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Das Auto, die Politik und die Wut


Die Automobilindustrie ist einer der Grundlagen des Wohlstands in diesem Land. Wenn diese Schlüsselindustrie beginnen würde, massiv Arbeitsplätze abzubauen, wären die politischen und wirtschaftlichen Folgen unabsehbar.

Der Kabarettist und Physiker Vince Ebert brachte den Dieselskandal auf den Punkt: „Was ist typisch deutsch? Wenn studierte Theaterwissenschaftler utopische Grenzwerte beschließen, Ingenieure und Automanager aus Feigheit vor einer öffentlichen Konfrontation kuschen und dann hintenrum versuchen, das Ding mit unlauteren Mitteln hinzubiegen.“ Politiker haben Grenzwerte, getrieben von Ökolobbyisten wie der äußerst geschäftstüchtigen Deutschen Umwelthilfe, festgelegt, die nicht nur kaum zu halten sind, sondern auch anderen umweltpolitischen Zielen widersprechen. Matthias Klinger, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme erklärte das im Interview mit den Dresdner Neuesten Nachrichten:

„Während der Feinstaub so gut wie nicht vom Verkehr abhängt, ist der Zusammenhang zwischen Stickoxiden und Verkehrsaufkommen durch den Verbrennungsprozess wirklich gegeben. Dazu gibt es eine einfache technische Erklärung: Bei hohen Motortemperaturen wird auch Stickstoff, zu 70% in der Luft enthalten, verbrannt. Bei höherer Motortemperatur verringere ich zwar den Ausstoß von Feinstaub, indem der Kraftstoff besser verbrannt wird. Wenn ich die Motortemperatur aber hochsetze, verbrenne ich auch mehr Stickstoff und damit erhöhen sich die Stickoxidwerte im Abgas. Es ist also ein antagonistischer Widerspruch, Feinstaub und Stickoxidwerte durch eine geschickte Motorsteuerung gleichzeitig reduzieren zu wollen.“

Nun hat die Autoindustrie ein Problem und nicht wenige frohlocken und sehen einen weitere Branche der verhassten Industrie untergehen: Nach Kerntechnik, Kraftwerksbau, Gentechnik könnte es nun die Autoindustrie erwischen. Ökonomische Analphabeten wie die Anhänger der Postwachstumsökonomie, sicher im Öffentlichen-Dienst beschäftigte und gut situierte und ökologisch gesonnene Erben blicken voller Freude in die Zukunft, denn sie glauben, erneut von den Folgen der Ökohysterie verschont zu werden. Ich wäre mir da nicht so sicher. Das statistische Bundesamt hat aktuelle Vorlagen zur Bedeutung der Automobilindustrie vorgelegt:

Im Jahr 2016 gab es in Deutsch­land 1 327 Betriebe von Unter­nehmen mit 20 und mehr tätigen Personen, die Kraft­wagen und Kraftwagenteile produzierten. Hier arbeiteten rund 828 000 Personen – das entsprach 14 % der insgesamt in den Betrieben des Verar­beitenden Gewerbes Beschäftigten. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von 407 Milliarden Euro.

Der hohe Umsatz ist auch auf die starke Nachfrage aus dem Ausland zurück­zuführen: 63 % des 2016 erzielten Umsatzes (257 Millarden Euro) wurden im Ausland erwirtschaftet.

Doch es sind nicht nur die 828000 direkt Beschäftigten, deren Existenzen an der Automobilindustrie hängen, wie die Wirtschaftswoche erklärt:

In mehreren Studien haben Wissenschaftler zudem die indirekten Jobeffekte untersucht. Input-Output-Analysen ergaben für solche mittelbaren Beschäftigungseffekte den Faktor 2,4. „Das bedeutet, dass in Deutschland etwa 1,8 Millionen Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Autoproduktion abhängig sind“, sagt Heinz-Rudolf Meißner, Vorstand der Forschungsgemeinschaft für Außenwirtschaft, Struktur- und Technologiepolitik in Berlin.

Und nein, die Automobilindustrie nicht mit der Kohle zu vergleichen: Gäbe es nicht politische Vorgaben, wäre sie erfolgreich. Die deutsche Kohle war seit schlicht nicht mehr marktfähig – die Produkte der deutschen Autoindustrie sind weltweite Exportschlager.

Wenn 1,8 Millionen Menschen sich die Frage stellen, ob sie in einem Jahr noch die Raten für ihr Reihenhaus oder die Miete zahlen können, wird das politische Folgen haben. Die Flüchtlingskrise 2015 wird im Vergleich zu dem, was da kommen könnte, ein Kindergeburtstag gewesen sein.

Wer Rechtsradikale fördern will, legt jetzt die Axt an die Automobilindustrie und engagiert sich für den raschen wirtschaftlichen Niedergang dieses Landes. Denn 1,8 Millionen Menschen werden nicht einfach zusehen, wie ihre Existenz gefährdet wird. Sie werden sehr wütend sein und wer ihnen erklärt, dass es doch ein ganz tolles Leben jenseits Tretmühle des Kapitalismus gibt und Repair-Cafés und Urban-Gardening wunderbare Alternativen sind, sollte schnelle Turnschuhe und eine gute Kondition haben. Noch ist es ruhig, weil sich niemand vorstellen kann, dass diese Industrie zusammenbricht, weil sich niemand der Folgen einer solchen Deindustrialisierung dieses Landes vorstellen kann. Wer wissen möchte, wie es bald in Wolfsburg oder weiten Teilen Baden-Württembergs aussehen könnte, kann ja eine kleine Tour durch das Ruhrgebiet machen. Trotz Milliardensubventionen, großen Sozialprogrammen, einem mit Steuergeldern aufgeblähten öffentlichem Sektor, Investitionen in Hochschulen und Forschungseinrichtungen lassen sich hier Städte nach der Deindustrialisierung betrachten: Verfallende Quartiere, hohe Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, hässliche Städte, die nicht genug Geld haben, ihre Infrastruktur aufrecht zu erhalten, schlechte Schulen.

Die Autoindustrie wird sich wandeln müssen. Märkte werden sich verändern, Unternehmen untergehen und neue entstehen. Das ist der Lauf der Dinge im Kapitalismus. Wer allerdings jetzt durch politische Vorgaben diese Industrie ruiniert, riskiert das friedliche Zusammenleben in der ersten stabilen Demokratie in diesem Land.

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41 Kommentare zu “Das Auto, die Politik und die Wut

  • #1
    Reinhard Matern

    Stefan, du übersiehst etwas. Der Skandal um Autos betrifft nicht nur Öku-Deutschland, sondern auch internationale Märkte, insbesondere die USA. Die Automobil-Industrie hat sich selber ins Knie geschossen. Der von dir beschworene Exportschlager ist schon Vergangenheit.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Reinhard Matern: Die USA sind als Markt nicht entscheidend:
    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.faktencheck-verkaufen-deutsche-unternehmen-millionen-von-autos-in-die-usa.4e5e695e-ab8d-492e-96bc-884fe943c6ba.html
    Ausserdem: Wenn es mit der Autoindustrie bergab geht, werden es Städte wie Duisburg, die ja vom reichen Süden durchgefüttert werden, sehr bitter zu spüren bekommen. Aber die Armen können ja dann bei den Grünen, der Umwelthilfe und dem BUND nachfragen, was sie machen sollen.

  • #3
    Thomas Weigle

    Nun wissen wir, dass die vermaledeiten Umweltverbände und NGOs allesamt am wahrscheinlichen Untergang der Autoindustrie schuld sind und nicht deren von Profitgier und geldgierigen Aktionären getriebenen Manager, die technischen Fortschritt auf bisher nicht gekannte Weise interpretieren und durchführen. Die Ruhrbarone als Verteidiger einer betrügerischen und raffgierigen Managerbande. Meine Güte!!

  • #4
    Helmut Junge

    Der Wirkungsgrad einer Verbrennungsmaschine, ob Auto oder Kraftwerk, hängt von der Verbrennungstemperatur ab und wird über den Carnot-Faktor definiert. Deshalb hat man viel daran geforscht, wie man die Temperaturen erhöhen kann, ohne daß das Gerät verbrennt. Beim Diesel kann die Temperatur rein technisch gesehen höher liegen, als beim Benziner. Deshalb ist der Diesel auch wirtschaftlicher als ein Benziner. Der Nachteil ist tatsächlich der, daß dabei auch mehr Stickoxide entstehen. Das gilt übrigens auch bei Kraftwerken. Dafür hat ein Benziner bei gleicher Leistung eine höhere CO2-Erzeugung. Und jetzt kommt der Clou. Weil es bei Kraftwerken mittlerweile Filter gibt, die Stickoxide absorbieren, sagt man :"Die erzeugen zuviel CO2, während man das bei Benzinern merkwürdigerweise nicht sagt. Sondern da sagt man: Der Diesel erzeugt zwar weniger CO2, aber gilt plötzlich nicht als schädlich, wohl aber die Stickoxide. Mal so, mal so. Eigentlich müßte die Forderung sein: Macht die Benziner CO2-ärmer. Das Hauptproblem ist, daß 99% aller Umweltschützer keinen Physikunterricht hatten und solche Zusammenhänge überhaupt nicht kapieren, aber dennoch viel Einfluß auf die Politik haben. Viel zu viel!
    Nebenbei muß beim hochgelobten Elektroauto die erforderliche Energie erst einmal im Kraftwerk erzeugt werden. Und das mit all dem unbeliebten CO2-Ausstoß, die Stickoxide auch nicht zu vergessen. Das hindert aber die sogenannten Umweltschützer nicht, solch ein Gefährt für umweltfreundlich zu halten.

  • #5
    Thorsten Stumm

    @Junge
    Genau, und zugleich wird bei der E-Mobiltät völlig vergessen oder verdrängt, dass die benötigte Energiemenge für einen auch nur halbwegs vergleichbaren automobilien Individualverkehr weder chemisch oder phsykalisch durch Batterien ersetzbar ist. Auch sind die dafür benötigten Grundstoffe wie zb. Lithium auf dieser Erde gar nicht in dafür ausreichender Menge verfügbar oder vorhanden. Da wird sich kräftig in die Tasche gelogen. Aber wenn man das sagt, verteidigt man ja nicht Fakten sondern angeblich geldgeile Manager…..ziemlich verkehrte Welt.

  • #6
    W.K.

    Dies war eine Leserzuschrift in der ZEIT:

    Februar 2018: Angela Merkel verkündet die "Verkehrswende" – Autos mit Verbrennungsmotoren dürfen ab 2035 in Deutschland nicht mehr zugelassen werden.
    Sommer 2020: VW kündigt an, seine Werke Emden und Zwickau zu schließen
    Wenige Monate später erklärt Peugeot, alle Opelstandorte außer Rüsselsheim zu schließen. Ford schließt Saarlouis, BMW Dingolfing und Leipzig.
    Das Umweltbundesamt veröffentlicht eine Studie, wonach in Deutschland 280.000 Arbeitsplätze in der Fahrradherstellung zu erwarten seien.
    März 2021: Kurz vor der Bundestagswahl eröffnet Angela Merkel mit viel Medien-Bahoo eine Fahrradfabrik in Hoyerswerda, in der 81 Mitarbeiter eingeführte Teile aus China zu Fahrrädern zusammenbauen.
    2027: In der Autoindustrie arbeiten noch 25.000 Menschen, in der Fahrradherstellung 5000. 92 % aller verkauften Räder werden aus Asien importiert

  • #7
    Helmut Junge

    "Aber wenn man das sagt, verteidigt man ja nicht Fakten sondern angeblich geldgeile Manager…..ziemlich verkehrte Welt."
    Wie schön, daß die Riesenfirma Tesla, Inc. nichts mit geldgeilen Managern zu tun hat, so daß man alles glauben darf, was sie so sagen. Da weiß man sofort, daß man auf der Seite der Guten ist. Ist das schön.
    Wie eine Religion. Vertrauen, Hoffnung, Verkündigung. Und am Ende eine heile Welt. Amen.

  • #8
    Reinhard Matern

    @ 2 Stefan: Der Anteil deutscher Autobauer am us-amerikanischen Markt lag 2016 bei 7%. Diese Zahl ist nicht hoch. Aber der Abgasskandal wirkte sich beispielhaft aus: "Bei den deutschen Autobauern ergab sich 2016 beim US-Absatz ein gemischtes Bild. Während die VW-Töchter Audi und Porsche zulegten, verzeichneten BMW sowie die Marke VW – vom Abgasskandal gebeutelt – ein Minus." (Stuttgarter Nachrichten) Das war gleichsam ein Zwischenbericht vom 26. Mai 2017. Inzwischen hat der Skandal ganz andere Dimensionen.

    Ob Duisburg z.B. mit Stuttgart untergehen wird, ist egal. Ein Wunschdenken hat noch niemandem geholfen. Die Zukunft liegt in anderen Technologien …

  • #9
    Marcel

    Zu den Stickoxiden hier ein interessanter Artikel:
    https://www.heise.de/tp/features/Diesel-Debatte-Ist-der-Stickstoffdioxid-Grenzwert-sinnvoll-3781177.html

    Merkel wird sich nicht gegen die Autofahrer wenden, das kann sich keine Partei erlauben. Selbst die Grünen wenn sie an der Macht sind nicht, siehe Baden-Württemberg.

  • #10
    Markus

    Die Befürchtung, dass die Deutsche Autoindustrie den Strukturwandel vielleicht nicht schafft, teilen viele. Genau darum muss man durch die Politik Planungssucherheit schaffen und Signale setzen. Wie man den Wandel vergeigt, kann man an der deutschen Hifi-Industrie sehen: nur noch Label auf chinesischen Produkten. Sonst macht unsere Autoindustrie so weiter wie bisher, getreu dem Motto: Das haben wir schon immer so gemacht, funktioniert doch.

  • #11
    Arnold Voss

    Gesellschaftliche Lernprozesse hängen nicht nur, aber zu einem gehörigen Teil, vom gesellschaftlichen Führungspersonal ab. In Sachen Auto hat es sich sowohl im Bereich der Politik als auch im Bereich Ökonomie als ausgesprochen lernunwillig erwiesen und der Vebraucher hat gerne dabei mitgemacht.Das Auto selbst ist dabei als eher unschuldig bis neutral zu betrachten.Es macht als einziges seinen Job nämlich ganz gut

  • #12
    Stefan Schritt

    Ein gewichtiger Faktor bei den Schadstoffwerten kommt mir hier ein wenig zu kurz – nämlich die Dämlichkeit der Konsumenten. Daß ein 2to-Auto mit 300+ PS in der Realität völliger Irrsinn ist, hat der Kunde bis dato nicht begriffen – Hauptsache, der Kofferraum geht auf Knopfdruck elektrisch zu.
    Wir, die Autofahrer, verlangen doch gar nicht nach Umweltfreundlichkeit. Wir wollen Komfort, Power, Optik.
    Die Schuld am momentanen Debakel verteilt sich auf viele Schultern, auch auf die des Kunden, der sich ob des Betruges als reines Opfer wähnt. Wir könnten schon lange viel umweltfreundlicher unterwegs sein, wenn wir nicht immer und immer wieder der Verlockung des rollenden Wohnzimmers nachgäben. Warum kommt denn die Autobranche nicht in die Hufe, mit neuen Technologien zu arbeiten? Weil sich der althergebrachte Krempel, bei dem man reichlich know-how angesammelt hat, einfach besser verkauft – solange nur der Kofferraum auf Knopfdruck elektrisch zu geht.

  • #13
    Helmut Junge

    @Stefan Schmidt, demnach sind Produzenten und Rgierungen mralisch fein raus, weil der Konsument so bekloppt ist?
    Klar, das hat was. Aber zumindest die Regierung hat da eine Verantwortung, weil sie an der Beklopptheit der Konsumenten einen riesigen Anteil schuld hat, denn sie heißt REGIERUNG und nicht Dienerschaft der Konsumenten. Sie hätte einige Vorgaben machen müssen, die die Beklopptheit der Konsumenten in eine zukunftzugewandte Bahn lenken sollte. Sie hat aber auf die Lobby der Produzenten gehört und windet sich jetzt wie ein Aal im Netz, denn ich habe mich darauf verlassen, daß die sich nicht überfahren lassen, sondern wissen, wie es weitergehen soll. Der Diesel ist seit Jahrzehnten in der Diskussion und Maßnahmen zur Abschaffung sind nicht angedacht, nie.
    Wir haben Regierungen, die nicht vorrausplanen, sondern erschreckt aus den süßen Pöstchenschlummer gerissen werden, wenn Gerichte, so langsam die auch arbeiten, oft nach Jahrzehnten Beschlüsse fassen. Nein, die Regierung ist nicht raus. Sie wird wegen Vertrauensbruch verklagt werden. Und das wird teuer.

  • #14
  • #15
    Ke

    Wie reden hier von Autos, die alle die Voraussetzungen für den Betrieb erfüllt hatten.
    Es sind Gegenstände, die offen in der Gesellschaft sind und die jederzeit untersucht werden können.
    Wir wissen seit Jahren, dass die Verbrauchswerte nicht stimmen.
    Hier handelt es sich doch auch um ein Problem der staatlichen Kontrolle. Selbst in solchen Konstellationen will/kann der Staat nicht erwartungsgemäß kontrollieren.

    Wofür zahlen wir die vielen Beamten?

    Was ist eigentlich mit den vielen anderen Schadstofferzeugern? Z.b. Dezentrale Müllverbrennungsanlage im Wohnzimmer?

  • #16
    Robin Patzwaldt

    Die Autos werden seit Jahren immer größer. Propagiert wird vordergründig stets das Gegenteil. Ein Blick an unsere Grundschulen reicht um sich kopfschüttelnd abzuwenden, wenn die Eltern dort ihre Küken einsammeln….

    Wer das Alles so noch glaubt, dem war doch eh nicht mehr zu helfen. Die Leute wollen mehr denn je protzen und gegenüber den Mitmenschen mit ihren Autos posen. Und nun sieht man auch hierbei das Ergebnis. Das kann doch keinen ernsthaft verwundern….

  • #17
    Thomas Weigle

    Mir scheint, dass das Auto keine Fehler hat, sondern DER FEHLER IST!!!! Wie viel Gewicht und Material setzte ich in Bewegung, um meine 80kg von A nach B zu befördern? Da spielt es letztlich keine Rolle, wie DER FEHLER angetrieben wird. Der pure, aber äußerst bequeme Wahnsinn.
    Was es braucht, sind andere Lösungen, um Probleme der Mobilität zu lösen. Jede Zunahme der Weltbevölkerung fordert m.E. gebieterisch eine möglichst schnelle Abschaffung des automobilen Individualverkehrs, weil die dafür gebrauchten Roh- und sonstigen Stoffe eher endlich sind, aller Wiederverwertungsansätzen zum Trotz.

  • #18
    Robin Patzwaldt

    @Thomas: Wer einmal versucht hat z.B. von Waltrop aus zum Flughafen Düsseldorf oder zur Ruhr-Uni nach Bochum zu fahren, der ist für das Auto grundsätzlich immer noch sehr dankbar. Da liegt der Fehler. Das Ruhrgebiet ist in Sachen ÖPNV schlicht ein schlechter Witz. 🙁

  • #19
    Jan Steinmetzer

    Das Problem beim Diesel ist nicht das software-Tuning, sondern die Tatsache, dass Harnstoff als einfache Filtermaßnahme stinkt und daher dem Kunden nicht zuzumuten ist. Deswegen wurde das Kartell gebildet. Und das haben Ingenieure und Betriebswirte entschieden und die Politik begleitet. Und jetzt ist das Gejammere groß, weil die Harnstofftanks zu klein sind.

  • #20
    Ke

    Ja, warum Eltern ihre Kids in die Schule, die natürlich einen ökologischen Schwerpunkt hat, mit dem Riesenauto fahren mussen, obwohl der Schulweg selbständig und zu Fuß machbar ist, ist nicht nachvollziehbar.

    Mein erstes Auto wog deutlich weniger als 1t und verbrauchte 7l Benzin. Technik der 80er. Heute fahre ich deutlich über eine Tonne durch die Gegend, ohne dass sich der Nutzen bzw Innenraum grossartig geändert hat. Für mich sind die Riesenautos zu unpraktisch.

    Final bestimmt der Kunde. In Dortmund haben die Menschen wenig Geld, aber eine riesige Autoquote.

    Auch werden die Autos wieder weniger und gunstiger. Die Preisteigerungen von Neuwagen passen nicht mehr zur Lohnentwicklung, auch wenn die grossen Autos oft geleast werden.

    Trotzdem geht mir das Diesel Bashing auf die Nerven. Der Autotyp würde noch vor ein paar Monaten als co2 freundlich empfohlen.

    Warum ander die Politik die Grenzwerte nicht ein

  • #21
    Jupp Schmitz

    Trotzdem hat Thomas recht, auch ein e-auto verursacht Staus, baut Unfälle, fährt Fussgänger und Radfahrerinnen an und dumm auf dem Bürgersteig rum. Das Auto ist in dieser Menge auf jedenfall ein Problem. Geht doch mal durch das Frankfurter Nordend an einem lauen Sommerabend, ihr könnt noch nicht mal die Straßenseite wechseln, weil alles komplett zugeparkt ist. Und mir ist es dann völlig egal, ob Benziner, Diesel oder Elektro.
    Und, ja natürlich ist der ÖPNV unzulänglich, aber kann man ja ändern, oder? Nicht der Ausstieg aus der Atomkraft war das Problem, sondern die Art und Weise, die unzureichende Planung!
    @ Stefan, ich denke, Opel wird deinen Artikel mit Wohlwollen gelesen haben. das Bochumer Werk wurde nach neuesten Erkenntnisse nicht wegen Managementfehler, sondern wegen der Hetzartikel gegen den Diesel geschlossen, oder wie oder was? Das Ruhrgebiet wird doch in jedem Fall verarscht.

  • #22
    ruhrreisen

    Wieso stellt hier keiner die Frage: Wann kommen die Verursacher in Gefängnis – und mit wieviel Milliarden Euro wollen sie die entstandenden Schäden bis wann ausgleichen – statt angebotener, lächerlicher Millionen-Zahlungen?
    Und: Wieso sind in Deutschland keine Massenklagen gegen solche Verbrechen zulässig – und was muss passieren, um dies zu ändern?

  • #23
    Thomas Weigle

    @Robin Schlimmer als das Auto ist natürlich noch das Flugzeug. Im Ernst: natürlich ist der ÖPNV allerorten ausbaufähig, es ist aber in den letzten Jahren viel passiert. Sowohl ausbau-als auch tarifmäßig, wie bspw der WESTFALENTARIF ab 1.8, dessen Geltungsbereich im Südosten an den Rhein-Main-Verkehrsverbund grenzt.
    Was Autos angeht, so gab es in den 90ern in ganz Afrika weniger Autos als in NRW. Was, wenn die Menschen in Afrika oder Südamerika und anderswo die selbe PKW-Dichte haben wollen wie sie bei uns vorhanden ist.?Wir sind weiß Gott die letzten, die ihnen das verwehren dürfen. Die Folgen für die Ressourcen allerdings….

  • #24
    Robin Patzwaldt

    @Thomas: "es ist aber in den letzten Jahren viel passiert" Ja, hier ist es mit dem ÖPNV deutlich schlechter geworden. Weniger Strecken, schlechtere Taktung, höhere Preise. Ich kann mir ein Leben ohne Auto nicht vorstellen. Willst Du von einer relativen Randlage aus im Ruhrgebiet etwas machen, dann kann der Nahverkehr mit dem Auto nicht mithalten. Keine Chance!

  • #25
    Jupp Schmitz

    @22 wenn das der Führer wüsste! Naja, letztendlich kannst du dich hier bei den ttip Gegnern bedanken. Mit dem Abkommen wären m.E. auch hierzulande höhere Schadenersatz Forderungen möglich gewesen.

  • #26
    Davbub

    Wir sind gestern mit einem Diesel einmal quer durch NRW und zurück gefahren, insgesamt 350 km, direkte Kosten (Sprit): € 21,175 (großzügig gerechnet). Dabei haben wir nicht nur den Verwandtenbesuch, sondern auch den Transport diverser Güter gleich mit erledigt.
    Allein die einfache Fahrt für zwei Personen mit der Bahn (bei der der Strom ja aus der Steckdose kommt) würde ein mehrfaches kosten, dafür käme ich aber in den Genuß der Begleitung durch Besoffene, nicht geöffneten Toiletten sowie einem vermüllten Ambiente. Zweimaliges Umsteigen (immer in der Sorge, den Anschluß auch zu erreichen) sowie einer 40% längeren Fahrzeit gibt es kostenlos obendrauf, und evtl. wird noch eine Schlägerei zwischen Schaffnern und zahlungsunwilligen Mitbürgern oder ein Personenschaden geboten.

    Auch mein Auto wiegt ein vielfaches meines Gewichtes, aber ist das bei einem Pferdefuhrwerk oder einem Ochsenkarren anders?

  • #27
    Klaus Lohmann

    @ #19 Jan Steinmetzer: "..die Tatsache, dass Harnstoff als einfache Filtermaßnahme stinkt"

    Nein, Harnstoff ist ein komplett geruchsloser, kristalliner und ungiftiger Feststoff. Das Kartell hat sich mit der Software-Manipulation beschäftigt, weil dieses unter "AdBlue" vermarktete Additiv teuer ist und weil Dieselautos deutscher Hersteller, insbesondere mit größerem Hubraum und mehr PS, deutlich mehr Harnstoff zur Einhaltung der gesetzlichen Stickoxyd-Obergrenzen verbrauchen als sich die Industrie so gedacht hatte (soviel zur tollen "teutschen Ingenieurskunst").

    Man hätte also entweder dem Kunden die Nachfüllzyklen, die er selbst zu besorgen hat, oder die AdBlue-Zusatztankgröße in den Autos verdoppeln müssen, um die Ziele zu erreichen. Die Protokolle der Kartell-Meetings lassen schließen, dass die Vertriebssparten der Autobauer a) den Kunden keine kürzeren Nachfüllzyklen zumuten wollten und b) dem höheren Platzbedarf von größeren AdBlue-Tanks eine Abfuhr erteilten, um z.B. größere und deutlich mehr Umsatz bringende HiFi-Anlagen verbauen zu können. Mit Gestank hatte das alles nix zu tun.

  • #28
    Thomas Weigle

    @Robin Ich kann mittlerweile 2x pro Stunde mit der Bahn und 1x pro Stunde mit dem Bus nach Bielefeld fahren. Davon konnte man früher nur träumen, vor 20 Jahren war die Stilllegung der Bahn im Gespräch und die Busverbindungen eine Zumutung. Offenbar sind Teile des Ruhrgebietes in Sachen ÖPNV Entwicklungsgebiet, OWL ist da einfach weiter. Richtig ist natürlich, dass es in der Fläche wohl immer blinde Flecke in Sachen ÖPNV geben wird, obwohl auch da intelligente Lösungen wie bspw. Bürgerbusse ausprobiert werden. Waltrop allerdings dürfte kein blinder Fleck sein.
    Was generell die Preise bei der Bahn und Verkehrsverbünden angeht, da gibt es da viele preiswerte Lösungen, auch für mehrere Personen,v.a. wenn man langfristig planen kann. oder am Wochenende unterwegs ist.

  • #29
    Angelika

    "…Nebenbei muß beim hochgelobten Elektroauto die erforderliche Energie erst einmal im Kraftwerk erzeugt werden…", schreibt Helmut Junge in #4
    Und auch den quasi rel. Touch dieses Neuen verweist er in #7.

    So ist es!

  • #30
    Davbub

    @ 20:"Mein erstes Auto wog deutlich weniger als 1t und verbrauchte 7l Benzin. Technik der 80er. Heute fahre ich deutlich über eine Tonne durch die Gegend, ohne dass sich der Nutzen bzw Innenraum grossartig geändert hat. Für mich sind die Riesenautos zu unpraktisch."
    Warum fahren Sie dann eines?
    Mein Diesel wiegt 1,2t, hat eine gigantische Ladefläche bei umgeklappter Rückbank und kann im PV vier bis fünf Personen bequem und kostengünstig transportieren. Ohne dieses Fahrzeug könnte ich meine Betrieb nicht erhalten. Sobald dies technisch und finanziell möglich sein wird, wird ein Harnstofftank nachgerüstet. Der Verbrauch im gemischten Verkehr und eingeschalteter "Ökotatste" liegt konstant bei 5,5l, also 1,5l weniger als bei Ihrer Technik der Achtziger. Dafür habe ich zusätzlich mehr Kopf- & Beinfreiheit (was bei unserer Körpergröße nicht zu verachten ist), sitze wie auf einem Sofa, kann das Fahrzeug dank Tempomat und einiger zusätzlichen Funktion auf der Autobahn entspannt rollen lassen. Fahre ich das gerät -wie das vorherige- bis zu seinem natürlichen Ende, gibt es betriebswirtschaftlich und ökologisch m.M. nach zur Zeit keine Alternative.
    Der Wagen wurde vor kurzem angeschafft; die elektrische Alternative hätte das doppelte gekostet, zusätzlich eine monatliche Batteriemiete. Die Reichweite für dieses Modell liegt laut Hersteller bei knapp 450km; ob dies im Winter bei voller Beladung (was in meinem Betrieb des Öfteren der Fall ist-auch gilt, konnte oder wollte niemand des Verkaufspersonals verbindlich bejahen.

  • #31
    Angelika

    "…Ob Duisburg z.B. mit Stuttgart untergehen wird, ist egal…" #8

    Mir nicht!

  • #32
    Thomas Weigle

    Natürlich sind Verspätungen im öffentlichen Verkehr ärgerlich, da ist der automobile Verkehr natürlich deutlich besser dran, Staus auf Autobahnen und Großstadtstraßen sind so selten wie ein weißer Elefant.

  • #33
    Robin Patzwaldt

    @Thomas: Egal wo ich hinfahren möchte, mit dem ÖPNV dauert es mindestens doppelt so lange. Das kann keine ernstzunehmende Alternative sein. Schon gar nicht zu den Preisen. Wenn ich z.B. vom Kreis RE nach Düsseldorf zum Flughafen will, dann kostet mich das 30 Euro für Hin- und Rückfahrt mit Bus und S-Bahn. Ein schlechter Witz!

  • #34
    Thomas Weigle

    @Robin Das ist natürlich ärgerlich, v.a. wenn man bedenkt, dass man von jedem Ort in OWL nach D´dorf ab 9.00 Uhr ebenfalls 30 Euro zahlt(SchönerTagTicketNRW).

  • #35
    Helmut Junge

    Angelika, zuerst wird Stuttgart zusammenbrechen, denn alle Baufahrzeuge, Anlieferungsfahrzeuge und-Feuerwehrsfahrzeuge sind Dieselfahrzeuge, alle Taxis, alle Busse usw. Die bräuchten erst mal Sondergenehmigungen, und die Verwaltungen werden das nicht hinkriegen, das wird dauern, wie alles dauert. Wahrscheinlich sind auch alle Polizeifahrzeuge, die die Verurteilten Strafgefangenen vom Gericht in den Knast transportieren sollen, Dieselfahrzeuge. Und dann müssen die Abgeurteilten im Gerichtsgebäude bleiben. Und wenn die Richter am nächsten Tag zu ihrer Arbeitsstelle fahren, sitzen die noch da. Straßen können nicht mehr repariert werden, aber das merkt niemand, weil die jetzt schon oft kaputt bleiben. Und wenn all die Ökos mit ihren Elektroautos ihre Wagen an den Steckdosen aufladen wollen, reichen die Kraftwerke in ganz Europa nicht aus, aber ich werde dann gegen den Neubau von Kraftwerken demonstrieren. Das ist sicher. Weil die nicht eins und eins zusammenrechnen können, werden die dann total überrascht sein.

  • #36
    Thomas Weigle

    @ Robin Als ich zuletzt Dienstfahrten mit dem eigenen Auto machte, ist schon länger her, bekam ich 42 Cent pro Km, macht bei 80 Km Waltrop-D´dorf und zurück um die 50 Euro. Da bist du selbst mit 5 Personen mit dem oben erwähnten Ticket preiswerter unterwegs( 45 Euro). Der ADAC macht da allerdings noch ganz andere und höhere Kosten pro gefahrenen Km im eigenen Auto auf, wenn ich das recht erinnere.

  • #37
    Thomas Weigle

    Das Alter, ich kann nicht mehr im Kopf rechnen, Waltrop-D`dorf u. zurück macht bei 42 Cent pro Km natürlich rund 67 Euro.

  • #38
    Ke

    #36
    Das Auto hat enorme Fixkosten. Wenn ich ein Fahrzeug besitze, sollte ich es nutzen.

    Dauerhaft ist mir die Bahnfahrt auch zu anstrengend. Das eigene Auto ist ein Schutzraum während der Fahrt. Wenn die Bahn dies auch realisieren wurde , müssten die Kapazitäten massiv erweitert werden.

  • #39
    Thomas Weigle

    Angesichts von 10 Toten und 1000 verletzten pro Tag im bundesdeutschen Straßenverkehr, scheint mir die Bezeichnung Schutzraum fürs Auto ein wenig schräg. Auch sonst erlebt man auch ohne Unfall einiges an Stresssituationen, von Unfällen ohne Personenschäden nicht zu reden.
    Insgesamt ist auf deutschen Straßen seit 1950 die Bevölkerung einer Großstadt mit rund 700.000 Einwohnern ausgerottet worden, dazu kommen Millionen von zum Teil Schwerstverletzten.
    Weltweit sterben laut WHO mehr Menschen im Verkehr als durch Krieg, Genozid oder Terrorismus, über 1 Million jährlich.

  • #40
    Davbub

    @39: Stellt man die Anzahl der Toten & Verletzten in Relation zu den gefahrenen Kilometern oder der Anzahl der Fahrten, geht da statistisch gegen null. Wir haben auch 1mio Sportunfälle im Jahr, und die meisten Menschen kommen im Haushalt um. Das Leben ist nun einmal gefährlich, weil endlich.
    Das mit dem Schutzraum kann ich nur bestätigen: Ich kenne Gegenden, da bin ich lieber im Auto als zu Fuß unterwegs; und bei den selten gewordenen Zugfahrten wünsche ich mir die alten Sechser-Abteile zurück.

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