Das Duell: Wer Veränderungen für dieses Land will, der war hier falsch!

Foto: Robin Patzwaldt

In diesem Land ist aktuell vieles verbesserungswürdig. Es gibt zahlreiche Probleme, auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Angefangen beim Arbeitsmarkt bis hin zur Flüchtlingspolitik. Eigentlich eine durchaus gute Grundlage für einen Herausforderer um die Kanzlerschaft. Sollte man zumindest meinen.

Doch Martin Schulz vermochte die Situation im TV-Duell nicht ansatzweise für sich zu nutzen. Zu viel Einvernehmen mit der Amtsinhaberin, zu wenig eigene Aktionen, zu wenig Aggressivität und Angriffslust.

Und wie bei einem Titelkampf im Boxen kann der Herausforderer den Titelträger eben nicht entthronen, wenn er sich nicht klar und deutlich von diesem positiv absetzt.

Eigentlich eine klare Sache. Und so verwundert es eben auch nicht, dass Merkel am Ende in den Augen die Nase deutlich vorne hatte, ihre Kanzlerschaft, wenn kein Wunder geschieht, um weitere Jahre wird verlängern können. Schulz hat seine Chance vertan.

Dafür gibt es sicherlich unterschiedliche Gründe. Das mag teilweise an seiner grundsätzlich eher blassen Persönlichkeit, seiner insgesamt recht biederen Ausstrahlung, aber eben auch an der Tatsache liegen, dass zwei Partner in einer großen Koalition eben nicht wirklich viele Unterschiede aufzuweisen haben.

Schulz hat immer das grundsätzliche Problem, dass er mit seiner Partei an der Politik der Regierung eben auch mit beteiligt ist. Und so ist es eben schwer sein eigenes, sein anderes Profil so sehr zu schärfen, dass man eine ernsthafte Option für eine Amtsübernahme sein kann.

Vor diesem Hintergrund betrachtet war es eben auch besonders schade, dass kein Oppositionsvertreter mitgemischt hat am Sonntagabend. Das Sendungsformat war schlicht ungünstig für einen Herausforderer, der mit seiner Partei seit Jahren mit der Amtsinhaberin gemeinsame Sache macht.

Ärgerlich für Zuschauer die dieses Land gerne verändert sehen möchten war zudem der geringe Anteil von sozialpolitischen Debatten. Kein Wort auch über die vielerorts verrottende Infrastruktur.

Niemand sollte sich daher wundern, wenn die in unserer Gesellschaft längst abgehängten, lange schon benachteiligten Bürger sich so weiter von diesen Regierungsvertretern abwenden, der Frust und das Unverständnis bei diesen weiter wächst.

Bei der AfD, bei den Grünen, den Linken und der FDP dürften die Sektkorken am Sonntagabend hingegen klammheimlich geknallt haben, obwohl ihre Vertreter von der Sendung ausgeschlossen waren. Ihre zu erwartenden Wahlergebnisse dürften sich durch das ‚lahme‘ Duell der Spitzenkandidaten eher verbessert als verschlechtert haben.

Wer dieses Land verändert sehen möchte, der wird CDU/CSU und SPD jedenfalls nicht wählen können. Das wurde am Sonntag ganz deutlich. Und diese alternative Zukunft des Landes anzudeuten, das war eigentlich gestern der Job von Martin Schulz. Und dabei hat er völlig versagt.

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10 Kommentare

  1. #1 | ke sagt am 4. September 2017 um 17:08 Uhr

    Herr Schulz hat natürlich auch eine Historie in Brüssel. Er ist zurzeit dabei, so ziemliche alle Einstellungen, die ich mit ihm verbunden hatte, umzudrehen (Türkei, Flüchtlinge etc.). Das ist zu offensichtlich und nagt weiter an der Glaubwürdigkeit.

    Spätestens wenn es um das Versagen der EU geht, hat er natürlich auch eine Vergangenheit, auch wenn die Kanzlerin alles tut, um zu vermeiden, dass er zumindest als EU-Spitzenpolitiker betrachtet wird.

    Insgesamt war die Veranstaltung eine gute Motivation für die Opposition. Mal sehen, ob sie noch weiter auf Angriffskurs geht.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 4. September 2017 um 17:18 Uhr

    @ke: Das mit Brüssel ist ein gutes Stichwort.. Früher sagte man ja immer, dass man dort i9n erster Linie eher farblose und eher unbeliebte Politiker 'zwischen-' oder 'endparkt'. Dort agierten über Jahre hinweg vielfach irgendwelche Randfiguren der etablierten Parteien. Und wenn man sich seitens der SPD inzwischen ausgerechnet dort bedienen 'muss' um einen Kanzlerkandidaten zu finden, dann sagt das ja auch schon etwas über den Zustand der Parteien aus, wie ich finde. Es ist schlicht kaum noch profiliertes Personal mit Persönlichkeit vorhanden. Das gilt aber auch für die CDU. Dort wird es spannend zu beobachten werden, wer den Job einmal nach Merkel machen soll. Und auch sie selber galt ja früher schon als eine Art Notbesetzung, nachdem Kohl fast alle 'Emporkömmlinge' über Jahre hinweg erfolgreich komplett weggedrückt hatte.

  3. #3 | ke sagt am 4. September 2017 um 17:40 Uhr

    @#2: Herr Schulz wurde glorifiziert, warum auch immer. Die EU geht den Bach herunter und er war im Zentrum. Was qualifiziert dann für eine Kanzlerschaft?

    Die CxU holt Herrn zu Guttenberg aus der Kiste, und bei der SPD sehe ich aktuell nur Herrn Gabriel. Aber bis zur übernächsten Wahl kann noch viel passieren. Zurzeit brennt es wieder auf der ganzen Welt.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 4. September 2017 um 17:45 Uhr

    Was da am Anfang mit Schulz lief habe ich nie verstanden. War aber dann ja auch nur ein Strohfeuer. Bin persönlich sehr gespannt ob die SPD überhaupt noch über 20% kommt mit ihm. Ich denke, die können sich am Ende sogar sehr glücklich schätzen, über jedes Prozent darüber.

  5. #5 | Helmut Junge sagt am 4. September 2017 um 22:50 Uhr

    Robin, die haben nach der völlig vergeigten NRW-Wahl alle internen Analysen verhindert und unter anderem deshalb kein Konzept, das irgendwie mit der Wirklichkeit ihrer Wähler verknüpft ist. Als Schulz noch munter Ideen lieferte, ist er vermutlich von seiner Parteispitze zurückgepfiffen worden.
    Ein Programm in seinem ursprünglichen Sinne ist ja nie beschlossen worden. Darum nehm ich ihn auch bei keiner Aussage ernst. Egal was er sagt. Unter diesen Rahmenbedingungen wäre auch ein stärkerer Kandidat in all den langen Monaten abgesackt. Einzig die Hoffnung auf weitere vier Koalitionsjahre hält den Laden noch zusammen. Und deshalb muß Schulz die Merkel mit Samthandschuhen anfassen. Ich sehe die Koalition schon lange als eine einzige Partei an, die insgesamt unter die 60%-Marke rutschen könnte. Das wären minus 7-8% Verlust für die große Koalition gegenüber 2013.
    Und das wäre platzschaffend für andere Kopfe innerhalb und außerhlb dieser Koalitionsparteien.

  6. #6 | Angelika sagt am 5. September 2017 um 10:40 Uhr

    "…einer grundsätzlich eher blassen Persönlichkeit, seiner insgesamt recht biederen Ausstrahlung,.." Trifft nach meinem Eindruck auf ihn und sie zu.

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 5. September 2017 um 10:51 Uhr

    @Angelika: Nur, dass ich eben auch nicht für das Bundeskanzleramt kandidiere. 😉 😀

  8. #8 | Angelika sagt am 5. September 2017 um 11:42 Uhr

    Wenn ich Sie angeredet hätte, hätte ich Sie groß geschrieben …

    sie = Frau Merkel

    Ich finde Ihre Anmerkung passt auf beide – auf die beiden, die an diesem tv-Auftritt teilnahmen.
    Nicht auf Sie, die Sie vor Ihrem Fernseher saßen.

    Sie kenn ich doch gaa nich! …

  9. #9 | Helmut Junge sagt am 5. September 2017 um 11:43 Uhr

    Robin, ich glaube daß @Angelika mit dem "sie" Frau Merkel meinte. Auch wenn diese Aussage erst einmal erstaunt. Tatsächlich hat sie eine "biedere Ausstrahlung" Das geht aber meist unter. Allerdings wenn ich sie mit einigen schillernden früheren Bundeskanzlern vergleiche…..

  10. #10 | Robin Patzwaldt sagt am 5. September 2017 um 11:46 Uhr

    @Angelika, Helmut: Missverständnis erkannt. Danke für die Aufklärung. 🙂

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