Ein Punkt für den BVB, der mehr beschönigt als hilft

Bei der Vorstellung von BVB-Trainer Niko Kovac in Dortmund im Februar. Foto: Robin Patzwaldt

Ein 3:3 bei Eintracht Frankfurt ist objektiv betrachtet kein schlechtes Resultat. Kaum ein Bundesligist fährt regelmäßig mit drei Punkten aus dem Deutsche-Bank-Park nach Hause, und selbst ein Rückstand kurz vor Schluss wird dort oft nicht mehr korrigiert. Auch für Borussia Dortmund gilt das grundsätzlich. Und doch fühlt sich dieses Remis des BVB vom Freitagabend wie ein weiterer Rückschlag an.

Jahreswechsel ohne Wirkung: Der Stillstand bleibt

Wer gehofft hatte, der Jahreswechsel könnte beim BVB so etwas wie einen mentalen oder strukturellen Neustart auslösen, wurde in Frankfurt eines Besseren belehrt. Die Saison setzt sich fort wie zuvor: mit defensiver Fragilität, fehlender Kontrolle im Mittelfeld und einer Mannschaft, die zwar immer wieder Qualität andeutet, diese aber nicht in Konstanz übersetzen kann. Dortmund kann reagieren – doch Dortmund kann weiterhin kein Spiel über die volle Distanz souverän diktieren. Für einen Klub dieses Anspruchs ist das ein Alarmsignal.

Alarmzeichen statt Mutmacher

Der späte Ausgleich in der Nachspielzeit wird vielerorts als Beweis für Moral verkauft. Tatsächlich ist er eher ein Symptom. Denn wer erst in der Nachspielzeit ein 2:3 kassiert, hat zuvor viel falsch gemacht. Frankfurt wirkte phasenweise strukturierter, klarer und entschlossener – und das, obwohl der BVB nominell besser besetzt ist. Moral ist kein taktisches Konzept, sondern oft nur der letzte Rettungsanker, wenn vorher zu vieles schiefgelaufen ist.

Die Probleme sind längst systemisch

Besonders beunruhigend ist, wie vertraut sich all das anfühlt. Unsaubere Abstände, einfache Ballverluste, hektische Rückwärtsbewegungen – die Fehler wiederholen sich nicht zufällig, sie haben System. Dortmund ist eine Mannschaft, die von Einzelaktionen lebt, nicht von Automatismen. Das kann an guten Tagen reichen, trägt aber keine Saison. Schon gar nicht eine, in der der spielerische Anspruch eigentlich ein anderer ist.

Anspruchsdenken trifft Realität

Borussia Dortmund will ein Spitzenklub sein, wirkt aber über weite Strecken wie ein Projekt auf halber Strecke. Die Balance zwischen Offensive und Defensive stimmt nicht, das Zentrum bleibt anfällig, und die viel beschworene Weiterentwicklung ist auch im Januar 2026 kaum greifbar. Spiele werden verwaltet, nicht gestaltet. Der BVB läuft dem eigenen Anspruch hinterher – nicht erst seit Freitag, sondern seit Monaten. Da tröstet auch der Tabellenplatz nicht, der noch das beste an der aktuellen Lage ist

Frankfurt war schlagbar – Dortmund nicht entschlossen genug

Gerade deshalb ist dieses 3:3 so ärgerlich. Frankfurt bot Räume, Frankfurt wackelte, Frankfurt machte Fehler. Doch Dortmund nutzte diese Schwächen nicht konsequent aus. Stattdessen blieb man zu häufig passiv, abwartend und abhängig von einzelnen Momenten. Wer so auftritt, darf sich nicht wundern, wenn aus möglichen Ausrufezeichen nur weitere Fragezeichen werden.

Viel zu wenig für echte Zuversicht

Für die Anhänger ist das schwer verdaulich. Die Hoffnung auf eine klare Trendwende nach dem Jahreswechsel wirkt bereits wieder naiv. Die Saison 2025/26 droht eine zu werden, die vor allem frustriert: zu talentiert, um sie abzuschreiben – aber zu inkonsequent, um Vertrauen zu schaffen. Ein Punkt in Frankfurt mag statistisch helfen. Sportlich und emotional fühlt er sich jedoch eher wie ein weiteres Kapitel einer endlosen Stagnation an.

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