Antisemitismus neu definiert? „Jerusalemer Erklärung“ ist BDS im Wissenschaftskostüm

Pro-Israel-Demo in Berlin 2009 by Dana Bondarenko and Sergey Gavrilov CC 3.0

„Ungeeignet, unklar, diffus“. Die Doktorarbeit von Franziska Giffey? Die „Jerusalemer Erklärung“, angerichtet von 200 „internationalen Wissenschaftler:innen mit Schwerpunkten in der Antisemitismusforschung und verwandten Bereichen“. Im März hatten die 200 kund getan, sie hätten Antisemitismus „neu definiert“ und, sieh an, ein neues Ergebnis gefunden: BDS, die anti-israelische Hetzkampagne, sei „per se“  –  aus sich heraus  –  „nicht antisemitisch“. Lars Rensmann, in der Antisemitismusforschung eine Adresse, hat sich die „Jerusalemer Erklärung“ näher besehen, es sind keine Blumen, die er ihr überreicht: Die 200 hätten sich „keinen Gefallen getan“ damit, ihre „erstaunliche Unkenntnis der Antisemitismus- und Rassismusforschung der letzten Jahrzehnte“ zu beweisen. Was sie zuwege gebracht hätten, sei „schlichtweg falsch und analytisch unbrauchbar“. Die Amadeu Antonio-Stiftung hat Rensmanns Expertise jetzt auf Belltower News gestellt, es lädt dazu ein, die „Jerusalemer Erklärung“ noch einmal zu lesen. Um zu verstehen, wie das geht, dass Antisemitismus aus der Welt hinaus gewissenschaftet wird.

Lars Rensmann, in Bochum geboren, Professor für Politik in Groningen, ist Mitglied des Editorial Boards des Journal for the Study of Antisemitism, es ist die in der internationalen Antisemitismusforschung maßgebliche Fachzeitschrift. Von den 28 Wissenschaftlern des Boards tragen gerade einmal zwei die „Jerusalem Declaration“ mit.

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Ruhrtriennale: „Bruchlinien und Konstruktionen“, das neue Programm

Barbara Frey, Intendantin Ruhrtriennale, vor Turbinenhalle Bochum | (c) Daniel Sadrowski

Es war zuletzt reichlich zerdellt, das Festival der Künste: erst Antisemitismus, dann Antisemitismus, dann Corona. Jetzt besteht die Kunst darin, aus dem Zerdellten Kunst zu machen: Heute haben die neue Intendantin der Ruhrtriennale, Barbara Frey und ihr Team, das Programm für die erste ihrer drei Spielzeiten vorgestellt. Ein flüchtiger Blick zeigt, was fehlt: die Welterklärattitüde. Dass sie fehlt macht neugierig, er lohnt sich, der Blick auf ruhrtriennale.de.  

Vertraut die Spartenvielfalt, das Potpourri aus „Schauspiel“ und „MaschinenHausMusik“, „Musiktheater“ und „Literatur“, aus „Pop“ und „Tanz“ und „Dialog“ . Vertraut auch, dass es verschiedene Spielorte sind, durchs Ruhrgebiet gewürfelt, neu dabei das leerstehende Allbauhaus in Essen. Die Intendantin, auch das hat Tradition, inszeniert selber unter anderem Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher“, anders jetzt: Es gibt, wie es aussieht, keine Eröffnungsrede, stattdessen eröffnet das Festival  kurz vor Sonnenaufgang mit einem Konzert im Morgengrauen und einem anschließenden gemeinsamen Frühstück an der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck.

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50 Jahre improvisierte Musik in Moers

Die Gitarristin Wendy Eisenberg, Strictly Missionary Foto: André Symann Lizenz: Copyright

„I am gonna show you now, what this festival is all about.“ Jamaladeen Tacuma lobt die Bedeutung des Moers Festivals für die Jazzwelt mit deutlichen Worten, ehe er sich in ein fünfzehnminütiges Basssolo versenkt, das gleichermassen virtuos und schlicht, eingängig und verschroben, vor allem aber ein äußerst vitales Statement für die Spontaneität und bewusstseinserweiternde Kraft seiner Musik ist. Von unserem Gastautor ************@***oo.com“ data-hovercard-owner-id=“121″>Matthias Hesse.
Dass sich zeitgleich im Youtube-Chat ein paar Experten mit Klugscheißereien und Name-Dropping überbieten, ist eine ironische Fußnote des Ganzen. Festivalleiter Tim Isfort hat sich auch im zweiten Coronajahr gegen eine Absage entschieden und damit das Risiko in Kauf genommen, dass vieles online stattfinden, der Jubiläumsglamour insgesamt etwas spärlicher ausfallen muss.

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Erwin Kostedde in Buchform – ein Leben wie eine Netflix-Serie

Die Biografie über Erwin Kostedde ist im Werkstatt Verlag erschienen und ist eine echte Empfehlung

Der ehemalige Bundesligaspieler Erwin Kostedde war ab der Stunde seiner Geburt ein Outlaw. In 219 Bundesligapartien gelingen ihm 98 Treffer, als Stürmer gilt er als Instinktfußballer und Schlitzohr. Im Leben neben dem Fußballplatz misslingt ihm vieles, er ist ein unsteter Geist der nie lange an einem Ort bleiben kann. Der aus Münster stammende Autor Alexander Heflik hat nun das Leben auf 188 Buchseiten komprimiert. Mit vielen szenischen Einstiegen liest es sich wie eine griechische Tragödie aus dem Herzen der Bundesrepublik, die bei Aktenzeichen XY präsentiert wird: Spannend und maximal brutal, weil Kostedde durch seine dunkle Hautfarbe immer wieder stigmatisiert wird und sein tragisches Leben auf langer Strecke einfach nicht gelingt.

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50. Moers Festival: Was gährt?

New Jazz Festival Moers 1978 Foto: Nomo Lizenz: CC BY-SA 3.0

Eine  Baustelle!  Gibt es ein sinnfälligeres Symbol für ein Festival der improvisierenden Musik, als es dieser Tage dem Moers Festival zugemutet wird zu dessen 50. Geburtstag? Die Halle wird renoviert, weil keiner mit der Austragung des Jubiläumsfestivals gerechnet hatte? Im weitesten Sinn scheinen die Bau-Zäune, rotweiß im Wind flatternden Absperrbänder, Kreidekreise  und

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Moers Festival: Erste Umarmung mit Publikum

Nils Petter Molvær, Moers2011 Foto: Passagero CC BY-SA 3.0

Innerer Aufruhr wird im klassischen Drama nicht selten in einem Unwetter gespiegelt,
und so mag auch das Sturmtief ausdrücken, was in den Veranstaltern und Liebhabern
des Moers Festivals dieser Tage brodelt. Zum 50. Geburtstag des Pfingstereignisses
haben Festivalleiter Tim Isfort und sein Team es auf dem letzten Drücker geschafft, dass
erstmals nach monatelangem Ausnahmezustand in NRW wieder Konzerte vor Publikum

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BDS ist durch. Was wäre passiert, wenn nicht? Über Terror & Kultur

BDS auf der Pro-Hamas-Demo in Bochum 15. Mai 2021

„Follow @BDSNATIONALCOMMITTEE“. Aufruf auf der Facebook-Seite von BDS Deutschland. In der internationalen Hasskampagne gegen Israel fungiert das „National Committee“ als Lenkungsausschuss. Oben am Tisch sitzt Hamas, die Terror-Organisation lenkt den „gewaltfreien Protest“ so gezielt wie ihre Raketen  –  am 12. Mai, dem Tag, an dem der Follow-Befehl in Deutschland erschien, unter anderem auf einen Atommeiler, keine 50 km von Gaza entfernt. Wer alles gestorben wäre. BDS ist durch. Zeit, darüber nachzudenken, was passiert wäre, wenn BDS sich eingenistet hätte. Wenn sich tatsächlich  –  wie von der „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ und zuletzt in der „Jerusalemer Erklärung“ gefordert   –  eine Haltung durchgesetzt hätte, die  BDS sowohl ablehnt wie einlädt. Wenn es Hochkultur geworden wäre, Terror sowohl zu verschmähen wie zu vergüten. Eva-Maria Ziege hat den antisemitischen Diskurs in der Weimarer Republik analysiert, sein Merkmal ist die Uneindeutigkeit, es gibt zu denken. 

Was immer man von BDS, der Kampagne zur Diffamierung von Demokratie, in diesen Tagen liest, es ist Heil-Hamas-Posting. Je mehr Raketen auf Israel niedergingen, desto emphatischer das Ja zum Terror. Nirgends eine noch so dürre Distanz, täglich wurde zu irgendeiner Hass-Demo auf- und Solidarität eingefordert mit „Palästina“. Für BDS ist Palästina dasselbe wie Hamas.

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75 Jahre Udo Lindenberg im youtube Roulette

Udo Lindenberg beim Geburtstagstänzchen | Foto: Polydor Island Group

Heute wird Udo Lindenberg 75 Jahre alt. Sein Status lautet längst: Lebende Legende! Und das nicht nur, weil der ehemalige Schlagzeuger von Klaus Doldinger seit vielen Dekaden zum harten Kern der deutschsprachigen Rockmusik gehört. Im Grunde ist er ja deren wichtigster Säulenheiliger. Ob man ihn mag – oder nicht: Lindenberg ist mit 36 Studioalben in 50 Jahren Musikerkarriere ein Unikat der bundesdeutschen Popkultur – er war immer da, bis zum heutigen Tag. Dazu ist er, der Hotel Atlantik-Bewohner, ein Mann mit unverrückbaren Standpunkten. Lindenberg hat sich stets gegen Nazis positioniert und hat mit dem „Sonderzug nach Pankow“ viel für die Völkerverständigung zwischen Ost und West getan. Mit klaren Aussagen und seinem nuscheligen Gesang ist Udo eben ein echter Typ! Der „Keine Panik“-Performer aus Gronau an der Donau, der immer noch gern im Mittelpunkt steht, hat wie kein zweiter alle Höhen und Tieffen des Showgeschäfts durchschritten. Wir gratulieren dem Eierlikör-Maestro mit einem youtube-Roulette.

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„Denkmäler reden lange und laut“: Jahn in der Stadt

Stadtbahn unterm Rathaus Bochum: Carl Arnold Kortum by Heinz Schroeteler 1984 | Foto Clic CC 4.0

Im Stadtwappen ein Buch, im Stadtpark ein Buchverbrenner: Was anstellen mit einem Denkmal, das den verehrt, der das Bücherverbrennen ins politische Repertoire gehoben hat. Ein Fall fürs Marketing? Letzter Teil der Frage mit ein paar Antworten aus Bochum.

Seit 1381, es gab noch keinen Buchdruck, führt Bochum ein Buch im Wappen, warum, weiß niemand zu sagen, vermutlich ein Hörfehler. Ein halbes Jahrtausend später wird ein Stadtpark angelegt und, es ist das Jahr 1883, ein Denkmal darin errichtet. Laut artibeau ist es „das älteste erhaltene Denkmal für eine berühmte Persönlichkeit in Bochum“, es erinnert an Friedrich Ludwig Jahn, den Buchverbrenner. Als würde Berlin, den Bären im Wappen, vorm Bärentöter knien.

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