und falschen Grundannahmen durchsetzt, dass er den Stand der Diskussion um das Urheberrecht um Jahre zurückwirft. Bereits die ersten zwei Sätze enthalten drei Fehler; es gelingt dem Autoren noch nicht einmal, den Namen einer Partei richtig zu schreiben, die in Umfragen bei 12% angesiedelt ist. Ist Recherche heutzutage wirklich so schwierig?
Auf die zahlreichen falschen Grundannahmen will ich nachfolgend eingehen, denn hier gibt es einigen Klärungsbedarf, insbesondere in Bezug auf die Urheber. Bei der inhaltlichen Qualität stellt man sich allerdings die Frage, welchen Zweck eine derartige Publikation verfolgt. Wie netzpolitik.org aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben will, sei dies nur der Anfang einer geplanten und gesteuerten Kampagne [1].
Unabhängig von der Qualität solcher Publikationen sollten wir uns mit deren Inhalt beschäftigen. Schließlich hat sich die Piratenpartei 2006 nicht zuletzt auch deswegen gegründet, um dem fortlaufenden Verfall und Missbrauch des Urheberrechts entgegenzutreten.
Ich selbst bin seit acht Jahren in der Kreativbranche tätig, habe Grafik- und Gamedesign studiert und sowohl innerhalb größerer und kleinerer Kreativbetriebe als auch als freier Autor gearbeitet. Ich habe viele Facetten des Umgangs mit kreativen Leistungen erlebt und genau diese Erfahrungen brachten mich letztlich – wie viele andere Musiker, Autoren, Programmierer und Designer – zur Piratenpartei. Folgt man den Ausführungen des Handelsblattes, müsste ich verrückt sein, denn angeblich will die Piratenpartei ja das „Recht auf geistiges Eigentum abschaffen“ [2].
 
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Mutterglück und anderer Wahnsinn 2: Das Elterntribunal

Den restlichen Tag verbrachte ich leicht abwesend. Für mich stand fest, dass Partner Hpunkt und ich nach dem positiven Schwangerschaftstest alles irgendwie schaffen würden. Ich dachte über mich als Mutter nach, ließ die Gedanken in Richtung kleine Strampler, Schlafentzug, Mutterglück schweifen. Und dann krachte es förmlich. Meine Eltern!!! Von unserer Gastautorin Nina Ryschawy.

 

Ich denke, jeder kennt noch das Gefühl: Man ist noch Kind, hat etwas verbrochen und soll es nun den Eltern beichten. Ein Grummeln in der Magengegend, das Herz wird einem schwer.

Ich wußte nicht, das so ein Gefühl im Alter von 34 Jahren noch einmal zurückkehren konnte.

Und der Zeitpunkt war für eine Beichte in meinen Augen denkbarst schlecht. Es war der 22. Dezember, meine Eltern wirbelten durch die Gegend um alles für das Fest herzurichten. Die Familie hatte sich schließlich angesagt. Sollte ich also meinen Verdacht in Worte gekleidet wie „Ähm, Mama…Papa…wir haben da…also…da gab es…Test…wahrscheinlich schwanger…“ noch vor dem Fest kundtun? Oder wäre es sinniger, bis nach den Feiertagen zu warten?

Nun muss man wissen, dass ich meinen Eltern gegenüber noch nie Geheimnisse wahren konnte. Ich sah mich schon selbst an der Festtagstafel sitzen, unruhig, mit hektischem Blick. Und meine Mutter hat einen siebten Sinn. Sie sieht es mir

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Piraten und Bildung: Vom Menschenbild zum Bildungsziel

 

Birgit Rydlewski Foto. Privat

Unser Leben individuell zu gestalten war noch nie so leicht wie heute. Von unserer Gastautorin Birgit Rydlewski. Birgit Rydlewski kandidiert auf Listenplatz 9 bei der Piratenpartei für den Landtag.

Ob wir uns Pasta zu Abend kochen, Basmati-Reis oder Kartoffeln, hängt  nicht mehr davon ab, ob wir in Italien, Indien oder Deutschland leben. Wen wir lieben und mit wem wir zusammenleben wollen, entscheiden wir selbst und nicht mehr unsere Eltern. Und welche Bücher wir lesen, wo wir uns über die Neuigkeiten der Welt informieren, aus welchen Quellen wir unser Wissen suchen, liegt nicht mehr daran, was der Mönch aus dem Nachbarkloster gerade abschreibt.

Doch ausgerechnet unsere Bildung wird vorherbestimmt wie vor hundert

Jahren. Die Art und Weise, jungen Menschen das Wissen der Welt nahezubringen, hat sich nicht geändert. Und das, wo sich die Welt (metaphorisch, nicht tatsächlich)  immer schneller dreht, wo dieses Wissen sich in seiner

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Mutterglück und anderer Wahnsinn

Schematische Darstellung der Funktionsweise eines Schwangerschaftstests Urheber: Martin Brändli - geändert von Klaus Hoffmeier Lizenz: Creative Commons Attribution Share alike

Es gibt Momente im Leben. Solche und solche. Momente auf die man sich vorbereiten kann, Momente die doch nicht eintreten, was in manchen Fällen gut so ist. Momente die einen mit Glück erfüllen. Und Momente, die einen so dumm dastehen lassen wie noch nie zuvor. Unvorbereitet treffen sie einen, und alles andere verliert die Bedeutung. Der Boden klappt unter einem weg und man braucht sehr lange, bis man sich wieder bewegen kann. Von unserer Gastautorin Nina Ryschawy.

So ging es mir, als ich das Teststäbchen mit den zwei rosa Streifen in der Hand hielt. Vor lauter Adrenalin im Kopf war ich nicht in der Lage irgendwie zu reagieren. Mein Gehirn hatte sich zum Selbstschutz auf das Niveau von Kleinstlebewesen heruntergefahren.

Gedankengang: „Waaaaa…? Ögl. Äh…Puh. Hm??? Das Ding muss kaputt sein.“

Lange Zeit nichts mehr. Schreckensstarr saß ich auf dem Küchenstuhl und versuchte irgendwie zu denken. Naja, solche Tests brauchen in der Regel

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Gedichtband von Nina Ryschawy

Schon ein paar Mal hat Nina Ryschawy als Gastautorin Texte auf den Ruhrbaronen veröffentlicht. Nun hat sie einen Gedichtband herausgegeben. Eine Leseprobe:

Eretz Israel

Land Israel

Reise

zurück in mein geliebtes gelobtes Land

dort wo ich lerne

lebe und spüre

die Umgebung schmecke

 

Die ewige Zeit die hier tickt

und die Menschen

getragen durch Stürme

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Quo vadis DFB?

Sie kamen aus Frankfurt, sie kamen aus Hessen – und das Aussperren von Fans kann der DFB künftig wohl vergessen. Zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit reisten am Montag Abend auswärtige Fans in großer Zahl zu einem Spiel an, zu dem sie offiziell nicht zugelassen waren – mit tatkräftiger Unterstützung der Heimfans, die der oftmals hohlen Phrase von Solidarität als Waffe neues Leben einhauchten.  Von unserem Gastautor Andrej Reisin/Publikative

Egal, ob es 500 oder 1.500 waren, sie waren viele, sie waren laut und sie waren unübersehbar: Letzte Woche zeigten sich Dynamo-Dresden-Anhänger trotz Verbots ungeniert bei der Frankfurter Eintracht, gestern wiederum reisten diejenigen, die nach eigenem Bekunden den Adler im Herzen tragen, nach Berlin, wo sie von einer großen Anzahl Unioner mit offenen Armen empfangen wurden. Verbrüderungsszenen, “Scheiß DFB”-Wechselgesänge und Ähnliches mehr waren die Folge.

Selbst die Fernseh-Kollegen, die anfangs noch über die Frankfurter Randalebrüder schimpfen wollten, kamen am Ende nicht umhin, der Faszination des verbotenen, aber umso

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