Es hat etwas gedauert, aber mit der Kampagne „Ich bin kein Kostüm“ ist der Streit um das, was man kulturelle Aneignung nennt, nun auch einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland bekannt.
Worum es geht? Wikipedia erklärt es kurz und knapp:
„Kulturelle Aneignung (engl. cultural appropriation) ist ein Begriff aus der US-amerikanischen Critical Whiteness- Bewegung, die zur Reflexion von Macht- und Diskriminierungsverhältnissen aufgrund von Hautfarbe anregen will. Bei der kapitalistischen Aneignung werden traditionelle Gegenstände der materiellen Kultur verschiedener Ethnien zur Ware erklärt und ihres Kontextes beraubt.“
Also eigentlich eine ganz wunderbare Sache: Menschen übernehmen von anderen traditionelle Kleidungsstücke, Gerichte oder Verhaltensweisen, mischen sie mit den eigenen, entdecken dabei neues, entwickeln sie weiter und haben ihren Spaß: Chinesen essen in Peking Weißwurst, aber natürlich mit Stäbchen. In Italien gibt es Spaghetti Würstel, unsere heutige Pizza kommt
Im gemütlichen „Wir und Heute“-Podcast sprechen David Schraven und Martin Kaysh heute über die Vorzüge Katholik zu sein. Zumindest im Karneval. Auch wenn man aus der Kirche ausgetreten ist. Martin beschwert sich weiter über politische Werbung in der Süddeutschen Zeitung. Und David über Gemeinden, die sich an RWE-Aktien festklammern. Davon ab sieht es so aus, als hätte die Warsteiner Brauerei unseren Namen abgekupfert. Viel Spaß beim Feiern!
Auch Musik kann eine fürchterliche Waffe sein: Friedensgeiger Klaus in Aktion Foto: Alex1011 Lizenz: CC BY-SA 3.0
Noch ist es kalt, aber schon bald werden schlecht gekleidete Menschen in Fjäll-Räven-Jacken durch das Rheinland und das Ruhrgebiet ziehen: Der Ostermarsch 2017 steht vor der Tür. Natürlich werden die üblichen Dummheiten gefordert, für welche die Friedensbewegung schon lange bekannt ist: Verbot jeder Bundeswehrwerbung, Abzug alles Atomwaffen aus Deutschland und Senkung der Militärausgaben, am besten auf Null. Ein Zeichen des bereits erfolgten Hirntods der Unterzeichner des Aufrufs zum Ostermarsch 2017 ist allerdings die Forderung nach Verhandlungen mit dem Islamischen Staat:
Es muss mit allen Konfliktparteien, auch dem IS verhandelt werden. Die Waffen nieder und miteinander sprechen ist das Gebot der Stunde.
Unterschrieben haben den Aufruf unter anderem so Geistesgrößen wie Ralf Michalowsky ( ex-MdL Die Linke), Marion Köster (Bezirksvorsitzende DKP Ruhr/Westfalen) und Kathrin Vogler (MdB Die Linke).
Das ist nicht ganz neu. Ich war im Herbst 2015 bei einer Veranstaltung der Friedensbewegung in Frankfurt und schrieb darüber einen Artikel für die Welt. Damals forderte Thomas Carl
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Dr. Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung Foto: Foto: Land NRW / M. Hermenau
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Bei Lichte betrachtet ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht mehr als das Staatsoberhaupt eines Schwellenlandes, das seine inneren Konflikte nicht friedlich lösen kann, wirtschaftlich gerade abstürzt und auf dem Weg in eine Diktatur ist. Seine Erfolglosigkeit und die seiner Regierung überdeckt Erdogan durch ein immer autoritäreres Auftreten: Das Referendum, für das er wohl auch in Deutschland werben will, beendet die Demokratisierung der Türkei auf absehbare Zeit. Der Welt-Korrespondent Deniz Yücel wird, wie hunderte Journalisten, mit fadenscheinigen Begründungen in der Türkei in Haft gehalten. Oppositionspolitiker werden verfolgt. In Deutschland sind Imame des Moscheeverbandes Ditib mutmaßlich als Spitzel tätig, türkische Konsulate sollen Eltern und Lehrer auffordern, in Schulen Erdogan-Kritiker auszuspionieren.
Wenn sich ein Land all dies gefallen lässt, zeigt es Erdogan nur, dass er machen kann was er will. Machtmenschen wie Erdogan nutzen eine solche Schwäche aus. Die Bundesregierung sollte alle Eltern auffordern, Mitarbeiter der türkischen Konsulate zu melden, die sie als Spitzel anwerben wollen. Die Konsulatsmitarbeiter können dann am nächsten Tag die Bundesrepublik verlassen. Wenn Ditib als Spionagezentrale auftritt, gehört der Verband verboten. AKP-Politiker, die hier, formal wie am Samstag in Oberhausen der türkische Ministerpräsident Yildirim, als Privatperson und damit ohne diplomatische Immunität, für die Todesstrafe und die Abschaffung der Demokratie werben, sollte die Einreise verweigert werden.“
Erdogan sagte im Dezember, er habe keinen Respekt vor der deutschen Justiz. Es ist Zeit, ihm diesen Respekt beizubringen.
Recep Tayyip Erdogan Foto: swiss-image.ch/Photo by E.T. Studhalter Lizenz: CC BY-SA 2.0
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Was macht ein Laden wie „Polisphere„, der sich selbst als „Denkfabrik“ sieht, aber irgendwo zwischen Lobby-Klitsche und PR-Bude changiert, um im Wahljahr ins Gespräch zu kommen? Er haut eine Karte der deutsche Medienlandschaft raus. Das ist nicht dumm, denn vor allem Medienleute interessieren sich für Medien und reden danach ganz fürchterlich viel über sowas. Und der gemeine Wutbürger ist auch nicht unglücklich, wenn er von irgendwas, was nicht nach einem Haufen Irrer aussieht, Stoff zum Argumentieren bekommt. Sowas kann man ordentlich machen, in dem man sich intensiv mit Medien auseinandersetzt. Oder man kann es machen wie Polisphere:
„Unsere Übersicht ist selbstverständlich nur eine Diskussionsgrundlage und keine wissenschaftliche Ausarbeitung, beruht auf persönlichen Einschätzungen (nicht nur des polisphere-Teams) und ist natürlich nicht abschließend (ja, die großen Regionalzeitungen fehlen…). Wir freuen uns auf konstruktives Feedback!“
Sieht so aus, als habe man mit ein paar Kumpels am Tresen geplaudert und dann mal alles aufgeschrieben, was denen nach ein paar Bieren so einfiel. Zum Beispiel, dass man die Jungle World besser nicht lesen soll, aber die Junge Welt mehr „Basisinformationen“ bereit stellt. Und ARD und ZDF, die beiden Vergnügungsdampfer für Senile, verlässliche Nachrichtenquellen sind. Augsteins Wochenpostille für Pseudointellektuelle, Der Freitag, gilt dann als analytisch und nt-tv wird höher eingeschätzt als Spiegel-Online. Dazu der kumpelige Ton „Einfach nein“, „Besser nicht lesen“ – mit so einem Kram schafft man schnell Reichweite in den sozialen Medien bekommen, was dieser Artikel ja belegt, allerdings zeigt man auch, dass Kompetenz nicht gerade die eigene Stärke ist. Es ist nicht gut wenn alle darüber reden, dass man keine Ahnung hat. So geht plumpe Eigen-PR, die nach hinten losgeht.
Und dann gibt es da noch eine gewisse Nähe zu den gelobten Medien. Martin hat dazu etwas auf den Salonkolumnisten geschrieben.
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