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Manfred Breuckmann bei DAZN: Als TV-Kommentator auf Schalke ein Totalausfall

‚Comeback‘ von Manfred Breuckmann beim Spiel Schalke vs. Union Berlin. Foto(s): Michael Kamps

So kann es einem gehen. Da freut man sich schon Stunden zuvor auf ein stinknormales Bundesligaspiel, und dann wird man bitter enttäuscht. Nein, meine Enttäuschung bezieht sich in diesem Fall nicht auf die Partie des FC Schalke 04 gegen Union Berlin, welches die Gelsenkirchener am Ende knapp mit 2:1 (1:1) für sich entschieden. Das war eine Partie, wie man sie in der Bundesliga häufig zu sehen bekommt, die durchaus im Rahmen der Erwartungen lag. Was mich so entsetzt hat am Freitag, das war die Leistung von Reporterlegende Manfred ‚Manni‘ Breuckmann, der auf DAZN sein mit Spannung erwartetes Comeback gab und dabei völlig enttäuschte. Mich zumindest.

Breuckmann ist eine Reporterlegende. Als langjähriger Fußballfan, der in den 1970 und 1980er-Jahren im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, gehört der gebürtige Dattelner, der seit Jahren in Düsseldorf lebt, für mich zu den unbestrittenen, historischen Größen der Zunft.

Keine Ahnung, wie viele Bundesligaspiele ich im Rahmen der WDR-Reportagen mit ihm in meiner Kindheit und Jugend verfolgt habe. Es müssen hunderte gewesen sein.

Breuckmann verkörperte meiner Erinnerung nach den Typus Journalist, den man heutzutage häufig vermisst. Er war locker, ohne zu nerven. Er war engagiert, ohne es zu übertreiben. Breuckmann gehörte bis zum Jahre 2011, als er offiziell in den Ruhestand ging, zu den namhaftesten Vertretern seiner Zunft.

Beim Spiel Schalke gegen Union feierte der inzwischen 68-Jährige auf DAZN am Freitag sein mit Spannung erwartetes Comeback. Zumindest erst einmal für dieses eine Spiel. Ich habe mich, wie eingangs erwähnt, im Vorfeld total darauf gefreut. Doch der Spaß an der Sache verging mir rasch.

War er nur außer Übung? Wollte er bewusst überziehen? Ich weiß es nicht. Und dennoch nervte Breuckmann bereits nach fünf Minuten, als er begann erste Fazits zu ziehen. Dies bemerkte er dann wohl auch selber, weil er kurz darauf plötzlich mehrfach betonte, dass es ja noch ‚früh im Spiel‘ sei.

Zudem fiel auf, dass Breuckmann sich an der eigenen Aussprache der Spielernamen zusehends selber berauschte. Kaum eine Betonung, die von ihm nicht auf die Spitze getrieben wurde, kaum ein Spitzname, der nicht in die Runde gefeuert wurde. Schon nach rund einer Viertelstunde hätte die Legende zudem ein eigenes Phrasenschwein bis zum Bersten gefüllt gehabt. So hatte ich das Alles wahrlich nicht in Erinnerung.

Dass er seine Sympathie für Schalke nicht verhehlen wollte, und dies auch nicht tat, das hatte die WDR-Legende im Vorfeld bereits öffentlich angekündigt. Nervig war es für mich als neutralen Zuschauer des Spiels trotzdem. Man kam sich so vor, als wäre man zu Gast auf der Schalker Nordkurve. Gar nicht auszudenken, was die Berliner bei seinem Pro-Schalke-Stil gedacht haben mögen.

Auffällig auch: Breuckmann redete insgesamt viel zu viel. Das war wohl seiner Radiovergangenheit geschuldet. Dass man den DAZN-Zuschauern nicht jedes Mal beschreiben muss, dass der Angriff auf der ‚rechten Seite‘ stattfindet etc., das berücksichtigte Breuckmann in jedem Falle nur wenig.

Unerfreulich auch, dass ihm sowohl der Schiedsrichter als auch vereinzelte Spieler offenbar unbekannt waren. Beim Schiedsrichter bestätigte er dies ‚live on Air‘, bei den Spielern bemerkte man dies als passionierter Bundesligafan sofort, sprach er sie doch nicht nur teilweise ungewohnt aus, waren manche Silben in den Nachnamen auch schlicht falsch. Kann passieren, sollte es aber nicht.

Und so sehr ich mich über lockere, umgangssprachliche Worte in den Reportagen von Wolff C. Fuss oder Kai Dittmann freue, so sehr fand ich Breuckmanns Formulierungen a la ‚Sau‘, ‚Schlabberbier‘ oder ‚Nübel lasset‘ völlig übertrieben. Will ich Fankurven Vokabular hören, schaue ich nicht im ‚TV‘ zu, sondern gehe direkt auf die Tribüne.

Spätestens jedoch wenn Tore einer Mannschaft mit einem erfreuten ‚Jawoll‘ oder dem Spruch ‚jetzt am besten direkt noch ein Tor nachlegen‘, wie nach der Schalker Führung in der ersten Halbzeit geschehen, gefeiert werden, dann glaubt man als Zuschauer in irgendeinem Fantalk o.ä. gelandet zu sein. Für eine nationale ‚TV‘-Übertragung auf DAZN ist das unwürdig. Locker ja, aber keine permanente Fankurvenattitüde, bitte.

Negativer Höhepunkt des frühen Abends war dann aus meiner Sicht nach der Verhängung eines umstrittenen Elfmeters für die Berliner, der unverhohlene direkte Aufruf an den ‚Kölner Keller‘, wo der Videoschiedsrichter sitzt, doch bitte hier einmal im Sinne Breuckmanns einzuschreiten. Als Spieler bekommt man für so etwas gerne einmal eine Karte vom Schiedsrichter. Von mir bekam sie der scheinbar übertrieben nach Coolness suchende Reporter danach auch, und zwar direkt die ‚Rote‘.

Schon nach gut 30 Minuten des Spiels hatte ich das Interesse am Comeback des Manni Breuckmann vollständig verloren. Das am Mikrofon Dargebotene war einfach nicht (mehr) zeitgemäß. Da hatte man rasch den ‚Kaffee auf‘, um es mit Breuckmanns eigenen Worten zu beschreiben…

Merke: Nicht jedes Comeback ist eine gute Idee. Manchmal gehen liebgewonnene Kindheitserinnerungen dabei verloren. 🙁

 

 

 

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22 Kommentare zu “Manfred Breuckmann bei DAZN: Als TV-Kommentator auf Schalke ein Totalausfall

  • #1
    Dirk Mertens

    Kann dem Kommentator zu 100% beipflichten. Ich bin Schalke Fan mit Leib und Seele und habe mich wirklich auf Manni gefreut. Ich habe nach ner halben Stunde zurück auf den anderen Stream gewechselt. Es war, auch aus Schalker Sicht, kaum bis gar nicht zu ertragen. Habe ihn früher im WDR immer sehr gerne gehört aber gestern, das ging gar nicht. Wirkte alles wie aus der Zeit gefallen. Erinnert an einen Boxer der nach zehn Jahren Ruhestand ein Comeback versucht und plötzlich merkt dass man mit dem alten Stil heute nur noch ne blutige Nase holt. Nochmal muss wirklich nicht sein.

  • #2
    Nils

    Ich kann nicht so ganz nachvollziehen, dass sich heute so eine Kritikwelle durch die Medien zieht über den Herren. Wenn es so furchtbar war ihm zuzuhören, warum schaltet man dann nicht in der DAZN App einmal nach rechts, da gab’s dann den normalen Kommentar mit Herrn Gunesch als Experten. Problem gelößt.

  • #3
    Sascha

    Bingo
    Da hat einer den Nagel auf den Kopf getroffen
    Klasse ge-beschrieben!!!
    Hatte zeitweilig den Ton meines Fernsehgerätes aus geschaltet
    Wirklich fremdbeschämende Vorstellung!!!

  • #4
  • #5
    Mike Frenzel

    Hättest ja auch einfach zum anderen Kommentator umschalten können. Immer diese Nörgler. Unglaublich.

    Danke Manni, ich hatte unheimlich Spaß dir zuzuhören!

  • #6
  • #7
    r2d2master

    Das erklärt es für mich.
    Ich wünschte mir die Option Stadion wie bei schky möglich. Hatte aber als Neuling keine Ahnung was man tun kann.
    Das ist für mich sowieso alles etwas unübersichtlich, da hier kein laufendes Programm vorhanden ist.
    Die Orientierung ist nicht einfach, sondern gewöhnungsbedürftig.

  • #8
    MasterAl

    Kann den Verfasser dieses Artikels nur beipflichten.

    Der Mann ist ausser Übung und konnte (leider) nicht mehr an seine alte Leistung anknüpfen.

    Trotz alldem habe ich mich gefreut, ihn mal wieder im Einsatz zu erleben. Solls mal wieder ein Engagement geben wirs er wieder auftauen.

  • #9
    Carsten

    Als Schalke Fan, fand ich es klasse mal wieder den Kommentar von Manni zu hoeren, auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle den Eindruck gewonnen habe, dass er ein wenig mit den Namen der Spieler fremdelte. Den Kommentar finde ich allerdings voellig daneben. Der angeblich neutrale Kommentator, scheint entweder Dortmund (Fuss) oder Bayern Fan (Dittmann) zu sein. Denn wenn jemand diese beiden Kommentatoren wegen ihrer Zitat " lockeren umgangssprachlichen Worte" schaetzt, der hat sich bei mir bereits disqualifiziert. Denn bei diesen Beiden wird nur durch die Vereinsbrille kommentiert, ohne wie bei Manni Breukmann wenigstens bereits vorher klar (Vereins) Farbe bekannt zu haben. Und wenn ich es nicht ertragen kann dass sowohl Bayern als auch Schwatz Gelb hinter ihren Moeglichkeiten bleiben, sollte hier nicht ueber eine Reporterlegende den Stab brechen, nur weil er innerlich unzufrieden ist.

  • #10
    Klaus

    Das war wirklich grottenschlecht, um nicht zu sagen peinlich.
    Insgesamt ist DAZN grottig, Ganz schlechte Streamingqualität, die Moderatoren sind klar schlechter als die von Eurosport, M. Sammer war richtig gut.
    Und geduzt werden möchte ich als Zuschauer NICHT!

  • #11
    Klaus Lohmann

    @Robin: "…dabei völlig enttäuschte. Mich zumindest." Mich auch, auf der ganzen Linie. Aber passt irgendwie zum albernen Ruckelstreamer DAZN.

    @Mike Frenzel: Die wirklich praktikable Alternative war: Bild aus, Ton lauter. Und schon ist das alte "Konferenz-Feeling" des WDR wieder da;-) Allerdings sind solche Retro- und Folklore-Veranstaltungen mittlerweile völig über.

  • #12
    Marco Krieger

    Sorry, sehe ich komplett anders. Es hat einfach Spaß gemacht, und so war, denke ich, auch der Plan von Dazn. Im übrigen gilt das auch für die gesamte Übertragung von Dazn. Gute Leute am Mikrofon, vernünftige Fragen. Ein großer Niveauunterschied zu Sky mit seinen nervenden Experten.

  • #13
    Klaus Lohmann

    @Marco Krieger: Evt. liegt es ja an den permanenten Stream-Problemen bei DAZN, dass die Kommentatoren etwas "ruhiger", "strukturierter" rüberkommen. Aber für Feldhockey scheint’s ja noch zu reichen…

  • #14
  • #15
    Jürgen Paßlack

    Ich kann die harsche Kritik nicht nachvollziehen. Mir hat die Kommentierung von Manni Breuckmann gut gefallen und an einigen Stellen musste ich richtig lachen.
    Ich wünsche mir, dass Manni noch öfter die Gelegenheit bekommt, Spiele zu kommentieren!

  • #16
    Dieter

    Fußball ist keine Autorenlesung und das ist auch gut so. Warum es allerdings offenbar Zuschauer gibt, die über 90 Minuten flache Witzchen, unerträgliche Phrasen und Ruhrpottweisheiten mit Bart "richtig lachen mussten", will mir nicht einleuchten. Breuckmann wirkte wie Opi Koslowski, der vom Krieg erzählt und dabei es dabei mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Ich bin weder Anhänger von Schalke noch von Union, aber eine derartig plumpe Parteinahme für einen Club sucht im deutschen Fernsehen wirklich ihresgleichen. Mag Opi Manni weiter moderieren, aber dann bitte in der Regionalliga in Essen oder Rödinghausen, da muss ihm außerhalb von NRW niemand mehr zuhören.

  • #17
    Jürgen Müller

    "Neutrale" Beobachter, dazu noch welche, die Dittmann und seine ständige unverhohlene Häme gegen Schalke lobend erwähnen, mögen sich vielleicht nicht mehr gerne daran erinnern, aber es gab Zeiten, in denen Schalke noch nicht von sämtlichen "neutralen" Kommentatoren mit Vernichtungskritik überzogen wurde.

    Aber euch Hatern ist ja schon dieses eine Mal zuviel, bei dem Schalke einmal zu gut wegkommt.
    In Zukunft werden hoffentlich auch wieder einige "neutrale" Beobachter nachwachsen, denen es kein Graus ist, wenn Schalke nicht grundsätzlich negativ gesehen wird. Und die werden euch hoffentlich ersetzen.

  • #18
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Jürgen Müller: Für solche Gelüste gibt es aber doch schon das Fan- bzw- Netradio des Vereins. Zumindest beim BVB. Norbert Dickel übernimmt da in Dortmund eine ähnliche Rolle wie Breuckmann hier am Freitag auf DAZN. Sowas wird es auf Schalke doch auch geben. Wer auf Fangebrüll steht, der wird da vielleicht glücklich. Wer einen Fußballkomentator hören möchte eher nicht.

  • #19
    Hans Peter Leymann-Kurtz

    Ich habe Manni B. leicht schicker genossen.
    Fand ihn im Gegensatz zur Meinung im Beitrag angenehm (parteilich).
    Und ebenfalls im Gegensatz zur Meinung im Beitrag fand ich ihn im Radio schon als Jugendlicher blöd.

  • #20
    Jürgen Müller

    @Robin Patzwaldt

    Es gab ja noch einen Parallelkommentar auf dem Sie gefunden hätten, was Ihnen vorschwebte.

    Sie gestatten sich eine "neutral"-schwarzgelbe Entrüstung über einen Kommentator, der seine Rolle – wie vorher angekündigt – mit Schalker Herz ausfüllte.
    Nennen wir es im Sinne der gepeinigten Schalker einen "Kurzurlaub von den allwöchentlichen ach so objektiven Hinterfotzigkeiten gegen den S04".

    Die allzu öffentliche Fürsprache gefiel Ihnen nicht. Aber siehe oben.

    Ganz Recht, Manni Breuckmann war an dem Abend ganz eindeutig die Stimme jener, die es mit Schalke halten. Und in deren Sinne hat er sich über eine dreiste Schwalbe und grotesk untätige Videoassistenten brüskiert. Das war seine Rolle. Er hat sie verstanden.

  • #21
    Dieter

    Werter Jürgen Müller, für eine Fußballplattform lief die Diskussion eigentlich recht sachlich ab, vor allem hat auch niemand gegen Schalke "gehatet", sondern lediglich den aus meiner Sicht völlig berechtigten und gut dargelegten Kommentar von Robin Platzwardt unterstützt. Auch Sie haben ja bemerkt, dass Breuckmann offenbar im Schalke-Trikot in der Sprecherkabine saß, denn sonst hätten Sie Vorfall ja nicht damit rechtfertigen müssen, dass die armen Schalker früher immer benachteiligt wurden. Wenn Sie schon solche Verschwörungstheorien aufstellen, liefern Sie doch bitte wenigstens Belege dafür. Sonst wirkt das Ganze recht armselig. Ich würde mir im übrigen auch wünschen, dass mehr "neutrale Beobachter nachwachsen" – vor allem rund um Gelsenkirchen.

  • #22
    Dehenauw

    Ein Lob an DAZN
    Bitte öfter mal so ein Highlight
    Wenn ich an die Kommentatoren vom Konkurenten denke, ist MANNI 10x besser als dieVögel dort.
    Habe mich köstlich Amüsiert

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