Duisburg-Tourismus: „Auf Rieke“ durch Ruhrort

Rikscha-Mick (Foto: Peter Ansmann)
Rikscha-Mick (Foto: Peter Ansmann)

In den letzten Jahren haben wir (Freundin und ich) einige Stadtrundfahrten in Duisburg unternommen. Nicht nur, um wiederholt die schönsten Stellen im Duisburger Stadtbild zu sehen, sondern auch wegen der Stimmung in der Gruppe bei den Fahrten im Bus. Diese Rundfahrten werden inzwischen leider nicht mehr angeboten.

Eine Rikschafahrt hatten wir bis gestern nur einmal unternommen. Im Jahre 2023 in Zürich.

Zu dieser Fahrt kam es aus einer Not heraus: Wir mussten einen halben Tag, vom Auschecken aus dem Hotel bis zu unserem Abflug nach Düsseldorf, irgendwie zeitlich überbrücken. Die Tour mit dem eTukTuk stellte sich, auch wegen des speziellen Humors des Guides, als überraschendes Highlight des Zürich-Kurzurlaubs heraus.

Ein Geschenk-Gutschein, wahlweise für eine Rikschafahrt durch Ruhrort oder für eine Fahrt über den Rheindeich lag, seit meinem 50. Geburtstag Ende 2022 in einer Schublade. Ein vorheriger Versuch, diese Fahrt anzutreten, scheiterte wegen des Wetters.

Gestern klappte es mit dem Wetter und wir fuhren mit Rikscha Mick durch den Duisburger Schifferstadtteil Ruhrort.

Rikscha-Fahrt durch Ruhrort

Museumsschiff Oskar Huber in Duisburg-Ruhrort (Foto: Peter Ansmann)
Museumsschiff Oskar Huber in Duisburg-Ruhrort (Foto: Peter Ansmann)

Treffpunkt für den Beginn unserer einstündigen Tour durch den Duisburger Stadtteil Ruhrort (Die es auch als 90-minütige Variante gibt!), war das Museum der deutschen Binnenschifffahrt, in der Nähe des Rheinufers. Pünktlich um 15:00 Uhr kam Rieke, so heißt die Rikscha, vor den Toren des Museums an.

Die Rikscha ist etwas kleiner als die Variante, die wir aus Zürich kennen. Zwei Fahrgäste finden hier Platz. Es gibt aber die Möglichkeit weitere Personen, via Fahrrad, an der Tour zu beteiligen.

Kurze Vorstellung: Wir erfahren, dass es die Fahrten jetzt seit fünfeinhalb Jahren gibt und während der Corona-Pandemie das Geschäft eröffnet wurde. Eine harte Anfangszeit. Aktuell hat Holger („Mick“), der sich mit dem Fahrten als Frührentner etwas dazuverdienst, etwa 130 Fahrten pro Jahr. Wir bekommen eine wärmende Decke, dann geht es schon los.

2023: Rikscha-Tour in Zürich (Foto: Peter Ansmann)
2023: Rikscha-Tour in Zürich (Foto: Peter Ansmann)

Am Startpunkt erzählt Mick gleich etwas zum Binnenschifffahrtsmuseum:

Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, wurde in den frühen 1900er Jahren als Hygieneeinrichtung für die Arbeiter der Phoenix-Hütte errichtet. Es bot Dusch- und Wannenbäder an, da häusliche Sanitäranlagen zu dieser Zeit oft fehlten (kleine Wohnungen, Außentoiletten, kein fließendes warmes Wasser). Dies war ein Fortschritt, den die Industriellen zur Wertschätzung ihrer Fachkräfte schufen (ähnlich wie Arbeitersiedlungen, Schulen und Kooperativen).

Später wurde es zu einem öffentlichen Schwimmbad mit zwei Becken, in dem viele Ruhrorter das Schwimmen lernten. Nach der Stilllegung des Schwimmbads im Jahre 1986 beherbergt das Gebäude seit 1998 das Binnenschifffahrtsmuseum, das als bedeutendstes seiner Art in Deutschland gilt. Die hellblauen Kacheln auf dem Vorplatz sind originale Schwimmbadkacheln. Das ehemalige Kesselhaus, das Wasser für die Bäder erwärmte, beherbergt heute ein empfohlenes Restaurant.

Es geht weiter zur Mühlenweide, wo allerdings nie eine Mühle stand. Für die Binnenschifffahrt ist dies ein wichtiger Ort: Binnenschiffe können hier ihre mitgeführten PKWs entladen. An dieser Stelle steht auch, dem Rhein zugewandt, eine Statue des heiligen Niklaus, dem Schutzpatron der Seeleute und Schiffer.

Wir setzen die Tour über die Rheinpromenade fort: Mick ist kein Unbekannter. Passanten, die an diesem Sonntag unterwegs sind, grüßen ihn freundlich. Man kennt sich offensichtlich. Wir erfahren während der Fahrt viel über die Rheinschifffahrt und über das Logistikdrehkreuz Duisburg: Acht Containerhäfen gibt es, der aktuell größte wird bald durch das im Bau befindliche Duisburg Gateway Terminal auf der ehemaligen Kohleninsel übertroffen werden. Dieses wird der zehnte und größte Binnencontainerhafen Europas sein und im Binnenhafenanteil sogar Hamburg übertreffen.

Wir erfahren was es mit den Rheinkilometern auf sich hat und bekommen Informationen zur Geschichte der Friedrich-Ebert-Brücke, die Ruhrort mit dem Duisburger Stadtteil Homberg verbindet. 1906, damals noch unter dem Namen Admiral-Scheer-Brücke, nach Forderungen der Industrie gebaut. Um den Transport von Erz, Kohle und Stahl zu ermöglichen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Brücke aufgrund Hitlers Nerobefehls, zerstört (Was mit den meisten Brücken am Rhein, mit Ausnahme der Brücke in Remagen, passierte). Später wurde sie wiederaufgebaut als Friedrich-Ebert-Brücke. 

Weitere Stationen an der Promenade sind der Schraubenturm, der Flaggenmast (An dem auch ein Wimpel von Rikscha-Mick hängt!) und einige Schiffe, die vor Ort anliegen, wie z.B. das neue Gastankschiff GAS 96 und die Oskar Huber, die im Umfeld der Horst-Schimanski-Gasse liegt.

Mick erklärt viel: Zu den veränderten Schiffsbauten, die heute breiter sind und dafür weniger Tiefgang haben, was auch eine effektive Nutzung bei Niedrigwasser ermöglicht. Zu vergangenen Hochwasser-Katastrophen in Duisburg und zum Museumsschiff Oscar Huber.

Die Oskar-Huber, im Hintergrund sind die Skulpturen "Echo des Poseidon" (rechte Seite) und "Rheinorange" (Von der neuen Logistikhalle verdeckt.) zu sehen bzw. nicht zu sehen. (Foto: Peter Ansmann)
Die Oskar-Huber, im Hintergrund sind die Skulpturen „Echo des Poseidon“ (rechte Seite) und „Rheinorange“ (Von der neuen Logistikhalle verdeckt.) zu sehen bzw. nicht zu sehen. (Foto: Peter Ansmann)

Wir sind (fast) eine Stunde unterwegs, die Tour neigt sich dem Ende zu: Wir passieren Zum Hübi, eine Kneipe direkt neben der Horst-Schimanski-Gasse, von der man einen direkten Blick auf die Oskar Huber hat. Auf der anderen Seite des Rheins steht eine neue Logistikhalle, nicht unumstritten in Ruhrort, weil sie den Blick auf die Rheinorange nimmt. Ob diese Skulptur wirklich schöner ist als die Logistikhalle (Die man auch orange streichen könnte!), liegt wohl im Auge des Betrachters.

Die letzten Stationen unserer Tour sind die Schifferbörse, der historische Dampfdrehkran und – nach kurzer Fahrt über die Rheinbrückenstraße (Ein absoluter Hotspot in Bezug auf Lost Einkaufswagen! Sechs Fundstücke auf drei Locations verteilt!) – die Skulptur Männeken Pis, das früher auf dem Sonnenwall im Epizentrum von Duisburg seinen Platz hatte, in den 2011 ins Lehmbruck-Museum kam und jetzt umzäunt, aber einsehbar, auf dem Haniel-Gelände auf der Harmoniestraße seinen Platz gefunden hat.

Lost weird Einkaufswagen in Duisburg-Ruhrort (Foto: Peter Ansmann)
Lost (weird) Einkaufswagen in Duisburg-Ruhrort (Foto: Peter Ansmann)

Bei der Fahrt geht Mick auf die Vergangenheit Ruhrorts ein. Wir passieren die ehemalige Flaniermeile Ruhrorts, wo einst eines der ersten Kaufhäuser der Region stand, das von einem jüdischen Kaufmann eröffnet und später durch die Nazis „arisiert“ wurde. Das Ruhrort, wie man es aus der ersten Tatort-Folge mit Schimanski („Duisburg-Ruhrort“) noch kannte, existiert nicht mehr, wie unser Guide bei der Fahrt zum Haniel-Gelände anmerkt:

Von den über 140 Kneipen und Bars, die wir hier früher hatten, die Rotlicht betrieben und das alles, gibt es heute noch vier Gaststätten, die traditionell auch aus der Zeit sind. Das Damm-Café, der Anker steht da vorne noch und eben das Hübi unten, das ist auch eine alte traditionelle Schifferkneipe.

Rikscha-Rieke (Foto: Peter Ansmann)
Rikscha-Rieke (Foto: Peter Ansmann)

Nach einer Stunde ist die Fahrt beendet. Man kann einen Sonntag im Herbst definitiv schlechter verbringen.

Wir steigen nicht an unserem ursprünglichen Ausgangspunkt aus, sondern unterstützen noch spontan die Ruhrorter Gastronomie mit einem Besuch bei IMMER & EDEL auf der Dammstraße.

Unser letzter Besuch in Ruhrort wird das nicht gewesen sein.

Auch nicht unsere letzte Fahrt mit der Rikscha: Die Duisburg-XL-Tour wird irgendwann folgen und, vermutlich zeitnah, die Maritime Lichterfahrt.

Infos zu den Rikscha-Touren:

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