Es muss nicht immer Fremdschämen sein

Alejandro Manzano and Daniel Manzano in Strasbourg im November 2010/Foto: Wikipedia

Boyce Avenue beehren als Akustik-Act die Zeche Bochum.

Wenn musikalisch motivierte Menschen versuchen, trashige, totgehörte und völlig überproduzierte Pophits zu covern, dann löst das in der Regel eher Irritationen aus. Meistens klingt die Laiensession schräg bis unterirdisch (wird trotzdem auf Video festgehalten) und landet zu allem Überfluss als Coverspam auf YouTube.

Nun ja. Eigentlich möchte das niemand hören. Auch die Universal Music Group (UMG) wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zwei Jahre später auf die Noch-nicht-Künstler zukommen, um ihnen einen Plattenvertrag anzubieten. Genau so erging es jedoch Boyce Avenue, einer US-amerikanischen Alternative-Rock-Band aus Sarasota, Florida. Bekannt wurden sie durch Coverversionen bekannter Songs, die sie bei YouTube veröffentlichten. Im November 2009 unterzeichneten sie ihren Vertrag bei Universal.

Copy & passt

Seit über zehn Jahren machen Alejandro, Fabian und Daniel Manzano, drei Brüder mit spanischen Wurzeln, schon zusammen Musik. Eine gewisse Berühmtheit erlangten sie durch eigene Akustikversionen bekannter Songs wie „Viva la Vida“ von Coldplay, „Wonderwall“ von Oasis oder „Mr. Brightside“ von The Killers. Unzählige Videos solcher Coverversionen sind im Netz zu finden. Hunderttausend- und millionenfach geklickt und in den sozialen Netzwerken des Webs geteilt.

Nach ihrem Debütalbum „All You’re Meant To Be“ von 2008 erschien im vergangenen Sommer ihr zweites Album „All We Have Left“. Am 16. März wurde die erste Single „Every Breath“ und am 20. März das Video zum Song veröffentlicht. Noch bis Mai tourt die Band durch die USA, Kanada und Europa. Die Tinte unter dem Plattenvertrag ist kaum getrocknet, da befinden sich auch schon die ersten Coverversionen der bandeigenen Werke im Umlauf.  Tja, die Kids wissen nun wie es gehen kann.

Myspace, Twitter, Facebook, YouTube, iTunes – Boyce Avenue gelang es wie kaum einer anderen Band, die vielfältigen Möglichkeiten medialer Vernetzung so effektiv zu nutzen, so dass sie innerhalb weniger Jahre weltweit bekannt werden konnten. Online versorgen sie ihre Fans zudem beständig mit neuen Videos und aktuellen News.

Genau dort wo UMG, Sony oder andere Labels die Videos aus dem Netz entfernen lassen, setzen Boyce Avenue mit ihrer Marketingstrategie an. Sie ermutigen ihre Fans sogar dazu, die Videos so oft wie möglich zu teilen. Alejandro Monzano schreibt dazu: „Be sure to post videos you like of ours on your Facebook wall and share it with your friends on Twitter! That is the BEST way to spread the word and show your support!”.

Spielverderber Majorlabel

Bassist, Fabian Manzano Foto: Flickr/ Nicole Abalde

Damit bringen sie längst vergessene Freuden ins World Wide Web. Mit einer solchen Freizügigkeit vertreten Boyce Avenue jedoch eine Haltung, die aufgrund der enormen Umsatzeinbußen nicht zum Regelfall in der kränkelnden Musikindustrie gehört. Ob Universal die Videos der Band künftig entfernen lassen wird, bleibt abzuwarten. Aber vielleicht finden auch die Fans von Boyce Avenue irgendwann nur noch den Hinweis „Dieses Video enthält Content von UMG. Es ist in deinem Land nicht verfügbar“, wenn sie sich auf die Videosuche bei YouTube machen. Schon für das Video zu ihrer aktuellen Single „Every Breath“, das Mitte März veröffentlicht wurde, scheint diese Einschränkung zu gelten.

Wer die Band sowieso viel lieber live hören möchte, kann dies am 21. April tun. Denn dann spielen sie in der Zeche Bochum. Einlass: 19.00 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr. Bei der Gelegenheit ließe sich auch prüfen, ob dem Trio aus dem Sunshine State nur Coversongs oder auch die eigenen gelingen.

Dir gefällt vielleicht auch:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
1 Kommentar
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
trackback

[…] noch mal anschauen, wie das früher eigentlich so gewesen ist.  Dazu besucht man am besten ein Konzert von Boyce Avenue. Im Rahmen ihrer Europa-Tour legten diese nämlich gestern einen Zwischenstopp in der Zeche Bochum […]

Werbung