Fußball: Länderspiel in Amsterdam – Reine Zeitverschwendung!

Bundestrainer Joachim 'Jogi' Löw; Lizenz: CC; Quelle: Wikipedia; Foto: Steindy

Wenn ein Fußballländerspiel gegen die Niederlande ansteht, dann schlägt das Herz der Fußballfans hierzulande schon bei dem Gedanken daran deutlich schneller.

Man, wie viele Klassiker hat es da in den vergangenen Jahrzehnten schon gegeben. Häufig waren es auch Spiele mit großen Emotionen, von denen man noch jahrelang erzählt.

Das Spiel Gestern in Amsterdam konnte diese Ansprüche jedoch von Anfang an nicht erfüllen, und das nicht nur weil es diesmal ‚nur‘ ein Freundschaftsspiel war.

Nach vielen ‚englischen Wochen‘, mit jeweils drei Spielen pro Woche für ihr jeweiliges Vereinsteam, hielt sich die Begeisterung bei den Spielern im Vorfeld offenbar bereits deutlich in Grenzen.

Die Anzahl der ‚verletzungsbedingt‘ zu verzeichnenden Absagen war jedenfalls in den letzten Tagen ungewöhnlich hoch.

Bei wichtigen Europapokalspielen o.ä. hätten diesen Mittwochstermin wohl viele der nun Vermissten das Spiel bestimmt nicht so einfach abgesagt.

Dieses deutlich erkennbare Alarmzeichen mussten die Fußballfans schon vor der Begegnung wahrnehmen.

Die vielen Absagen alleine waren aber eigentlich kein ausreichender Grund, dass das Spiel dann so unattraktiv wurde, wie es sich am Mittwoch wirklich darstellte.

Schon in den ersten Minuten der Begegnung vermisste man ‚richtige’ Zweikämpfe, Laufbereitschaft und Spieltempo. Dafür können die vielen Wechsel in der Stammformation beider Teams aber eigentlich keine Entschuldigung sein. Viele Umstellungen in einer Mannschaft  sind kein Grund für fehlende Leidenschaft! Es war schlicht langweilig diesen Kick anzuschauen! Die Tatsache, dass das Spiel am Ende torlos endete war das zu den angebotenen Bemühungen passende Resultat.

Dabei kann man der deutschen Mannschaft rückblickend eigentlich weniger einen Vorwurf machen als dem Team der Niederlande, welches für ein Heimspiel ungewöhnlich passiv und defensiv agierte.

Aufgefallen ist mir zudem, dass die ansonsten immer so lautstark und engagiert auftretenden Fans der Gastgeber gestern von ihrer ‚Bestform‘ ebenfalls weit entfernt zu sein schienen.

Kaum Gesänge, Musik, Anfeuerung im weiten Rund in Amsterdam. Das kannte man von Spielen in den Niederlanden sonst ganz anders. Die Fans passten sich offenbar den Leistungen der Aktiven an.

Etwas Stimmung im Stadion hätte die Darbietungen auf dem Grün allerdings nicht nur vor dem Fernseher leichter erträglich gemacht, vielleicht hätte etwas mehr Leidenschaft auf den Rängen sich auch auf die Aktiven übertragen.

Wie dem auch sei…

Insgesamt eine große Enttäuschung für Fußballbegeisterte, welche sich zu Millionen auf einen attraktiven Abend gefreut hatten. Die Fans im Stadion, die für ihr erscheinen auch noch Geld bezahlen mussten, konnten einem wirklich leidtun.

So fand dann auch das Fußballjahr für Anhänger der Nationalmannschaft hier in Deutschland, passend zu den jüngsten Erlebnissen der letzten Monate, ein eher zwiespältiges Ende.

Einerseits ist ein Unentschieden in einem Auswärtsspiel in ‚Holland‘ natürlich kein schlechtes Ergebnis. Andererseits macht einen das Auftreten der Löw-Truppe seit der EM in Polen/Ukraine irgendwie auch nicht so wirklich glücklich.

Seit dem enttäuschenden EM-Aus gegen Italien vermochte das Team nur noch recht selten zu überzeugen.

In guter Erinnerung bleibt von den Begegnungen seit dem Sommer so eigentlich nur das souveräne 6:1 von Irland, gegen einen allerdings auch sehr schwachen Gegner.

Sorgen bereiten können den Fans der Deutschen Mannschaft auf der anderen Seite aber dagegen die Enttäuschungen aus den Spielen gegen Argentinien und der Einbruch zuletzt gegen Schweden.

Auch die Auftritte gegen die Färöer-Inseln und in Österreich, wo man schlussendlich zwar Siege verzeichnen konnte, aber doch nicht wirklich zu überzeugen vermochte, trüben das Bild seit der Europameisterschaft deutlich.

Für mich stellt sich überhaupt die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Freundschaftsspiels im November, nach so vielen reiseintensiven Wochen für viele der betroffenen Auswahlspieler.

Macht ein solcher Termin Sinn? Die Spieler haben die Frage durch die vielen Absagen und die schwache Leistung am gestrigen Mittwoch eigentlich schon ausreichend beantwortet.

Hätte es dieses Spiel gar nicht gegeben. Man würde es nicht vermissen.

Ich hoffe, ich kann mir das bis zum nächsten Novembertermin der Nationalmannschaft merken und werde dann die entsprechenden Schlüsse für mich schon vor der Begegnung ziehen:

Einfach besser mal etwas anderes an/mit diesem Abend machen.

Das haben einige der Spieler, die man eigentlich in Amsterdam auf dem Feld erwartet hatte, ja offenbar auch bereits so gemacht…

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9 Kommentare

  1. #1 | derHarry sagt am 15. November 2012 um 10:48 Uhr

    „Für mich stellt sich überhaupt die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Freundschaftsspiels im November, nach so vielen reiseintensiven Wochen für viele der betroffenen Auswahlspieler.“

    Also, Ich wäre gerne betroffen! Selbst fürs halbe Geld…

    „Macht ein solcher Termin Sinn? “

    Natürlich nicht – kommt doch keine zusätzliche Kohle rein! Da ruhe ich mich doch lieber für meinen nächsten bezahlten Einsatz aus.

    Wenn in Ihnen so ein unbestimmtes Gefühl aufsteigt, die Ahnung, dass Ihnen so eine Haltung in anderen Zusammenhängen irgendwie schon mal untergekommen ist, dann…

    dann müssen Sie sich wohl irren!

  2. #2 | Helmut Junge sagt am 15. November 2012 um 11:26 Uhr

    Beide Mannschaften wollten nichts riskieren, aber auch nicht verlieren.
    Darum konnten wir wundervolle „Spielszenen“ in der eigenen Hälfte sehen.
    Allerdings ohne einen einzigen Gegner. Die Holländer kamen nicht um sich den Ball zu holen. Darum waren die Pässe über die Flanken wunderschön. Jedenfalls solange sie in der eigenen Hälfte geschossen wurde. Und das war ja lange und oft. Wunderschöner Fußball ohne Gegner.
    Aber das Spiel hatte dennoch mehr Risikoanteile als beim legendären Spiel 1982 in Gijon, wo niemals Spannung aufkam.

  3. #3 | Don Altobello sagt am 15. November 2012 um 11:35 Uhr

    Wenn ich an das Spiel Schweden gg. England gestern denke, kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass es an dem ungünstigen Termin gelegen haben muss. Das war auch nicht das einzige attraktive Freundschaftsspiel des gestrigen Abends.

  4. #4 | Martin Böttger sagt am 15. November 2012 um 13:11 Uhr

    @3
    Genau. Ich bin zwar selbst ein Anhänger des Teamgeistes und ein Gegner der individualistischen Heldenverehrung im Fußball, aber allein für das eine – ihr wisst schon welches – Tor von Ibrahimovic hat der gestrige Länderspieltermin seinen Sinn gehabt 😉

  5. #5 | Walter Stach sagt am 15. November 2012 um 15:49 Uhr

    Robin,ich habe in meinem Leben so manches Länderspiel Niederlande-Deutschland erlebt;mich gefreut, mich geärgert, ‚mal geschimpft,war so manches Mal
    wütend über einzelne Spieler der NL -Koomann, Reykart (?) ua.

    Nichts davon war gestern. Zum ersten Male hatte ich erhebliche Mühe, während des Länderspieles nicht einzuschlafen.

    Was mir so eben dazu noch in den Sinn kommt:

    Wir haben gegen Schweden etwas Einmaliges in der Geschichter der deutschen Fußball-Länderspiele erlebt;ich könnte auch sagen: „Etwas Unerklärliches, etwas Seltsames“.

    Und nun erleben wir unmittelbar danach wiederum etwas Einmaliges, jedenfalls mit Blick auf die Fußball- Geschichter NL-Deutschland;wiederum etwas für mcih Unerklärliches, etwas Seltsames.

    Zufall? Vermultich. Aber für Spekulationen geeignet.

  6. #6 | Robin Patzwaldt sagt am 15. November 2012 um 15:57 Uhr

    @Walter: Das ging mir auch so. Ich musste bei dem Spiel auch zunehmend mit der Müdigkeit kämpfen. Und das bei Niederlande vs. Deutschland…. Schon komisch. Habe mich ziemlich geärgert den Abend nicht irgendwie besser genutzt zu haben. Das schöne Tor der Schweden gegen England habe ich daher auch erst heute im Netz gesehen. Bin am Abend direkt nach dem Spiel der Deutschen eingeschlafen. 😉

  7. #7 | Helmut Junge sagt am 15. November 2012 um 17:20 Uhr

    Die Gegner waren auch nicht gut, aber es klingt bei @Robin und @Walter Stach wie nach einer Verschwörungstheorie, wenn man auch (noch) nicht direkt den Trainer verantwortlich macht.

  8. #8 | Robin Patzwaldt sagt am 15. November 2012 um 17:34 Uhr

    @Helmut: In erster Linie würde ich die Terminplanung und die Taktik der Niederländer für das öde Spiel verantwortlich machen. Ein Zusammenhang zwischen der Terminplanung und den vielen verletzungsbedingten (Problem Motivation ??) Absagen für dieses sportlich unbedeutende Freundschaftsspiel erscheint mir ebenfalls nicht unwahrscheinlich.
    Und wenn gestern ein Trainer Verantwortung trug, dann war es, aus meiner Sicht van Gaal, der quasi ohne Stürmer antrat…und das in einem Heimspiel…

    Aber Motivationsprobleme hatten offenbar die Spieler. Die Trainer hatten bestimmt kein Zweikampfverbot angeordnet. 😉

  9. #9 | Walter Stach sagt am 15. November 2012 um 19:04 Uhr

    -7-Helmut Junge:
    Mir würde nie in den Sinn kommen, irgend wie eine Verschwörungstheorie im Zusammenhang mit einem Fußballspiel, also auch nicht bezogen auf das Spiel gestern, auch nur ansatzweise zu bedenken.

    Es spricht ja alles dafür, daß die beiden jeweils für sich betrachtet eigenartige, seltsame, ungewöhnliche Spiele – gegen Schweden und gegen die Niederlande-nur zufällig so waren wie sie waren -oder weil der „Fußballgott“das so gewollt hat?

    Nur Fußballfans wären keine, wenn sie jetzt nicht diskutieren, spekulieren würden, ob es Zufall oder sonst ‚was war, das uns nacheinander diese beiden Spiele beschert hat.Daß dabei auch über den Trainer -so oder so- nachgedacht und geredet wird, ist unter Fußballfans unumgänglich.

    Meine Meinung über die Qualitäten des Bundestrainers Löw war, unabhängig von den letzten Spielen, stets eine sehr kritische. Ich weiß aber wie jeder Fußballfan, daß es über Trainer zu jeder Zeit, in jedem Verein, in jedem Land sehr unterschiedliche Meinungen gibt ,und ich bin mir der Subjektivität einer Trainerbeurteilung sehr wohl bewußt;deshalb bemühe ich mich, entweder Trainerdiskussionen gänzlich zu vermeiden oder nur sehr zurückhaltend an solchen teilzunehmen;gilt auch im Falle Löw, auch nach dem Spiel gestern.

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