5

Duisburg anders sehen: Duisburg von oben

Es gibt Städte, die einfach nur schön sind und die man deshalb gerne besucht. London ist z.B. in meinen Augen alleine wegen der ansprechenden Stimme – „Next stop: Blackfriars.“ und „Please mind the fucking Gap“ – in der wunderbaren U-Bahn besuchenswert. Die Vorteile Bochums hat bereits Grönemeier besungen. Berlin hat viele Reize und jetzt – nach dem Fall der Mauer – hat sich dort auch einiges in städtebaulichen Dingen getan. Stuttgart, Köln oder Düsseldorf sind immer wieder einen Besuch wert.

Und es gibt Städte, die sind eigentlich eher aus der Entfernung prima anzusehen und haben nur aus dieser Sicht ihre Reize. Man hält sich dort aber, nun ja, eher ungern auf: Kabul, Emmerich, Teheran, Pjöngjang und Duisburg fallen wohl in diese Kategorie. Zur letztgenannten Stadt gibt es seit Oktober ein neues Buch: Duisburg von oben – die schönsten Luftbilder der Stadt.

Für die Ruhrbarone habe ich mir das Buch mal angesehen.

Duisburg von oben - von oben fotografiert; Foto: Peter Ansmann

Duisburg von oben – von oben fotografiert; Foto: Peter Ansmann

Hans Blossey ist Fotojournalist und Pilot: Klar, dass man diese Fähigkeiten verknüpfen kann. Als Ur-Duisburger hat man ja ein besonderes Verhältnis zu seiner Stadt – und ist aufgrund der Verhältnisse in der Stadt mit der Gabe gesegnet, Schönheit auch an Orten zu erkennen, an denen Nicht-Duisburger nur Tristesse sehen.

Hans Blossey zeigt in Duisburg von oben markante Orte in einer ganz neuen Perspektive und Duisburg von seiner schönsten Seite.

Duisburg von oben

Ein Plus bei den Fotos: Man sieht auf den meisten Fotos keinerlei störenden Menschen oder gar Einwohner der Ruhrpottmetropole die von der Kulisse ablenken. Die Sicht aus der Vogelperspektive bietet den etwas anderen Blick auf bekannte Punkte in Duisburg: Der Binnenhafen ist (selbstverständlich) ebenso zu sehen wie die bekannte Landmarke Tiger & Turtle, der Rheinpark (Imposant: Die Location Ziegenpeter, als sei in der Nähe eine Neutronenbombe explodiert oder ein Wendler-Konzert. Kein Mensch zu sehen.), die prachtvolle Königsstraße, die Fußgängerbrücke zwischen Wolfs- und Masurensee, das Stadttheater, der Innenhafen, das Wedaustadion, der Landschaftspark-Nord (Mitsamt der berühmten Sandburg!) und die Sechs-Seen-Platte. Von der Mercatorinsel – die Insel Reichenau im Bodensee lässt grüßen – habe ich, ebenso wie vom Wildförstersee, erst durch das Buch erfahren. Einige Bilder hauen einen schier um: Den Sportpark Wedau mitsamt der Regattabahn habe ich aus dieser Perspektive noch nie gesehen. Andere Bilder bieten Stadtplanern in Duisburg eventuell Ansätze, die Ruhrstadt noch schöner zu machen: Wieso noch kein ambitionierter Landschaftsarchitekt auf die Idee gekommen ist, aus der ziemlich eindrucksvollen Sechs-Seen-Platte (Seite 24) mittels weniger Megatonnen TNT ein noch eindrucksvolleres Binnenmeer zu machen um der Bodenseeregion touristisch das Wasser abzugraben: Man weiß es nicht.

Auf jeden Fall überzeugen die Bilder durch die wahnsinnige Perspektive, aus der auch Details besonders hervorstechen.

Das Buch kostet 18,95€ und gehört ins Bücherregal von überzeugten Duisburgern, Nicht-Duisburgern und – das letzte Bild (Seite 120) ist auf diese Lesergruppe zugeschnitten: KöPi-Liebhabern.

Eine Auskopplung als Jahreskalender (Mit zwölf Bildern im Format A3!) gibt es leider nicht.

Auf der Website des Autors sind zahlreiche Luftbildaufnahmen von Duisburg und anderen Städten zu finden,

Duisburg von oben – online bestellen:

Bei ScheuermannThalia + Amazon +  Klartext-Verlag + Mayersche

Details zum Buch:

Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
Verlag: Klartext
ISBN: 978-3837521214

RuhrBarone-Logo

5 Kommentare zu “Duisburg anders sehen: Duisburg von oben

  • #1
    Stadtzuhörer

    Für Menschen von der Tageszeitung in Duisburg ist der Blick von oben nichts Ungewohntes: „keinerlei störende Menschen oder gar Einwohner der Ruhrpottmetropole“. Doch wegen des unendlichen Verfalls in Duisburg (z.B. Hubbrücke in Homberg auf der internationalen Rhein-Fahrrad-Route seit Jahren geschlossen) und anderer Perspektivlosigkeit wächst die Hoffnung- und Freudlosigkeit. Die Heimatschändung prägt die Gemüter.

    Vor Jahren haben Ärzte die Initiative „Duisburg gegen Depression gestartet!“ – vergeblich. Jedes Jahr ziehen 20.000 DuisburgerInnen. Duisburg leidet unter 100.000 Fortzügen in fünf Jahren.

    Wer noch nicht depressiv ist oder fortgezogen ist, mutiert zum sog Wutbürger und schimpft über den lokalen Spieß-Journalismus. Die Schönschwärzerei ist eine eigennützige Vermeidung von Klugheit als der eigentlich bestmögliche Versuch zum Erkennen der Wirklichkeit. Die Spießschreiber haben CDU und SPD geschont; jetzt werden CDU und SPD von der Wirklichkeit überrannt.

    Das endet demnächst als           9_13           (neun_dreizehn / nine thirteen) – Am 13. September 2020 ist Kommunalwahl NRW in Duisburg; in 290 Tagen.

  • #2
    ke

    Einen interessanten Blick von "oben" gibt es auch von der Halde Rheinpreußen an der großen Grubenlampe oder vom Hochofen im Landschaftspark.

  • #3
    Stadtzuhörer

    >> ein interessanter Blick von der Halde Rheinpreußen oder vom Hochofen im Landschaftspark

    Ein Ordnungsruf vom Soziologen Andreas Reckwitz, ZEIT Nr. 47
    https://www.zeit.de/2019/47/liberalismus-regulierungen-dynamisierung-demokratie-nationaloekonomie

    … unterhalb der gelben Inversion auf die Folgen und Bergschäden des entfesselten Kapitalismus und die Kultur der Anomie und Desintegration im Konglomerat der Reviergroßstädte, ihrer Industriegesellschaft und dem Verfall der öffentlichen Infrastruktur als Heimatschande.

    Wer nach oben statt runterblicken möchte, geht zur Städt. Gemeinschaftsgrundschule Schulstraße in Walsum und schaut nach Westen. Dort ist der Rhein und bei Normalwassserstand (20 m NN) ist dann der Rhein-Wasserspiegel sieben Meter seinem Kopf; bei Hochwasser kommen noch einmal bis zu 10 Meter dazu.
    Kriegst Du das Polder-Feeling, wenn Du das liest? Bei mehr als einem Jahrhunderthochwasser gibt es das Problem einer „Situation mit fehlendem Hochwasserschutz“ (anderes Wort für ‚Loch im Deich und Überflutung‘)

    Duisburg hat 146 km Ufer und alle Deiche sind zu niedrig für ein 200-Jahr-Hochwasser.

  • #4
    Stadtzuhörer

    >> Duisburg leidet unter 100.000 Fortzügen in fünf Jahren.

    Und Duisburgs Oberbürgermeister wünscht sich lieber Syrer als Osteuropäer bei den Zuzügen.

    Seit Jahrzehnten fällt das durchschnittliche Jahresnettoeinkommen je Steuerfall im Vergleich aller Stadtteile. Neuere Zahlen gibt der Verwaltungsvorstand der Stadt Duisburg nicht heraus, da „die Bewertung noch andauere.“

    Da muss man schon woanders für gute Aussichten hingehen – etwa zu einer Abraumhalde oder einem kalten Hochofen.

  • Pingback: Dunkle Geschichten aus DuisburgRuhrbarone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.