
Tja, was fangen wir nun mit der aktuellen Situation von Borussia Dortmund an? Nach dem gestrigen Ausscheiden in der UEFA Champions League gegen Atalanta Bergamo ist die Saison 2025/26 für den BVB – da muss man sich nichts vormachen – im Grunde schon gelaufen. Und das im Februar. Für einen Klub mit den eigenen Ansprüchen ist das ein ernüchternder Befund.
Das vorzeitige Aus im DFB-Pokal und nun auch in der Königsklasse hinterlässt einmal mehr das Gefühl einer verpassten Chance. Wieder wurden zentrale Saisonziele verfehlt: kein Pokalfinale in Berlin, nicht einmal das angestrebte Achtelfinale in Europa. Die Fans kennen dieses Drehbuch inzwischen leider zu gut. Die Frage ist nicht mehr, ob etwas schiefgelaufen ist, sondern warum es immer wieder passiert.
Bundesliga: gut, aber nicht gut genug
Natürlich: Rein tabellarisch steht der BVB in der Bundesliga ordentlich da. Platz zwei liest sich zunächst wie eine Erfolgsmeldung. Doch der Kontext zerstört die Euphorie. Acht Punkte Rückstand auf den FC Bayern München sind selbst bei einem möglichen Sieg im direkten Duell am kommenden Wochenende nach menschlichem Ermessen kaum noch aufzuholen.
Vor allem, weil die wirklich unangenehme Phase der Rückrunde erst noch bevorsteht. Die schweren Auswärtsspiele, die englischen Wochen, der mentale Druck – all das kommt noch. Dortmund müsste nicht nur konstant punkten, sondern gleichzeitig auf eine ungewöhnliche Schwächephase der Bayern hoffen. Beides zusammen wirkt momentan eher wie ein Wunschdenken.
So bleibt der zweite Platz ein merkwürdiges Zwischenprodukt: zu gut für echte Kritik an der Ligaform, aber zu weit weg von der Spitze, um echte Titelträume zu nähren.
Sicherheit nach hinten – und die Gefahr der Selbstzufriedenheit
Nach hinten hingegen hat sich Dortmund ein komfortables Polster erarbeitet. Mindestens zehn Punkte Vorsprung auf Rang fünf bei noch elf ausstehenden Spielen – das sollte für die erneute Champions-League-Qualifikation reichen. Sollte.
Denn genau hier liegt eine der größten psychologischen Gefahren der aktuellen Situation: die trügerische Sicherheit. Wenn nach oben kaum noch etwas geht und nach unten wenig passieren kann, droht schnell ein Spannungsabfall. Spiele werden dann nicht mehr mit letzter Konsequenz geführt, Prozentpunkte gehen verloren – und plötzlich wird eine eigentlich sichere Saisonphase unnötig kompliziert.
Der BVB täte gut daran, diese Komfortzone gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Geschichte des Klubs zeigt schließlich: Wenn Dortmund sich sportlich selbst ins Knie schießt, dann oft genau in solchen Momenten.
Was nun, BVB?
Die entscheidende Frage lautet also: Wie geht der Verein mit dieser seltsamen Zwischenlage um? Eine „normale“ Saison ist es nicht mehr. Für Titel ist man zu weit weg, für echte Abstiegs- oder Qualifikationssorgen zu stabil. Es droht eine sportliche Grauzone.
Jetzt kommt es auf die sportliche Führung an. Die verbleibenden Monate müssen genutzt werden – zur Stabilisierung, zur Weiterentwicklung des Kaders, zur klaren Positionsbestimmung für die kommende Spielzeit. Die Fans werden genau hinschauen, ob der BVB diese Phase aktiv gestaltet oder passiv verwaltet.
Denn eines ist klar: Noch eine Saison, in der die großen Ziele frühzeitig wegbrechen, wird die Geduld im Umfeld weiter strapazieren. Die aktuelle Lage ist nicht dramatisch – aber sie ist unangenehm. Und sie zwingt Borussia Dortmund zu einer ehrlichen Standortbestimmung.
Eine merkwürdige Situation, in die der Klub seine Anhängerschaft da gebracht hat. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob daraus wenigstens eine konstruktive Phase wird – oder nur ein langes Warten auf den nächsten Neustart.
