Friedensforscher Johan Galtung ist in der neuen Mitte Tübingens gut angekommen

Johann Galtung Foto: David Lisbona/cc/Wikipedia

Die Friedensstadt Tübingen sucht nach Verbündeten. Und lässt den Friedensforscher Johan Galtung hetzen. Man sollte das Angebot Tübingens großzügig ablehnen. Von unserem Gastautor Anton Brenner

Tübingen am 16. Juli 2011. Johan Galtung spricht auf dem Tübinger Marktplatz. Das Schwäbische Tagblatt berichtet am 18. Juli 2011 über Galtungs Rede, die mit großem Beifall bedacht wurde:

Oberbürgermeister Boris Palmer begrüßte die „Friedensstadt“. Tübingen zeichne sich auch dadurch aus, „dass die Menschen hier für andere Menschen einstehen“, so Palmer. Sein Folgeredner, der norwegische Friedensforscher Johan Galtung, kritisierte die westliche Außenpolitik, besonders die der Vereinigten Staaten: „Die USA haben seit 1805 weltweit 17 bis 20 Millionen Menschen getötet, das sind viel mehr als Hitler, wenn auch in einem größeren Zeitraum“, sagte der 80-jährige Träger des Alternativen Nobelpreises. Deutschland sei „Teil des US-Imperialismus“, fügte er an. „Der Herr Deutschlands sitzt seit 1945 in Washington und der heilige Geist ist die Nato.“ Auch Galtung betonte die wachsende Bedeutung von Städten bei Friedensinitiativen weltweit und appellierte an Palmer: „Verbünden Sie sich mit anderen Städten!“

Das führte zu unterschiedlichen Reaktionen. Nach der Zeitungslektüre schrieb ich an das Schwäbische Tagblatt, an Boris Palmer und an die Linke:

Nach Johan Galtung war die deutsche 68-er Bewegung „eine Unabhängigkeitsbewegung“ des teutonischen Denkstils gegen den angelsächsischen (Leviathan 3,83). Das greift die Neue Rechte freudig auf. Horst Mahler (NPD, früher SDS) schrieb 1998: „In der 68er Bewegung sind zwei

Continue Reading

Umstandslose Antiimperialisten

Chris Sedlmair wie er sich selbst gerne sieht: Der Liquidator aus Dachau.

 

Wie geht die Linkspartei mit Antisemitismus und autoritären Omnipotenzphantasien um? Ein Gastbeitrag von Haskala Bayern.

Unter dem Titel „Mutmaßliches Linke-Mitglied posiert mit Waffen und droht gegen Zionisten“ hat der Journalist Patrick Gensing in seinem bekannten Blog NPD-Blog.info ein Thema aufgegriffen, dass die bayerische Linke konsequenzlos seit Jahren toleriert. Auch wir hatten bereits darüber berichtet.

Das Blog „Lafontaines Linke“ berichtete: “ dass „eine Gruppe von Linkspartei-Mitgliedern aus Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern“ gegen zwei Mitglieder der Linken Parteiausschluss-Anträge vorbereitet. Das Magazin nennt die beiden „westdeutsche Sektierer“, es soll sich um den Duisburger Ratsherren Hermann Dierkes und Chris Sedlmair aus Dachau handeln.

Zumindest der Ausschlussantrag gegen Dierkes ist wohl vom Tisch, wie das Blog „Ruhrbarone“ berichtet:

“Nach Auskunft von Katharina Schwabedissen, der Landessprecherin der Linkspartei in NRW, wird es kein Parteiverfahren gegen Hermann Dierkes geben: ‘Der Antragsteller hat seinen Antrag zurückgezogen.’ Nach Informationen dieses Blogs wurde er zudem für seine Vorgehensweise gerügt. Über den Inhalt einer Aussprache mit Dierkes sei zudem Stillschweigen vereinbart worden.“

Gensing weiter:

„Der Israel-Hasser Sedlmair äußert sich zudem weiter zur Strategie der Linkspartei. So kommentierte er erst am 25. Juli 2011 einen Artikel auf “Lafontaines Linke” – und forderte einen “3. Weg”:

Continue Reading

Update II: Hausbesetzung Kölner Südstadt – Moselstr.8 ist geräumt

In Köln ist es am Wochenende zur zweiten Hausbesetzung innerhalb von 18 Monaten gekommen.

Update 10.39: Gerade via Twitter: moselstr. 8 ist geräumt! Personalien wurden festgestellt etc. startet Soli Aktionen! lasst euch nicht unter kriegen!

Auch der Kölner Stadtanzeiger berichtet.

Update 8.15 Uhr: Der Kölner Stadtanzeiger meldet, das die Räumung des am Samstag besetzten Hauses gerade beginnt. Das Haus ist umstellt. Vor drei Stunden hatten die Besetzer via Twitter gemeldet, dass sich die Polizei bereits musikalisch auf die Räumung eingestellt hat: In der Nacht wurden die Nationalhymne und „Spiel mir das Lied vom Tod“ über Lautsprecher gespielt.

Seit Samstag nacht hält eine Gruppe von AktivistInnen im Rahmen der Kampagne „Squat a lot“ in der Moselstraße 8 ein Wohnhaus besetzt. In einem Kommuniqué erklären die BesetzerInnen ihre Ziele.

Wir wollen nicht funktionieren, wir wollen leben!

Mit der Bestzung der Moselstraße wollen wir einen Raum abseits dieser kapitalistischen Verwertungslogik erschaffen. Wir wollen hier selbstverwaltet und emanzipatorisch zusammen leben, möglichst frei von gesellschaftlichen Zwängen und Diskriminierung jeder Art. Es soll ein Raum für kulturelle, soziale und vor allem kollektive Vernetzung entstehen, wo sich jeder Mensch nach seinen Interessen einbringen kann und soll, z.B. durch Workshops, Kunst, Kochen, Infocafés usw. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Continue Reading
Werbung
Werbung


Glückauf, Viktor! – Nachruf auf Viktor Seroneit

Von links nach rechts: Peter Schnell, Viktor Seroneit, Andrea Held, Janina Krüger. Foto: Ehrenamt Agentur Essen e.V.

Pils, Kölsch und Altbier zusammenzuschütten, das muss man sich erst mal trauen. Bei seinem 200. Stammtisch im Juni im PlakatKunstHof in Essen-Rüttenscheid hat Viktor Seroneit spaßeshalber „PiAKö“ serviert, Nordrhein-Westfalen und seiner NRW-Ministerpräsidentin zu Ehren. Es ist Viktors letzter Stammtisch gewesen. Essen und die Ruhrstadt haben eine einzigartige Persönlichkeit verloren. Von unserem Gastautor Uwe Knüpfer

Wenn es jemandem gelang, PiAKö als fast trinkbar zu verkaufen, dann Viktor. Er war, was man heute einen begnadeten Netzwerker nennt. Er brachte zusammen, was zusammengehört – und manchmal auch, was oder wer eigentlich nichts miteinander zu tun haben will.

Es wird wahrlich nicht wenig geredet und „getalkt“ im Ruhrgebiet. Mit Vorliebe aneinander vorbei oder übereinander her. Die Stammtisch-Zusammenkünfte in Viktors Rüttenscheider Hinterhof sind anders gewesen. Allein schon wegen der Enge konnten sich hier Künstler und Banker, Kreative und Verwalter, Schreiber und

Continue Reading

Das sind Geschichten

Die größte Werberdichte, die größten Dichten der Erfolgreichen, die größte Dichtung ihrer Selbst breitet sich in der Werbehauptstadt Düsseldorf aus. Ich war zufällig dabei. Oder auch fern. Von unserem Gastautor Thomas Meiser

Wiewohl mich Werber nicht interessieren, sondern nur Kumpels. Und eine Kumpeline. Mit denen traf ich mich. Wie jedes Jahr. Auf der Oberkassler Kirmes Eine literarisch angelegte Studie. Mit Zitaten von Peter Hein, demGott der Fehlfarben.

Der Text ist sehr nahedran, aber schlicht Prosa.

Karla mal wieder völlig besoffen angekommen. Der berühmten Goldschmiedin mangelt wohl es an Mikrokoodination. Taxi gut, sagt sie.

Continue Reading

Kämpft gegen die Netz-Moloche!

Amazon Kindle Foto: Franz Wegener

Web-Konzerne bestimmen, welche Programme Besitzer auf ihre Smartphones laden und welche Bücher sie auf ihren Lesegeräten behalten dürfen. Richard Stallman, Aktivist für freie Software, ruft zum Widerstand auf: Wer Freiheit und Privatsphäre will, muss gegen den Strom schwimmen.

Tim Berners-Lee hat das World Wide Web ab 1990 für den weltweiten Austausch von Informationen entwickelt, am 6. August 1991 gab er es zur allgemeinen Benutzung frei. Langsam verwandelt es sich aber in ein System der ausgelagerten Datenverarbeitung, ein System des „Remote Computing“. Es speichert Daten von Nutzern und Daten über Nutzer, auf die der Nutzer selbst nicht zugreifen kann – die US-Bundespolizei FBI aber jederzeit. Das Netz übernimmt die Datenverarbeitung, der Nutzer gibt die Kontrolle darüber ab. Dieses neue Web ist voller Verlockungen – doch wir müssen ihnen widerstehen.

Continue Reading
Werbung
Werbung


Berlin im Sommer: Unser Eisdielen-Check

Wir haben es gut am Prenzlauer Berg. Zumindest im Sommer. In den letzten Jahren haben viele Eisdielen aufgemacht. Und wenn mein ältester Sohn quengelt, „Mama, Kann ich ein Eis haben?“ Und der kleine sofort „Ich auch“ nachlegt, dann kann ich schnell sagen: „Na gut“ und dabei noch extrem gönnerhaft wirken, indem ich ein „ausnahmsweise“ nachschiebe. von Tatjana Willms

Aber wo gibt es die besten Eiscremes? Fangen wir einfach einen Streifzug an: Wir kommen von der Marie im Winsviertel am „Prenzlkasper“ (Marienburger Straße 39) vorbei. „Mein Eis“, schreit ein Kind  schon von ganz vorn an der Ausgabe. Hinter ihm hüpfen die nachfolgenden Kleinen, die das Eisangebot angucken wollen: „Ich kann nichts seh’n. Ich will auch ein Eis…“ Die Theke ist ein wenig hoch, aber irgendwann kommt jeder an die Reihe. Seit die sommerlichen Temperaturen über Berlin hereinbrechen, boomt das Geschäft mit der kühlen Leckerei. Die Saison ist eröffnet und der „Prenzlkasper“ hat ein Puppentheater im Eisladen. Eisschlecken und das Krokodil verprügeln sehen. SUPER. Das Geschäft boomt.

Puppenspieler und Kikaninchen-Moderator Christian Bahrmann gibt allerdings in der heißen Jahreszeit nur wenige Vorstellungen. Kinder sind dann ja viel lieber draußen. Die Eisdiele ist eine gute Ergänzung in den Sommermonaten. Nachdem die Kinder ihr Eis in der Hand haben, setzen sie sich

Continue Reading

„Tötet die Deutschen“ – Deuten und Deutungshoheit

Graffiti an der Bochumer Christuskirche Foto: Ayla Wessel

„Ist der Satz Tötet die Deutschen, vor kurzem auf die Außenmauer der Christuskirche geschmiert, deutschenfeindlich“, hatten wir gefragt, „ist das Rassismus?“ Von unserem Gastautor Thomas Wessel

Antwort: Offensichtlich ja, aber nicht, weil es so etwas wie eine deutsche Ethnie oder deutsche Rasse gäbe: „Die Deutschen“ sind längst so „multikulturell“, dass man, will man sie erkennen, eben nicht dem Augenschein vertrauen kann, sondern nur dem Pass. Klar, dass es dafür Prügel setzt von rechts. Dass aber, wer immer diese Deutschen in Deutschland töten wolle, genauso multikulturell = deutsch sein muss, dafür setzt es linke Prügel. Weitergedacht wurde hier  –  ein Debattenbericht:

Die Ruhrbarone haben die Diskussion sofort selber geführt, damit, wie Stefan Laurin sagte, „nicht andere sie führen“, nämlich die Rechten. Auch Frank Jansen, Experte beim Tagesspiegel und Wächter-Preisträger, sieht das so:

Continue Reading