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Fußball: Erst wenige Profi-Vereine unterstützen offiziell die ‚Berliner Erklärung‘ gegen Homophobie



Ein Thema fand in der zurückliegenden Woche leider bisher nicht die Beachtung, wie man sie sich wohl gewünscht hätte. In der Hauptstadt wurde die ‚Berliner Erklärung‘ gegen Homophobie im Fußball unterzeichnet.

Leider nehmen bisher auch erst sehr wenige Proficlubs der nationalen Fußballlandschaft,  darunter u.a. die Erstligisten FC Bayern München, der SV Werder Bremen und Hertha BSC, sowie auch der Zweitligist 1. FC Union Berlin, offiziell als Unterzeichner daran teil. Und noch immer hat sich auch kein Fußball-Profi in Deutschland offen zu seiner Homosexualität bekannt.

Die Stiftung ‚Fußball für Vielfalt‘, auf deren Initiative die Erklärung nun aufgesetzt wurde, wurde bereits im vergangenen Jahr gegründet.

Mittel und langfristig erhoffen sich die Initiatoren, mit dem Projekt bestehende Vorurteile in der Gesellschaft und im Fußballsport deutlich abzubauen. Schwulen Fußballspielern und –innen soll ein Coming-out dadurch praktisch etwas erleichtert werden.

Dieses Ziel verfolgt man auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), welcher jüngst, nach langen Jahren des Schweigens, ebenfalls vermehrt erste deutliche Schritte in Richtung Toleranz und Verständnis und eben gegen Homophobie unternahm.

Am Mittwoch präsentierte der DFB deshalb auch auf der Verbandsseite im Internet eine Broschüre zum Thema ‚Fußball und Homosexualität‘. Sie soll Hilfestellung für homosexuelle Fußballspieler und Fußballspielerinnen geben. Das neue Prospekt umfasst u.a. diverse Informationen, Begriffserklärungen und Kontaktadressen zum langjährigen Tabuthema. Immerhin, es tut sich jetzt offenkundig was!

„Es ist die klare Haltung des DFB, dass jede Person, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen will, auf die Unterstützung durch unseren Verband zählen kann“, sagte am Mittwoch nun auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in Berlin. Er hatte die DFB-Broschüre, die unter der Leitung des Fan-Forschers Professor Gunter Pilz entstand, mit initiiert. Die Chancen auf einen offeneren Umgang mit dem Thema auch innerhalb des DFBs steigen dadurch hoffentlich langsam an.

In einigen europäischen Nachbarländern ist man da offenkundig schon etwas weiter als hierzulande. Der niederländische Fußball-Nationaltrainer Louis van Gaal und der Chef des niederländischen Fußball-Verbandes werden z.B. am 3. August beim weltberühmten Schwulenkorso auf Amsterdams Grachten teilnehmen.

Von einem solchen, öffentlich sichtbaren Zeichen ist man hierzulande aktuell wohl noch ein gehöriges Stück weit entfernt. Warum eigentlich?

Aktuell erklärte Nationaltorhüterin Nadine Angerer gegenüber der ‚Sport Bild‘: „Ich würde jedem schwulen Fußballer raten, sich zu outen, egal, welche negativen Folgen es eventuell haben könnte, weil ich es am wichtigsten finde, sich selbst immer treuzubleiben.“ Die erfolgreiche Torhüterin hatte sich bereits im Jahre 2011 offen zu ihrer Bisexualität bekannt.

Es wäre doch schön, wenn sich in nächster Zeit noch deutlich mehr Sportler und Vereine in dieser unterstützenswerten ‘Berliner Erklärung’ zusammenfinden würden.

Hier geht es übrigens direkt zur Infoseite (und zur Broschüre) des DFB: http://www.dfb.de/news/de/d-nachhaltigkeit/dfb-veroeffentlicht-broschuere-fussball-und-homosexualitaet/44975.html

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6 Kommentare zu “Fußball: Erst wenige Profi-Vereine unterstützen offiziell die ‚Berliner Erklärung‘ gegen Homophobie

  • #1
    Nansy

    Fußballvereine gegen Rechts, Fußball gegen Rassismus, Fußballliga gegen Gewalt, Erklärung gegen Homophobie….u.s.w.
    Mag ja alles gut gemeint sein, nur hinterlässt diese ständige Vereinnahmung des Fußballs für gesellschaftspolitische Zwecke bei mir zumindest einen faden Nachgeschmack.
    Ob diejenigen, die gemeint sind, sich dadurch beeindrucken lassen?

  • #2
    Robin Patzwaldt

    @Nansy: Ob es am Ende dann etwas bringt, dass weiß ich auch nicht. Aber diese Themen hin und wieder mal in die Öffentlichkeit zu bringen kann, das kann ja zumindest auch im Bereich Sport bzw. Fußball nicht schaden. Frei nach dem Motto: ‚Steter Tropfen höhlt den Stein‘!
    Denn wenn man bei diesen Themen (auch im Sport) gar nichts tut, dann ändert sich häufig eben auch nichts. Zumindest auch nicht zum Guten. Und von daher finden die Organisatoren solcher Aktionen eigentlich immer auch erst einmalgrundsätzlich meine Sympathie.

  • #3
    Jörg Fuhrmann

    Der grundsätzlichen Sympathie möchte ich mich gerne anschließen. Allerdings bin ich auch der Meinung, daß sich der DFB hier lediglich ein Feigenblatt vorhängt. Den ob dieser Altherrenvorstand tatsächlich so denkt, wage ich zu bezweifeln. Und selbst wenn, in den Fussballvereinen der deutschen Provinz ist der DFB weiter als man denkt. Was sich ja auch darin wiederspiegelt, wie wenige Vereine bereit sind, sich dieser Initiative anzuschliessen. Denn einmal abgesehen von großstädtischen Erstliegervereinen sieht es ja nicht so doll aus. Für die ist das übrigens recht einfach. Denen springen deswegen keine Sponsoren ab. Und ein paar Fans mehr oder weniger spüren die gar nicht. Bei den Eisernen verhält es sich ähnlich. Da bekommt man eh keine Karten fürs Heimspiel. Egal in welcher Liga sie spielen.
    Ob aber ein Vereinj, der beispielsweise von irgendeinem Autohaus oder Sanitärbetrieb in der Provinz gesponsert wird da genauso locker sein kann? Machen wir uns doch nichts vor. Homophobie ist kein Problem des Fussballs, sondern der Gesellschaft.

  • #4
    BöserGrünerUndso

    Seien wir ehrlich: Jegliches Outing eines einzelnen Fußballers wäre doch mehr oder weniger Karriereselbstmord. Wenn überhaupt müsste sich da eine ganze elf auf einmal outen und die ganze (restliche) Nationalmannschaft beim Outing neben dran stehen und klatschen.

    Aber auch dann würde sich nicht viel verändern. Wir reden alle immer vordergründig so schön darüber wie offen wir für Vielfalt sind und so. Ich sags mal offen, all das Gerede gegen Rassismus hat nichts daran geändert, dass in meinem Fanclub das alte Lied von “Wir bauen eine Ubahn bis nach …” und jede Menge andere rassistische Scheiße immer noch Standard ist. Da helfen dann auch nur mal deutliche Zeichen: Beispielsweise temporäres Stadionverbot für ganze Fanvereine. Und ja die Vereine wissen ganz genau wer sich da falsch verhält…

  • #5
    Querdenker

    #4 Da hast du ja einen tollen Fanclub *kotz* In meiner Gruppe gibts für sowas ordentlich einen vor den Latz. Basta.

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