36

KreativQuartiere: Keine Ahnung, keine Antworten

bochum_ladenlokalDie Idee klingt gut: Die Ruhr2010 GmbH will Angebote von Vermietern sammeln, die an Unternehmen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft vermieten wollen. Peinlich wird es, wenn ein Vermieter bei der Ruhr2010 GmbH anruft.

Viele Unternehmen der sagenumwobenen Kreativwirtschaft haben es nicht leicht, Räume zu finden. Ob Büros oder Ladenlokale – vielen mit einer neuen, ungewöhnlichen Geschäftsidee wird mulmig, wenn sie langfristige Mietverträge unterschreiben sollen. Vermieter indes bevorzugen häufig solvente Ketten als Mieter und fürchten bei Gründern, dass sie, wenn es dumm läuft, vielleicht schon nach ein paar Monaten Mietausfälle riskieren. Die Ruhr2010 GmbH will vor allem Immobilienbesitzer davon überzeugen, auch an unkonventionelle Gründer zu vermieten und Angebot und Nachfrage zusammen bringen.

Im Frühjahr soll es endlich losgehen, vorgestellt wurde die Idee von Bernd Fesel, dem Projektmanager Stadt der Kreativität bei der Ruhr2010 GmbH schon im Herbst vergangenen Jahres.

Mir gefiel die Idee gut, und als ich erfuhr, dass der Gemeinnützige Wohnungsverein Bochum, eine Wohnungsbaugenossenschaft in der ich Mitglied bin, zwei leerstehende, preiswerte Ladenlokale in der Nähe des Bermudadreiecks hatte, schlug ich Norbert Reitz, dem Vorstandsvorsitzenden der Genossenschaft, vor, die doch der Ruhr2010 GmbH anzubieten. Das Bermudadreieck heißt jetzt ja Viktoriaquartier und soll ein Kreativquartier werden.

bochum_ladenlokalDie Idee klingt gut: Die Ruhr2010 GmbH will Angebote von Vermietern sammeln, die an Unternehmen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft vermieten wollen. Peinlich wird es, wenn ein Vermieter bei der Ruhr2010 GmbH anruft.

Viele Unternehmen der sagenumwobenen Kreativwirtschaft haben es nicht leicht, Räume zu finden. Ob Büros oder Ladenlokale – vielen mit einer neuen, ungewöhnlichen Geschäftsidee wird mulmig, wenn sie langfristige Mietverträge unterschreiben sollen. Vermieter indes bevorzugen häufig solvente Ketten als Mieter und fürchten bei Gründern, dass sie, wenn es dumm läuft, vielleicht schon nach ein paar Monaten Mietausfälle riskieren. Die Ruhr2010 GmbH will vor allem Immobilienbesitzer davon überzeugen, auch an unkonventionelle Gründer zu vermieten und Angebot und Nachfrage zusammen bringen.

Im Frühjahr soll es endlich losgehen, vorgestellt wurde die Idee von Bernd Fesel, dem Projektmanager Stadt der Kreativität bei der Ruhr2010 GmbH schon im Herbst vergangenen Jahres.

Mir gefiel die Idee gut, und als ich erfuhr, dass der Gemeinnützige Wohnungsverein Bochum, eine Wohnungsbaugenossenschaft in der ich Mitglied bin, zwei leerstehende, preiswerte Ladenlokale in der Nähe des Bermudadreiecks hatte, schlug ich Norbert Reitz, dem Vorstandsvorsitzenden der Genossenschaft, vor,  die doch der Ruhr2010 GmbH anzubieten. Das Bermudadreieck heißt jetzt ja Viktoriaquartier und soll ein Kreativquartier werden.

Reitz gefiel die Idee, ich besorgte die Telefonnummer von Fesel, und er legte los. Vor ein paar Tagen bekam ich dann einen Anruf von Norbert Reitz: Die Genossenschaft hatte versucht, Fesel anzurufen – der war nicht da. Das kann schon einmal passieren. Etwas peinlich: Niemand bei der Ruhr2010 GmbH hatte von dem Projekt gehört. Nach einem langen Warten in der Telefonschleife gab es schließlich eine E-Mail Adresse. Ein Herr K. würde sich der Sache annehmen. Die Genossenschaft schrieb Anfang Februar daraufhin eine Mail an K. und wollte wissen, wie das so mit den Angeboten läuft, und welche Immobilien überhaupt interessant wären. Die üblichen Fragen, die man so stellt. Sie blieben unbeantwortet. Es gab auch keine Rückrufe. Der Gemeinnützige Wohnungsverein Bochum ist keine Klitsche: Er besitzt über 3.000 Wohnungen und etliche Ladenlokale. Für die Ruhr2010 GmbH offensichtlich kein Grund, sich zu einem Gespräch herabzulassen. Das Immobilienprojekt hat gute Chancen, der nächste Flop zu werden. Und eins der Ladenlokale ist auch schon wieder vermietet.

RuhrBarone-Logo

36 Kommentare zu “KreativQuartiere: Keine Ahnung, keine Antworten

  • #1
    ali

    Pleitgen übernehmen Sie. Das Problem ist wahrscheinlich, dass es bei der Kultur Ruhr GmbH mehr Häuptlinge als Indianer gibt.

  • #2
  • #3
  • #4
    DIY

    Warum UM ALLES IN DER WELT sollte man auch als Teil einer „Kreativwirtschaft“ ins Ruhrgebiet ziehen, wenn in Berlin die Mieten und Lebenshaltungskosten trotz fortschreitender Segregation immer noch niedrig sind und die ganze Infrastruktur auch bereits besteht? Ich lebe wirklich gerne hier, aber bin auch (zum Glück) nicht Teil dieses Wirtschaftszweig.
    Der Marketing-Experte, der dazu eine überzeugende Hochglanzbroschüre zusammenstellt, muss wohl noch geboren werden.

  • #5
    2010-Beobachter

    Immer wieder Fesel. Der ist doch auch für das RuhrLabTV verantwortlich.

    Und der ist Honorarkraft bei der 2010GmbH

    Wie ist der eigentlich an den Job gekommen? Wurde seine Arbeit ausgeschrieben oder hat er den Job über Beziehungen bekommen?

    Komisch. Fast immer wenn was schiefgeht, ist Fesel in der Nähe. Sehr komisch

  • #6
    Arnold Voß

    @ DIY
    Es wäre schon toll, wenn aus dem Ruhrgebiet weniger sogenannte Kreative wegziehen würden. Ein preiswerter Standort in der Nähe des Bermuda3Ecks und dem immer quirliger werdenden Bo-Ehrenfeld, 10 Min zu Fuß vom ICE-Bahnhof Ruhr-Mitte, sprich Bochum,wäre für jemanden der nicht unbedingt aus der Ruhrstadt weg will schon ein triftiger Grund zu bleiben.

    Ob er auch einer ist, um aus Berlin ins Ruhrgbiet zu kommen, glaube ich eher nicht. Aber wer weiß, wie es in Berlin mit den Mieten weiter geht. Die Aufträge in Berlin ernähren die Kreativen dort auf jeden Fall nur zum geringsten Teil. Die Aufträge von außerhalb Berlins, und natürlich auch aus dem Ruhrgebiet, schon eher.

  • #7
    JK

    ich könnte ein paar günstige wohnungen in Harlem der Ruhrstadt bieten (Gelsenkirchen Ückendorf) 10 min Fußweg zum HBF und 3 min mit der Bahn. Dort bekommt man alles was Kreative brauchen. Das Prixel Projekt Ruhr ist auch dort, und auch andere kreative. Ausserdem gibt es eine Halde mit der Himmels Treppe und den Wissenschaftspark, das liegt alles in geh weite 10-20 min. ie Innenstadt ist 10 geh min. Entfernt.

    Ich bin nur in dem Stadtteil groß geworden komme aus Herne, aber ich mag ihn. Und er ist Günstig.

    sagt bescheid wenn Interesse besteht.

  • #8
    teekay

    Die Debatte inwieweit man die ‚Kreativwirtschaft‘ mit handelsueblichen Ansaetzen der Wirtschaftsfoerderung unterstuetzten kann gab es ja hier bereits vor einigen Wochen. Nur weil das Wort ‚wirtschaft‘ irgendwo vor kommt sind die Methoden des Dezernates 7.1 oder so vielleicht nicht einfach so anwendbar auf einen Bereich der traditionell nicht ‚top-down‘ entsteht. Wenn man sich Hamburg oder Muenchen anschaut, dann wird auch klar, dass die Gebetsmuehle vom billigen Berlin eben nur ein Teilaspekt ist. Vielleicht hat Berlin die Kreativen dadurch gefoerdert, dass die sie illegale Clubs nicht (gleich) zu gemacht haben o.s.ae? Man muss da auch mal ausserhalb der ueblichen Schubladen denken. Mit preiswerten Mieten oder festen Raeumen kann man viele mobile Kreative eben nicht alleine locken. Kostenloses wireless in der Innenstadt haette vielleicht einen groesseren Effekt als irgendwelche ‚Foerdertoepfe‘ fuer die man Antraege schreiben muss. Aber das passt schlecht in die naechste Sonntagsrede, wenn man Zahlen praesentiert, dass man 6,2 Kreative mit 126.578 Euros unterstuetzt hat…Das Ruhrgebiet hat extrem starke deutsche und europaeische Mitbewerber und quasi kein internationales Profil. Offene Gespraeche mit der ‚Kreativindustrie‘ sind sinnvoller als Instrumente die sich (sicher wohlmeinende) Buerokraten ausdenken. Und dann bescheiden bleiben, bevor irgendwelche Spinnereien von vielen Arbeitsplaetzen usw. verbreitet werden.

  • #9
    Arnold Voß

    @ JK

    Das Problem in Ückendorf ist, dass außerhalb der günstigen Verkehrslage und der billigen Miete dort sonst nicht viel los ist, was eine Kreativen dort hin locken könnte. Was macht man da am Abend?

    Der Wissenschaftspark ist zwar schön anzusehen, aber wenn die da alle die Realmieten bezahlen müssten, wäre der weitgehend leer. Richtig voll ist er selbst mit den erheblich subventionierten nicht, oder?

  • #10
    Arnold Voss

    @ teekay

    New York ist dabei, Wireless Lan in allen öffentlichen Parks, egal wie klein oder groß, einzurichten. Obwohl die sich überhaupt keine Sorgen machen müssen, was das Anlocken der sogenannten kreativen Klasse betrifft.

    Aber man muss wohl zuerst unterscheiden, von welchen Kreativen man hier spricht. Die Gruppe der (noch) nicht am Markt erfolgreichen ist natürlich zu allererst auf niederige Fixkosten angewiesen. Für die ist ein niedrige Miete, egal ob durch Subvention oder durch Lagenachteile begründet, das Nonplusultra.

    Bei der Gruppe der Erfolgreichen kommen andere Entscheidungskriterien hinzu und das ist auch der Grund, das teure Städte wie Düsseldorf, Hamburg oder München für diese Gruppe so attraktiv sind.

    Bei Berlin ist obendrein ein gehöriger Hipe im Spiel. Was die Kreative Klasse betrifft, ist die Stadt in Wirklichkeit mittlerweile eher gespalten. Die Erfolgreichen und die Nichterfolgreichen dieser „Klasse“ wohnen immer weniger an einem Ort zusammen, bzw. verdrängen die „Winner“ die „Looser“ was das Klima zwischen diesen beiden Gruppen zunehmend angespannter macht.

  • #11
    Jens

    @Arnold Voss:
    So eine WLAN-Initiative gab es ja auch mal für das Ruhrgebiet. Ist aber wohl nix draus geworden. Man hat nie wieder was gehört.

  • #12
    Dirk E. Haas

    Ohne dieses Exempel aus Bochum allzu sehr relativieren zu wollen, es funktioniert mitunter auch anders. Für ein side project mit holländischen Spaßindustriellen suche ich gegenwärtig Räume in OB, via „Kreativquartiere“. Da bekomme ich, und zwar innerhalb von wenigen Tagen, Exposés, Besichtigungstermine, Termine mit der lokalen Wirtschaftsförderung … von mangelndem oder gar fehlendem Engagement also keine Spur. Aus Essen höre ich ähnliches.

  • #13
    David Schraven

    Dirk,

    Kannst Du das „via Kreativquartiere“ vielleicht ein wenig konkretisieren? Hast Du da angerufen? Oder die angeschrieben? Oder hast Du die Stadt angeschrieben? Und vor allem wen genau hast Du angefragt? Und wo hast Du den Kontakt gefunden. Würd mich echt interessieren.

  • #14
    jk

    ja ückendorf muss etwas geformt werden, aber man kann dort immer gut essen. Desweiteren gibs das cafe del sol 😛 naja nich so das wahre.

    aber ich kenne keine anderen stadteile die etwas zu beiten haben 😀

    man kann gutes Gras in Ückendorf kaufen 😀 das reicht doch um kreativbe zu sein

  • #15
  • #16
  • #17
  • #18
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @JK: Aufträge – Berlin ist eine Ausnahme. Die wirklichen starken Standorte der Kreativwirtschaft sind auch sonst starke Wirtschaftsstandorte: New York, London, Paris, San Francisco, Tokyo etc. Wir reden hier über Wirtschaft – und die braucht Aufträge. Billige Wohnungen sind ok, aber reichen nicht: Ohne Aufträge hat man auch nicht viel von billigen Wohnungen. Und klar: Kneipen, Konzerte etc. – aber all das gibt es auch nur dort wo sich viele Leute leisten können Kneipen und Konzerte zu besuchen.
    Und ganz generell: Freiheit – ohne Freiheit krebst alles nur rum – langfristig auch die Wirtschaft. Demokratie und Kapitalismus sind schon ein gutes Team.

  • #19
    jk

    Danke Stefan.

    Demokratie und Kapitalismus sind ein gutes team, dem stimme ich voll zu.

    Ja die Aufträge, das fehlt… dadran kann ich auch nichts ändern…

  • #20
    Arnold Voß

    @ Dirk E. Haas (12)

    Die holländischen Kreativen werden meiner Kenntnis nach von Holland aus bezahlt, damit sie in der Kulturhauptstadt Kreativität vorspielen. Schön, dass auch sie sich damit Geld verdienen können, Dirk. Aber das ganze ist ein Witz, weil die 2011 wieder verschwinden werden. Genauso wie das aus Hamburg mit viel Geld nach Bochum geholte Internetradio Byte FM.

    Was hätte man mit der Kohle die für das 2010 Lab und ByteFM raus getan wird für die Kreativen in Ruhr machen können die es hier schon gibt und die auch nicht vor haben zu gehen. Nachhaltigkeit? Ich kugele mich vor Lachen.

  • #21
    Dirk E. Haas

    @ David: Es gibt eine Crew „Kreativquartiere“ bei RUHR.2010 bzw. jetzt ecce, die kann man anrufen; darüber hinaus gibt es (wie eigentlich immer) einen regionalen Arbeitskreis, in denen die beteiligten Städte vertreten sind.

    @ Arnold: Die Niederlande beteiligen sich mit eigenem (!) Geld an diversen Aktivitäten rund um die Kulturhauptstadt; das ist ziemlich genau das Gegenteil von dem hier immer wieder gerne kolportierten Vorwurf, das Budget der Kulturhauptstadt ginge nur an Leute „von außen“. Offensichtlich finden die Niederlande das Ruhrgebiet interessant genug; der Kulturhauptstadt vorwerfen zu wollen, dass die Niederlande ihr eigenes Geld hier investieren (und sei es, worst case, auch nur für eine mehrmonatige Performance), ist vollkommen absurd.

    Und was das ByteFM-Studio in BO anbetrifft: Wenn die Kreativarbeiter in und an der Ruhr es nicht hinkriegen, dieses Studio angemessen in die regionale Szene einzubinden, nicht in der Lage sind, es in diesem Jahr zu ihrem Ding zu machen, ByteFM hier nicht genügend „Freunde“ findet, dann ist es auch völlig richtig und legitim, das Studio nach einem Jahr wieder zu schließen. Zum Lachen ist das aber nicht.

  • #22
    David Schraven

    Hi Dirk,

    kannst Du das ein wenig konkreter machen? Was ist ecce? Nie gehört. Und hast Du bei ecce angerufen oder bei wem? Oder hast du den regionalen AK angemailt, um Deinen Raum zu finden? Oder lief das wie immer im Pott? Über B.

  • #23
    Arnold Voss

    Dirk, warum sind die Kreativen aus Holland erst jetzt haufenweise an einer Arbeit im Ruhrgebiet interessiert, und nicht schon früher? Weil die vom holländischen Staat Geld dafür bekommen und von der Kulturhauptstadt Orte. Ohne diese Vorleistungen wäre hier keiner von denen. Darum geht es mir hier. Um vorgespielte Kreativität für ein Jahr.

    Das gleiche gilt für Byte FM. Nur das da die ganze Kohle von der Kulturhauptstadt kommt. Und wenn dann die Ruhr-Kreativen sich nicht schnellstens da einbinden, gehen die wieder, und natürlich haben dann daran nicht Byte FM oder die Kulturhauptstadt schuld, sondern die Ruhr Kreativen.

    D A S ist vollkommen absurd Dirk! Und es wird nicht besser dadurch, dass sie da jetzt mitspielen dürfen. Geschweige denn, dass die Holländer Geld dazu tun.

    Und noch was Dirk. Die Jungs- und Mädels aus Holland sollten eigentlich in Bochum vorspielen. Als das schon fast in trockenen Tüchern war haben sie aber gemerkt, das Duisburg näher an Holland liegt.

    Ansonsten habe ich natürlich nichts dagegen, dass der holländische Staat ins Ruhrgebiet investiert und holländische Kreative hier, und sei es nur für ein paar Monate, dadurch Geld verdienen und nicht nur durchfahren um nach Berlin zu kommen. Obwohl, das geht auch täglich mehrfach mit der Bahn direkt von Schipol, ohne umsteigen und ohne das Ruhrgebiet auch nur von weiten zu sehen.

  • #24
    Dirk E. Haas

    @David: Ecce ist das von Gorny gegründete „european center for creative economy“. Zum Projekt und zum Arbeitskreis: http://www.dieruhr.de/?q=node/8116
    Nein, ich hab auch noch keinen Raum, sondern erste Räume angeschaut. Ob es was wird, mal sehen. Ob mit oder ohne B ist in diesem Fall egal, denn es gibt ja keinen Mangel an leer stehenden Räumen (nur toll und billig sind sie halt oft nicht).

    @Arnold: Das, was die Niederlande machen, ist Kultur- und Außenwirtschaftspolitik. Wenn der niederländische Staat da investiert, zeigt das, dass er den Stellenwert der Spaßindustrie ein wenig anders einschätzt als protestantische Wirtschaftsweise hierzulande. Das kann man richtig oder falsch finden, es ändert nichts daran, dass es kulturelle (und gleichzeitig auch ökonomisch motivierte) Investments sind. – Wen kritisierst Du eigentlich? Den holländischen Staat, das er seine Kreativarbeiter fördert? Die Kulturhauptstadt, das sie es zulässt, dass sich hier „haufenweise“ Holländer präsentieren? Die Kreativen, die selbstverständlich nur Projekte machen, die für sie auch ökonomisch sinnvoll sind?

    Was soll das überhaupt sein, „vorgespielte Kreativität“? Das ByteFM-Radio sendet doch aus Bochum, kann überall gehört werden, was ist daran „vorgespielt“? In den temporären Herbergen holländischer Kreativarbeiter wird man tatsächlich übernachten können, und nicht nur so tun. Oder ist das, was von „außen“ kommt, vorgespielt, und nur das, was „innen“ entsteht (im Ruhrgebiet), irgendwie „echt“, „nachhaltig“ etc.? Ein importiertes ByteFM-Radio ist mir zehnmallieber als irgendein Radio Heimat, das immer nur „Woanders ist auch Scheisse“ sendet.

    Sieh’ es mal aus einer anderen Perspektive: Wenn die Kreativunternehmen, die im Ruhrgebiet ansässig sind, nur von Aufträgen aus der Region (Aufträgen von „innen“) leben müssten, wären viele längst pleite. Und nächstes Jahr ist woanders Kulturhauptstadt, da können dann, wenn NRW ein bisschen auf Zack ist, Ruhrgebietler ihre „Kreativität vorspielen“ – es sei denn, sie treffen auf ähnliche Wagenburgmentalitäten wie sie im Ruhrgebiet immer wieder aufscheinen.

  • #25
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Dirk E. Haas: Nennen sie mir doch einmal, ausser Berlin, wirtschaftsschwache Orte die durch Kreativwirtschaft nach vorne gekommen sind. Ist es nicht eher so, dass ein starker Standort auch eine starke Kreativwirtschaft hervorbringt als andersherum? Und ist bei der Kreativwirtschaft in Berlin nicht extrem viel Gehype dabei? Mit Protestantismus hat das weniger zu tun als mit dem Ergebnis einer vernünftigen Analsyse. Natürlich kann man in armen Gegenden wie dem Revier Geld mit irgendwelchen Konzepten verdienen, die niemanden nutzen ausser dem Konzeptschreibern. Und irgendwie erinnert mich das Ecce an das ECMC in Marl. Das hat ja auch scher gerockt…

  • #26
    Dirk E. Haas

    Ob ich glaube, dass das Ruhrgebiet mit Kreativwirtschaft „nach vorne“ kommen könnte, spielt keine Rolle; ich bin kein Florida-Boy. Fakt ist, Kreativwirtschaft (ein Sammelsurium verschiedener Branchen, und eben nicht nur Kulturwirtschaft im engen Sinne, wie Schmidt das versteht) ist volkswirtschaftlich mittlerweile so bedeutend, dass sich keine Region leisten kann, sich nicht damit zu beschäftigen. Fakt ist auch, es gibt dieses Ecce, und egal wie sinnvoll es ist, die Kreativarbeiter des Ruhrgebiets sollten radikalopportunistisch genug sein, dieses Ding für ihre Zwecke zu gebrauchen. Ich sagte schon an anderer Stelle: Wenn Rüttgers und Co. ein bisschen Geld in Hipsterviertel investieren wollen, nur zu! Vororte gibt schon genug.

  • #27
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Naja, Schmidt setzt schon auf einen weitgehenden Begriff von Kreativität – und zum Geld: Mehr ist immer besser als weniger, aber die Kohle vom Land wir doch wieder vor allem für Berater wie Fesel draufgehen. Da wäre es mir lieber, man spart sich die Kohle. Ruhr2010 hat sein Geld ja auch nicht dafür ausgegeben, hier etwas zu unterstützen.

  • #28
    Arnold Voß

    @ Dirk E. Haas

    Dirk,willst du es nicht verstehen, oder kannst du es nicht?

    Byte FM Radio wäre natürlich in Hamburg geblieben und hätte dort weiter gesendet und es wird auch wieder nach Hamburg zurück gehen. Es wäre für die völlig unökonomisch gewesen von sich aus als selbst finanziertes kulturelles Investment, wie du es so schön nennst,nach Bochum zu kommen.

    Im übrigen hätten die auch für die Kulturhauptstadt aus Hamburg senden können, denn wie du selber schreibst,kann man die überall hören. Aber dann hätte die Kulturhauptstadt Byte FM nicht dort vorzeigen können,wo sie agiert, im Ruhrgebiet.

    Und genau um dieses Vorzeigen ging es bei der ganzen Sache. Du dichtest da jetzt Lernprozesse dran, die es in der kurzen Zeit gar nicht geben kann. Und du lügst dir dabei aus gutem Grunde was in die Tasche, denn niemand hat die Bochumer auch nur gefragt, ob die ByteFM auch haben wollten.

    Habe ich hier übrigens je geschrieben, dass das Ruhrgebiet von anderen respektive von außen nichts lernen könnte? Ganz im Gegenteil. Und ich lebe das im Gegensatz zu vielen die in der Region darüber rumschwadronieren auch selbst. Das läuft aber nach meiner Erfahrung nicht so wie du das hier darstellst oder besser schön redest. Sonst gäbe es hier nämlich nach den vielen Miles-And-More Kreativen, die hier schon eingeflogen sind, eine blühende Ideenlandschaft.

    Genauso wenig handelt sich auch bei den Rucksack-Kreativen aus Holland um ein kulturelles Investment. Das hätte es nämlich dann auch ohne bzw. schon vor der Kulturhauptstadt gegeben.Investments macht man nämlich jenseits von Festivals und darüber hinaus. Das andere nennt man Sponsoring, Dirk.

    Es geht bei dieser Aktion vielmehr um politische Unterstützung der aktuell in Holland regierenden Partei für ihre Schwesterpartei in NRW respektive für deren Ministerpräsidenten, der sich die Kulturhauptstadt Ruhr auf die eigenen Fahnen geschrieben hat, was ich grundsätzlich auch nicht schlecht finde. Das weiß übrigens jeder der die Zeitung aufmerksam liest, Dirk.

    Was dein Comment aber eigentlich deutlich macht ist, dass du auch zu denen gehörst, die der Kreativszene in Ruhr selbst nichts Sonderliches zutrauen. Diese Meinung kann man ohne Weiteres vertreten. Ich bin auch kein Fan von „Meine Omma hat gesagt“. Ich glaube aber nicht, das z.B. Byte FM soviel besser ist als das, was in Ruhr bei guter Kooperation aus den so genannten endogenen Kräften entstehen könnte. Gerne auch unter Beratung von Byte FM.

    Dafür hätte man aber nicht die Summen ausgeben müssen, um sie von Bochum aus auch senden zu lassen. Für die Kohle hätten die stattdessen gut 10 Jahre als Berater örtlicher Initiativen tätig sein können.

    Das genau würde dann ein echter Lernprozess in der Kooperation von Außen und Innen sein. Was da jetzt läuft, Dirk, egal was du dir jetzt da noch in der üblichen Kulturhauptstadtlyrik deiner Auftraggeber dazu fantasierst, ist „Kreative Stadt“ a la Potemkin. Sorry.

    Aber es schafft natürlich auch eine Menge Arbeit. Denen, die so tun als wollten sie schon immer mal als Kreative im Ruhrgebiet arbeiten. Denen, die das organisieren und vermarkten. Denen, die die Leute dahin fahren um sich das anzugucken. Denen, die drüber schreiben usw. usw. Inszenierung ist eine große und wichtige Aufgabe bei jedem Festival das Aufmerksamkeit erregen will oder muss.

    Und diese Arbeit will gekonnt sein. Vor allem aber erfordert sie eine Menge Kreativität. Insofern und nur insofern hat das ganze auch mit dem Thema zu tun, was da inszeniert wird: Die Kreativ-Metropole Ruhr.

  • #29
    Arnold Voß

    @ Dirk E. Haas

    P.S. Dirk, damit sie nicht denken, dass ich das Old-School-Mäßig alles nur schlecht finde, nun noch kurz das, was ich an der Kulturhauptstadtabteilung „Kreativen Stadt“ gut finde:

    1. Die Netzwerkbildung unter den Ruhr-Kreativen wird durch Fesels Truppe erheblich voran getrieben, bzw. findet sie durch deren äußerst fleißige Arbeit überhaupt erst statt.

    2. Gorny hat sehr sprachgewaltig und talentiert das Thema auf die Ruhr-Wandel-Agenda gesetzt, und damit zumindest paradigmatisch einen ersten Durchbruch erzielt.

    3. Die Sache mit der Immobilienplattform für Kreative von Außen wie von Innen ist grundsätzlich gut.

    4. Der internationale Austausch von Expertenwissen und Erfahrungen kommt für die Region etwas spät, könnte für sie jedoch immer noch fruchtbar werden.

    Die Lösung aller Probleme ist, aber das wissen die Matadore natürlich auch selbst, damit nicht gefunden. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

    Das alles habe ich aber an anderen Stellen verteilt hier schon geschrieben. Ich habe nur keinen Bock hier nur den bösen Buben zu machen.

  • #30
    Dirk E. Haas

    Ach Arnold, ich bin mir nicht sicher, ob ich darauf überhaupt antworten soll – die Vorstellung, dass ich hier in Eurem Blog im Geiste und im Dienste einer Kulturhauptstadt (oder gar der holländischen Regierung) agiere / fantasiere, ist mit „skurril“ noch höflich umschrieben.

    Deshalb nur drei kurze Anmerkungen: Wenn „die Bochumer“ das ByteFM-Studio nicht wollen … dieses Problem löst sich von selbst; ab 2011 haben die endogenen Kräfte des Ruhrgebiets wieder alle Zeit der Welt, ein eigenes Internetradio auf die Beine zu stellen.

    Dass Festivals, Kulturaustauschprogramme o.ä. keine Investments sind, halte ich für einen Ammenmärchen aus dem Industriezeitalter. Kulturelles Kapital? Symbolisches Kapital? Investments in Köpfe? Alles nicht so furchtbar neu, Arnold.

    Und dieses Kreativmetropolengedöns musst Du eh mit anderen verhandeln; zu „Metropole Ruhr“ habe ich alles gesagt.

  • #31
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Dirk: Da ist ja das alte Probleme: Es gibt „das Ruhrgebiet“ nicht und niemanden der sich verantwortlich fühlt. Ein Problem, dass Sie ja eher für gering halten.
    Wieso hat man nicht versucht was mit den Campus-Radios zu machen, die seit Jahren auch online senden? Ich bin mir sicher: Die meisten Politiker wissen noch nicht einmal dass es sie gibt. Und leider haben sie keine komischen Berater in ihrem Umfeld. Ich schrieb es schon vor ein paar Tagen: Einfach selbst machen und den Spacken zeigen dass sie es nicht können.

    Das Beste was Politiker und Planer tun könnten wäre erst einmal: Nichts. Den Leuten Räume geben und mal abwarten, ob was passiert. Für viel mehr haben sie eh kein Geld mehr.

  • #32
    Arnold Voß

    @ Dirk E. Haas

    Ach Dirk, du must hier nicht antworten. Niemand zwingt dich dazu. Warum lässt du nicht einfach kommentarlos die angebliche Skurilität meiner Aussagen auf die Leser wirken?

    Ich sage dir warum du noch mal geantwortet hast. Weil die Leser das was ich geschrieben habe mitnichten als skuril ansehen könnten. Andererseits antwortest du nicht wirklich bzw. in dem dir eigenen etwas herablassenden und manchmal recht wolkigen Stil.

    Ach Dirk, warum keinen Satz zu meinem Vorschlag des Austausches der aber viel weniger kostet? Oder zum politischen Hintergrund der Hollandförderung? Aber mit der Politik und der Ökonomie hattest du es noch nie so. Mehr mit den aktuellen kulturellen Klingelwörtern,das aber ganz bravourös.

    Ach Dirk, ich kenne sie alle. Ich weiß wieviel Schaum man damit schlagen und wieviele politische Absichten damit verschleiern kann. Skuril ist eher, dass du sie serienmäßig, also irgendwie industriell benutzt. Auch da wo sie nicht angebracht sind.

    Ach Dirk, nochmal zum mitschreiben:

    Es geht nicht darum ob die Bochumer das Byte FM wollen oder nicht. Es geht darum, dass sie nicht einmal danach gefragt wurden!

    Es geht auch nicht darum für wen du arbeitest, Dirk. Wir alle arbeiten zeitweise oder dauernd für Irgendjemand. Das hat dir hier noch nie jemand zum Vorwurf gemacht.Die Paranoia liegt da eher auf deiner Seite.

    Es geht ausschließlich um deine Argumentation die im Falle Byte FM praktisch so lautet: Erst verbauchen wir die Kohle damit, dass wir euch besuchen und euch zeigen wo es lang geht, und dann könnt ihr schauen wie ihr mit dem Rest des Geldes alleine weiter kommt.

    Das Problem ist nur, dass 2011 nicht mal mehr das Geld dafür da sein wird, dass Byte FM bleiben könnte, selbst wenn die Bochumer und Byte FM es wollten. Und das wissen alle Beteiligten. Aber es geht ihnen schlicht „am Arsch vorbei“, Dirk. Und dir anscheinend auch.

    Ach Dirk, der Beginn der PostPostModerne entsteht auf dem Grunde eines riesigen leeren Geldbeutels, und du wirst ihn noch selbst erleben. Aber so lange es nicht der eigene ist, wird dieses „Fuck the money, it´s Culture“ weiter gehen. Natürlich nicht mit privatem sondern mit öffentlichem Geld. It´s an Investment, baby, believe me or not!

    But it´s nonsense, Dirk. Believe me or not!

    2011 werden dann wieder alle aus schlichtem Geldmangel nach den endogenen Kräften brüllen die sie jetzt so verlachen. Auch du Dirk, obwohl du selber dazu gehörst und dir mit deiner hier vorgetragenen Argumentation eigentlich selber in den Hintern trittst. Aber vielleicht wolltest du ja auch nur sagen, hier sind alle doof außer mir.
    Ach Dirk.

  • #33
    Dirk E. Haas

    Arnold, was wird das hier? Psychologisierendes Mutmaßen? Glaskugelei? – Ich denke, wir brechen hier ab, trinken bei Gelegenheit ein Bierchen zusammen und reden dabei über Radio, Holland, Kulturhauptstadt, Streitkultur und endogene Kräfte im Ruhrgebiet.

  • #34
  • Pingback: CDU-Online-Guru Gorny offline | Ruhrbarone

  • Pingback: Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet: Die Gorny, Fesel und ECCE Luftnummer | Ruhrbarone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.