Bar Südwest. Berlin. Schnee.

Eine musikalische Flucht. Aus Deutschland. Und aus dem Schnee. Von Andreas Lichte.

„Grönemeyer“

„Der Poet?“

Das dauert, bis Marianne den „Poeten“ eingeordnet hat. Sie entscheidet sich für die „Ernst“-Schublade: „Ja, der Poet!“

Diala schaut nur zu, sie kennt Grönemeyer nicht. Die Glückliche! Schon von Vorteil, keine Deutsche zu sein.

„Hab’ Flugzeuge im Bauch“

„Das heisst doch »Schmetterlinge«?“ fragt Diala.

„Das ist Poesie – das ist Grönemeyer.“

„Solche Texte musst du erst mal schreiben! Und so singen! Ich habe geheult …“, sagt Marianne.

Was ist Scham? Ich mache Diala den Grönemeyer: „…“ [hier versagt die Tonaufzeichnung]

„Hör dir Grönemeyer mal auf YouTube an. Aber denk bitte nicht, dass dein Deutsch schlecht ist: Grönemeyer ist sowas wie Gianna Nannini, nur dass ich als Deutscher Gianna Nannini verstehe, und Grönemeyer nicht.“

Marianne: „Mein Freund hatte mich zu dem Konzert eingeladen, wir haben kein Wort gewechselt, aber ich war so …“, fast fliessen wieder die Tränen.

„Also ich hab meine Freundin zu … zu … wie hiessen sie noch? Les Rita Mitsouko! eingeladen: »Dis-moi oui – Andy!«“

„Hat noch jemand Zigaretten?“

Nein.

„Für den Automaten brauchst du eine Freigabe.“

„Ich habe einen Führerschein. Französischer Pass, aber Deutscher Führerschein.“

Sie schiebt ihn in den Automaten und es leuchtet: „Ihre Fahrerlaubnis ist gültig.“

„Cool! Dann können wir ja losfahren!“ Und ich drehe am Lenkrad:

„Kennst du den song »Route Nationale 7«?

Wer sich an feingeistigen musikalischen Gesprächen beteiligen möchte … wer, Zitat Christian, Barkeeper, „ein ehrliches Getränk“ wie „Marlowe’s Gimlet“ schätzt … oder live-Jazz mag:

(Fast) immer Montags spielen Giorgio Crobu (git) und Wolfgang Obert (sax, flute) „great jazz in a small bar“:

Bar Südwest, Südwestkorso 64, 12161 Berlin, Telefon: 030 – 82 70 13 00, open: 19.00 – 02.00 Uhr

Nahverkehr: Alternative Carsurfing?

Abseits der Hauptroute zwischen Dortmund und Duisburg ist der Nahverkehr im Ruhrgebiet dilletantisch organisiert. Ist Carsurfing eine Alternative? Von unserem Gastautor Reinhard Wiesemann.

Mit einem besser funktionierenden Nahverkehrsystem würde die Qualität unseres Lebens besser, weil wir nicht die zufällig benachbarten Angebote (Kino, Theater, Ärzte, Shopping, Arbeit,…) nutzen müssen, sondern 30 Minuten entfernt zu dem Ort fahren könnten, der genau das bietet, was viel besser zu uns paßt. Qualität hängt in ganz vielen Bereichen des Lebens auch mit der Größe des Angebots aus dem wir wählen können zusammen.

Deshalb fordern kluge Zeitgenossen seit Jahren ein besseres Nahverkehrssystem an der Ruhr, doch denken sie meist daran, den herkömmlichen Bus- und Bahnverkehr zu verbessern. Das ist sicher sinnvoll, aber ich möchte anregen, auch einmal über einen Ansatz nachzudenken, der vor fünf Jahren noch nicht möglich war, jetzt aber „reif“ zu sein scheint: Genauso, wie Millionen von Menschen über das bekannte Couchsurfing in der ganzen Welt bei Fremden übernachten, wäre es jetzt an der Zeit, das „Mitfahren“ über Internet-Techniken in großem Stil zu ermöglichen.

Städte oder ÖPNV-Unternehmen könnten ein System aufbauen, über das Fahrer und Mitfahrer eine Historie und eine Bewertung bekommen, um Sicherheit zu schaffen. Und dann bringt man beide über Smartphones zusammen. Ich wette: Wenn es möglich wäre, in sein Smartphone einzugeben, wohin man will und diese Information vorbeifahrenden Fahrzeugen übermittelt wird, dann muß man nur wenige Minuten am Straßenrand warten, bis ein Auto anhält, das genau dorthin fährt. Mit einem solchen System könnte eine Region wie das Ruhrgebiet zu einem Vorreiter und zu einer Pilgerstätte für Stadtplaner aus der ganzen Welt werden. Und das zu einem Bruchteil des Preises, den andere Metropolen früher für die Nahverkehrssysteme ausgegeben haben, die damals aktuell waren.

Reinhard Wiesemann ist der Macher des Unperfekthauses in Essen

Schwarzfahren wider Willen

Abenteuer Nahverkehr

„Oh weia – das fängt ja gut an!“ Das nagelneue Parkhaus am Kamener Bahnhof auf allen acht Etagen proppenvoll, kein Parkplatz in Sicht – und Freunde aus Südfrankreich mit denen ich gegen 11 Uhr am Lehmbruck-Museum in Duisburg verabredet bin. Von unserem Gastautor Anton Kowalski

Kulturtourismus pur im Kulturhauptstadtjahr von Ruhr 2010. Der Abend vorher in beim Portugiesen in der Dortmunder Nordstadt war lang, das Bargeld so gut wie ausgegeben. Sollte im Zeitalter der allzeit einsatzbereiten Plastikkarten kein Problem sein, auch so an eine Fahrkarte zu kommen. Am Schalter des Kamener Bahnhofs, der von einer Reiseagentur betrieben wird, dann die klare Ansage: Fahrkarten mit Scheckkarte bezahlen geht nur ab 20 € aufwärts.

Die Fahrkarte Kamen – Duisburg kostet aber nur 10,90 €. Is also nix mit Karte bezahlen. Draußen, so die Auskunft, sei aber ein Automat, der nimmt auch Karten. Also nix wie hin. Mit dem neuen touchscreen vertraut gemacht, und die EC-Karte reingeschoben. „Bezahlen nur mit Bahncard“ so der Automat, während sich mittlerweile der Regionalexpress ankündigt. Bahncard habe ich seit zwei Jahren, das Ticket 2000 leider auch nicht mehr.

Als der Zug einfährt dann die mutige Entscheidung: Schwarzfahren bis nach Dortmund – und dort eine Fahrkarte am Schalter kaufen. Die erste Schwarzfahrt nach fast vierzig Jahren! Nicht aus Überzeugung wie damals und wg. 50-Pfennig-Einheitstarif, sondern der puren Not gehorchend – der Zeitnot. Am Dortmunder Hauptbahnhof dann die Suche nach dem Fahrkartenschalter. Langsam dämmert`s: der Bahnhof wird ja umgebaut, der Servicebereich ist draußen in den Containern. Dort gleich rechts zwei Automaten. An einem hängt ein Schild: Dieser Automat funktioniert leider nur mit Karten! Hier bist du richtig, signalisiert mein Hirn. Eine Frau, ihrem Aussehen nach keine deutsche, versucht mit Geldscheinen ihr Glück an diesem Automaten: „I am sorry Ma`am. This machine doesn`t accept cash“, versuche ich ihr weltmännisch zu erklären. „Wieso kein Geld?“, kommt die Antwort. „Steht da oben: Dieser Automat nimmt nur Karten!“ Voller Hoffnung  programmiere ich den Automaten: Dortmund – Duisburg. Als ich meine EC-Karte reinschiebe, um zu bezahlen, erneut die Anzeige „Nur mit Bahncard.“ So langsam fühle ich mich veräppelt. Und die Zeit drängt.

Auf dem Weg zum Containerterminal der Bahn hatte ich einen Bankomat gesehen, meine letzte Hoffnung. Nichts wie hin, die EC-Karte reingesteckt und 100 € in zwei fünfziger Scheinen gezogen. Und wieder zum Fahrkartenautomaten, die Tastatureingabe fast blind, same procedure. Dann einen 50-€-Schein gezückt und in den Schlitz gesteckt. Jetzt erst bemerke ich den Hinweis: Dieser Automat schluckt nur 5- und 10-€-Scheine. Mehr geht nicht. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es langsam eng wird. Der Blick nach oben auf den Bahnsteig zeigt, das gleich ein ICE abfährt. Kurzentschlossen steige ich ein und riskiere erneut, als Schwarzfahrer erwischt zu werden.

Die zehnminütige Fahrt kommt mir vor wie eine halbe Stunde. Ich wage es nicht einmal, mich irgendwo zu setzen, gehe in die Nähe einer Toilette, den Gang im Auge. Es geht alles gut. In Bochum dann ein Brötchen gekauft und mit 50€ bezahlt. Anschließend die Fahrkarte aus einem Automaten gezogen und mit einem passenden 10 €-Schein bezahlt. Duisburg habe ich dank meiner beiden Schwarzfahrten dann noch einigermaßen pünktlich erreicht. Den Freunden dann, alle mit der Pariser Metro bestens vertraut, die Geschichte mit meiner Zugfahrt in der „Metropole Ruhr“ erzählt. Und von meiner Hoffnung, dass mir das in zwei Jahren nicht mehr passieren kann: Dann bin ich Ü60 und Besitzer eines BärenTickets.

Waldorf Schools: Rudolf Steiner’s books are “an incitement to racial hatred”, says BPjM

In the UK a discussion is going on about Rudolf Steiner’s racism, see: “Steiner Waldorf Schools Part 3. The problem of racism“. Therefore Ruhrbarone publish a short English summary of the BPjM’s decision on Rudolf Steiner. By Andreas Lichte.

The “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien” (BPjM) (”Federal Department for Media Harmful to Young Persons”) examined 2 books by Rudolf Steiner for “racist content” and decided that the content of the books is racist.

To understand the BPjM´s importance and function here’s its self-portrayal, quote:

“General information about the BPjM (Federal Department for Media Harmful to Young Persons) We are an official administrative authority of the German government called “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien” (BPjM) (”Federal Department for Media Harmful to Young Persons”). Our task is to protect children and adolescents in Germany from any media that might contain harmful or dangerous contents. This work is authorized by the “Youth Protection Law” (Jugendschutzgesetz – JuSchG). Media monitored by us are, among others: videos, DVDs, computer games, audio records and CDs, print media and internet sites. Objects are considered harmful or dangerous to minors if they tend to endanger their process of developing a socially responsible and self-reliant personality. In general, this applies to objects that contain indecent, extremely violent, crime-inducing, anti-Semitic or otherwise racist material. (…)” see the BPjM-homepage for the rest.

The 2 books examined by the BPjM are:

– „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“

English title: „Spiritual-Scientific Knowledge of the Human Being“

– „Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“

English title: „The Mission of Individual Volk-Souls in Connection with Germanic-Nordic Mythology“

The 2 decisions differ from one another only with regard to which particular statements by Rudolf Steiner the BPjM considered to be racist. As stated in the respective decisions on i) „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“ and ii) „Die Mission einzelner Volksseelen“, decisions page 6:

„Der Inhalt des Buches ist nach Ansicht des 12er-Gremiums in Teilen als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen.”

„The content of the book [by Rudolf Steiner] is, in the opinion of the board of 12 representatives, considered in part as an incitement to racial hatred, respectively as discriminating on grounds of race.“

This is followed by a definition. I only translate the most important part:

„Ein Medium reizt mithin zum Rassenhass an, d.h. stellt Rassenhass als nachahmenswert dar, wenn darin Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Rasse, Nation, Glaubensgemeinschaft o.ä. als minderwertig und verächtlich dargestellt oder diskriminiert werden (Ukrow, Jugendschutzrecht, Rn. 284).”

“A medium incites racial hatred, that is, depicts racial hatred as worthy of imitation, if human beings are represented as being inferior or contemptible or are discriminated against, due to their affiliation to another race, nation, religious community or the like.”

This definition is followed by those of Rudolf Steiner’s statements that were considered by the BPjM as racist. I translate only statements concerning BLACK PEOPLE directly.

from “Geisteswissenschaftliche Menschenkunde” page 6f: „Die Menschen, welche ihr Ich-Gefühl zu gering ausgebildet hatten, wanderten nach dem Osten, und die übriggebliebenen Reste von diesen Menschen sind die nachherige Negerbevölkerung Afrikas geworden.” “The people who had underdeveloped their sense of »I« [that is: the »ego«], migrated to the east, and the surviving remnants of these people later became the negro population of Africa.”

page 7: „Diejenigen Menschen aber, die ihre Ich-Wesenheit zu schwach entwickelt hatten, die den Sonneneinwirkungen zu sehr ausgesetzt waren, sie waren wie Pflanzen: sie setzten unter ihrer Haut zuviel kohlenstoffartige Bestandteile ab und wurden schwarz. Daher sind die Neger schwarz.” “But the people, who underdeveloped their »I«-being [that is: their »ego«], who were exposed too much to the effects of the sun, they were like plants: they deposited under their skin too many carbon-like elements and became black. This is why the negro is black.”

„…, von der ganz passiven Negerseele angefangen, die völlig der Umgebung, der äußeren Physis hingegeben ist, …” “…, beginning with the completely passive soul of the negro, which is in complete abandon to [that is: devoted to] the environment, to the exterior physique, …”

page 8: „Aber das sind die, welche so ihr Ich verleugnet haben, dass sie schwarz davon wurden, weil die äußeren Kräfte, die von der Sonne auf die Erde kommen, sie eben schwarz machten.” “But they are the ones, who so denied their »I« that it turned them black, because the exterior forces that come from the sun to the earth simply turned them black.”

from „Die Mission einzelner Volksseelen” page 6: „Der afrikanische Punkt entspricht denjenigen Kräften der Erde, welche den Menschen die ersten Kindheitsmerkmale aufdrücken, …” „The African Point corresponds to those forces of the Earth, which imprint on people the first features of childhood…”

These are examples of racist statements made in only 2 of Steiner’s books. Be aware of the fact that Steiner wrote 354 books. To what do they add up? To an esoteric evolutionary theory, in which there is no place for people who aren’t white. Coloured people will become extinct – Steiner’s program in short, quote Rudolf Steiner:

„Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse”

“The white race is the race of the future, the race that works creatively on the spirit.”

Articles at Ruhrbarone directly related to the topic:

3 Jahre Rudolf Steiner ist „zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen“, by Andreas Lichte

Rudolf Steiners Rassenlehre, by Ansgar Martins

Other Waldorf-articles by Andreas Lichte at Ruhrbarone:

„Waldorfschule: Vorsicht Steiner“ Interview with Andreas Lichte

„Kampf bis zur Erleuchtung – Lorenzo Ravagli und der Glaubenskrieg der Anthroposophie gegen Helmut Zander“

„Die Waldorfschulen informieren“

„Drei Gründe für die Waldorfschule“

Waldorfschule: „Detlef Hardorp, der Berlin-Brandenburgische Bullterrier der anthroposophischen Öffentlichkeitsarbeit“

„Waldorfschule: Lehrer gesucht!“

„Waldorfschule Schloss Hamborn, das anthroposophische Zentrum in Ostwestfalen“

Image: Rudolf Steiner, „Menschheitsentwickelung und Christus-Erkenntnis”, page 245

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BvB-Fans unter Geißböcken

Mitten im Herzen von Köln-Ehrenfeld steht in einer Seitenstraße eine unscheinbare Eckkneipe. An jedem Wochenende wird das »Klimbim« zum Zufluchtsort für BVB-Fans aus Köln und Umgebung. Die Kneipe ist der Geburtsort des ersten BVB-Fanklubs in Köln. Von unserem Gastautor Dominik Drutschmann.

Fußball macht einsam. Alleine mit einem Pils in der Hand auf der Couch zu sitzen und Fußball zu schauen, ist nicht schön. Während die »La Ola« im Stadion ihre Runden dreht, wird man sich der Einsamkeit bewusst: Niemand ist da, mit dem man über Fußball philosophieren kann. Keiner der die Hasstiraden auf den Schiedsrichter abnickt.

Gerade als Fan von Borussia Dortmund braucht man das Kollektiv, die Glaubensgemeinschaft. Das kennt man so aus der Heimat: An Spieltagen regiert in Dortmund König Fußball. Schon vormittags schwappen schwarz-gelbe Wogen über den Westenhellweg.

Einsam wird es erst, wenn man aus diesem Wohlfühlkosmos heraustritt. Wenn man nicht mehr im Dunstkreis des Lieblingsvereins wohnt. So schwer erträglich diese Einsamkeit in fußballfreien Zonen wie Kiel oder Traunstein sein mag, besonders schlimm wird sie ironischerweise in fussballverrückten Städten wie Köln. Denn die Domstadt hat ihren eigenen Verein. In jeder Kneipe hängt mindestens ein Schal. Hennes, dieser komische Hund mit den Hörnern, schaut dumpf von tausenden Wappen, Fahnen und Aufklebern. Der FC ist ähnlich dominant wie der Karneval in Köln – man muss ihn nicht mögen, aber man kommt auch nicht um ihn herum.

Inmitten dieser Geißbock-Dominanz ist die Kneipe »Klimbim« eine schwarz-gelbe Oase. Die Entstehung dieses 80-Quadratmeter-Fleckchens Ruhrgebiet im Rheinland war purer Zufall. Marvin Derksen, einer der Gründer des Fanklubs »Schwarz-Gelbe DOmborussen«, erzählt, wie er im März dieses Jahres zufällig in die fast leere Kneipe stolperte: »Ich habe dem Wirt ein Angebot gemacht: Wenn Du hier das Dortmund-Spiel zeigst, komm ich gleich mit fünf Leuten vorbei – und die haben alle Durst.«

Vukoman Zarkovic musste nicht lange überlegen. Wolf, wie ihn hier alle nennen, kommt ursprünglich aus Montenegro und betreibt das »Klimbim« seit sieben Jahren. Zuletzt lief die Kneipe  schlecht. Vielleicht liegt es an der ruhigen Lage. Vielleicht an der Kneipe selbst. Ehrenfeld ist das Szene-Viertel Kölns. Öffnet man die Tür des »Klimbim« fallen einem sogar als Dortmunder nur zwei Worte ein: Gelsenkirchener Barock. Die dunkle Holztheke dominiert, die Decken sind niedrig und mit Balken durchzogen. Kurz: die Kneipe ist ein bisschen schäbig und wäre am Dortmunder Borsigplatz besser aufgehoben.

Wenn Wolf hinter der Theke steht und von den Anfängen erzählt, erinnert er mit seiner imposanten Erscheinung und der Lockenpracht ein wenig an eine brünette Ausführung des alten BVB-Haudegens Michael Schulz. Zwischen den Zeilen hört man heraus, wie glücklich er ist, dass die BVB-Jungs in seine Kneipe gestolpert sind. Bei Spitzenspielen gegen Schalke oder Bayern stehen bisweilen 100 BVB-Fans dicht aneinandergedrängt. Das Kölsch fließt in Strömen – und das Geld in die Kassen.

Die Entwicklung der Kneipe zum Mekka für alle BVB-Fans in und um Köln verlief rasend schnell. Im April schauten noch eine Handvoll Leuten das Spiel gegen Bremen. Zu Beginn dieser Saison beim Spiel gegen Kaiserslautern mischte sich unter die gut 60 anwesenden Gäste auch Schauspieler und BVB-Edelfan Joachim Król.

Offensichtlich haben die Macher des Fanklubs um Derksen einen Nerv getroffen. Sascha Köhler, der einzige im Bunde, der aus dem Ruhrgebiet stammt, war schon früh vom Erfolg überzeugt, das Potential war da. »An Spieltagen trifft man im Zug nach Dortmund über 300 Fans aus Köln«, sagt Köhler.

Der Aufbau der Fankneipe aber bedeutete viel Arbeit – Nackenschläge inklusive: Die Dortmunder Fanabteilung antworteten auf eine erste Anfrage lapidar mit dem Vorschlag, man solle sich gemeinsam eine Sky-Box besorgen, um die Spiele im Pay-TV privat zu schauen.

Doch die Macher der »DOmborussen« hatten anderes im Sinn: Die Stimmung von der Südtribüne sollte in die kleine Eckkneipe in Ehrenfeld übertragen werden. Dazu wurden als erstes die privaten Sammlungen angezapft: Mittlerweile schmücken drei Fahnen, sechs Schals und unzählige kleine BVB-Accessoires die Wände und Decken der Kneipe.

Jetzt musste die frohe Kunde der neuen BVB-Stätte nur noch unters Volk gebracht werden. Derksen druckte Flugblätter und hing sie an der Uni aus. Andere kontaktierten über soziale Netzwerke wie Facebook oder Studivz die potentiellen BVB-Fans in und um Köln. Es lief gut an, doch die Sommerpause machte den Betreibern Sorgen. »Wir haben zu einem ungünstigen Zeitpunkt angefangen. Die Saison war in den letzten Zügen und dann stand erst einmal die WM an.«

Ihre Sorge sollte unbegründet bleiben: Zum ersten Pflichtspiel der aktuellen Saison gegen Wacker Burghausen war das »Klimbim« mit 50 Fans gut besucht. Gradmesser sollte das Spiel gegen Schalke am vierten Spieltag sein. »Wolf wurde ein wenig nervös, was ja auch verständlich ist. Wir hatten seiner Kneipe mittlerweile unseren schwarz-gelben Stempel aufgedrückt. Jetzt musste sich sein Entgegenkommen auch auszahlen«, sagt Rafael Narloch, ein weiterer »Domborussen»-Gründer der ersten Stunde.

Und wie es sich bezahlt machte: Beim Spiel gegen den Intimfeind platze das »Klimbim« aus allen Nähten. Wer nicht mindestens eine Stunde vor Spielbeginn da war, der kam erst gar nicht mehr durch die Tür. Schon hundert Meter vor der Kneipe vernahm man die schwarz-gelben Schlachtrufe der Südtribüne.

Seitdem ist das »Klimbim« weiter gewachsen. Der Innenraum wurde an die neuen Anforderungen angepasst: Der Kickertisch und ein Großteil der Bestuhlung steht eingemottet im Keller.  Die teils aggressive Werbung ist nicht mehr nötig; stetig wächst die Fangemeinde des »Klimbim« – die Mundpropaganda ist beachtlich.

Das Ziel, die Stimmung der Südtribüne in die kleine Kneipe in Köln-Ehrenfeld zu übertragen, scheint gelungen. Lange vor Anpfiff ist die Kneipe gut gefüllt. BVB-Lieder trällern aus den Boxen. Kaum einer, der nicht wenigstens ein schwarz-gelbes Stück Stoff am Leibe trägt.

Mittendrin stehen die Gründer des Fanklubs und sind zurecht stolz auf das Erreichte. Nicht nur die Liebe zur Borussia eint den bunt zusammengewürfelten Haufen: Obwohl der Großteil der Fanklub-Macher aus dem Rheinland stammt, tragen sie den Ruhrpott im Herzen. »Ich steh einfach auf die Region. Das Direkte, diese teils schnoddrige Art. Das ist doch einfach nur geil«, sagt Derksen.

Eine einleuchtende Erklärung, warum sie als Rheinländer nicht mit dem FC-Virus infiziert wurden, bleibt aus. Die Faszination der Menschen aus dem Ruhrgebiet für ihren Klub, wird genannt. Das Fansein an sich sei anders: »Beim FC geht es irgendwie auch immer um Karneval, um das Beisammensein. In Dortmund dreht sich alles um den Fußball«, sagt Köhler. Eine These, der FC-Fans sicherlich widersprechen würden. Aber so ist das mit dem Fandasein: Es bleibt eine subjektive Angelegenheit, die Frage nach dem Warum kann letztlich selten geklärt werden.

Klar aber ist, dass in Köln Ehrenfeld für viele BVB-Fans aus dem Rheinland und Exil-Dortmunder ein kleines Stückchen Heimat herangewachsen ist – durch das große Engagement Einzelner und den Wohlwollen eines Wirtes, der seine Felle davonschwimmen sah.

Und auch wenn das Heimatgefühl nur für die 90 Minuten jede Woche anhält: Im »Klimbim« lässt  sich vortrefflich über Fußball palavern. Bei den eklatanten Fehlentscheidungen des Schiris sind sich auch alle einig. Und nicht selten schwappt die Laola-Welle von der Südtribüne direkt in die kleine Kneipe in Köln Ehrenfeld.

Adresse Klimbim: Gutenbergstraße 66, 50823 Köln-Ehrenfeld

Fanklub: www.schwarz-gelbe-dom-borussen.de

Meine Kritik an “Der Freitag”

Frau Minister Leyen wurde von Hubertus Heil kürzlich unschön bedacht mit “Warme Worte – kalte Taten”. Übertragen auf Jakob Augstein kann man vielleicht sagen: “Warme Worte – leidenschaftslose Taten”. Von unserer Gastautorin Regina Hoffmann.

Die warmen Worte findet man zum Beispiel im dctp-Interview.

Nun zur fehlenden Leidenschaft: Der Freitag möchte in so vielem anders sein als andere. In Ansätzen gelingt das, und der Versuch der Lesereinbindung hat etwas wirklich Neues an sich. Nur wird zuwenig daraus gemacht.

Entgegen der von Augstein bekundeten Absicht anders, frischer und offener zu sein, leidet der Freitag an einem Übermaß an Vorsicht.

Allzu viele Beiträge scheinen sich dem Leser vorsichtig “antragen” zu wollen. Nur nichts schreiben, was dem Zeitgeist der erstaunlich linientreuen “community” zuwider sein könnte.

In bestimmter Hinsicht typisch ist der aktuelle Beitrag von Jakob Augstein über Wikileaks.

Handwerklich sauber geschrieben und mit hübschen Anekdoten versehen enthält der gesamte Artikel allerdings keinen einzigen Satz, der den Leser zum Nach-Denken anregt. Etwas Neues zu erfahren ist noch kein Nachdenken, es ist nur ein Aufnehmen. Es ist ein Zustimmungsartikel.

Der obrigkeitsskeptische Internet-erfahrene Freitags-Leser wird mehrfach mit leicht verdaulichen linksliberalen Häppchen à la “Das Internet ermöglicht Offenheit und Klarheit, wo vorher Herrschaft und Kontrolle gewaltet haben” gefüttert. Dass es sich bei solchen Aussagen um fragwürdige Behauptungen handelt, darf nicht stören. Immer schön nach dem Motto “Wir hier an der Basis sind in Wahrheit die Klügsten”.

Zuspitzungen wie “Desinformation dagegen ist immer der Feind der Freiheit” legen zur klammheimlichen Freude der Leser nahe, dass wir prinzipiell immer davon ausgehen müssen, nicht informiert, sondern desinformiert zu werden. Der Artikel handelt jedoch von den Wikileaks-Veröffentlichungen. Die jüngsten umfassen 250.000 Dokumente,

Wer sich ein paar der Telegramme der US-Botschaften ansieht, wird schnell feststellen, dass Vieles dem entspricht, was man in den besseren Zeitungen, Journalen oder Blogs ebenfalls lesen kann, zumal in den Telegrammen selbst oft auf Zeitungsbeiträge verwiesen wird. Es ist auch einiges dabei, das man mit Wohlgefallen liest, weil durchaus Vernunft und Zurückhaltung darin liegt. Doch das passt nicht zur Sensationslust.

Diese Scheuklappen-Perspektive Augsteins ist nun entweder Schlamperei – eher nicht -, eine bestimmte politische Haltung – vielleicht, aber das träfe eher auf Chefredakteur Grassmann zu – oder reiner Opportunismus. Das kann man annehmen. Augstein weiß oder glaubt zu wissen, wie er seine Leser bedienen kann.

In einem weiteren Absatz kommt eine kleine Medienschelte gegen die “mürrischen” anderen, wie etwa die Süddeutsche. Dann macht er sich sich ein bisschen lustig über die einfältigen deutschen Poilitiker, die den Amerikanern offenbar alles erzählen. Das kommt immer gut an: die dummen Politiker.

Zum Schluß platziert Augstein das größte Ärgernis. Da man den Politikern nicht trauen könne, forderten die Bürger “Akteneinsicht”. Und das sei gut so.

Das hört sich so aufrichtig basisdemokratisch an, dass man vor lauter linker Solidarität fröhlich glucksen möchte. Ich würde mich als links bezeichnen, aber bei diesem Schulterschluß vergeht mir die Freude.

Denn diese abschliessende Forderung Augsteins ist einfach platt und anbiedernd. Wie soll das aussehen, “Akteneinsicht” für jedermann? Eine offene “Debatte” aller über alles? Da scheint jemand das kleine Einmaleins der Politiktheorie vergessen zu haben. Demokratie war noch nie Kakophonie, denn exakt das wäre das Ergebnis von “Akteneinsicht für alle”, sondern gegenseitige Funktions- und Machtdelegation mündiger Bürger in Verbindung mit Gewaltenteilung und gegenseitiger Kontrolle.

Bitte: Diese Art von texten hat wenig mit Journalismus zu tun als mit Plakatkleberei für die nächste linke Demo.

Man kann den Lesern förmlich dabei zusehen, wie sie Zeile für Zeile befriedigt abnicken im Glück ihrer eigenen Zustimmung: Der berühmte Augstein denkt also genau so wie ich „kleiner“ Leser!

Da wird nichts gegen den Strich gebürstet, nichts von drei Seiten beleuchtet. Augen zu und pseudo-links-anarcho-mainstream durch.

Die zahlreichen Kommentare der “community” geben den geistigen Gleichmarsch im großen und ganzen wieder.

Wie könnte Journalismus langweiliger sein?

Schön, dass die community des Freitag so fest geschmiedet ist. Schade, dass sie deswegen noch lange unter sich bleiben wird.

Statt sich über die Beiträge zum Beispiel der Süddeutschen über Wikileaks zu mockieren, könnte sich der Freitag ein Beispiel daran nehmen. Er könnte dazu lernen. Und ein wenig von seinem hohen Roß herab steigen. Es ist bisher nur ein Schaukelpferd.

Der Homo Sapiens richtet sich auf

Gestern war „Liegen lernen“, heute zählt „Die Kunst stillzusitzen“ Tim Parks ist ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung. Von Unserem Gastautor Ronald Milewski.

Der Journalist Ronald Reng hat ein Buch über seinen Freund Robert Enke, dessen Todestag sich aktuell jährt, geschrieben. Darf man das? Die Professorin für Corporate Communication Miriam Meckel, Lebensgefährtin von Anne Will, hat schon in der Klinik während der eigenen Behandlung begonnen, ein Buch über ihren Burn-out zu schreiben. Soll frau das?  Der Schriftsteller und Übersetzer Tim Parks, hat ein Buch über das Stillsitzen geschrieben: 364 Seiten. Kann man das? Worte machen über das Schweigen?

Tim Parks hat in Cambridge studiert. Tim Parks ist Master of Arts. Tim Parks ist Dozent und lehrt an der Universitá IULM in Mailand. Tim Parks ist ein Pfarrerssohn aus Manchester. Tim Parks hat 20 Romane und Sachbücher veröffentlicht. Tim Parks ist verheiratet und hat drei Kinder. Tim Parks ist ein Meister der Worte. Tim Parks hat die Geschichte der psychologischen Einzelfalldarstellungen um einen höchst interessanten Fall erweitert, um seinen eigenen. Tim Parks hat jahrelang unter Schmerzen, Verspannungen und anderen Symptomen einer typischen Männerkrankheit gelitten. Tim Parks, der Tausendsassa, hat die Bedeutung seines eigenen Ich in Frage gestellt: Sein 21. Buch ist sein persönlichstes.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Die Kunst stillzusitzen“ ist Parks Mitte 50.  Seine Beschwerden beginnen mit Anfang 30. Die Broschüre, die er zu diesem Zeitpunkt von seinem ärztlichen Behandler in die Hand gedrückt bekommt, ist voller unguter Suggestionen. So heißt es darin, eine vollständige Genesung sei bei einer Prostataentzündung äußerst unwahrscheinlich, ja, „de facto ausgeschlossen“. Prostatitis-Patienten seien in der Regel ruhelose und unzufriedene Menschen. Schlussendlich lasse die überwiegende Mehrheit solcher Patienten nach jahrelangem, manchmal jahrzehntelangem Leiden unweigerlich ihre Probleme auf dem Operationstisch zurück, „sobald sie die fünfzig oder sechzig überschritten haben“. Tim Parks ist 51, als ihm ebendiese Empfehlung von einem „Schulmediziner“ gemacht wird.

Doch Parks weigert sich – trotz Schmerzen, Sextaner-Blase, nächtlichen Toilettengängen und Druckverlust beim Urinieren. Er erinnert sich an den postulierten Zusammenhang von Persönlichkeit und Erkrankung. Statt sich unters Messer zu legen wird Tim Parks in der Selbstbehandlung experimentierfreudig und fündig. Er probiert Ayurveda, paradoxe Entspannung und punktgenaue myofasziale Release-Massage, respiratorische Sinusarrhythmie-Atmung zur Vorbereitung auf die paradoxe Entspannung und Shiatsu aus. Die Belohnung ist erste Linderung und eine Empfehlung: Meditation.

Parallel kramt er seine – gefühlt – erste literarische Liebe aus und liest auf der Suche nach eigenen kritischen Persönlichkeitseigenschaften Samuel Taylor Coleridges Beschreibung seines Abstiegs (!) vom Scafell Pike im Lake District im Jahre 1802. Diese kann laut Parks „als der erste schriftliche Bericht von einer Bergbesteigung zum Zwecke der Freizeitgestaltung“ gelten. Sie ist gleichzeitig die Geschichte von einem, der ständig krank und von Schmerzen gepeinigt auszieht, das (Körper-) Empfinden zu lernen. Coleridge verlässt dafür vorübergehend Frau und Kind und berichtet einer Angebeteten von seinen Abenteuern.

Parks Lektüre dieses Berichts nährt seine Zweifel am Segensreichtum eigener Wortmächtigkeit und der Wortmächtigkeit des Vaters. Die eigene und dessen körperliche Verkrampftheit werden zu stillen Zeugen der unguten Wirkung der „Erfindung der Sprache“. Und Parks beginnt an die Weisheit des Körpers zu glauben – und an dessen Überlegenheit über den Geist.

In Entspannungsübungen vor die Aufgabe gestellt, den eigenen Körper zu erleben, vertiefen sich seine Zweifel am eigenen Lebensstil. Er entdeckt in seinem Körper vorrangig Anspannung und ertappt sich bei der ständigen Begier, seine Erfahrungen sprachlich zu kategorisieren. Die „Reinkarnation“ seiner Erfahrungen betreibt er zunächst punktuell in seiner Körpermitte,  am Ort der Beschwerden. Als Orientierungsrahmen dient ihm wiederum ein Buch, David Wise’ „A Headache in the Pelvis“.

Doch Parks macht nicht bei der symptomatischen Behandlung des Beckens und den Übungen im Liegen Halt. Er wird im Meditationszentrum zum Generalisten. Bei der Vipassana-Meditation gerät sein Körper als Ganzes im Schneidersitz in den Fokus des Gewahrseins. Bühne der Handlung ist ein 10tägiges Schweige-Retreat. Werkzeuge zur Begegnung des Geistes mit dem Körper sind die Atemmeditation, der so genante Body-Scan und die Einübung des liebevollen Gewahrseins für den Mitmenschen, die Metta Bhavana.

Mit der Entdeckung der wohltuenden Wirkung des Stillsitzens in der Meditation umtreibt Parks zeitweilig, die Idee zur vollständigen Genesung, dem Sprachprojekt insgesamt abzuschwören:

„Da hatte ich das Gefühl, eine unwiderrufliche Veränderung in meinem Leben nur erzwingen zu können, wenn ich mich von dem Projekt lossagte, das mich seit ich denken kann angespornt, aufgerieben und krank gemacht hat: DAS PROJEKT DER WORTE.“

Tim Parks fühlt sich genesen, von der Erfahrung in der Meditation mit so enormen körperlichen und geistigen Veränderungen bedacht, dass er beginnt die Krankheit als „Glücksfall“ zu bezeichnen. Und er überwindet stillsitzend die Zweifel an Kategorisierungsgewohnheiten seiner neuen Lehrer, die einerseits zur unmittelbaren Erfahrung auffordern und andererseits die „wahnsinnige Vorliebe“ für Numerierungen pflegen, nämlich in „Drei Juwelen“, „fünf edle Wahrheiten“, „fünf Silas“, „sieben Stufen der Läuterung“, „den achtfachen Pfad der Erleuchtung“, „die zehn Betrachtungen, …“. Sie tun dies  laut Parks in typischer Weise als Glaubensgemeinschaft – nicht als Wissenschaft.

Am Ende kategorisiert auch Parks seine Erfahrungen und kehrt so zum Sprachprojekt zurück. Er teilt sie uns in einem Narrativ unter der Überschrift, „Die Kunst stillzusitzen“, mit, so zu sagen in einer Heilsgeschichte. „Ohne dem“ wäre diese  Buchbesprechung nicht möglich gewesen. Tim Parks Prostata sei Dank!

Um indes seine Erfahrungen zu teilen, bedürfte es regelmäßiger Praxis dessen, was Parks an Übungen beschreibt. Er wird doch wohl noch üben?

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e la luna: Was ist Deine „Schwarze Katze“?

Die Berliner Band „…e la luna?“ hat ihr neues Album „La Rosina bella“ herausgebracht: „Ein Muss“ für alle, die Kinder haben, und Italienisch sprechen. Ein reines Vergnügen für alle anderen, die nur gute Musik hören wollen. Von Andreas Lichte.

 

Beim ersten Hören gefiel mir ein Stück gleich besonders gut: „Volevo un gatto nero“. Klasse, was man aus 3 Akkorden machen kann! Aus 2:50 Minuten. Und dann der Gesang von Eva Spagna, der sich so gar nicht nach Kinder-Kram anhört: Eher melancholisch und … böse, böse!

Da bin ich dann doch richtig neugierig geworden, und habe auch den Text gelesen. Ein Kinder-Lied, ganz klar. Ein kluges Spiel mit der kindlichen Phantasie, wo plötzlich alles lebendig wird, wenn man es nur will. Aber nur ein Kinder-Lied?

Was liest ein „Erwachsener“? Eine Frage, die sich jeder früher oder später stellt:

Was ist Deine „Schwarze Katze“?

Wofür würdest Du alles geben, was Du hast, den „ganzen Zoo“?

Helft mir doch bitte, eine Antwort zu finden. Und sagt mir, was eure „Schwarze Katze“ ist.

 

 

Ich wollte eine schwarze Katze

 

Ein echtes Krokodil,

ein echter Alligator:

Ich sagte dir, dass ich ihn habe

und dir gegeben hätte.

 

Die Abmachung war klar:

Das Krokodil für dich,

und du gibst mir

’ne schwarze Katze.

 

Ich wollte eine schwarze, schwarze, schwarze Katze

und du gibst mir ’ne weisse

und das mach ich nicht mit

 

Ich wollte eine schwarze, schwarze, schwarze Katze:

Weil du ein Lügner bist,

spiel ich nicht mehr mit dir.

 

Es war keine Giraffe

aus Plastik oder Stoff,

ne, echt, aus Fleisch und Blut

und die hätt’ ich dir gegeben.

 

Die Abmachung war klar:

Die Giraffe für dich,

und du gibst mir

’ne schwarze Katze.

 

Ich wollte eine schwarze, schwarze, schwarze Katze

und du gibst mir ’ne weisse

und das mach ich nicht mit

 

Ich wollte eine schwarze, schwarze, schwarze Katze:

Weil du ein Lügner bist,

spiel ich nicht mehr mit dir.

 

Einen indischen Elefant

mit ganzem Baldachin

hatt’ ich im Garten

und den hätt’ ich dir gegeben.

 

Aber die Abmachung war klar:

Der Elefant für dich,

und du gibst mir

’ne schwarze Katze.

 

Ich wollte eine schwarze, schwarze, schwarze Katze

und du gibst mir ’ne weisse

und das mach ich nicht mit

 

Ich wollte eine schwarze, schwarze, schwarze Katze:

Weil du ein Lügner bist,

spiel ich nicht mehr mit dir.

 

Die Abmachung war klar:

Der ganze Zoo für dich,

und du gibst mir

’ne schwarze Katze.

 

Ich wollte eine schwarze, schwarze, schwarze Katze

und du gibst mir ’ne weisse

und das mach ich nicht mit

 

Ich wollte eine schwarze Katze

na ja, schwarz oder weiss,

die Katze behalte ich

und du kriegst von mir nichts.

 

 

e la luna: cos’è il tuo „gatto nero“?

 

Il trio berlinese „…e la luna?“ ha pubblicato un nuovo CD-libro „La Rosina bella“: „un must“ per tutti quelli che hanno bambini e parlano l’italiano.

Un vero piacere per tutti gli altri che vogliono ascoltare buona musica.

di Andreas Lichte.

 

Al primo ascolto mi è piaciuto in particolar modo il brano: „Volevo un gatto nero“. Forte cosa si può fare con tre accordi! In 2.50 minuti. E poi la voce di Eva Spagna che non suona come roba per bambini, ma piuttosto malinconica e … cattiva, cattiva!

Quindi mi sono veramente incuriosito ed ho letto il testo. Una canzone per bambini, chiaro. Un gioco intelligente con la fantasia infantile, in cui improvvisamente tutto prende vita, se solo lo si vuole. Ma … solo una canzone per bambini?

Che cosa ci legge un “adulto”? Una domanda che prima o poi uno si pone:

Cos’è il tuo „gatto nero“?

Per che cosa daresti tutto quello che possiedi, il tuo “intero zoo”?

Aiutatemi per favore a trovare una risposta. E ditemi cosa è il vostro “gatto nero” …

 

 

Volevo un gatto nero

 

Un coccodrillo vero,

un vero alligatore

ti ho detto che l’avevo

e l’avrei dato a te.

 

Ma i patti erano chiari:

il coccodrillo a te

e tu dovevi dare

un gatto nero a me.

 

Volevo un gatto nero, nero, nero,

mi hai dato un gatto bianco

ed io non ci sto più.

 

Volevo un gatto nero, nero, nero,

siccome sei un bugiardo

con te non gioco più.

 

Non era una giraffa

di plastica o di stoffa:

ma una in carne ed ossa

e l’avrei data a te.

 

Ma i patti erano chiari:

una giraffa a te

e tu dovevi dare

un gatto nero a me.

 

Volevo un gatto nero, nero, nero,

mi hai dato un gatto bianco

ed io non ci sto più.

 

Volevo un gatto nero, nero, nero,

siccome sei un bugiardo

con te non gioco più.

 

Un elefante indiano

con tutto il baldacchino:

l’avevo nel giardino

e l’avrei dato e te.

 

Ma i patti erano chiari:

un elefante a te

e tu dovevi dare

un gatto nero a me.

 

Volevo un gatto nero, nero, nero,

mi hai dato un gatto bianco

ed io non ci sto più.

 

Volevo un gatto nero, nero, nero,

siccome sei un bugiardo

con te non gioco più.

 

I patti erano chiari:

L’intero zoo per te

e tu dovevi dare

un gatto nero a me.

 

Volevo un gatto nero, nero, nero,

invece è un gatto bianco

quello che hai dato a me.

 

Volevo un gatto nero,

ma insomma nero o bianco

il gatto me lo tengo

e non do niente a te.

 

 

homepage von … e la luna?

 

Releasekonzert von „La Rosina bella“:

Sonntag, 21. November 2010, 15 Uhr, in der Werkstatt der Kulturen

 

Gaza: Bloggerinnen leben gefährlich

Asmaa Alghoul

In Gaza werden Bloggerinn bedroht. Ein Beispiel stellt unsere Gastautorin Annina Schmid vor.


Die Bloggerin und Journalistin Asmaa Alghoul aus Gaza, die ich während des Young Media Summits in Kairo kennengelernt habe, hat eine Morddrohung erhalten: Jemand, der sich ‚Masirek‘ nennt, drohte damit, sie vor den Augen ihres Sohnes zu verbrennen. Lina Ben Mhenni, die ebenfalls Teilnehmerin des Summits war, veröffentlichte einen Post, in dem sie ihre Solidarität mit Asmaa bekundet und Masireks verbale Attacke zu recht verurteilt. Asmaa kämpft gegen sogenannte Ehrenmorde und für die Rechte palästinensischer Frauen. Da sie auf Arabisch bloggt, kann ich leider derzeit nicht sagen, welche ihrer Äußerungen die Morddrohung provozierte. Vielleicht kann jemand helfen?

Drohungen gegen Blogger sind übrigens nicht selten. Es gab auch in Deutschland Fälle schlimmer Schikane, die so weit ging, dass sich die Polizei einmischen musste. Auch in Asmaas Fall wurde die palästinensische Regierung bereits in Kenntnis gesetzt. Es ist wichtig, sich stets darüber im Klaren zu sein, dass Drohungen, auch wenn sie nicht in die Tat umgesetzt werden, erstens strafrechtlich relevant und zweitens eine Form der Misshandlung sind. Auf Girls Can Blog gab es erst neulich einen kurzen Post, der das Thema Verbal Abuse behandelte.

Annina Schmidt ist Herausgeberin des Blogs Girls can Blog. Dort ist der Text auch auf Englisch zu lesen.