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Fußball: Trainertypen wie Jürgen Klopp tun dem Fußball gut

In den letzten Tagen geisterte die Kritik von Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), am Verhalten von BVB-Coach Jürgen Klopp durch die Medien.
Fröhlich kritisierte Klopp für sein emotionales Verhalten an der Seitenlinie. Dies fördere u.a. die Respektlosigkeiten gegenüber Schiedsrichtern im Amateurbereich. Der Ex-Schiedsrichter legte im Deutschlandradio sogar noch nach. Das Verhalten des 45-jährigen Trainers hätte ‚so ein aggressives Potenzial, dass daraus gewaltsame Exzesse entstehen können‘, beklagte Fröhlich dort.

Starker Tobak, der natürlich nicht nur den sofortigen Widerspruch der BVB-Verantwortlichen nach sich zog, und auch inhaltlich nicht wirklich nachvollziehbar ist.
Fakt ist, Jürgen Klopp ist in der Vergangenheit bereits einige Male unangenehm aufgefallen.
In Erinnerung sind noch der Fälle aus dem Jahre 2010, als sich der Coach im Spiel gegen den Hamburger SV mit dem 4. Offiziellen Stefan Trautmann anlegte, und jüngst das Geschehen Ende September, als Klopp beim Gastspiel seines Teams bei Eintracht Frankfurt in der Nachspielzeit zu Guido Kleve gelaufen war und diesen angeschrien hatte.
In beiden Fällen war Klopp vom DFB mit einer Geldstrafe belegt worden.
Seine emotionale Art zu coachen bekommen von Zeit zu Zeit auch die Schiedsrichter zu spüren. Der Regelfall ist das bei Klopp aber keinesfalls!
In guter Erinnerung sind vielen Fans aber auch seine Jubelstürme nach wichtigen, späten Toren, oder seine freundliche, offenherzige Art gegenüber Fans, Medienvertretern und Spielern.
Klopp nun auf seine Wutausbrüche zu reduzieren, wie Fröhlich es mit seiner Kritik tut, das ist schlicht zu kurzsichtig.
Ich bin zudem fest davon überzeugt, dass Trainertypen wie Jürgen Klopp, bei all ihren Fehlern, in der Summe dem Fußball eher gut tun, als das sie ihm schaden.
Es ist doch schön, wenn ein Trainer auf der Bank mit seiner Truppe mitleidet, das Spiel emotional durchlebt.
Ich finde es eher verschreckend, wenn ich einen Coach am Spielfeldrand erlebe, der emotionslos alles über sich ergehen lässt.
Erinnert sich noch jemand an Klaus Augenthaler, der seinerzeit als Co-Trainer des FC Bayern auf der Bank kurz einnickte? Wollen wir im Fußball vielleicht lieber solche Trainer erleben?
Gerade ein Jürgen Klopp hat für den deutschen Fußball in den letzten Jahren unheimlich viel Gutes bewirkt. Nicht umsonst gilt er bei vielen als ‚Aushängeschild‘ für die neue Trainergeneration.
Gelobt wird der BVB-Coach u.a. ja auch für seine moderne Art mit Medien umzugehen. Wir alle können uns sicherlich noch an seine ‚Expertentätigkeit‘ für das ZDF erinnern, wo er für seine Art der Analyse und die sehr verständlichen Beschreibungen des Geschehens auf dem Platz quer durch die Republik regelrecht gefeiert wurde.
Klopp gilt bei vielen in der Szene als der Prototyp des modernen Trainers und wird derzeit häufig auch als der nächste Bundestrainer gehandelt. Warum wohl?
Weil sein Verhalten auf dem Platz ‚Gewaltsame Exzesse‘ auslösen könnte? Wohl kaum.
Vielmehr mögen die Leute seine freundliche und offene Art, sein Engagement, seine Leidenschaft, seine Umgangsformen.
Zumindest die große Mehrheit…
Dass es immer auch Neider und Kritiker gibt, das ist hinlänglich bekannt.
Aber Klopp als Gefahr für das Schiedsrichterwesen und die Sicherheit in deutschen Stadien hinzustellen, so wie es Lutz Michael Fröhlich nun getan hat, das ist nicht nur sachlich falsch, sondern auch unfair.
Es drängt Klopp in die Ecke des notorischen Rowdies, des Provokateurs.
Dies ist zumindest ähnlich übertrieben wie die aktuelle Diskussion über die angeblich deutlich verschärfte Sicherheitslage in den Stadien.
Klopp lebt den Profifußball lediglich so aus, wie er nach Meinung vieler Fans ohnehin möglichst immer sein soll: emotional, leidenschaftlich, engagiert.
Natürlich ist Klopp mit seinem Verhalten in der Vergangenheit auch schon über das Ziel hinausgeschossen. Das weiß er selber auch.
Aber wem von uns ist das in der Vergangenheit noch nie passiert, wenn man emotional engagiert mit Menschen im Beruf oder Privatleben zu tun hatte? Wer von uns hat im Leben schon immer stets besonnen und angemessen reagiert?
Lutz Michael Fröhlich vielleicht?
In diesen wenigen Fällen, wo sein Fehlverhalten, berechtigter Weise, auch deutliche Kritik auslöste, wurde Klopp zudem folgerichtig mit einer Geldstrafe durch den DFB belegt.
Aber in der Summe sind seine positiven Einflüsse wesentlich bedeutender als die paar ‚Ausraster‘. Klopp verbreitet an der Seitenlinie seit Jahren schon deutlich mehr Spaß, Leidenschaft und Begeisterung als unnötige Aggressivität und Zorn.
Warum sich Fröhlich nun so sehr an der Person Jürgen Klopp abarbeitet, und zudem auch noch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt, das bleibt auch mir damit ein totales Rätsel…

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9 Kommentare zu “Fußball: Trainertypen wie Jürgen Klopp tun dem Fußball gut

  • #1
    Tortist

    Hallo Herr Patzwald,

    leider blenden Sie bei Ihrem Replik völlig die Vorbildfunktion von Profisportlern aus.
    Und das hat Folgen, die man durchaus in den unteren Ligen und besonders im Jugendfussball beobachten kann.

    Da ist diese gelebte Emotionalität nämlich völlig fehl am Platze. Kinder die von ihren eignen Eltern angefeuert werden oder von den Gegnereltern geschmäht eben dann doch in Kloppmanier. Und wer schon mal erlebt hat wie bei einem Jugendspiel der Schiri von einer Traube von Eltern umstellt wird und angegangen wird auch das in Kloppmanier.

    Denn die Kloppart wird nämlich mit Erfolg assoziert, so muss man eben sein wenn man die Gier nach gewinnen in sich trägt.

    Hierzu mal der deutlich klügere Kommentar als Ihrer im Stern

    http://www.stern.de/sport/fussball/bundesliga/ausraster-des-bvb-trainers-halten-sie-sich-zurueck-klopp-1931686.html

  • #2
    Robin Patzwaldt

    @Tortist: Über die Bedeutung und den Umfang der Vorbildfunktion lässt sich nun aber auch ausgiebig diskutieren. Heute Vormittag die Sendung ‚Doppelpass‘ auf Sport1 gesehen? Dort wurde das vorhin auch ausführlich thematisiert.
    Ich glaube zudem nun wirklich nicht, dass auch nur ein einziger Trainer oder Spieler in den Amateur- oder Jugendklassen sich in Zukunft heftiger oder respektloser mit dem dortigen Schiedsrichter anlegt, nur weil J. Klopp sich in den letzten Jahren 2-3 Mal, aufgrund seiner riesigen Emotionalität, zu unüberlegten Handlungen mit dem Schiedsrichtergespann hat hinreißen lassen. Und häufiger war das ja gar nicht der Fall. Die angeführten Beispiele sind im Falle Klopp immer die Gleichen.
    Und das das Verhalten des BVB-Trainers in diesen wenigen, konkreten Fällen auch meiner Meinung nach natürlich nicht ‚in Ordnung‘ war, das hatte ich im Text ja bereits nicht unerwähnt gelassen. Das sieht ja selbst Klopp so, wie diverse Interviews dazu belegen.
    Mir fallen aber auch zahlreiche andere Beispiele ein, wo das Verhalten von Profisportlern und Funktionären vor laufender Kamera nicht gerade vorbildlich war. Man denke nur an Jürgen Klinsmann mit der zertretenen Werbetonne o.ä.. Ein solches ‚Fass‘ wurde da aber eher selten gleich aufgemacht. 😉
    Also, warum Fröhlich als Vertreter der Schiedsrichterzunft ausgerechnet nun das ‚Thema Klopp‘ so groß öffentlich aufgemacht hat, und warum er ausgerechnet diesen Zeitpunkt wählte, das bleibt aus meiner Sicht total unverständlich.

  • #3
    Tortist

    Nein, habe ich nicht gesehen, war mit meinem Sohn Sport machen.

    Ich kann aus meiner eignen Beobachtung der letzten 3 Jahre der Spiele meines Sohnes seit den Minikickern nur sagen, dass die Zahl der heulenden und niedergebrüllten Kinder von Klopp-Klon Väter ( inkl. Bart und Pöhlerkappe ) denen die „Lust aufs Gewinnen “ eingebrüllt werden soll, die ich da gesehen habe nicht klein ist.

    Sicher, es gab und gibt auch andere Profisportler. Aber man muss schon sagen, dass Klopp da eine ganz andere Dimension erreicht. Und es gehört auch zur Wahrheit dazu wenn man die Identfiktion mit der Person Klopp will z.B bei der Werbung, dass man auch die hässliche Seite benennt.

    Mein Sohn spielt jetzt Hockey und wir beide sind froh, den Klopp-Klonen entkommen zu sein.

  • #4
    Robin Patzwaldt

    @Tortist: In der Sendung ‚Doppelpass‘ war man sich am Mittag weitestgehend darüber einig, dass der Einfluss des Verhaltens von Bundesligatrainern auf den Jugend- und Amateurfußball ohnehin gar nicht empirisch zu belegen sei. Darauf wollte ich vorhin im Kern hinaus, als ich nach der Sendung fragte.
    Im Übrigen habe ich bis jetzt alleine schon an diesem laufenden Spieltag zwei Trainer entdeckt, deren Verhalten dem von Klopp, in den angesprochenen 2 Fällen aus der Vergangenheit, zumindest recht nahe kam. Büskens (Gestern (als die Nachspielzeit aus seiner Sicht deutlich zu kurz war) gegen Nürnberg) und Labbadia (gerade (als er nicht so wechseln durfte wie er offenbar wollte) in Freiburg) gerieten ähnlich emotional mit dem 4. Offiziellen aneinander…

  • #5
    Tortist

    Sicherlich ist das so. Und auch ich finde Klopp absolut sympathtisch.
    Allerdings muss man sich auch mal klar machen, dass ein durch die Medien verstärktes Image auch unschöne Begeleiterscheinungen hat. Das muss ich nicht emprisch belegen, dass kann man sehen wenn man es sehen will.

    Gehen Sie mal zu einem Minikickerspiel und schauen sie sich die Väter an.
    Die Kloppklone sind nicht zu übersehen. Und dann hören sie mal was die zu schreien.

    Der Idolfaktor ist bei Klopp besonders hoch. Wenn man sich mal die Basics bewusst macht: Klopp selber ist ein bodenständiger Typ, fachkundiger Trainer, der selber kein besonders toller Fussballer war, halt ein Mann aus den Volke. Medial inszeniert als magischer Motivator mit der Botschaft : Dank meines Siegeswillen und Motivationkünsten erreiche ich meine Ziele.

    Das ist für all die mittelmässigen anderen, so wie mich, eine starke Botschaft.
    Das zum Erfolg auch noch eine Mannschaft mit aussergewöhnlichen Talenten gehört geht da leider unter.

    Und da fängt die Verantwortung an, wenn man sich selber so vermarktet, dann ist man auch in der Pflicht auf die Bremse zu treten, wenn die Idealisierung aus dem Ruder läuft.

  • #6
    Walter Stach

    Tortis:

    Eltern der aller jüngsten Fußballer sind leider sehr oft an gehässigen, bösartigen,beleidigenden Äußerungen kaum zu überbieten. Und ihre Äußerungen sind adressiert an den Schiedsrichter, an die Gegenspieler ihrer Kinder, die ja selbst noch Kinder sind, und, als Steigerung eines von mir nicht nachvollziehbaren Verhaltens von Eltern der Jüngsten: Sie beschimpften ihre eigenen Kinder, wenn die im Spiel (und im Training!!) nicht den Einsatz zeigen, den sie wollen und lautstark fordern und das oftmals in einer keineswegs vorbildlichen Sprache.
    .
    Für mich ist das immer wieder eine erschreckende Erkenntnis, aber im Training und während des Spieles leider Alltag, was mich veranlaßt, mehr und mehr darüber nachzudenke -nicht der anderen Kinder, sondern deren Eltern wegen-, ob es für meinen 5 jährigen Enkel „gut ist“, weiter mit zu trainieren und mit zu spielen.
    Aber…..mit J.Klopp hat das absolut nichts zu tun.

    Diese Elternverhalten gibt es schon seit Jahrzehnten.

    Dieses Elternverhalten hat sich allerdings unstrittig in den letzten Jahren noch gesteigert. Es gibt also berechtigten Anlaß, über diese Eltern und die Gründe ihres für mich völlig unakzeptablen und Verhaltens nachzudenken und nicht über J.Klopp, der für viele begeisterte jungen Fußballer, die ich kenne, ein positives Vorbild ist!

    Ex-Schiedsrichter Fröhlich gehörte zur aktiven Zeit zu den schwächsten Schiedsrichter, dessen Leistung sehr oft mit der Note 4 bis 5 oder gar 5 bewertet wurde.Und der erlaubt sich nun………………..?!
    Im übrigen eine Person, über deren Potential an Dummheit und Arroganz zu reden wäre.
    Mich überrascht es folglich keineswegs, daß Fröhlich sich wie geschehen jetzt absolut deplaziert und sich selbst disqualifizierend über J.Klopp äußert; und warum? So versucht offenkundig jemand, über den ansonsten kein Fußballfan spricht, sich interessant und wichtig zu machen. Und dieses „Interessantmachen, dieses Wichtigseinwollen“ sind übrigen Verhaltensweisen so mancher Schiedsrichter , die sich auf dem Fußballplatz zu präsentieren;bei Fröhlich waren das schon zu seiner aktiven Zeit besonders ausgeprägte Verhaltensweisen.

    Und Beleidigungen, ja Handgreiflichkeiten gegen Schiedsrichter in den untersten Spielklassen durch Spieler und Zuschauer? Dafür lassen sich mehrere Gründe benennen;empirische gesicherte Erkenntnisse dazu gibt es nicht. Kann das was mit Klopp zu tun? Das kann schon deshalb nicht sein, da es diese Beleidigungen, Handgreiflichkeiten gegen Schiedsrichter in den untersten Spielklassen leider schon gab als noch niemand den Trainer J. Klopp kannte.

  • #7
    Walter Stach

    Tortis, ich habe Ihren Beitrag -5-erst gelesen, nachdem ich meinen -6-„auf dem Weg gebracht hatte“.
    Danach gibt es zwischen uns keine grundlegenden Meinungsverschiedenheiten.

    Ich habe den Eindruck gewonnen, daß J.Klopp seit einiger Zeit mehr als vorher bemüht ist, sich gegenüber Schiedsrichtern,Linienrichter, dem sog.4.Mann -gestern war es eine Frau- zurückhaltender, insgesamt akzeptabler zu verhalten. Und wenn das ‚mal wieder nciht der Fall sein sollte:“Ab auf die Tribüne;Zahlung einer Geldbuße“-wie bei allen anderen Trainern auch. Und über den Herr Fröhlich , hier weiter zu diskutieren „lohnt nicht“.

  • #8
    Sonja Waldmann

    Herr Patzwald,
    besser als in Ihrem Artikel hätte ich es auch nicht formulieren können.
    Darüber hinaus denke ich, dass sich Herr Fröhlich mit der Einbeziehung des Namens Klopp in die Diskussion selbst keinen Gefallen getan hat, da dieser eben gerade aufgrund seines höchst menschlichen Auftretens überaus beliebt ist.

    Wie man allerdings hört, hat Herr Fröhlich sine Aussagen inzwischen relativiert und will nun das persönliche Gespräch mit Jürgen Klopp suchen. Wieder mal einer, der die Reihenfolge der Gespräche vorher hätte Bedenken sollen..

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