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Brücken-Desaster: Was der Bundespräsident bei seiner Reise durchs Ruhrgebiet nicht erwähnt hat

Seit Sommer 2017 ist die Straße hier dicht. Foto: Robin Patzwaldt

Um zu zeigen, ‚was hier alles gelingt‘, reiste der Bundespräsident in der vergangenen Woche ins Ruhrgebiet. Auf seiner Route lagen Duisburg, Gelsenkirchen und Dortmund. Eine „Reise in die Zukunft“ sollte dies nach den Worten der Kollegen der WAZ werden.

Herausgekommen sind dabei die gewünschten Bilder und Schlagzeilen: Das Ruhrgebiet ist viel besser als sein Ruf. Es geht dort auf breiter Front aufwärts. Es ist zuletzt viel geschafft worden etc..

Kein Wunder, dass der Bundespräsident sich während dieser Reise nicht an der Brücke vor dem Schiffshebewerk Henrichenburg blicken gelassen hat. Denn hier bekommen es die Verantwortlichen vom Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg (WSA) und der von diesem Beauftragten Bauunternehmen seit weit über zwei Jahren nicht hin eine kleine Querung über den Kanal zu vollenden, deren Errichtung ursprünglich in drei Monaten vorgesehen war und die seit September 2017 in Funktion sein sollte.

Nicht erstaunlich also, dass man diesen Teil der traurigen Ruhrgebietsrealität den Menschen in ganz Deutschland in dieser Woche lieber nicht öffentlichkeitswirksam präsentierte, obwohl solche traurigen Zustände an vielen Stellen die Menschen in der Region an vielen Stellen und Orten ärgern und ihren Alltag bestimmen.

In dieser Woche wurde bekannt, dass die Straße vor dem ‚neuen Schiffshebewerk‘ (was aktuell ebenfalls nur noch eine Ruine ist, da es seit über einem Jahrzehnt vor sich hin rottet) noch mindestens bis zum Frühjahr 2020 nicht zu nutzen sein wird.

Eine Peinlichkeit, die im Kleinen an das Desaster rund um den Hauptstadtflughafen BER erinnert, auch wenn die Dimensionen hier natürlich andere sind.

Als die Bauarbeiten im Städtedreieck Datteln/Waltrop/Castrop-Rauxel vor den Sommerferien 2017 begannen, da wurde eine Eröffnung der neuen Brücke für September angekündigt. Nachdem der Verkehr an dieser Stelle bereits über etliche Jahre nur noch einspurig über die marode Brücke fließen konnte, freuten sich tausende von täglichen Pendlern in der Region über diese in Aussicht gestellte Verbesserung und nahmen die Unbequemlichkeit für diese relativ kurze Zeit der Bauphase einen mehrere Kilometer langen Umweg in Kauf nehmen zu müssen gerne hin.

Es zeichnete sich jedoch recht schnell ab, dass der verkündete Zeitplan nicht zu halten sein würde. Gleich mehrfach wurde die Inbetriebnahme in derFolgezeit aus unterschiedlichsten Gründen verschoben. Eine Serie aus Pleiten, Pech und Pannen, wie man sie als Beobachter nur selten vorgesetzt bekam. Als die Brücke auch nach einem ganzen Jahr noch nicht zur Verfügung stand, ‚feierte‘ die betroffenen Anwohner im Sommer 2018 sarkastisch ein ‚Brückenfest‘.

Etliche Verschiebungen später, wurde auch der zweite traurige Jahrestag im vergangenen Sommer erreicht, im Jahresverlauf 2019 irgendwann an dieser Stelle aber zumindest eine provisorische Fußgängerbrücke über den Kanal errichtet.

Die Eröffnung der eigentlichen Brücke, zuletzt auf das Ende des Jahres 2019 geschoben, soll nun ‚frühestens Ende März 2020‘ möglich sein. Daran, dass dies diesmal wirklich das tatsächliche Eröffnungsdatum sein wird, glaubt im Kreis Recklinghausen inzwischen kaum noch jemand.

Ob Bundespräsident Steinmeier (oder sein Nachfolger) dann irgendwann einmal zur Eröffnung der Brücke über den Kanal kommt um dies als ein Zeichen für die Fortschritte im Ruhrgebiet öffentlichkeitswirksam zu feiern? Ich würde nicht darauf wetten…

 

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4 Kommentare zu “Brücken-Desaster: Was der Bundespräsident bei seiner Reise durchs Ruhrgebiet nicht erwähnt hat

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