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Covid-19: Da deutet sich gerade ein heißer Herbst für uns alle an

3D-Grafik des SARS-CoV-2-Virions Bild: CDC/ Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAM – This media comes from the Centers for Disease Control and Prevention’s Public Health Image Library (PHIL), with identification number #23312 Lizenz: Gemeinfrei

In Bayern wurden hunderte von Corona-Infizierten über Tage hinweg offenbar nicht über ihren Status informiert. Eine von außen nur schwer nachzuvollziehende Tatsache. Ausgerechnet im von Ministerpräsident Markus Söder bisher in den Augen vieler so vorbildlich agierenden Freistaat Bayern so eine gravierende Panne.

Was lehrt uns das? Nun ja, zum einen zeigt es, dass auch Bayern seine Probleme mit dem Virus hat, wenn es um die Organisation des Kampfes gegen Corona geht. Zum anderen mach es aber auch deutlich, welche Probleme in den kommenden Tagen noch auf uns alle zukommen dürften, wenn die die Masse der Urlauber wieder daheim ist, der Alltag uns endgültig wieder hat.

Hier bei uns in NRW hat der Schulbetrieb ja schon wieder begonnen. Berichte aus unterschiedlichen Schulen und Orten bestätigen einem leider den Verdacht, dass von einem schlüssigen ‚Konzept‘ für den Schulbetrieb, wenn denn überhaupt, vielerorts wohl nur in Ansätzen gesprochen werden kann.

Schüler sitzen teilweise auffällig eng beieinander. Die angedachte Pflicht zum durchgängigen Tragen einer Mund/Nase-Bedeckung, erscheint in diesen heißen Tagen nur schwer durchgängig durchzuhalten zu sein.

Man muss also kein Prophet sein, um zu erahnen, dass wir in ein paar Tagen, weiterhin deutlich steigende Fallzahlen haben werden, Schulschließungen zum Thema werden dürften.

Das Alles vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Rückkehrer aus dem Urlaub, wie der Fall Bayern zeigt, dabei zum schwer zu kalkulierenden Brandbeschleuniger werden dürften. Denn wenn Bayern schon solche Probleme bekommt, wie wird erst die Realität hier in NRW oder anderen Bundesländern aussehen?

Nach allem was man hört, wird in vielen Bundesländern weder vernünftig überwacht ob die Rückkehrer aus Risikogebieten sich denn auch an die vorgesehene Quarantäne halten, noch ob sie sich überhaupt auf das Virus testen lassen. Da wird der gut gemeinte Plan der Gesundheitspolitiker rasch zum reinen Papiertiger.

Spannend auch, dass demnächst in Düsseldorf ein Konzert vor rund 13.000 Zuschauern im Stadion stattfinden soll. Bundesligaspiele mit Publikum wurden kürzlich hingegen noch abgelehnt. Wie man dann ein Konzert mit ähnlichen Besucherzahlen für OK befinden kann, ist nicht nachzuvollziehen.

Halten wir also fest: Chaos bei den Reiserückkehrern aus Risikogebieten, Regelebetrieb in den Schulen ohne wirkliche Konzepte und dazu wieder erste Großveranstaltungen in der Unterhaltungsbranche.

Es sieht so aus, als stünde uns ein spannender Herbst bevor. Aber bitte nicht überrascht tun, wenn sich die Corona-Probleme demnächst türmen. Um die besorgniserregenden Tendenzen und vielen Widersprüche beim Kampf gegen die Pandemie zu erkennen, muss man wahrlich kein ausgewiesener Experte sein.

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7 Kommentare zu “Covid-19: Da deutet sich gerade ein heißer Herbst für uns alle an

  • #1
    Thomas

    "Eine von außen nur schwer nachzuvollziehende Tatsache."

    Wirklich? Für viele die mal mit Ämtern zu tun hatte kommt das nicht wirklich überraschend.

  • #2
    ke

    Die Tests haben systemische Probleme, da versäumt wurde den Prozess zu automatisieren.
    Für alle Prozesse gibt es nur Zettel als Lösung. Das fing mit Einreisekarten an, geht über Anwesenheitslisten bei Restaurants etc.
    Wie soll dies funktionieren?

    Dann kommt hinzu, dass die Testprozesse, die eine hohe Geschwindigkeit erfordern, um wirksam zu sein, von der Verwaltungsseite nicht durchautomatisiert sind.

    Was bringt ein Test, wenn das Ergebnis erst nach Tagen verfügbar ist? Das Problem gibt es überall. Es sind schon an anderen Stellen Tests verschwunden. Dass Zettel mit Handschrift nicht funktionieren, ist das kleine 1×1 der Datenerfassung. Wer kann heute noch lesbar schreiben?

    Die Corona Warn App könnte viele Fälle abdecken. Dafür bräuchte es aber höheren Druck bei den Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen, endlich die für die Pandemie erforderlichen schnellen Prozesse zu etablieren.
    Bei Internet-Dienstleistern klappt es auch. QR Code des Entnahmegefäßes scannen, nach ein paar Tagen kommt das Ergebnis auf die App.

    Die Prozesse der Quarantäne Überwachung sind auch nicht etabliert. Sind alle Schüler, die in Risikoländern im Urlaub waren, in Quarantäne? Wurde dies aktiv von den Schulen hinterfragt?

    Insgesamt kosten uns diese Defizite in den Verwaltungen Lebensfreude und Gesundheit. Hier müssen die Behörden und ihre Strukturen endlich mal im Jahr 2020 ankommen und ihre Ärmelschoner ablegen. Ein Großteil der aktuellen Probleme liegt einfach auch im Schneckentempo der Gesundheitseinrichtungen und Verwaltungen begründet.

    Herr Söder hatte schon immer Probleme in Bayern, er verkauft aber klare Strategien und ambitionierte Ziele. Damit hat er aktuell ein Alleinstellungsmerkmal.
    In NRW schaffen wir es aktuell nicht, auf Landesebene bessere Werte als der Failed State Berlin als Stadtstaat zu erzielen. Corona in NRW und aktuell insbesondere im Ruhrgebiet ist ein Desaster.

    Es gelingt in den letzten Wochen nicht, insbesondere die sozialen Brennpunkte auf Corona zu sensibilisieren bzw. Regeln notfalls durchzusetzen. Auch ein Großteil der Fälle aus Risikoländern kommt eher nicht aus den klassischen Urlaubsländern, sondern lässt auf Besuche in Herkunftsländer schließen. Dass bei den aktuellen positiven Testraten noch Flugbewegungen erlaubt sind, ist erstaunlich. Wer will bei den Corona Raten 3 STunden mit mehreren Infizierten im Flieger sitzen?

  • #3
    Walter Stach

    ke
    -2-

    "Corona ….und aktuell im Ruhrgebiet ist ein Desaster…."

    "Es gelingt …nicht, insbesondere die sozialen Brennpunkte …zu sensibilisieren bzw. Regeln notfalls durchzusetzen".

    Das scheint mir auch so.

    Ke
    Nicht gefragt haben Sie danach, warum das so sein könnte. Folglich haben Sie auch keine Ideen vorgetragen, ob , durch wen und wie sich dieserhalb kurzfristig etwas "zum Besseren" aller unmittelbar betroffenen Menschen und aller mittelbar gefährdeten ändern lassen könnte, ganz abgesehen von Antworten auf die Frage nach mittelfristig/langfristigen denkbaren (wünschenswerten ?) Mitteln und Methoden, die von Ihnen sog. sozialen Brennpunkte speziell hier im Ruhrgebiet aufzulösen bzw. diese zumindest ihrer Qualität und Quantität zu minimieren.

    Sollte "man" so fragen?

    Könnte "man" speziell hier im Ruhrgebiet -in der Ruhrgebiets- Gesellschaft, in der kommunalen/der regionalen Politik- Antworten auf diese Fragen finden und z.B. durch den KVR geplante und unter seiner "Federführung" umgesetzte Maßnahmen " ruhrgebietsumfassend "jetzt und hier" umsetzen? So wenig wie sich in Europa die Pandemie national separieren und national begrenzt bekämpfen laßt, ist das im Ruhrgebiet stadtbegrenzt/stadtsepariert möglich " in Herne so, im benachbarten Castrop-Rauxel anders und in DO wiederum….". Ein spontaner Gedanke von mir, der wahrscheinlich das Ergebnis meiner Wahrnehmung eines mir zunehmend chaotisch erscheinenden Zustandes in "Zeiten der Corona-Pandemie" sein könnte; zugegeben relativ belanglos angesichts der Qualität und der Quantität der weltweit das Leben der Menschen tangierenden, belastenden, zerstörenden Pandemie.

    Oder sind solche Fragen und die Suche nach Antworten zu altruistisch?
    Ich stelle jedenfalls mehr und mehr bei mir fest, daß der Rückzug auf mich selbst, die Konzentration auf mein Tun/ Unterlassen , mit dem einen Ziel, alles zu tun um mein Überleben und daß meiner Angehörigen bestmöglich zu sichern, mein Denken und Handeln zu dominieren beginnt; wohlwissend, daß ein solcher Alleingang letztendlich nicht zielführend sein kann.

    Ke
    nicht trotz, sondern gerade wegen all der individuellen und der gemeinschaftlichen Irrungen und Wirrungen , der Sorgen und Nöte in extrem schwieriger Zeit, wünsche ich Ihnen -und allen Ruhrbaronen- ein gutes Wochenende.

    "Bis demnächst" !

  • #4
    Helmut Junge

    @Ke, Bisher funktioniert die deutsche Anticoronastrategie deswegen, weil Umarmungen oder bei der Begrüßung küssen, wegen der Steifheit unserer Bevölkerung unüblich sind, und weil ein großer Teil der Bevölkerung diszipliniert sind. Das ist unser ganzes Geheimnis. Es hat geklappt trotz unserer Behörden und deren Ausrüstung.
    Söder meint es ernst und seine Kritiker waren selber nie offen für Untersuchungen an den Grenzen eingetreten. Im Gegenteil! Sie sind es nicht einmal jetzt und haben oft solche Untersuchungen sogar abgelehnt. Aber sie kritisieren Söder trotzdem süffisant. An anderen Grenzen klappt es sicherlich auch nicht, nur sagen die gleichen Leute die jetzt Söder kritisieren dort nichts, weil sie sie solche Untersuchungen sowieso ablehnen. Heuchler gibt es überall.

  • #5
    Susanne Scheidle

    In München wurde jetzt tatsächlich mit der digitalen Erfassung der Tests begonnen… wow! Bisher wurden die zu Testenden nämlich handschriftlich erfasst, unleserliche Namen und Telefonnummern inclusive… das verdeutlicht das Problem ein wenig.

    Immerhin hat Herr Söder seinen Besuch in Niedersachsen gecancelt, während Herr Laschet sich ungerührt in Sachsen-Anhalt für die Wahl zum CDU Vorsitzenden warmlief während hier die Zahlen wieder hochschossen – und Maßnahmen noch nicht einmal in Erwägung zieht sondern lieber an die Vernunft der Leute appelliert, als ob die neuen Zahlen nicht genau der Ausdruck von Unvernunft einer offenbar immer größer werdenden Minderheit wäre.
    So eine kleine Drohung mit gewissen Verschärfungen könnte sich ja womöglich positiv auswirken…

  • #6
    Walter Stach

    "Eine Bilanz der ersten Pandemiewelle"
    -sh. Spiegel online
    unter Corona-Pandemie
    "So unterschiedlich meistert Europa die erste Welle".

    Interessante, bedenkenswerte Informationen -jedenfalls für mich.

  • #7
    ke

    @3 W Stach:
    Ja, die Städte schaffen es nicht, zusammen Leitlinien zu entwickeln. Da will wohl jeder Boss zeigen, dass er das Sagen hat. Wenn dann Leistung gefragt ist, ducken sie sich weg und alles dauert. Irgendwie wie bei der Loveparade als alle Verantwortungsträger sofort in Deckung gegangen sind.

    Die Wirtschaft läuft, die Verwaltung "fährt noch hoch". Ja, die Kommunen müssen im Alltag Themen-Teams bilden, die dann gemeinsam Lösungen für bestimmte Bereiche entwickeln.

    Nehmen wir Dortmund. Das Corona Test-Zentrum gehört mitten auf einen Platz im Herz der Nordstadt. Dass eine Corona Warn App nicht an vielen Plakatwänden auftaucht und zuerst auch nicht in den hier gesprochenen Sprachen übersetzt wurde, zeigt nur, dass insbesondere die Corona-Brennpunkte nicht im Fokus sind.
    Corona ist auch kein Wahlthema.

    Gibt es Sozialarbeiter, die auf Probleme aufmerksam machen? Greift das Ordnungsamt in Brennpunkten durch. Wenn man Social Media liest, ist das nicht der Fall.

    Herr Laschet ist überall, nur nicht da, wo er gebraucht. Es stellt sich wirklich die Frage, ob man ihm nicht sein Gehalt kürzen soll. Wir sind aktuell mit einigen Städten im Bereich von über 30 Fällen und stehen dort kurz vor dem Lockdown. Warum dürfen eigentlich noch Flieger aus Risikogebieten landen, ohne dass alle Passagiere wirksam kontrolliert werden. Damit meine ich ausdrücklich keine Formulare, die mit der Hand ausgefüllt werden.

    Die Lage in NRW ist aktuell ein Desaster.

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