LAK Shalom: Antisemitismus, Antiamerikanismus und die Linke

In den vergangenen Wochen wurde auf diesem Blog breit über den Antisemitismus in der Linkspartei diskutiert. Anlass war ein Antisemitisches-Flugblatt auf dem Server der Duisburger Linkspartei sowie ein Offener Brief von Hermann Dierkes, dem Fraktionsvorsitzenden der Linken im Duisburger Rat. Wir baten den LAK Shalom Bayern, einem Arbeitskreis im der Linkspartei nahestehenden bayerischen Jugendverband Solid, um einen Gastbeitrag.

Der Arbeitskreis Shalom wurde gegründet, um die blinden Flecken linker Gesellschaftskritik – Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus – zu beleuchten und endlich der Kritik auszusetzen, der sie sich viel zu lange entzogen haben. Er wendet

Weiterlesen

So etwas muss man sich vorher überlegen, Monsieur Strauss-Kahn!

Dominique Strauss-Kahn

So ganz genau steht es ja (noch) nicht fest, was sich am Samstag Mittag gegen 13 Uhr im New Yorker Luxushotel „Sofitel“ nahe Times Square ereignet hatte. Dominique Strauss-Kahn, der geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), soll gerade geduscht haben, so stellt es die New Yorker Polizei dar, als ein Zimmermädchen seine Suite betreten hatte, um zu putzen. Sie hatte nämlich angenommen, das Zimmer sei nicht mehr belegt. So etwas kann vorkommen; da muss wohl an der Rezeption etwas schief gelaufen sein.

Falls Sie jetzt fragen sollten, ob der Chef des IWF nicht von irgendwelchen Sicherheitsleuten bewacht wurde, weil der mächtigste Banker ja nicht irgendwer ist,

Weiterlesen

letzte Woche / diese Woche (kw20)

„Gotta flip a switch, pull out the stitches“ – „Ward 81“, The Fuzztones

Hach, all diese selig machenden Massenveranstaltungen! Kaum gibt es eine neue Aggression eines Landes aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen – zack! Wird das mit Vollglück spendenden Zusammengehörigkeitsevents gekontert. Da steht man dann natürlich extrem als Miesepeter da, falls man weiterhin auf die unangenehmen Aspekte auf der Weltkugel deutet. Und im Grunde geht es ja auch um konstruktive Mitarbeit!

Gut auch, wenn man immer hübsch zu tun hat. Mit Fragen der interkulturellen Entwicklung habe ich mich hier und mit den Kurzfilmtagen in Oberhausen hier und hier auseinander gesetzt. Tja, man ist halt verortet, da kann man sich nicht so leicht konstruktiv für etwas ganz woanders einsetzen. Dafür, dass die NATO keine Flüchtlinge sterben lässt zum Beispiel. Kann mal jemand das Leben von

Weiterlesen
Werbung


Ein musikalischer Gruß an Winfried Kretschmann

[youtube hpiIWMWWVco]
Mit Winfried Kretschmann wurde heute in Baden Württemberg der erste Grüne zum Ministerpräsidenten gewählt. Mit zwei Extrastimmen von der Opposition. In einem Auto- und Industrieland wird das kein ganz einfacher Job. Trotzdem: Es sieht so aus, als ober er nicht der einzige Grüne an der Spitze eines Landes bleibt: Renate Künast könnte es in Berlin schaffen Wowereit in Rente zu schicken. Wir grüßen indes Winfried Kretschmann mit einem Lied, gesungen vom wohl weltweit beliebtesten Grünen.

ProNRW: Schnorren in Köln?

Markus "Der Lispler" Beisicht

Partei als Geschäftsmodell? Auch das Finanzgebaren der Fraktion von Pro Köln im Rat der Rheinstadt legt den Verdacht nahe.

Wie in Gelsenkirchen ist auch die Fraktion von Pro Köln wegen der  Abrechnungspraxis ihrer sachkundigen Bürger  aufgefallen. Die Kölner-Fraktion der vom Verfassungsschutz beobachteten radikalen rechten Partei rechnet deutlich mehr Fraktionsitzungen ihrer Sachkundigen Bürger ab als die anderen Fraktionen im Rat – und bekommt für jede Sitzung pro Sachkundigem Bürger 35,60 Euro überwiesen. Auf Anfrage schickte uns die Stadt Köln die Zahlen. Die von Judith Wolters geführte Fraktion greift kräftig in die Stadtkasse der Domstadt. Allein die Zahlen vom März dieses Jahres sprechen eine deutliche Sprache:

Abrechnete Sitzungen der Sachkundigen Bürger:

Die CDU-Fraktion 64
SPD-Fraktion 72

FDPFraktion 97

Bd. 90/Die Grünen 66

Die Linke.Köln 72

Pro Köln 271

Rechnet man das für den März auf den einzelnen Sachkundigen Bürger um, sieht das dann nach Angaben der Stadt Köln so aus:

Die 271 abgerechneten Sitzungen aller Sachkundigen von pro Köln verteilen sich im März 2011 auf insgesamt 21 Sachkundige, die im März jeweils an einer gewissen Anzahl an Sitzungen teilgenommen haben –  manch einer hat 12 Sitzungen besucht, ein anderer 5 usw. Wenn man einen Durchschnitt errechnen würde, dann hätte ein einzelner dieser Sachkundigen im März an 12,9 Sitzungen teilgenommen.

Weiterlesen

letzte Woche / diese Woche (kw19)

Jetzt gehen diese Drohnen tatsächlich auf die Jagd nach einzelnen Menschen. Heya Safari! Die Weißen haben ein neues Schießgewehr! Ich weiß nicht wie Sie das sehen, aber dieses anscheinend uferlose Aufbrechen der Staatsgrenzen und Privatsphären, das Okkupieren von Territorien und Köpfen – finden Sie das gut oder was? Militärisch kann man ja nicht überall sein, dennoch schustern wir uns via Medienbestrahlung (und Geheimdienste) mal global mehr Konflikte, als wir bewältigen können. Bisschen überzogen, lieber Westen, hm? „Wieso überzogen?“, antwortet der Westen. „Ist halt wie im Supermarkt.“

Wahrscheinlich läuft das hier in der Gegend alles einfach unter „technischer Fortschritt“, aber de facto schustern die mit der größten Medienmacht doch nun einmal offensichtlich zusammen, wie wir die Welt sehen sollen, oder? Und weil hier „der Westen“ ist, erscheint uns das alles vollkommen plausibel. Und dann erscheint es so, als würden Staaten wie Russland, China, Indien, vielleicht Brasilien, immer vorsichtig „vermitteln“ müssen zwischen der „Wahrheit“ hier und der „Wahrheit“ der anderen. Indien meinte ja letzte Tage, sie würden da auch ein paar Leute in Pakistan kennen, die sie gerne liquidieren würden. Und Pakistan so sinngemäß als Antwort: „Nicht jeder darf, was die USA darf.“ Ich finde, die darf ganz schön viel. Und vielleicht hängt das damit zusammen, dass kaum jemand deren storytelling infrage stellt – oder nur selten.

Deshalb ist es also völlig legitim, die jeweils aktuellen „großen Erzählungen“ speziell Krieg führender Staaten infrage zu stellen. Das tun manche dann auch, indem sie Gegengeschichten entwerfen. Die müssen ja gar nicht stimmen, das ist nicht der Punkt, und insofern brauchen uns da die Medien auch nicht über die Psyche von Verschwörungstheoretikern aufklären. Diese Gegengeschichten müssen hauptsächlich da sein, damit klar ist, dass die hegemoniale Seite auch nur Geschichten erzählt. Vorschlag: Wir glauben dann einfach keine Geschichte, lassen uns aber auch nicht zu sehr damit beschäftigen, was denn nun wahr sein könnte – denn so etwas klärt sich höchstens hinterher, wann immer das sein mag. Und dagegen wird dann eine neue Saga gestrickt. Das ist bitter, aber besser als immer so tun müssen, als glaube man das alles und sei womöglich noch dafür, oder nicht?

Einfache Bilder aber sind populär, das findet sich nicht nur auf dieser Seite hier permanent, sondern auch immer wieder im Mediengeschehen. Wie bedingungslos zum Beispiel die Jungle World hinter allen Territorialverletzungen der letzten Zeit steht und sogar mehr Kriegspropaganda betreibt als die taz und sich dabei offensichtlich rechts von der Bundesregierung befindet. Erstaunlich konsequent! Das zeigt einerseits, wie gut das in Deutschland immer klappt, dass für jedes Grüppchen ein Clübchen gebaut wird, das letztlich gut zu aggressiver Außenpolitik und funky Konsumentendasein passt (der Rest ist eh Image, ne?). Das zeigt aber auch, dass diese Clübchen einfach für jeden Gegner von irgendwem eine Anlaufstelle bieten. Islam-Gegner hierhin, Israelfeinde da lang, bitte. Ja, es gibt auch eine eurozentrische Ecke im sogenannten linken Bereich. Und ja, Feministinnen müssen nicht für Israel sein, wir arbeiten noch dran. Veganer eher gen pro-Islam, bitte. Fahrradfreunde? Können ja den deutschen Einfluss auf Japan und China stärken. Wow! Das ist eine starke, bunte Gesellschaft! Wir sind halt die Borg, um es in einem Star Trek Terminus auszudrücken. (Und die Kids glauben auch noch, sie seien irgendwie in Opposition dazu. Euromayday? Geiles Ding!)

Aber ich will tolerant sein. Wir machen das ja alle nicht bewusst. Kümmern uns um aussterbende Tierarten, machen aber jede andere Kultur platt. Verballern pausenlos Strom beim Protest gegen die hiesige Energiepolitik. Argumentieren permanent gegen Lebensentwürfe, die keine oder wenig Abhängigkeit der einzelnen von Konzernen bedeuten würden. Wünschen uns eigentlich wahrscheinlich an Schüppe, Herd oder Gewehr zurück, weil damals noch klarer war, wem man zu gehorchen hatte, was? Oder sind das heutzutage einfach Rechner, Rechner und Rechner? Immer diese Widersprüche! Kann ein Mensch nicht einfach 40 Stunden für die Gesellschaft (na, die hier, ne, wat sons?) arbeiten und ansonsten noch ein bisschen zeigen, dass er oder sie voll einverstanden ist, aber natürlich Details kritisch gegenüber steht – und ansonsten Freizeit haben? Nein. Das geht hier nicht. Sie können nämlich bestimmte Dinge nicht (tun). Andere können das. Und deshalb helfen Sie, die umzubringen. So als Arbeitskraft, Konsument und Quasi-Privatmensch. Sie verstehen die anderen auch gar nicht. Das sind für Sie Primitive. Da reden Sie eher mit ihrem Haustier, Quatsch: Computer. Gut, Sie jetzt genau sind nicht so? Sorry. War nicht persönlich gemeint. Wir kennen uns ja auch gar nicht. Warum eigentlich nicht? Tja. Da müssen wir uns doch bestimmt mal virtuell vernetzen und jedeR einzelne fett Konsumpropaganda global rausbrezeln, hm? Dann klappt das auch schneller mit dem weltweiten Gleichschritt der sogenannten Individualisten. Machen wir doch mal nächste Woche wieder richtig feste, hm? Einfach mal so, für unsere extrem bunte Kultur. Die einzig wahre, ne? Pff!

Fotos: sodahead.com, „Die Sklavenjäger“ von Jürgen Goslar von cinema.de und Szenenfoto aus „Ein Schluck Erde“ nach Heinrich Böll von theater-wir.de (könnte auch mal wieder aufgeführt werden)

American Jewish Committee (AJC) kritisiert Palästinenser-Konferenz in Wuppertal

Das American Jewish Committee (AJC) kritisiert in einem offenen Brief an Wuppertals Oberbürgermeister Jung die Palästinenser-Konferenz, die am kommenden Wochenende in der Schwebebahnstadt, stattfinden soll. Teilnehmer der Konferenz würden das Existenzrechts Israels bestreiten. Auf einer Webseite zur Konferenz sei zudem von „Endlösung“ die Rede.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jung,

 

bereits seit acht Jahren findet die „Konferenz der Palästinenser in Europa“ statt, welche vorgibt für Solidarität und Förderung des Friedens einzustehen. Die Konferenz findet nun am kommenden Samstag in Wuppertal unter dem Motto „Die Generation der Rückkehr kennt ihren Weg“ statt. Das Hauptthema ist das sogenannte „Recht auf Rückkehr“. Auf der Website der Konferenz ist in diesem Zusammenhang von „Endlösung“ die Rede – eine unverhohlene Anspielung auf den Sprachgebrauch der Nationalsozialisten, die als „Endlösung“ die Ermordung der Juden während des Holocausts bezeichneten.

Weiterlesen
Werbung


Fukushima: nichts geht mehr

Es ist ruhig geworden um Fukushima. Kein Wunder: irgendwie passiert da ja auch nichts. Und unsereins muss sich schließlich noch um andere Sachen kümmern. Freitag: Kate und Willy werden verheiratet. Samstag: Borussia Dortmund wird Meister. Sonntag: Johannes Paul wird selig. Montag: Osama bin Laden auch. Das sind alles Weltereignisse! Okay, die Sache mit Fukushima war auch eins. Ein Weltereignis, ja sicher, hat ja auch ganz schön was bewirkt. Aber Entschuldigung: die Geschichte ist jetzt fast zwei Monate alt. Wie sagte noch Stepi? „Lebbe geht weiter.“ Na also.

Fukushima – ehrlich gesagt: da geht gar nichts mehr. Nichts gegen Atomkraftwerke in Japan. Das AKW Onagawa zum Beispiel: das ist bei einem Nachbeben Anfang April kräftig beschädigt worden.

Weiterlesen

Merkels Freude und Bin Ladens Tod

[youtube MFY22RpQFJc]

Gestern wurde Osama bin Laden von einem US-Kommando in Pakistan getötet. Am Mittag hörte ich dann im Radio Bundeskanzlerin Angela Merkel den Satz sagen „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“ Das fand ich ehrlich. „Manchmal  ist sie  einfach cool“ dachte ich. Denken aber nicht alle. Hannes auf Zoom:

Israel hat den Verbrecher Eichmann entführt und ihm den Prozess gemacht. Der Prozess hat der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der geschichtlichen Erkenntnis gedient.  Als “Banalität des Bösen” hat Hannah Arendt die Person und die Verbrechen des Mörders Eichmann in unserem politisch-kulturellen Gedächtnis verankert. Eichmann ist von einem Gericht zum Tode verurteilt worden.

(…)

Dieser Osama bin Laden hätte entmystifisziert werden müssen – als die Banalität des Terrors.

Ich wünsche, trotz aller Bedenken, dass dies Unterfangen, so es existiert, noch gelingt. Ich befürchte, dass es sehr schwer wird.

Vor allem unter meinen Facebook-Freunden gibt es einen erbitterten Streit um diesen Satz von Merkel. Sicher, ein Prozess gegen bin Laden hätte ihn entmystifizieren können. Und wäre gut gewesen. Aber ob er hätte überhaupt verhaftet werden können weiß ich nicht – und wir werden es nie wissen. Bin Laden er starb in einer Kampfsituation, er starb in einem Krieg, den er begonnen und gewollt hat. Merkels Freude über den Tod eines Massenmörders kann ich verstehen. Der Mann kämpfte Zeit seins Lebens gegen die Freiheit, gegen die Gleichbgerechtigung der Frau und für Unterdrückung. Warum sollte man am Tag seines Todes  trauern?

Update: Osama bin Laden ist tot

[youtube zqAMkDstPiU]

US-Präsident Barack Obama verkündete in einer knappen und beeindruckenden Rede den Tod von Al Qaida Gründer Osama bin Laden. US-Spezialkräfte haben ihn in der Nacht in Pakistan gestellt und getötet. Bin Laden gilt als einer der Hauptverantwortlichen zahlreicher Terroranschläge, unter anderem auf die Twin-Towers in New York am 11. September 2001.

Update:

Hier Obamas Rede zum nachlesen:

Good evening.

Tonight, I can report to the American people and to the world that the United States has conducted an operation that

Weiterlesen