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‚Datteln 4‘: Inbetriebnahme trotz Kohleausstieg ist ein heftiger Schlag ins Gesicht der Anwohner

Datteln 4 erwacht zum Leben. Foto: Franz-Christian Müller

Das umstrittene Steinkohlekraftwerk ‚Datteln 4‘ im Kreis Recklinghausen soll endgültig ans Netz gehen. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur nach dem Spitzentreffen von Bund und Ländern zum Kohleausstieg.

Wirklich überraschend kommt diese Meldung nicht. In den vergangenen Wochen hatten sich die Anzeichen dafür verdichtet. In Zeiten der laufenden Klimadebatte ist die Inbetriebnahme eines neuen Kohlekraftwerks der breiten Öffentlichkeit natürlich nicht wirklich zu erklären. Noch bizarrer stellt sich die Situation allerdings für die betroffenen Anwohner dar. Für diese muss die Entscheidung, nach jahrelangem Kampf gegen die Anlage, wie ein Schlag ins Gesicht sein.

Das Waltroper Landwirte-Ehepaar Greiwing hatte gegen das geplante Kraftwerk in der unmittelbaren Nachbarschaft ihres Hofes, mit Unterstützung des BUND, vor deutlich über zehn Jahren ursprünglich als Vorreiter die Gerichte bemüht und im Jahre 2009 tatsächlich auch offiziell Recht bekommen.

In dieser Phase wuchs der Widerstand gegen den Meiler zusehends an, waren die Abläufe plötzlich ein durchaus vielbeachtetes Thema in ganz NRW.

Kritiker und Gericht monierten seinerzeit in erster Linie den konkreten Standort des von E.On mit Macht (und offiziell auf eigenes Risiko) vorangetriebenen Neubaus, dem durch die Gerichtsentscheidung die Rechtsgrundlage verloren ging. Fortan wurde ‚Datteln 4‘ von den Nachbarn genüsslich gerne als ‚Schwarzbau‘ bezeichnet.

Auch die Grünen engagierten sich im Landtagswahlkampf 2010 leidenschaftlich gegen das Kraftwerk, welches an diesem Standort so nicht vorgesehen war.

In den Folgejahren ließen Politiker und Verwaltungen vielerorts Bemühungen folgen, die Rechtsgrundlagen den Gegebenheiten vor Ort, wo schon etliche Millionen Euro verbaut waren im Nachhinein anzupassen um Datteln 4 doch noch eine Inbetriebnahme zu ermöglichen. Sehr zum Ärger der Anwohner, die sich fortan mit überregionalen Kohlekritikern zusammenschlossen, so auf eine Stärkung ihrer Schlagkraft hofften.

Das Gegenteil war jedoch der Fall! Der Kampf gegen Datteln 4 verlor zusehends an Kraft, auch weil sich die ‚Anti-Kohle‘-Lobby lieber in Richtung Rheinland verlagerte und sich mit Macht in Garzweiler engagierte.

Durch den plötzlich diskutierten kompletten Kohleausstieg wuchs die Hoffnung der unmittelbar betroffenen Anwohner in Datteln und Waltrop dann irgendwann wieder, dass das direkt hinter ihren Gärten errichtete Kraftwerk, das inzwischen offiziell von ‚Uniper‘ übernommen wurde, am Ende womöglich doch erst gar nicht in den Regelbetrieb gehen könnte.

Auch wenn das juristische Gezerre hinter den Kulissen noch immer nicht beendet ist, wissen wir jetzt schon einmal, dass die Anlage nicht durch den Kohleausstieg der Politik vom Netz ferngehalten werden wird. Der Testbetrieb läuft ohnehin schon seit mehreren Wochen.

Die Taktik der Kraftwerkskritiker hat sich mit der jüngsten Entscheidung in Berlin endgültig als Fehler herausgestellt. In der Vorwoche kündigte ‚Fridays for Future‘ in der Frankfurter Rundschau zwar mit markigen Worten an, dass man sich in Zukunft gegen ‚Datteln 4‘ engagieren möchte.

Doch bisher war von den jungen Leuten in Datteln über Jahre noch nicht viel zu sehen. Ob sich das ausgerechnet jetzt, wo die Sachlage soweit geklärt zu haben scheint, noch einmal grundlegend ändern wird? Zweifel daran erscheinen zumindest angebracht.

Gründe genug für die Kraftwerkskritiker der ersten Stunde sich über die Entwicklung vor ihrer Haustür massiv zu ärgern, nachdem ihnen die Politik einmal mehr einen kräftigen Schlag verpasst hat, die gibt es also wahrlich genug….

 

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15 Kommentare zu “‚Datteln 4‘: Inbetriebnahme trotz Kohleausstieg ist ein heftiger Schlag ins Gesicht der Anwohner

  • #1
    Didi

    Nicht nur der Anwohner.
    Man versprach den Leuten, dass andere Kraftwerke im Umkreis abgeschaltet werden, das Datteln4 einige Kraftwerke im Umkreis ablösen soll. Jetzt aber profitiert nur das Rheinland von den Stilllegungen und im Ruhrgebiet soll man weiterhin Dreck in die Luft blasen – wirklich super. SPD und CDU sind einfach unwählbar geworden!
    Aufgrund des KOMPROMISSES muss das Ruhrgebiet nun das auffangen, was im Rheinland abgeschaltet wird. Im Ruhrgebiet wurden einige Kraftwerke selbst im Winter temporär abgeschaltet weil es eine Überproduktion gibt – dieses Bild wird es wohl nicht mehr geben.

    CDU und SPD haben es dem Ruhrgebiet eingebrockt!

  • #2
    Stefan Laurin

    @Didi: Jobs und Steuereinnahmen – immerhin bleibt etwas im Ruhrgebiet hängen. OK, an den kommenden Stromausfällen wird auch Datteln4 nicht viel ändern können, aber jedes Kohle- und Kernkraftwerk am Netz trägt erst einmal zur Versorgungssicherheit bei.

  • #3
    Stefan Laurin

    @Didi: Jobs und Steuiereinnahmen – das ist mehr als die Öko-Paniacs zu bieten haben. Auch wenn Dattel4 die kommenden Blackouts nicht verhindern wird – jedes Kern- und Kohlekraftwerk am Netz sichert die Versorgung.

  • #4
    Helmut Junge

    Versorgung ist übrigens solange Uninteressant, solange da blöde Handy aufgeladen wird, und genau deshalb funktioniert
    Ja, wenn nicht ooooohhhhh

  • #5
    Franz Wagner

    @ Stefan Laurin

    wieviele "Jobs" sind das?

    vermutlich weniger, als der Job-Paniac sich zu sagen traut …

  • #6
    Stefan Laurin

    @Franz Wagner: Mit Zulieferern ein paar hundert – mehr als die grünen Wutbürger schaffen.

  • #7
    Franz Wagner

    @ Stefan Laurin

    träum weiter … ist ja die richtige Uhrzeit. Ein modernes Kraftwerk ist hochgradig automatisiert, da schaufelt keiner mehr Kohle … (höchstens "Kohle" = "Geld")

    und was für "Zulieferer" sollen das sein? Australischer Kohle-Tagebau?

  • #8
    Stefan Laurin

    @Franz Wagner: Anlagen werden gewartet, es gibt eine warte, es gibt Unbternehmen die Büros etc. reiniegen. Das ist locker zuusammen eine dreistellige Zahl- Allemal mehr als die grünen Wutbürger schaffen. BTW: Wie viele Jobs hat der BUND Datteln bislang gebracht?

  • #9
    Helmut Junge

    Die Unlogik aller Kraftwerksgegner ist doch, daß niemand sagt: "Strom ist böse, also klemmt mich vom Netz ab". Solange der Strom von woanders her kommt, ist ja auch alles in Ordnung. Nur vor der eigenen Tür will man kein Kraftwerk. Die Kraftwerke vor meinem Fenster dürfen dafür umso mehr pusten, damit diese "verweigerer" beliefert werden.

  • #10
    Detlev Winkler

    Nach Hambilein brauchen die Klimahysteriker – oh sorry, Unwort, ich tausche gegen das hübsche neue Öko-Paniacs, gefällt mir 🙂 – ein neues Symbol zum hüpfen, ankleben oder was auch immer…

  • Pingback: Datteln 4: Von den Widersprüchlichkeiten rund um ein fast schon vergessenes ThemaRuhrbarone

  • #12
    Franz Wagner

    @ Detlev Winkler

    Detlev AFD Winkler hat noch nie was vom Klimawandel gehört …

  • #13
    ke

    Kernkraft ist böse, Windkraft will keiner (notfalls schreddert sie Vögel), Kohle macht dreckt, Biogedöns stinkt, Solar ist zu teuer, Überflutete Täler für Wasserkraft will keiner, …

    Für E-Autos und Wasserstoff fehlt der günstige Strom.

    Norwegen macht auf Öko, erschließt aber zurzeit wieder ein riesiges Ölfeld.

  • #14
    Detlev Winkler

    @ Franz Wagner

    Doch, doch :-)! Ich höre leider wenig anderes, konstruktives. Und was die AFD angeht: Sorry, aber nichts liegt mit ferner.

  • Pingback: #Datteln4Stoppen: Ein letztes Aufbäumen der Kraftwerkskritiker vor der Inbetriebnahme?Ruhrbarone

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