Aktiv für den Klimawandel!

Die Erderwärmung hat mir nie sonderlich große Sorgen bereitet. Als halber Grieche bin ich sowieso für höhere Temperaturen ausgelegt. Aber die drohende Erdabkühlung macht mir Angst.

Ein neuer Sonnenzyklus hat begonnen. Mit weniger Sonnenflecken. Und beim Nächsten sollen es noch weniger werden. Das könnte bedeuten, dass es kühler wird auf der Erde. Eine unangenehme Vorstellung. Kalte Zeiten auf der Erde waren Zeiten mit Missernten und Kriegen. Und ganz nebenbei: Ich arbeite im Sommer gerne im Park und sitze mit den Kumpels am liebsten vor der Kneipe. Dazu kommt eine starke Abneigung gegenüber Pullovern. Kurzum: Kaltzeiten sind keine Stefanzeiten.

Nun wird uns seit Jahren ausgiebig erklärt, was wir gegen die Erderwärmung tun können: Statt mit dem Auto zu fahren, sollen wir die Bahn nehmen. Wir sollen weniger heizen, nicht mehr fliegen und Bäume pflanzen. Und auch beim Einkauf auf die Co2 Bilanz achten: Grünkohl aus Dorsten statt Spargel aus China.

Da wir vor einer Kaltzeit stehen, gegen die ich bereit bin, mich zu engagieren, braucht es nun Konzepte für eine Erderwärmung. Eine Idee: Ich könnte mein Auto auch Nachts laufen lassen. Abschliessen kann ich es ja mit dem Zweitschlüssel.   Und natürlich bei offenem Fenster heizen. Ein offenes Fenster empfiehlt sich ja sowieso für einen Raucherhaushalt.

Wir könnten auch alle mehr Fleisch essen. Bei Facebook bin ich ja stolzes Mitglied der „Gruppe Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg„. Vor allem Rindfleisch empfiehlt sich – wegen des Metans, das Kühe ausscheiden. Mehr Kohlekraftwerke? Mal drüber nachdenken.

Vielleicht können wir ja auch zusammenlegen und einen Wald kaufen – um ihn abzubrennen. Was ich schade fände, weil ich ja Wälder eigentlich mag. Aber kann man darauf in Zeiten wie diesen noch Rücksicht nehmen?

Grüne im Glück

In einer Forsa-Umfrage sind Grüne und SPD gleich auf. Grüns kann sich freuen – für die SPD ist das eine Katastrophe.

Es ist eine Momentaufnahme, aber sie hat mehr als Symbolgehalt: SPD und Grüne liegen in einer Forsa-Umfrage beide bei 24 Prozent.   In Berlin überlegt sich Renate Künast (Grüne) als OB-Kandidatin gegen Wowereit (SPD) anzutreten und auch in Baden-Würtemberg scheint ein Grüner Ministerpräsident nicht mehr ganz ausgeschlossen zu sein.

Fast jede vierte Stimme für die Grünen – das zeigt, wie gering in dieser Gesellschaft der Zusammenhalt geworden ist. Die unterschiedlichen Fraktionen dieser Gesellschaft haben immer weniger miteinander zu tun, fühlen sich immer weniger füreinander verantwortlich und haben immer weniger Berührungspunkte. Und wenn man ehrlich ist: Anders will man es ja auch gar nicht mehr haben.

Die Grünen sind die Partei für Leute, die wenig Probleme haben und sich Sorgen machen können über abstrakte Fragen. Grünen Wähler verdienen gut und wenn nicht, werden sie es irgendwann wahrscheinlich tun. Oder es ist ihnen nicht so wichtig. Postmaterialisten eben. Man ist links oder war es und schätzt am Linkssein den Lifestyleaspekt. Damit wir uns nicht falsch verstehen:  Auch das sehe ich nicht als verwerflich an. Lifestyle, die Definition seiner selbst über Produkte, ist eine gute kapitalistische Errungenschaft. Wenn es einem besser geht, weil man ein Bio-Würstchen gekauft hat, ist das eine feine Sache. Hauptsache es wirkt. Nur klar ist: Postmaterialismus muss man sich leisten können. Viele Wähler der Grünen können das.

Bei der Klientel des SPD sieht das ein wenig anders aus. Hartz IV ist für die meisten Grünen ein theoretisches Problem. Für Teile der traditionellen SPD-Wähler ist es Realität. Sie wollen gefördert , nicht gefordert werden. Leistungslosen Zugang zu finanziellen Ressourcen verspricht die Linkspartei – also wird sie gewählt.

Für viele Grüne ist der Klimawandel eine große Bedrohung. Ihre Wähler wollen die Wirtschaft ökologisch umbauen. Für sie eine lässige Angelegenheit, die sie entweder nicht betreffen wird oder von der sie profitieren werden. Ein Facharbeiter in einer Aluminumhütte oder bei einem Automobilhersteller ahnt, dass er bei diesem Prozess schnell hinten rüber kippen kann. Und eine SPD, die sich eng an die Grünen bindet, verliert bei diesen Menschen an Glaubwürdigkeit.

Das Besondere an den Grünen und ihren Wählern ist, dass sie sich selbst nicht als Klientel- und Lifestylepartei empfinden, sondern glauben, im gesamtgesellschaftlichen Interesse zu handeln. Das erlaubt ihnen, weit in das traditionelle, bürgerliche Lager hinein zu wirken. Bei der SPD, der FDP oder der Linkspartei ist das anders. Ihre Ideen wirken auf das andere Lager abschreckend oder obskur. Ihre Forderungen haben nicht den moralischen Überbau. Atomkraft, Klimawandel – immer geht es um das große Ganze. Wie popelig erscheinen da die Fragen des Alltags, für die die Grünen auch nur selten realistische Antworten haben?

Motorola „Ausflipp“: Android-Handy für Mädchen

Wie bekommt man einen Androiden in eine Frauenhandtasche? Motorola glaubt, die Lösung gefunden zu haben.

WR129005crEigentlich ist Apple der Spezialist für Mädchenfarben: Frühere Exemplare des Ipod mini waren dafür berüchtigt, nur in für richtige Kerle untragbaren Pastelltönen lieferbar zu sein. Doch auch andere Hersteller haben inzwischen Geräte in Barbie-Farben im Sortiment.

Als ich das neueste Motorola Android-Handy mit Tastatur zum Test anforderte, erwartete ich eigentlich den Nachfolger des Milestone, einem technisch hochwertigen Android-Smartphone.

Das Milestone 2 kommt allerdings erst in einigen Wochen auf dem Markt. Solange gibt es das Flipout (zu deutsch: Ausrast) und das Backside Backflip. Ersteres ist laut Motorola für 300 € ohne Vertrag bei O2, The Phone House und Vodafone zu haben, letzteres laut Motorola für 200 € mehr ebenso vertragsfrei bei Amazon und Mogelcom.

Das Flipout richtet sich an eine junge Zielgruppe, die auch mal mit kleineren Taschen unterwegs ist. Gerade für junge Frauen ist es besonders interessant, da es in praktisch jede Handtasche passt und zu jedem Kleidungsstil dank seiner unterschiedlich farbigen Cover passt. Das Backflip ist da viel erwachsener und zielt auf etwas ältere Nutzer ab.

WR058989crso die Erklärung von Motorola zum Unterschied der Ausrichtung der beiden Geräte, die sich technisch außer in Gewicht, Größe und Auflösung der Kamera (3 MP vs. 5 MP) nicht wesentlich unterschieden.

Tatsächlich liegen Flipout und Blackflip inzwischen beide bei etwas unter 300 € ohne Mobilfunkvertrag auf Amazon.de. Beide haben eine Tastatur, eine Kamera und „Motoblur“, eine Motorola-eigene Android-Ergänzung, die die Verknüpfung mit Twitter, Facebook & Co. erleichtern soll sowie alle eingerichteten Mailaccounts, auch via Exchange, zusammenfaßt.

WR058991crLetzteres nennt sich „universeller Posteingang“, in dem dann alle eingegangen Mails chronologisch aufgelistet werden, unabhängig von ihrer Quelle. Beim Antworten werden sie aber wieder entsprechend auseinandersortiert. Zudem lassen sich mit Motoblur Accounts auch fernlöschen, falls man sich das Handy klauen läßt und zu blöd oder faul war, ein Paßwort für den Zugriff einzurichten.

Das Flipout dürfte momentan das kleinste Android-Smartphone mit Tastatur darstellen. Es ist wirklich für junge Frauen gedacht: Der älteren Generation dürfte das Display doch etwas zu klein sein, und spitz gefeilte Fingernägel dürften dem Treffen der kleinen Mäusetasten sehr zuträglich sein. Die Rückseite kann gewechselt werden – es muß also nicht Rosa sein, Orange und Lindgrün sowie Schwarz stehen ebenfalls zur Verfügung. Außerdem kommt frau nicht so in Streß wie mit einem Iphone.

WR058995crGegenüber dem ersten in Deutschland verfügbare Android-Handy, dem G1, benahm sich der Browser auf Spiegel online wesentlich ungeschickter und mußte ständig manuell gezoomt werden – andernfalls war zwar die Media-Markt-Flash-Werbung bestens zu sehen, doch der Text unlesbar. Die Ruhrbarone erscheinen dagegen auf dem Flipout in einer gut lesbaren Mobile-Version.

Beim Ansehen des täglichen Dilbert-Cartoons machte das Flipout seinem Namen schließlich alle Ehre: Es rastete aus und zeigte diesen flackernd hin- uind herspringend wie auf einem alten Fernseher, bei dem das Bild durchläuft. Es gab auch hin und wieder Probleme mit Umlauten und HTML in E-Mails, doch seltener als bei anderen Geräten.

WR058996crAußerdem versagte die einzig mir bekannte sinnvolle Anwendung für eine Kamera im Handy, Android Shop Savy, mit dem Flipout: Shop Savy liest den Barcode von Verpackungen und zeigt dann die günstigsten Händler im Umkreis und im Netz, die dieses Produkt anbieten. Doch die Kamera des Flipout war im Ggeensatz zum HTC G1 nicht imstande, einen Barcode lesbar einzuscannen: Offensichtlich kann sie im Nahbereich nicht ausreichend fokussieren.

WR059003crAlles andere funktioniert jedoch einwandfrei mit dem Flipout und der Android Market stört sich auch nicht am ungewöhnlichen Bildschirmformat: Die gängigsten nachträglich zu ladenden kostenlosen Android-Anwendungen wie QYPE oder CAB4me stehen fur das Flipout zur Verfügung und funktionieren auch.

Das Ein- und Ausklappen der Tastatur ist praktisch gelöst. Das fast quadratische Display-Format versagt es einem allerdings leider, längere Texte nach dem Einklappen der Tastatur hochkant zu lesen: Der Text dreht sich zwar wie bei Androids üblich beim Deaktivieren der Tastatur um 90°, aber das Format ändert sich dabei nicht wesentlich. Die Eingabe längerer Texte ist über die Mini-Tastatur wiederum sogar mühsamer als auf dem Bildschirm.

WR059004crDie Batterielaufzeit, ein Schwachpunkt vieler Android-Telefone, ist bei Nichtbenutzung durchaus brauchbar – das Flipout schaltet von sich aus viele energieintensive Baugruppen bei Nichtbenutzung in Standby. Beim Surfen via UMTS ist dagegen der Akku angesichts der kleinen Bauform schnell leer und das Gerät erwärmt sich spürbar. Deutlich sparsamer – auch gebührentechnisch – ist das Flipout, wenn man es über einen WLAN-Hotspot benutzt.

Wer unterwegs einfach nur auf dem Laufenden bleiben will und einen schicken, kompakten, damenhandtaschenkompatiblen Fremdenführer mit Navigations- und Taxiruffunktion sucht, bei dem ist das Flipout gut aufgehoben. Ich warte lieber auf das Milestone 2.

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Der Ruhrpilot

Ruhr2010: Umbau des U-Turms kann doch viel teurer werden…Der Westen

Ruhr2010 II: Betonpumpen tanzen am Industrie-Hafen…Ruhr Nachrichten

Ruhr2010 III: Wir im Herzen der Kulturhauptstadt…Hometown Glory

Kultur: 27. Kinderfilmtage im Ruhrgebiet…Bild

NRW: Streit um neue Schulden…RP Online

NRW II: FDP sucht Konfrontation mit Rot-Grün…Kölner Stadtanzeiger

Medien: Rheinischer Merkur vor dem Aus…Medienmoral NRW

Medien II: „Die Zeit“ wird katholisch…taz

Medien III: Zeitungen wollen ran an die Jugend…Der Westen

Integration: Türkeiforscher warnt vor rassistischen Tendenzen…Welt

Dortmund: Eigentümer und Händler wollen Paroli bieten…Ruhr Nachrichten

Dortmund II: Continental baut in Dortmund 600 Stellen ab….Der Westen

Duisburg: Ermittlungen wegen Manipulation im Casino…Der Westen

Essen: Bahn bremst Stadt aus…Der Westen

Gelsenkirchen: Schalke bleibt ein Trümmerhaufen…Gelsenkirchen Blog

Internet: Abmahnwelle gegen Finanzblogger?….Verlorene Generation

Internet II: Apps für Homebanking auf dem iPad…Pottblog

Twitter-Homepage offenbar gehackt

Die Twitterhomepage bricht gerade zusammen. Möglicherweise sorgt ein Mouseover-Befehl für Probleme und breitet sich sehr schnell aus. Vielleicht gibt es auch eine andere Grund. So wird spekuliert, Mexikanische Cyberkriminelle hätten ein Botnetz gelegt.

Ursache noch unbekannt. Wir haben das Gerücht gehört, das jemand ein  Sicherheitsleck ausgenutzt hat, um Konten von Usern über Servicesoftware vollzuspamen. Hier gibt es einen weiteren Hinweis auf eine mögliche Ursache des Hack: klick

Wir gehen jetzt über TwitQ.

Die Laufzeitverlängerung der Atommeiler – Ein teures Geschäft für uns alle

Die Verlängerung der Laufzeit der 17 Atommeiler in Deutschland schenkt den Versorgungsunternehmen und dem Bund Milliarden an zusätzlichen Profiten, für die der Steuerzahler teuer bezahlen müssen wird. Der Bund wird nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle zwar 30 Milliarden Euro als Gegenleistung dafür bekommen, dass die Kernkraftwerke im Durchschnitt 12 Jahre länger laufen dürfen, und kann damit kurzfristig seinen angespannten Haushalt entlasten.

Doch Studien aus Deutschland, den USA und von der internationalen Atomenergiebehörde zeigen, dass die Kosten für den Rückbau der Kernkraftwerke und die Aufbewahrung des Atommülls bereits ohne die Laufzeitverlängerung die 30 Milliarden Euro an Rückstellungen der Versorger dafür bei weitem übertreffen.

Durch die Laufzeitverlängerung gibt es neuen Müll, von dem Teile für mehrere tausend Jahre aufbewahrt werden müssen. Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz sprechen wir von 4.400 Tonnen, die Dank der Atom-Vereinbarung zusätzlich entsorgt werden müssen. In der letzten Verantwortung steht dafür der Bund – und riskiert mit dieser Vereinbarung, dass er große Teile der Zusatzgewinne, für die Quelle eben dieses Geldes wieder ausgeben muss. Die Entsorgung wird am Ende der Bürger bezahlen müssen.

Rechtlich sind E.ON, RWE, die deutsche Tochter des schwedischen Versorgers Vattenfall und Energie Baden-Wuerttemberg für die Kosten für die Beseitigung der Atomenergie zuständig. Aber selbst wenn man die Kosten für die Aufbewahrung der 21,600 Tonnen hochradioaktiven Mülls ausschließt, sind deren Rückstellungen bereits weitgehend ausgeschöpft: Die Rückstellungen könnten gerade ausreichen, um die Kernkraftwerke rückzubauen, wie aus einer Studie der internationalen Atomenergiebehörde aus dem Jahr 1998 hervorgeht. Die Studie sieht die Kosten um ein Kernkraftwerk in Deutschland zu entsorgen bei 1.4 Milliarden US-Dollar, zum damaligen Kurs umgerechnet 1.2 Milliarden Euro. Dabei sind manche der Kernkraftwerke, die in Deutschland in Betrieb sind, fast viermal so groß wie das Kernkraftwerk, auf den sich die Studie bezieht, ein russischer Reaktor des Typs WWER 440. Sobald man dann die Kosten der Endlagersuche mit einbezieht, übersteigen die Kosten bereits die Rückstellungen. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt an, dass bisher 6.4 Milliarden Euro für die Suche in Gorleben, Morsleben und den Schacht Konrad ausgegeben wurden.

Obwohl hier der Schuh drückt, herrscht bei der Kostenfrage weiter Stillstand. Sie steht noch da, wo sie bereits vor 30 Jahren stand, als der Haushaltsauschuss des Parlaments der Vereinigten Staaten urteilte: „Die ungesicherten Kosten sind das wichtigste finanzielle Risiko im Programm zur Entsorgung des Atommülls.“ Weder Kenntnisse noch Erfahrungen scheinen zuzunehmen, sondern nur die Kosten: In einem Bericht für das Energieministerium der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 2008 wird geschätzt, dass es 38 Prozent teurer wird, wenn sich die Menge des hochradioaktiven, wärmeentwickelnden Mülls um nur 25 Prozent erhöht.

Die Bundesregierung übergeht diesen Punkt in ihrem Energiekonzept elegant mit einem Satz: „Die Laufzeitverlängerung von durchschnittlich 12 Jahren führt nicht zu einer grundsätzlich veränderten Situation für die Endlagerung.“ Eine Ahnung, an wem Kostensteigerungen hängen bleiben, gibt aber die bisherige Praxis: Obwohl die Endlagersuche laut Gesetz zu überwiegendem Teil von der Versorgern bezahlt werden muss, haben sie von diesen Kosten bisher nur einen „Bruchteil“ getragen, wie das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt.

Wie ein Schatten liegt der Einfluss der Versorger auf dem Energiekonzept, das gleichzeitig dafür sorgt, dass diese eine feste Größe auf dem deutschen Strommarkt bleiben. Denn die Laufzeitverlängerung zementiert für weitere Jahrzehnte ihre Oligopolstellung unter den Elektrizitätsproduzenten, da sie mit ihren hochsubventionierten Atommeilern weiter konkurrenzlos günstig Strom anbieten können.

Die wegfallenden Kapazitäten der Atomkraftwerke wären ansonsten durch konkurrierende Kraftwerke von Stadtwerken, erneuerbaren Energien oder flexiblen Gaskraftwerken ersetzt worden, wie sowohl Stadtwerke als auch das Bundeskartellamt kritisieren. Die Entscheidung der Bundesregierung hat also Folgen für Jahrzehnte, die weit über vermeintlich billigen Atomstrom hinausreichen. Die Wettbewerbsstrukturen der Zukunft werden in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht zu Gunsten der großen Versorger festgelegt. Die Kosten dafür werden die Generationen tragen müssen, die heute noch kein Wort mitreden konnten.

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Öde2010: Wo ist das Ruhrgebiet am langweiligsten?

Die Besucherzahlen im Ruhrgebiet explodieren, die Kulturhauptstadt bringt Glamour in unser Leben und in New York überlegen sie sich wahrscheinlich schon, ob sie Zechentürme aufstellen sollen, um metropolitanen Glanz in ihre Hafenstadt am Hudson zu bringen.

Aber ist das Ruhrgebiet wirklich überall so mondän wie Fulda , so sexy wie Bad Vilbel und so verrucht wie Hildesheim? Nein, sicher nicht. Und nun meine Frage: Was sind die ödesten Orte im Ruhrgebiet? Wo wird schon ein funktionierende Dunstabzugshaube in einer Pommesbude als Steigerung der Lebensqualität empfunden? Wo freut man sich, wenn einmal im Monat der Bücherbus vorbei kommt und wo treffen sich die Quartiersintellektuellen am einzigen Kiosk, an dem es den Spiegel gibt? Für mich stehen die drei ödesten Orte fest: Wattenscheid, Herne und Marl. Gladbeck ist auch schlimm, aber da bin ich aufgewachsen. Und es zieht mich auch nichts nach Duisburg. Was sind Eure Favoriten? Welcher Stadt sollen wir eine Flasche Frühstückskorn schenken, weil das Leben in ihr nüchtern nicht zu ertragen ist?

Fernsehen vs. Web: Lineare Berieselung vs. gezieltes Lesen

Manchmal gelingt es Radio und Fernsehen sehr effektiv, mich daran zu erinnern, warum ich wahllose Berieslung durch Magazinsendungen nicht mag.

BildGestern war ich nur kurz dabei, den Festplattenrekórder mit Arte-Stoff für die nächste Woche zu füttern – da die Schwiegermutter zu Besuch ist, kann man ohnehin nicht länger fernsehen.

Da all diese Geräte einem auch zwangsweise das laufende Programm vorsetzen, fiel mir auf, daß in „Metropolis“ etwas über den Fotografen Peter Lindbergh sein sollte – und zwar nach dem gerade laufenden Beitrag über ein altes Designsofa.

(3): Peter Lindbergh

Der deutsche Fotograf Peter Lindbergh, seit 30 Jahren in der Modebranche tätig, hat sich durch seine natürlichen Aufnahmen prominenter Models und Schauspielerinnen einen Namen gemacht. Er legt großen Wert auf eine respektvolle Darstellung der Frau und lässt sich auf die Besonderheiten des Gesichts ein. Die Schwarzweißtechnik nutzt er zur Steigerung der Emotion. Von seinem realistischen Ansatz her kritisiert er den systematischen Rückgriff auf die Retusche und verteidigt die Darstellung des Körpers mit seinen Unvollkommenheiten. Rund 200 Bilder und Filme aus dem Gesamtwerk des Fotografen werden ab 25. September in der Ausstellung „Peter Lindbergh. Photographs and Films 1980-2010“ im C/O in Berlin gezeigt.

Ich tröstete die Schwiegermutter mit „nur 5 Minuten“. Sie versteht kein Deutsch – und auch kein Französisch.

Doch es kam noch eine Menge anderes uninteressantes Zeug, doch nicht der beworbene Beitrag. Ums Verrecken nicht. Obwohl ich nun 45 Minuten statt 5 Minuten an der Kiste festhing.

Und auch in „Arte +7“ ist der Beitrag nicht existent, der eigentlich zwischen dem Beitrag über das 70er-Jahre-Sofa und dem Beitrag über diesen verrückten amerikanischen Buchschreiber sein müßte. Der extrem absurd war, weil er englisch sprach (das hätte die Schwiegermutter immerhin verstanden), deutsch synchronisiert wurde, doch die Bücher in der französischen Variante gezeigt wurden.

Anscheinend hat die Metropolis-Redaktion den Beitrag über Peter Lindbergh niemals gemacht. Und wenn, wäre er wohl nur eine Kurznotiz von ein paar Sekunden geworden.

Aber ich habe mich über eine Stunde mit einem Mischmasch von Kram beschäftigen müssen, der mich – Kultur hin, Kultur her – gar nicht interessiert. Nur Claude Chabrol war interessant – doch da hatte ich noch gar nicht eingeschaltet.

Doch genau das – für jeden etwas, aber für keinen genug – ist das Prinzip dieser nervigen Magazinsendungen. Schön für Leute, die ohnehin nur ziellos durch die Kanäle zappen – blöd für „Programmgucker“ wie mich.

Immerhin: Arte sendet zumindest meistens nach Programm. MTV z.B. hat dagegen eigentlich noch nie ein groß angekündigtes und beworbenes Special auch tatsächlich zum beworbenen Termin ausgestrahlt.

Das Fernsehen mag Leute, die eine bestimmte Sendung oder einen bestimmten Beitrag sehen wollen, und nicht irgendwas, leider nicht besonders.

Topfgeldjäger sind schimmeliges Brot

Es macht sich ja heute keiner der der Aufklärung Verhafteten mehr einen Begriff davon, welch gnadenloser Mist am Nachmittag selbst auf den öffentlich-rechtlichen Sendern läuft.

Die sich von Topfgeldjägern nähren. Also diese Kochshows.

Weil ja gottlob niemand Fernsehen mehr guckt. Also – ich kenne niemanden, der noch Fernsehen guckt. Ehrlich.

Topfgeldjäger, allein das billige Sprachspiel aus der Wortspielhölle schon, natürlich im ZDF, so gut wie täglich ab 15.05 Uhr zu sehen, ist so ein peinsackartiges Format dieser Kochshows, von denen man ja mittlerweile gar nicht mehr weiß, wieviele es davon auf welchen Sendern auch immer gibt.

Deren einzig ernstzunehmendes Format bekanntlich Silent Cooking war:

Keine Show. Eine Reduktion. Der Koch hält seine Fresse. Unterlegt von Trance Musik wird geschnibbelt, geraspelt, püriert. No Frills. Fast schon Zen, der Kram.

Zu den Topfgeldjägern:

Dazu hat Max‘ Goldts Combo Foyer des Arts dazu schon alles gesagt. Und zwar schon vor Jahrzehnten.

Gewissermaßen antizipierend. Siehe oben: Schimmliges Brot.

Bzw siehe hier: Wolfgang Siebeck hat Recht.