Kommt auf Samtpfoten: Die Katzensteuer

Kleiner Singvogelkiller Foto: Public Domain
Es war Sommer, stahlblauer Himmel, gleißendes Licht, die Luft roch nach Abenteuer und Mittagessen, als Mutter uns Kindern, blass und mit ernster Miene, die schreckliche Nachricht überbrachte: „Lisa ist tot.“ Überfahren. Direkt vor unserem Haus. Lisa war als Katzenbaby zu unserer sechsköpfigen Familie gestoßen und sofort zum Liebling aller aufgestiegen. Nun lag sie nur zwei Jahre später unter einem rosa blühenden Berglorbeer im Garten. Mit einer Schaufel dort hingeworfen. Ihre Augen quollen etwas aus den Höhlen, aus dem halb geöffneten Maul war Blut geflossen, Fliegen krabbelten auf ihrem Gesicht herum. Ich weinte bittere Tränen. Ich werde diesen grässlichen Anblick nie vergessen.

Warum ich einen Artikel über Katzensteuer mit so einer traurigen Geschichte beginne? Weil ich es kann. Von unserem Gastautor Benjamin Weissinger.

Und um zu verdeutlichen, dass ich die Katzen liebe. Meine Katzen haltenden Freunde wie auch alle anderen mögen es mir verzeihen, aber das Thema ist nun einmal da. Passiert hin und wieder.

Katzensteuer – wem fällt sowas ein? Meist sind es Hundehalter, die das Thema lancieren, weil sie es überhaupt nicht einsehen können, dass sie für ihre Vierbeiner Steuern zahlen müssen, die Katzenhalter aber nicht. Das weckt also ihren Gerechtigkeitssinn. Es ist der uralte Kampf zwischen Hunden und Katzen, ausgetragen von Menschen.

Dieses Mal scheinen es aber die Vogelfreunde gewesen zu sein. Ausgehend vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) machte diesen Winter die Nachricht die Runde, dass die Zahl einiger kleiner Vögel, etwa Meisen, deutlich gesunken sei. Eine von der Organisation initiierte, große Zählaktion hatte diese bisher nur gefühlte Wahrheit im Januar bestätigt. Sofort wurde spekuliert, Schuld könne auch, wenn nicht sogar vor allem, jenes Raubtier sein, das einen so unschuldig anschauen kann, als würde es nicht, sobald sich die Möglichkeit bietet, über alle möglichen kleineren Tiere herfallen, um sie zu fressen oder aus reinem Jagdtrieb totzubeissen.

Die Argumente für eine Katzensteuer oszillieren denn auch zwischen Hundevergleichen und Vogelleichen. Katzen mit Freigang machten eben auch Dreck und störten hier und da durch ihre bloße Anwesenheit, eben ganz wie Hunde. Der Artenschutz mache es notwendig, dass eine von Menschenhand geschaffene, zu große Zahl an Fressfeinden kleinerer Vögel reduziert würde. Denn wenn die Haltungskosten stiegen, so die These, würden es sich viele potentielle Katzenhalter genauer überlegen, ob sie sich ein Tier anschaffen – und wegen der bewussteren Entscheidung auch weniger oft Katzen aussetzen.

Das Hauptargument gegen die Katzensteuer ist, dass „die ganze Debatte kompletter Schwachsinn“ sei, wie ich bei meinen intensiven Recherchen im Internet in dieser oder ähnliche Form häufig las. „Sommerloch im Winter“ war auch zu lesen. Ziemlich unsachlich. Aber es gibt noch andere Gründe: Steuern für reine Hauskatzen seien ungerecht und wer wolle bitte überprüfen, ob sie rausgehen oder nicht? Überhaupt seien viele Katzen garnicht registriert. Und was die möglichen Auswirkungen einer Steuer betrifft, sei keine Verringerung der Katzenpopulation, sondern ein sprunghafter Anstieg zu erwarten, weil viele ihre Katzen dann aus Kostengründen aussetzten, was zu einer besonders unkontrollierten Vermehrung führen würde. Wenn es um Populationskontrolle ginge, wäre eine flächendeckende Kastrationspflicht, wie es sie in diversen Kommunen bereits gibt, viel eher das Mittel der Wahl.

Eine Katzensteuer wäre in Deutschland Ländersache. Ein Grundsatzentscheid würde es dann den einzelnen Kommunen ermöglichen, sie zu erheben. Als sogenannte Aufwandssteuer wären die Einnahmen nicht zweckgebunden, weshalb ein weiteres Argument für die Katzensteuer lautet, dass viele Kommunen, gerade in NRW, Geld ja eigentlich immer gebrauchen könnten. Das Gegenargument kann man sich denken: Man werde schon genug geschröpft, Katzensteuer sei reine Wegelagerei!

Politiker stehen nun vor einer schwierigen Aufgabe. Sowohl mit einer Entscheidung für als auch gegen die Katzensteuer kann man sich viele Sympathien verscherzen, weshalb es vermutlich so ausgehen wird wie immer: Der Gesetzgeber wird sich bedeckt halten und die Sache aussitzen, bis ein anderes Tier durchs Dorf getrieben wird. Und mit Verlaub: Man kann es ihm nicht verübeln.

Was aber jeder tun kann: Jetzt im Winter ordentlich Meisenknödel aufhängen, und zwar an Stellen, die Katzen weder mit Sprung- noch Klettertechnik erreichen können.

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6 Kommentare

  1. #1 | Donngal sagt am 25. Januar 2017 um 11:55 Uhr

    Ich bin absolut gegen eine Katzensteuer. Auch gegen ein Pferdesteuer. Aber ich bin auch gegen die Hundesteuer. Die ist nämlich auch nicht zweckgebunden und die Haufen der Hunde werden von den Einnahmen auch nicht entfernt. Also weg mit Tiersteuern im allgmeinen.

  2. #2 | Tobias sagt am 25. Januar 2017 um 12:06 Uhr

    Was man statt einer Katzensteuer einführen sollte, wäre ein generelles Freigangverbot für Katzen (bzw. Leinen- oder Mitlaufzwang der Halter). Zusätzlich die Jagderlaubnis auf wilde Katzen einführen und es gäbe weniger Probleme.

  3. #3 | kE sagt am 25. Januar 2017 um 12:06 Uhr

    Ich möchte keine Katze haben. WEnn ich alleine an die Geschichten mit den "mitgebrachten" Mäusen/Vögeln etc. denke, von denen viele Katzenbesitzer erzählen.

    Die Hauskatze gehört zur Landschaft, sie macht, was sie will und ist auch ein Räuber. Die Vögel wissen, wie sie überleben können bzw. lernen es.

    Lass die Natur einfach nur Natur sein. Wildtiere werden auch im Winter überleben und Katzen sollen nicht der Grund für eine weitere Steuer sein.

    So ein Quatsch. Wir haben wirklich dringendere Probleme.

  4. #4 | GMS sagt am 26. Januar 2017 um 10:25 Uhr

    @kE
    Hier wird nicht über einen Naturraum, nicht mal einen naturähnlichen Raum, geredet. Vögel ziehen als Kulturfolger, freiwillig oder gezwungenermaßen, in die Stadt. Dort werden sie von Katzen in großer Zahl getötet. Da die Katzen nicht verhungern wenn sie zu viele Vögel töten stellt sich kein Gleichgewicht ein.
    Daher ist es sinnvoll die Anzahl der Katzen zu begrenzen. Wobei ich denke, dass Kastration und Abschuss die erfolgreicheren Maßnahmen sind im Vergleich zu einer Steuer.

  5. #5 | Rambow sagt am 26. Januar 2017 um 11:09 Uhr

    Zum Artikel: Der Meisenknödel ist eigentlich Unfug, so lange nicht über längere Zeit eine geschlossene Schneedecke eine Zufütterung nötig macht.
    Zu #3: Katzen sind keine Wildtiere und gehören nicht zur Landschaft.
    Generell: Die Forderung nach einer grundsätzlichen Kastration von Katzen (ebenso wie Hunden) ist pervers. Tierhalter sollten sich darüber bewusst sein, dass Kastration und Sterilisation nicht artgerecht sind und eigentlich als Tierquälerei eingestuft werden müssen. In der Debatte fehlt ein wesentliches Argument: Katzenfutter ist wie jedes Tierfutter über die geringere Mehrwertsteuer begünstigt. Ökologisch sinnvoll wäre es aber, diese Begünstigung aufzuheben. Die massenhafte Verfütterung von Fleisch an Haustiere, der (Alu)-Müll der Verpackungen sind ein wesentliches Problem der Haustierhaltung.

  6. #6 | LosMarintos sagt am 27. Januar 2017 um 12:57 Uhr

    Zitat:
    "Die massenhafte Verfütterung von Fleisch an Haustiere, der (Alu)-Müll der Verpackungen sind ein wesentliches Problem der Haustierhaltung."
    @Rambow – Sonst haben Sie aber keine Probleme. Tiere sind nicht so bekloppt wie Menschen. Katzen und Hunde sind Fleischfresser und denen können sie keine bio vegane / vegetarische / Steinzeit-Ernährung oder sonst eine trendy Art von gestörter Essgwohnheit beibringen. Die sind schlauer als gehirngewaschene Öko-Hipster.
    Die Aluverpackungen gibt es bei ganz viel Fertigfraß für den Menschen und da sind nicht nur die Menschen schuld die es kaufen, sondern vor allen Dingen die Industrie die es herstellt. Aber warum glauben Sie denn gibt es keine Gesetze die bestimmte Verpackungen verbieten? Na? Weil nicht die Politiker das Sagen haben in dieser Welt, sondern ganz andere – Industrie und Banken. Die Industrie interessiert nur der Profit, die Umwelt ist denen scheissegal. Zudem wird in unserem Vorbildland doch eh fast alles recycled.
    Die Panik wegen der Umwelt ist total übertrieben und Alupackungen sind bestimmt nicht das größte Problem. Reste von Chemotherapie-Medikamenten (= hochgiftiger Sondermüll), Hormone (über die Antibabypille und Fleisch) und Restbestandteile von konsumierten Drogen – legale sowie illegale – und Pestizide sind die Dinge die sich nicht restlos aus Wasser und Boden entfernen lassen. Und diese Gifte essen und trinken sie täglich! Das ist ein Riesenproblem! Nicht irgendeine blöde Aluverpackung.

    Und zur Katzensteuer: Grundsätzlich sollten für Haustiere gar keine Steuern anfallen. Das ist absolut lächerlich. Als Rentner kann sich so manch einer in dieser einsamen kalten menschenverachtenden Welt noch nicht mal einen kleinen Freund – Hund – gönnen. Die meisten anderen Länder in Europa verzichten auf eine solche Steuer.
    Zur Gerechtigkeit: Wenn Hunde besteuert werden dann müssen auch Katzen besteuert werden. Hauskatzen mit Freilauf zerstören oft genug Pflanzen in fremden Gärten und machen ihr Geschäft auch noch irgendwo mittenrein. Nicht jeder mag Katzen.
    Es gibt viel zu viele Katzen, weil die Tierliebe mittlerweile auch schon kranke Formen annimmt. Jede Katze muß gerettet und verhätschelt werden – ganz besonders stören mich die Tierimporte aus dem Ausland. Dland kann nicht die ganze Welt retten. Gäbe es nicht so viele balla balla Tierschützer die Hunde und Katzen zu Tausenden aus dem Ausland importieren weil die Tiere sonst dort umgebracht würden – eine löbliche und grundsätzlich auch richtige Entscheidung aber eben praktisch nicht umsetzbar – hätten wir diese große Überzahl an Katzen und Hunden nicht.
    Platz / Raum ist nun einmal endlich. Es müßte ein Gesetz her welches das Importieren von Tieren aus dem Ausland – Strassenhunde, Hunde aus Notunterkünften etc. verbietet oder zumindest stark einschränkt. So geht das nicht. Die Menschen heute sind bar jeder Vernunft und kennen keine Grenzen. Sie sehen nicht was sie mit ihrer oft übertriebenen Tierliebe anrichten.
    Ich für meinen Teil möchte auch noch Singvögel haben, welche mir weitaus lieber sind als Katzen. Der Lebensraum für Singvögel ist eh schon stark eingeschränkt, da in unserem Land alles mit Beton zugepflastert wird was geht und das wird noch viel schlimmer werden mit den Millionen Flüchlingen die unser Land noch heimsuchen werden – noch mehr Beton, noch mehr Unterkünfte, noch viel weniger Natur. Hier ist das Problem das gleiche – man kann nicht die ganze Welt retten auf einem begrenzten Raum – Platz/Raum ist endlich. Aber dem denkunfähigen Menschen von heute leuchtet so was nicht ein. Andere Baustelle, gleiches Problem.
    Steuer für Katzen – Ja! Kastration für Katzen – ja! Alles andere ist Wahnsinn. Früher hat man auf Bauernhöfen die Kätzchen die "zuviel" waren ertränkt – sowas ist einfach grauenhaft. Aber der Mensch von damals war noch nicht so verhätschelt und realitätsfremd – trotzdem ist sowas grausam. Dann doch lieber vorbeugen mit Kastration. Auch wenn das laut Rambow nicht tiergerecht ist. Hier geht es aber darum was für uns Menschen Sinn macht.

    Kein Tier würde denken – "oh das mach ich jetzt mal nicht, das ist ja nicht menschengerecht". Oder denken Sie ein Bär der Hunger hat würde denken – "och nee das wär jetzt aber echt unfair den Menschen zu fressen, da hunger ich doch lieber weiter oder sterbe". Tiere haben einen gesunden Überlebensinstinkt und denken zuerst an sich. Linksliberales menschen- und überlebensfeindliches Gedankengut ist denen fremd. Tiere sind noch geistig gesund, natürlich eben.
    Wenn Tiere, in dem geschilderten Fall der Bär, so dämlich wären wie viele Menschen, dann wären sie schon längst ausgestorben.

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