Game, Set, Cash: Boris Becker vermarktet seinen Absturz

„Inside. Gewinnen – Verlieren – Neu beginnen“ – Boris Beckers neues Buch klingt wie ein Befreiungsschlag, ist aber vor allem eines: der Versuch, aus einem selbstverschuldeten Absturz Kapital zu schlagen.

Becker, der als Teenager in Wimbledon zur Legende wurde, hat in den Jahrzehnten danach weniger mit sportlichen Heldentaten geglänzt als mit Schlagzeilen über Affären, Prozesse und finanzielle Katastrophen.

Der einstige Nationalheld ist zum Dauerpatienten der Boulevardpresse verkommen – und nun auch zum Autor seiner eigenen Gefängnisgeschichte.

Becker inszeniert seine 231 Tage hinter Gittern als existenzielle Prüfung, die ihn gebrochen und zugleich gestählt habe. Er erzählt von Albträumen und schmerzhaften Erinnerungen, die ihn bis heute heimsuchen. Doch so ehrlich die Schilderungen auch klingen mögen: Sie ändern nichts daran, dass Becker im Gefängnis landete, weil er Vermögenswerte verschwieg und damit die Regeln missachtete – nicht aus Pech, sondern aus bewussten Entscheidungen heraus. Sein neues Buch liest sich daher weniger wie eine Abrechnung mit sich selbst, sondern wie ein weiterer Versuch, die eigene Geschichte auf die Bühne zu heben.

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(K)eine U-Bahnstation wie jede andere

U-Bahnstation in Köln-Kalk Foto: Jochum


Eine U-Bahnstation in Köln-Kalk. Wie so viele andere – Treppen führen von den Bürgersteigen hinunter, von der ersten unterirdischen Etage erreicht man über die Rolltreppen die Bahnsteige an den Gleisen. Unscheinbar, unauffällig, unspektakulär, so sieht sie auf den ersten Blick aus. Nichts weist darauf hin, dass diese U-Bahnstation „Kalk-Post“ ein Geheimnis birgt. Von Christiane Jochum.

Auf der ersten Ebene oberhalb der Gleise befindet sich eine breite, blaugraue Stahltür, mit Graffiti besprüht, die unauffällig quasi in der Wand verschwindet. Wer nicht weiß, was sich hinter ihr verbirgt, gönnt ihr keinen zweiten Blick, läuft an ihr vorbei, ahnungslos von der Welt neben der Welt.

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Missglücktes Debut: Hildur Gudnadóttier und ihre Gruppe bei der Ruhrtriennale

Hildur Gudnadóttier und ihre Gruppe Foto: Thomas Berns /Ruhrtriennale Lizenz: Copyright


Für klingende Namen hat Ivo van Hofe offenbar eine Schwäche: Zum Auftakt der zweiten Spielzeit seiner Ruhrtriennale-Intendanz verführte er einen Schauspieler zum Schiffbruch mit Gesang und Tanz, und jetzt hatten wir das Missvergnügen, eine oscarprämierte isländische Komponistin und Cellistin mit ihren drei Mitstreitern ohrenbetäubend aber belanglos vorübergehen zu hören, während wir doch Tracks von ihrem neuen Album „Osmium“ erwartet hatten.

Außer Kontrolle geratene Naturkräfte fordern Menschen heraus, die „Naturgewalt jenseits musikalischer Genres“, der sich jetzt das Publikum in der Gießhalle des Landschaftspark Nord aussetzen wollte, blieb nicht spürbar. Dafür schlug den Besuchern unverhohlenes Desinteresse entgegen.

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