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Niedergang der Innenstadt von Recklinghausen: Der Letzte macht das Licht aus!

In Recklinghausen war schon einmal mehr los. Foto(s): Robin Patzwaldt

Weitere Hiobsbotschaft für die Freunde der ehemals so schönen Innen- bzw. Altstadt von Recklinghausen:  Das Modehaus „hettlage fashion“, mit seinen rund 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche, schließt, trotz diverser Modernisierungsversuche in den letzten Jahren, zum 30. Juni des kommenden Jahres nach über 100 Jahren am Ort seine Türen.

Nachdem die in den letzten Jahren bereits immer mehr verödende City der Kreisstadt im Vorjahr ja schon das Paradekaufhaus „Karstadt“ durch eine vor Ort in der Bürgerschaft heftig diskutierte Schließung verloren hatte, setzt sich der Niedergang der Innenstadt damit scheinbar ungebremst weiter fort.

Gerüchte über eine mögliche Schließung der Filiale des Textilkaufhauses in bester Lage am historischen Altstadtmarkt machten bereits seit Längerem im Kreis die Runde. Nun hat es eine aktuelle Pressemeldung der Betreiber auch offiziell bestätigt. In einem Jahr ist auch dort tatsächlich Schluss!

Bestrebungen der örtlichen Kaufmannschaft die seit Jahren schon stetig unattraktiver werdende Einkaufsstadt im nördlichen Ruhrgebiet wieder zu beleben werden damit erneut stark torpediert.

Viel ist inzwischen ja tatsächlich bereits nicht mehr geblieben von der ehemaligen Gemütlichkeit in den Gässchen der Revierstadt.

Auch die Eröffnung des umstrittenen neuen Konsumtempels „Palais Vest“, der von vielen Beobachtern von Anfang an kritisch gesehen wurde, konnte die Attraktivität von Recklinghausen als Einkaufstadt im Bereich der alten Geschäftsstraßen eben nicht wirklich erhöhen.

Die alten Stammgäste vermissen in der Mall vielfach das bekannte Flair der Altstadt, die jungen Leute kaufen, wie ich auch aus der eigenen Familie weiß, häufig viel lieber in den größeren Städten des Reviers ein.

Die vergleichsweise kleine und deutlich weniger attraktive „Mall“ in Recklinghausen hat auf Teenager letztendlich doch nicht die gleiche Anziehungskraft wie die deutlich besser ausgestatteten Konsumtempel in Dortmund oder Oberhausen.

So verwundert es dann eben nicht, dass auch die neue Mall in Recklinghausen in Summe keine Trendwende für die Entwicklung der Kreisstadt herbeiführen konnte.

Und mit jedem weiteren Kaufhaus, das aus der City verschwindet, wird die Lage von Recklinghausen als Shoppingstandort nun auch nur noch aussichtsloser.

Schier übermächtige Einkaufsstädte in der Nachbarschaft, mit deutlich breiterem Sortiment, dazu das sich stetig ausweitende Shoppingangebot im Internet. Vieles deutet aktuell darauf hin, dass es für die ehemals so beschaulich schöne Innenstadt von Recklinghausen bald tatsächlich heißt: „Der letzte macht bitte das Licht aus!“

Viele verbliebene Ladenbesitzer die dann für den Lichtschalter der örtlichen Innenstadt in Frage kämen gibt es außerhalb des „Palais Vest“, welches selber direkt nach seiner Eröffnung schon mit eigenen Leerständen innerhalb seiner Mauern zu kämpfen hatte, derzeit eh schon nicht mehr… Ein einziges Trauerspiel!

Das ‚Palais Vest‘ in Recklinghausen. Foto(s): Robin Patzwaldt

 

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7 Kommentare zu “Niedergang der Innenstadt von Recklinghausen: Der Letzte macht das Licht aus!

  • #1
    Martin Kaysh

    Alles gut und richtig, Robin, und vielen Dank, dass Du Recklinghausens Alleinstellunsgmerkmal als sterbenste Innenstadt des Ruhrgebiets so fein herausarbeitest. Demnächst kann man ihre Asche verstreuen. Dafür reicht dann aber kein Friedhof im Kreis aus.
    Du solltest abe rmal wieder genauer hinschauen in Recklinghausen. Gerade der Kirchplatz, der mit dem Schuh- und Schlüsseldienst, sieht jetzt vollkommen anders aus. Nicht nur ein Museumsneubau kam hinzu. Der Laden links ist jetzt Galerie.
    im Rathaus übrigens ist man in aller Unschuld überrascht von der Schließung.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ich fürchte, der Drops ist längst gelutscht, Martin. Recklinghausen hat, wie viele andere Städte der Region, den Anschluss verpasst. Wer sich mal ausserhalb des Ruhrgebiets diesbezüglich etwas umschaut, der kriegt sprichwörtlich auch selber ‚die Krise‘, wenn er in die Region zurückkehrt. Inzwischen eben auch in Recklinghausen. Und das war früher mal ein echt schönes Städtchen zum Einkaufen….

  • #3
    Thomas Weigle

    Da haben nur wenige "den Anschluss verpasst." Es sind einfach zu viele umgestiegen auf die Centros und/oder im Netz untergetaucht. Wir Verbraucher sorgen für immer Leerstände, auch in den ostwestfälischen Kleinstädten.

  • #4
    ke

    Wie sieht es eigentlich mit den Statistiken zun den Verkaufsflächen aus?
    Früher war alles doch deutlich kompakter. Heute hat ein Discounter, der in meiner Jugend im Erdgeschoss eines Wohnhauses war , die Fläche eines alten Megamarktes inkl. Parkplatz. Das funktioniert im Regelfall im Zentrum nicht.
    Jeder Hersteller hat seinen eigenen Laden. In jeder Mall. In jeder Stadt. Dass sich das nicht lohnt, zeigt sich jetzt. Viele Markenhersteller reduzieren schon wieder ihre eigenen Läden.

    Sorgen wir Verbraucher für Leerstände? Ich sehe das nicht so. Mir fehlt die Kreativität der Läden. Wenn ich in meine lokalen Läden gehe, sehe ich kaum noch Schaufenster, die zu Spontankäufe animieren. Die Sachen, die ich brauche sind nicht da. Für den Standard Stecker/Adapter etc. muss ich Apothekenpreise zahlen. Dazu gibt es eine Beratung, die meistens unterirdisch ist, da das Personal oft nicht ausreichend vorhanden ist oder aber keine Ahnung hat.
    Ich gehe deshalb immer seltener in die Geschäfte. Das Buchen im Reisebüro soll wieder im Trend sein. Mich nervt es, dass das Zahlen dort meistens deutlich komplizierter ist als via Kreditkarte im Internet.

    Und dann fehlt auch einfach Geld im Vergleich zu vielen anderen Städten/Regionen.
    Ja, Recklinghausen hatte mir auch noch vor ca. 5 Jahren gefallen. Es war nett, nicht so 08/15mäßig wie bspw. Dortmund als Zentrum der Ketten.

  • #5
    Rehwald Karl

    So lange die Politik in einer Traumwelt lebt stirbt RE.langsam aber sicher. Daimler Benz wollte vergrößern.Von der Verwaltung abgelehnt.Viele Dienstleistungsunternehmen wollten in RE. Bauen.Abgelehnt weil zu wenig Arbeitsplätze.An die dringend benötigten Steuereinnahmen denken die Politiker Politiker der Abt. Wirtschaftsförderung nicht.Sie fördern die Wirtschaft halt anders. Prost! Leider sind dabei die geistigen Fähigkeiten Ersoffen.

  • #6
    ruhrreisen

    Das Problem ist allseits bekannt und nur die Folge der Politik einerseits für Autofahrer bequem auf der grünen Wiese Malls anzulegen, andererseits das in Spuckweite entfernte immer selbe öde Angebot der Ketten in unmittelbaren Nachbarstädten. Hinzu kommen Amazon und Co – die bequem nach Hause liefern. Dabei gäbe es sicher Möglichkeiten. Die immer älter werdende Bevölkerung ist auf Versorgung in unmittelbarer Nähe angewiesen. Zuwanderer haben sicher andere Vorlieben in der hieisigen Stadtgesellschaft, außerhalb vom obligatorischen Gemüseladen, die es zu ergründen gilt. Gastronomie und individuelle, kleine Geschäfte, verbunden mit dem eigenen Internethandel könnten zur Attraktivität beisteuern, wenn Vermieter nicht horrende Preise fordern würden. Es gäbe viel zu tun.

  • #7
    Thomas

    Die Entwicklung zeigt, dass damalige Warnungen nicht ernst genommen wurden.
    Dieses unsägliche Palais Vest hätte nie gebaut werden dürfen.
    Die es damals mit aller Gewalt wollten, müssen jetzt die Früchte ihrer Starrsinnigkeit ernten.
    Unfassbar schade!
    Recklinghausen wurde durch Inkompetenz zur Geisterstadt gemacht.

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