
Wer – wie ich – ernsthaft geglaubt hatte, dieses Bundesliga-Wochenende könnte beim Top-Spiel des Tabellendritten gegen den Spitzenreiter wieder einmal so etwas wie Spannung bereithalten, wurde am Samstagabend unsanft aus seinen Träumen gerissen. RB Leipzig gegen den FC Bayern München. Topspiel. Spitzenduell. Prestigeduell. So zumindest das Marketing.
Auf dem Platz entpuppte sich das Ganze dann als das, was es inzwischen viel zu oft ist: eine Demonstration bayerischer Überlegenheit und ein weiterer Beweis dafür, dass die Bundesliga ihr größtes Problem längst nicht mehr verstecken kann. 5:1 für die Gäste. Und das nach einer 1:0-Führung der Hausherren zur Pause. Einfach unglaublich!
Wer sich im Vorfeld noch an das 6:0 zur Saisoneröffnung erinnerte, hätte eigentlich schon vorher ahnen müssen, was kommt. Trotzdem hoffte man. Auch ich. Wie dumm von mir. Die Bayern machten dann jedoch binnen Minuten klar, dass Hoffnung auf eine Überraschung in dieser Liga zumindest im Hinblick auf den souveränen Tabellenführer inzwischen fast immer eine Illusion geworden ist.
Topspiel? Nein. Machtdemonstration mit Beiprogramm
RB Leipzig, dieses durchoptimierte Fußballprodukt zwischen Talentfabrik und Konzernstrategie, wurde nicht geschlagen, sondern in Halbzeit zwei phasenweise regelrecht vorgeführt. Schon wieder. Ohne Drama, fast ohne Spannung, ohne die geringste Andeutung eines offenen Spiels. Am Ende war die Messe so einmal mehr zu früh gelesen, das Publikum innerlich ausgestiegen und das sogenannte Topspiel sportlich erledigt.
Das Kräfteverhältnis war derart grotesk, dass man sich fragte, warum man solche Spiele überhaupt noch zur Primetime ansetzt. Zur Illusionserhaltung?
Die Konkurrenz spielt mit – aber nur Statistenrollen
Natürlich könnte man nun sagen: Bayern ist halt einfach besser. Stimmt. Aber genau das ist der Kern des Problems. Während die Münchener ihren Kader beliebig veredeln, Personalrochaden wie andere Vereine Trainingsleibchen wechseln und selbst vermeintliche „Umbrüche“ mühelos wegmoderieren, kämpft der Rest der Liga ums Überleben im Schatten.
Borussia Dortmund, der selbsternannte Kronprinz, das Team das zur Stelle sein möchte, wenn die Bayern mal etwas anbieten, liefert dafür die passende Begleitmusik. Gegen den FC St. Pauli reichte es mit Mühe, Glück und etwas Chaos zu einem 3:2. Ein Spiel, das eher an einen Pokalabend in der Provinz erinnerte als an einen ernsthaften Beitrag zum Titelrennen. Wenn das der härteste Verfolger ist, dann gute Nacht Bundesliga.
Eine Liga mit eingebauter Langeweile
Was wir derzeit erleben, ist keine sportliche Dominanz mehr, sondern strukturelle Monotonie. Die Bayern gewinnen nicht nur, sie tun es mit einer Selbstverständlichkeit, die jede Form von Spannung erstickt. Andere Vereine hoffen auf Ausrutscher, Bayern planen bereits die Meisterfeier.
Die Meisterschaft wirkt inzwischen viel zu häufig wie ein Abonnement. Verlängerung Jahr für Jahr inklusive. Die Frage ist längst nicht mehr, wer Meister wird, sondern wie lange sich alle Beteiligten noch einreden wollen, dass das gut für den Fußball sei.
Spannung gibt’s nur noch im Abstiegskampf
Das eigentliche Drama der Bundesliga liegt darin, dass ihre vermeintlichen Leuchtturmspiele zu Nicht-Ereignissen verkommen. Das „Topspiel“ ist kein Highlight mehr, sondern ein Mahnmal. Und wenn selbst ein Klub wie Leipzig – mit all seinem Geld, seiner Infrastruktur und seinem Anspruch – an einem guten Abend nicht einmal ansatzweise mithalten kann, dann ist das kein Betriebsunfall. Dann ist es ein Systemfehler.
Wenn Dominanz zum Problem wird
Für mich war dieses Spiel kein Fußballfest. Es war eine Erinnerung daran, wie unerquicklich vorhersehbar diese Liga inzwischen geworden ist. Der FC Bayern mag sportlich Großartiges leisten – keine Frage. Doch diese Überlegenheit ist längst nicht mehr inspirierend, sondern ermüdend. Sie schreckt nicht nur die Konkurrenz ab, sondern auch all jene, die Fußball wegen seiner Unberechenbarkeit lieben.
Eine unbequeme Wahrheit
Wenn nur noch ein Klub dauerhaft Spaß hat, dann läuft etwas grundlegend falsch. Eine Liga braucht Rivalität, Zweifel, offene Rennen. Sie braucht Momente, in denen selbst der Favorit wackelt. Die Bundesliga bietet davon immer weniger.
Und so bleibt nach diesem „Topspiel“ vor allem eine unbequeme Erkenntnis:
So wie es aktuell läuft, ist die Bundesliga nicht langweilig trotz der Bayern.
Sie ist langweilig wegen dieser erdrückenden Überlegenheit.
Und das sollte eigentlich niemanden wirklich zufriedenstellen. Auch die Münchener nicht…
