Bärbel Bas geht – und mit ihr ein Stück Arbeiter-SPD

Bärbel Bas am Infostand der SPD Duisburg / Foto: Peter Ansmann

Bärbel Bas ist die Blaupause der linken SPD-Frau mit klassischen Working-Class-Wurzeln. Eine, die weiß, woher sie kommt – und für wen sie Politik macht. Nun zieht Bas die Konsequenzen: Sie tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück. Als Gründe nennt sie einen Trauerfall und die Attacken des Koalitionspartners. Alexander Schweitzer aus Rheinland-Pfalz soll ihr als Arbeitsminister folgen. Selbst Ulf Poschardt, nun wirklich kein Freund klassischer Arbeitnehmerpolitik, räumt heute in den sozialen Medien ein, Bas in seinen Texten zu hart angegangen zu sein.

Die passionierte Motorradfahrerin wurde am 3. Mai 1968 in Walsum geboren, das heute zu Duisburg gehört. Sie wuchs im Ruhrgebiet als Tochter in kleinen Verhältnissen (Vater: LKW-Fahrer, Mutter: Hausfrau) auf und begann ihren beruflichen Lebensweg mit einer praktischen Ausbildung. Von 1985 bis 1987 absolvierte sie eine Ausbildung zur Bürogehilfin bei der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG). Schon während dieser Zeit interessierte sie sich für die Interessen und Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Deshalb engagierte sie sich ab 1986 als Jugend- und Auszubildendenvertreterin. Später war sie Mitglied des Betriebsrats und vertrat die Beschäftigten auch im Aufsichtsrat des Unternehmens.

Der steinige Weg durch die Instanzen

Im Jahr 1988 trat Bärbel Bas in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit bildete sie sich kontinuierlich weiter. Von 1994 bis 1997 absolvierte sie eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten. Parallel dazu begann sie, sich stärker politisch zu engagieren. Von 1990 bis 1995 war sie Vorsitzende des Juso-Unterbezirks Duisburg. Zwischen 1994 und 2002 gehörte sie außerdem dem Rat der Stadt Duisburg an. Dort sammelte sie erste Erfahrungen in der Kommunalpolitik und beschäftigte sich unter anderem mit sozialen Themen.

Auch beruflich entwickelte sich Bärbel Bas weiter. Von 2000 bis 2002 absolvierte sie eine Weiterbildung zur Krankenkassenbetriebswirtin. Anschließend übernahm sie Führungsverantwortung im Gesundheitswesen. Von 2002 bis 2006 war sie stellvertretender Vorstand der Betriebskrankenkasse Energie, Verkehr und Service (EVS). Danach bildete sie sich im Bereich Personalmanagement weiter und arbeitete ab 2007 bei der BKK futur, wo sie den Bereich Personalservice leitete. Durch diese Tätigkeiten sammelte sie Erfahrungen in den Bereichen Verwaltung, Personalführung, Gesundheit und Sozialversicherung.

Ein wichtiger Schritt in ihrer politischen Karriere war das Jahr 2009. Damals wurde Bärbel Bas erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt. Dort vertrat sie den Wahlkreis Duisburg I. In den folgenden Jahren übernahm sie zunehmend wichtige Aufgaben innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion. Von 2013 bis 2019 war sie Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion. In dieser Funktion kümmerte sie sich unter anderem um die Organisation der parlamentarischen Arbeit und die Koordination innerhalb der Fraktion. Von 2019 bis 2021 war sie anschließend stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion.

Eine Frau mit viel Engagement 

Am 26. Oktober 2021 wurde Bärbel Bas zur Präsidentin des Deutschen Bundestages gewählt. Damit war sie nach Annemarie Renger und Rita Süssmuth erst die dritte Frau in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die dieses Amt innehatte. Als Bundestagspräsidentin leitete sie die Sitzungen des Parlaments, achtete auf die Einhaltung der Geschäftsordnung und repräsentierte den Bundestag nach außen. Außerdem war sie für die Leitung der Bundestagsverwaltung verantwortlich. Dieses Amt übte sie bis zur Konstituierung des neuen Bundestages im Jahr 2025 aus.

Nach der Bundestagswahl 2025 setzte Bärbel Bas ihre politische Karriere in der Bundesregierung fort. Am 6. Mai 2025 wurde sie zur Bundesministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz ernannt. In diesem Amt beschäftigt sie sich mit wichtigen Themen wie Arbeitsmarktpolitik, Renten, Sozialversicherung und sozialer Sicherung. Am 27. Juni 2025 wurde sie außerdem zur Vorsitzenden der SPD gewählt. Damit übernahm sie neben ihrem Ministeramt eine wichtige Führungsaufgabe innerhalb ihrer Partei.

Der Lebensweg von Bärbel Bas zeigt, wie sie sich von einer ausgebildeten Bürogehilfin über die Arbeitnehmervertretung und das Gesundheitswesen bis in die Spitzenpolitik entwickelt hat. Dabei spielten ihre berufliche Erfahrung, ihre kontinuierlichen Weiterbildungen und ihr langjähriges Engagement in der SPD eine wichtige Rolle. Ihre Biografie ist ein Beispiel dafür, dass eine politische Karriere nicht unbedingt mit einem Hochschulstudium beginnen muss, sondern auch durch praktische Berufserfahrung, gesellschaftliches Engagement und langjährige politische Arbeit entstehen kann. „Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten“, schrieb Bas in einem am Montag von der SPD-Spitze verbreiteten Schreiben. Diese Zeit wolle sie sich ausreichend nehmen. „Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden“, kritisierte sie zugleich. Politik ist ein hartes und anstrengendes Geschäft, dass einem als Mensch die Grenzen aufzeigen kann.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz sprach Bas seinen Respekt aus. Bas und er hätten in der Bundesregierung „vertrauensvoll zusammengearbeitet“, schrieb der CDU-Chef am Montag auf der Online-Plattform X. Er danke ihr für ihr Engagement. „Ihre Entscheidung verdient Respekt.“ Als Vater und Großvater könne er nur erahnen, wie schwer dieser Verlust wiege. Er wünsche ihr und ihrer Familie viel Kraft.

Autorenseite: Peter Hesse
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