Max Eberl mit einem Job beim FC Bayern München zu ‚belohnen‘ wäre ein fatales Signal

Foto: Robin Patzwaldt

Max Eberl war früher ein erfolgreicher Profikicker und ist seit Jahren ein noch viel besserer Fußballmanager. Darin sind sich eigentlich alle einig. An einigen Charaktereigenschaften des 50-Jährigen gibt es jedoch bei vielen Fußballfreunden im Lande seit längerer Zeit immer wieder Kritik, die gestern noch einmal wesentlich größer wurde, als sein Arbeitgeber RB Leipzig ihn aufgrund fehlender Identifikation mit dem Klub, bzw. fehlendem Commitment, wie es der Verein selber nannte, von seinen Aufgaben freistellte.

Seit Tagen hatte Eberl klare Aussagen zu seiner beruflichen Zukunft vermieden, nachdem er in der Öffentlichkeit wiederholt als möglicher Nachfolger von Sportvorstand Hasan Salihamidžić beim FC Bayern München genannt wurde. Das wollte sich sein Arbeitgeber offenbar nicht länger gefallen lassen und zog die Notbremse, ausgerechnet einen Tag vor dem Top-Spiel in der Fußball-Bundesliga zwischen RB und den Bayern am heutigen Samstag in Leipzig.

Viele Beobachter sehen den Weg Eberls in Richtung München damit endgültig geebnet, wird dem Funktionär doch ohnehin schon seit Jahren eine Nähe zum Rekordmeister von der Isar nachgesagt. Doch Vorsicht!

Betrachtet man die vergangenen Jahre in Eberls Karriere nämlich einmal etwas näher, formt sich hier bei allem Verständnis für die Tatsache, dass Profifußball natürlich inzwischen ein knallhartes Geschäft ist, wo ‚echte Liebe‘ und ‚Leidenschaft‘ vielfach nur noch Marketingclaims sind, inzwischen ein sehr unschönes Bild in Bezug auf seine Person.

Zur Erinnerung: Als Eberl Anfang 2022 als Manager bei Borussia Mönchengladbach von einem Tag auf den anderen für die Öffentlichkeit völlig überraschend hinschmiss, weil er nach eigener Aussage ausgebrannt und lust- und kraftlos war, da nahmen ihm dies viele Fans der Gladbacher sehr übel. Sie glaubten ihm seine geschilderten Leiden schlicht nicht, waren über den ungewöhnlichen Abgang ihres Managers bitter enttäuscht. Aus ihrer Sicht hatte der erfolgreiche Eberl sie schlicht im Stich gelassen. Vorwürfe, die noch einmal frische Nahrung erhielten, als Eberl wenige Monate später sein Engagement ausgerechnet beim von ihm früher so häufig heftig kritisierten ‚Projekt ‚RB Leipzig‘ öffentlich bestätigte.

Seine Aussagen in Bezug auf RB in der Öffentlichkeit waren plötzlich völlig andere. Eberl lobte in diesen Tagen, offenkundig um Schadensbegrenzung bemüht, explizit das ‚spannende Projekt‘ in Leipzig, versuchte den Spagat zwischen Traditionsverein und Brauseklub bestmöglich zu meistern. Wirklich gelungen ist ihm das rückblickend betrachtet nicht.

Viele derer, die die Kritik an Eberl aufgrund seines Ausstiegs in Mönchengladbach aus gesundheitlichen Gründen noch für völlig legitim und nachvollziehbar hielten, so wie ich, erkannten nach der Veröffentlichung der Nachricht, dass er seine Laufbahn ausgerechnet in Leipzig, beim wohl umstrittensten aller Bundesligavereine fortsetzen würde, diese Entscheidung zumindest als instinktlos und schwer nachvollziehbar. In Leipzig sah man das Alles offenbar zunächst unkritischer, freute sich vielmehr darüber, einen unbestrittenen Fachmann für den aufstrebenden Verein gewonnen zu haben.

Jetzt, nicht einmal ein Jahr später, trennen sich auch die Wege von RB und Sportchef Eberl schon wieder. Und wieder auf für einen außenstehenden Beobachter nur sehr schwer nachvollziehbare und unschöne Art und Weise. Und wieder sieht Eberl persönlich dabei nicht gut aus. ‚Fehlendes Commitment‘, das war doch im Kern auch genau das, was sie ihm viele am Ende seiner Zeit am Niederrhein nachsagten. Jetzt also ähnliche Kritik auch in Leipzig.

Für Fußballtraditionalisten (wie mich) formt sich hier in Bezug auf die Person Max Eberl, bei allem grundsätzlichen Verständnis für das Fußballgeschäft der Gegenwart und der seit Jahren fortschreitenden Kommerzialisierung, inzwischen ein befremdliches Bild.

Und ausgerechnet der Mann, der inzwischen seit Jahren für seine offenbar aus Sicht vieler fehlende emotionale Verbindung zu den Vereinen, bei denen er arbeitet, kritisiert wird, der soll jetzt genau der Richtige für den Branchenprimus, den FC Bayern München sein? Schwer vorstellbar, dass die Münchener Eberls vielfach kritisiertes Verhalten in Sachen mangelhafter Identifikation mit dem jeweiligen Verein und fehlender Konsequenz in seinen Aussagen nicht auch mitbekommen haben. Ist so jemand wirklich geeignet Deutschlands Aushängeschild in Sachen Fußball zu repräsentieren?

Es wäre ein fatales Signal, das die Münchener in die Republik aussenden würden, wenn sie Eberl für sein von vielen Fans (und inzwischen auch Mitarbeitern von Klubs) kritisiertes Verhalten der vergangenen Jahre auch noch mit einem Top-Job indirekt belohnen würden.

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