Es war der letzte Karnevalstag in Köln. Es war regnerisches Wetter. Und doch hatten sich in Köln-Kalk weit über 50 Autos mit etwa 200 Teilnehmern versammelt, um für die Freiheit des in der Türkei aus politischen Gründen inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel lautstark zu demonstrieren. Angemeldet waren vor zwei Tagen nur 30 Autos. Auch dies zeigt die politische und humanitäre Brisanz dieses „Falles Yücels“, der eigentlich ein „Fall Erdogan“ ist. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold
Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse, Yücels nun offenkundig unbegrenzter Untersuchungshaft, war diese außergewöhnliche und imposante Veranstaltung sehr kurzfristig von dem Kölner Rechtsanwalt Ilias Uyar organisiert worden. Parallel hierzu fanden in elf weiteren bundesdeutschen Städten vergleichbare Autokorsos für den talentierten und mutigen Journalisten Deniz Yücel, Türkeikorrespondent der Tageszeitung Welt, statt.
George Soros Foto: Niccolò Caranti Lizenz: CC BY-SA 3.0
George Soros ist zum liebsten Hassobjekt von Verschwörungstheoretikern, neuer Rechter und Putins Agit-Medien geworden: Ein Jude, der sich für die Demokratie einsetzt, ist zu viel für die Internationale der Aluhüte und ihrer Einpeitscher.
George Soros unterstützt seit fast 40 Jahren demokratische Organisationen. Und weil George Soros ein sehr reicher Mann ist, tut er das mit viel Geld. Soros unterstützte demokratische Gruppen in der Ukraine, Reporter ohne Grenzen und gab zu Ostblock- Zeiten auch Geld für die polnische Gewerkschaft Solidarnosz. Für einen US-Milliardär ist das nichts Besonderes. Anstatt auf den Staat zu vertrauen, vertrauen die lieber auf sich selbst und ihre Fähigkeiten, die Dinge in die Hand zu nehmen. Sie haben große Unternehmen gegründet und geleitet, also glauben sie auch, dass sie große Hilfsorganisationen gut leiten können. Und es spricht nicht viel dagegen, dass sie Recht haben: Bill und Melinda Gates engagieren sich mit ihrer Stiftung im Bereich der Entwicklungshilfe und Gesundheitsförderung, Star-Wars-Macher George Lucas unterstützt amerikanische Schulen, Apple-Mitgründer Steve Wozniak ist als Finanzier von Konzert- und Ballettveranstaltungen bekannt und die Stiftung der Hilton-Erben gibt ihr Geld für die Verbesserung der Trinkwasserversorgung in der 3. Welt aus. George Soros „Open Society Foundation“ liegt indes die Demokratie am Herzen. Das lässt sich leicht aus der Biografie Sorosˋ begründen: Soros stammt aus einer jüdischen Familie von Weltbürgern. Sein Vater war Mitglied der Esperanto-Bewegung, die davon träumte, die Menschen über eine gemeinsame, leicht zu erlernende Sprache über alle Grenzen hinweg zusammenzubringen. Der gebürtige Ungar überlebte die Nazi-Zeit und floh 1947 vor dem Stalinismus. In England promovierte er über Karl Popper. In den USA wurde er mit Finanzgeschäfte reich und mit einem Teil seines Geldes unterstützt er nun einmal Projekte, die ihm wichtig sind. Doch weil Soros Jude und in der Finanzwirtschaft aktiv ist, eignet er sich für Verschwörungstheoritker, neue Rechte und Putins Medien als Hassfigur: Für Jürgen Elsässers „Compact“ ist er der „gefürchtete Investor und Hedgefondsmanager, der sich in Teilzeit um die Finanzierung bunter Revolutionen und Umstürze im Nahen Osten und in der Ukraine kümmert“, für die „Budapester Zeitung“ ist klar: „ Er will Macht. Er will politischen Einfluss in der Welt, er will über das Schicksal von Völkern und Nationen entscheiden. Er will die Deutschen und die Ungarn für ihre vermutlichen und tatsächlichen Sünden bestrafen und die ihm nicht gefälligen Regierungen stürzen.“ Und Putins „Sputnik“ sieht ihn gar als Papstmacher: „ Kritische Katholiken werfen der US-Administration unter Trumps Vorgänger Barack Obama vor, einen „Regime-Change“ im Vatikan orchestriert zu haben, wobei sie Soros eine bedeutende Rolle zuschreiben. Sie beschuldigen ihn, den „richtigen Mann” an die Spitze des Vatikans gebracht zu haben, und fordern von US-Präsident Trump „er möge dagegen ermitteln und das klären“. Da haben wir so beinahe alle antisemitischen Stereotypen zusammen: Der jüdische Kosmopolit, der aus dem Hintergrund die Geschicke der Welt lenkt, nach der Macht über dieselbe greift, westliche Ideale wie Freiheit, Individualismus und Demokratie vertritt und natürlich auch noch im Alleingang den Papst bestimmt. Die Mythen über Soros sind ein guter Beleg dafür, dass keine autoritäre Bewegung ohne Antisemitismus auskommt.
Debatte: Autokorsos für Türkei-Korrespondent Yücel…Spiegel NRW: Mühe gegeben…Post von Horn Debatte: Politiker fordern Einreiseverbot von Erdoğan nach Deutschland…Zeit Debatte: In den Fängen einer unfreien Justiz…FAZ Debatte: Pressefreiheit ist mehr als Freiheit der Presse…RP Online Debatte: Das ist keine Neiddebatte…Cicero Debatte: Deniz Yücel – AKP und AfD in Häme vereint…taz Debatte: Unverantwortlich, wie sich die EU die Demografie schönrechnet…Welt Ruhrgebiet: AfD-Chefin Frauke Petry gewinnt den „Pannekopp“-Orden…WAZ Ruhrgebiet: Regierung zählt drei Revierstädte zu „abgehängten Regionen“…WAZ Bochum: Polizeipräsidium sucht dringend Dolmetscher…WAZ Dortmund: Neues Hafenquartier entlang der Speicherstraße...Nordstadtblogger Duisburg: Die Grundstückspreise steigen…WAZ Essen: Projekt „Teen und Baby“ hilft überforderten jungen Müttern…WAZ
Deniz Yücel muss in U-Haft, das heißt Knast für eine kaum absehbar lange Zeit, falls nicht in irgendeiner Weise politisch interveniert wird, denn das ist er, ein politischer Gefangener. Die Frage, ob öffentlicher Druck bei einem Regime wie dem Erdogans hilfreich ist oder vielleicht sogar kontraproduktiv, halte ich für unsinnig. Er breitet seine Macht und Willkür so weit aus, wie er kann. Dagegen seine Stimme zu erheben und das auch von der Bundesregierung zu verlangen, ist unbedingt richtig. Selbst, wenn ich Deniz nicht als einen der lesenswertesten Journalisten und tollen Menschen kennengelernt hätte oder ihn dafür hielte, wäre ich jetzt erst recht entschlossen dazu. Wenn die Mittel schon bescheiden sind, sollte man nicht auch noch bescheiden damit umgehen. Deniz, bis Du frei bist. #freedeniz Heute finden 21 Autokorsos für Deniz Yücel und alle anderen in der Türkei inhaftierten Journalisten statt:
Elf davon wird es geben – zwei davon in NRW.
Korso4Deniz Frankfurt
28.2., 16:00 Uhr, Gutleutstraße 38, 60329 Frankfurt am Main
Korso4Deniz Wien
28.2., 16:30Uhr, Ernst-Happel-Stadion, Wien, Österreich
Debatte: Wir sind Deniz…Welt Debatte: Koalitionskrach wegen Maut..RP Online NRW: Wagen zeigten Trump geköpft und als Vergewaltiger…RP Online Debatte: Wahlurnen für alle!…RP Online Debatte: Trumps Hausintellektuelle…Zeit Debatte: Fake-Demokratie ist schlimmer als Fake News…Novo Argumente Debatte: Die Neidkampagne des Martin Schulz…Cicero Debatte: „Annäherung der Türkei an EU wird immer schwieriger bis unmöglich“…FAZ Debatte: „Wir erleben im Westen insgesamt einen Kulturkampf“…Welt Bochum: U 35 soll bis Langendreer verlängert werden…WAZ Dortmund: 360 Grad-Blick in die Stadtbahn-Werkstat…Nordstadtblogger Duisburg: Die DVG benötigt dringend Bahnen…RP Online Essen: Neue Mini-Kameras zählen Fahrgäste in Essener Linienbussen…WAZ
Debatte: Deniz Yücel – das Haftprotokoll…Welt NRW: Die AfD rückt noch weiter nach rechts…RP Online NRW: Kaufkraftarmut ballt sich in westdeutschen Städten…Welt NRW: Immer mit der Waffenruhe…FAZ NRW: Schonzeit für Steuertrickser…RP Online Ruhrgebiet: „Neues wird grundsätzlich kritisch beäugt“…RP Online Bochum: Mummenschanz entfacht auch im Exil kunterbunte Begeisterung…WAZ Dortmund: Forscher Wilfried Bos über Mythen in der Bildungsforschung…WAZ Duisburg: Mit Plüsch und Perücke für Hochfelds Alte Feuerwache…WAZ Essen: Anti-AfD-Demo – Bunt, vielfältig, überschaubar…WAZ
Ein Experiment hat gezeigt, dass Nudging kaum funktioniert. Dennoch setzt die Politik immer mehr auf psychologische Verhaltensbeeinflussung. Sie fürchtet die Debatte mit den Bürgern. Von unserem Gastautor Johannes Richardt.
Sie verheißt in der Regel nichts Gutes: Die Post vom Stromanbieter. Jahresendabrechnungen mit hohen Nachzahlungen, Ankündigungen von Tariferhöhungen und manch andere böse Überraschung warten in den Briefumschlägen auf die Verbraucher.
Ganz anders sieht die Welt hingegen bei einigen tausend Kunden von Eon und zwei kleineren Versorgern aus. Diese bekamen im letzten Jahr freundliche Werbebriefe, die neben den nüchternen Verbrauchszahlen und allen möglichen Energiespartipps auch hübsche, zum Stromsparen animierende Grafik enthielten. In den Briefen wurde ihr Stromverbrauch u.a. im Verhältnis zu dem ihrer Nachbarn bewertet.
Man muss sich das so vorstellen: Unter der Überschrift „Die Bewertung ihres letzten Jahresverbrauchs“ findet sich eine dreistufige Skala. Besonders stromsparende Kunden wurden mit kleinen Smiley-Symbolen und einem „Großartig“ visuell beglückt, der Durchschnittsverbraucher bekam immerhin noch einen Smiley und ein „Gut“. Und selbst derjenige, der das Klassenziel verfehlt hat, wurde nicht etwa mit einem strengen „mangelhaft“ oder gar „ungenügend“ abgestraft, sondern bekam ein aufmunterndes „Das geht besser“ mit auf den Weg – allerdings ohne Smiley.
AfD-NRW Chef Marcus Pretzell Foto: Robin Krahl Lizenz: CC BY-SA 4.0
NRW: Pretzell-Gegner auf AfD-Spitzenplatz…taz NRW: AfD wählt Martin Renner zum Bundestagswahl-Spitzenkandidaten…Tagesspiegel NRW: Laschet fordert Ditib zur Entlassung von Imamen auf…RP Online Debatte: Schulz-Effekt schwindet…Welt Debatte: Große Mehrheit glaubt nicht an Schulz als Kanzler…FAZ Debatte: Trumps Streit mit den Medien…FAZ Debatte: Was Bannon wirklich sagte und wo er recht hat…Welt Debatte: Eine sehr deutsche Presseagentur…Jungle World Debatte: Frauen sollten sich nicht zum Spielball machen lassen…NZZ Debatte: Politischer Kitsch…Cicero Debatte: Wer Menschenrechte verletzt, soll büßen…Zeit Bochum: Wirtschaft ist weit entfernt von der Landesspitze…WAZ Essen: Lehrer an Berufskolleg soll ein „Reichsbürger“ sein…WAZ Essen: 500 Menschen demonstrieren gegen NRW-AfD…RP Online