
Unser Gastautor Dietmar Herzog lebt in Dresden und erinnert sich an den Tag als die Mauer fiel.
1989 kam der Brief; nicht unerwartet. Das „Wehrkreiskommando“ teilte mit, dass ich im November zu den „Bausoldaten“ der NVA einberufen werde. Während meiner Ausbildung zum Schienenfahrzeugschlosser Anfang der 80er hatte man mir noch nahegelegt, dass ich mich mit der Weigerung, etwas anderes als den 3-jährigen „Ehrendienst“ in Betracht zu ziehen, von meinem Ziel, Lokomotivführer zu werden, eher entfernen würde. In drastischeren Worten. Ich wurde davon nicht entmutigt, hatte ich doch ohnehin vor, Dampflokführer zu werden, eine Berufung, der in der untergehenden DDR nur noch wenige folgten. Zudem ließen Rohstoffkrisen und die allgemein verfahrene wirtschaftliche Lage den Einsatz von Dampflokomotiven zumindest mittelfristig als gesichert erscheinen.






