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Schwatzgelb.de beklagt Stimmung beim BVB: Wer keine Probleme hat, der macht sich welche!

Das Stadion in Dortmund Foto: Ulrike Märkel

Eigentlich könnte doch aktuell alles so schön sein bei Borussia Dortmund. Die Elf der Schwarz-Gelben schlug am Samstagnachmittag Hannover 96 im heimischen Stadion ungefährdet mit 5:1 (1:0) Toren, sicherte sich damit ihre Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga souverän ab.

Am heutigen Morgen lieferte Sebastian Kehl, seines Zeichens seit Saisonbeginn der neue Leiter der Lizenzspielerabteilung, im Rahmen der Sport1-Sendung ‚Doppelpass‘ zudem einen äußerst souveränen Auftritt vor einem Millionenpublikum ab, präsentierte den BVB dort auf sympathische Art und Weise als aufblühenden Verein mit viel Stil und Klasse.

Ausgerechnet in dieser Phase des fast vollkommenen Glücks nörgelt das BVB-Fanzine ‚Schwatzgelb.de‘ plötzlich über die angeblich gerade so schlechte Stimmung im Stadion.

In einem aktuellen Beitrag heißt es dort unter anderem:

„Wo bitte ist die Meisterschaftseuphorie und das Feuer bei unseren Heimspielen hin verschwunden? Wir sind Tabellenführer mit sechs Punkten Vorsprung und über weite Strecken des Spiels herrschte absolutes Schweigen auf den Tribünen. Ja, das Wetter war mies. Ja, es war „nur“ Hannover und somit ein Gegner, gegen den man unbedingt gewinnen musste. Aber trotzdem kann es doch nicht sein, dass ein Großteil der anwesenden Fans das Spiel in völligen Schweigen verfolgt.“

Das mag ja soweit sogar im Kern richtig sein, doch sind das ja nun wahrlich keine neuen Erkenntnisse. Diese Beobachtung ausgerechnet jetzt in dieser Phase so groß und breit zu thematisieren, das legt den Verdacht nahe, dass hier ganz bewusst eine Debatte zur völligen Unzeit herbeigeführt werden soll.

Wer den BVB schon länger als nur ein paar Monate begleitet, der wird ohnehin wissen, dass die Stimmung im Dortmunder Stadion schon seit vielen Jahren nicht mehr die ist, die sie einmal war.

Die beste jemals von mir persönlich miterlebte Stimmung, die habe ich im Vorfeld des UEFA-Cup-Endspiels der Dortmunder gegen Juventus Turin im Jahre 1993 auf der Südtribüne miterleben dürfen. Damals herrschte eine unglaublich positive Energie, wie ich sie danach nie wieder in einem Fußballstadion genießen durfte. Die ganze Tribüne schwankte beim rhythmischen Hüpfen der BVB-Anhänger, Gesänge von allen Tribünen dröhnten vor dem Anpfiff quer durch die im Vergleich zu heute deutlich engere Arena.

Schon nach dem begonnenen Umbau des Stadions wenige Jahre später, in dessen Zuge das Fassungsvermögen von gut 45.000 schrittweise bis auf über 81.000 Fans erweitert wurde, litt die Stimmung merklich.

Immer größere Ehrentribünen, ein vermehrtes Catering, das eine grundlegende Veränderung des Stammpublikums mit sich brachte, ließen die Begeisterung auf den Rängen Schritt für Schritt gefühlt deutlich nachlassen.

Eine Entwicklung, die in der Vorsaison ihren bisherigen Höhepunkt fand, als BVB-Keeper Roman Bürki in einer sportlich kritischen Phase das hohe Anspruchsdenken bei großen Teilen der Anhängerschaft vor laufenden TV-Kameras scharf kritisierte.

Warum also ausgerechnet jetzt, wo es sportlich und wirtschaftlich wieder so gut läuft wie schon seit Jahren nicht mehr, dieser Bericht auf Schwatzgelb.de, der das alte Thema wieder aufwärmt? Soll da, wo Team und Fans zuletzt nachweislich wieder deutlich besser zueinander gefunden haben, etwa absichtlich provoziert und damit neuer Zwist im Klub gesät werden?

Schade, dass Teile der eigenen Fanszene, die sich selber offenbar als die ‚besseren‘ Anhänger empfinden, es beim BVB scheinbar nötig haben sich gegenüber anderen Anhängern im Stadion über deren angeblich fehlende Begeisterungsfähigkeit zu echauffieren. Zusammenhalt und Einigkeit im Umfeld des Vereins wäre jetzt deutlich sinnvoller.

Stattdessen werden von einigen Zeitgenossen offensichtlich lieber so komplett überflüssige Baustellen eröffnet. Denn seien wir mal ehrlich, die Stimmung der frühen 1990er-Jahre wird es im modernen Stadion des 21. Jahrhunderts ohnehin nie wieder geben.

Und das ist auch durch kritische Diskussionen innerhalb der traditionell emotionalen Anhängerschaft nicht mehr zu ändern. Zumal die im Schwatzgelb-Artikel angesprochenen Zuschauer, die dem Autoren offenbar am Samstag einmal mehr nicht genügend Stimmung gemacht haben, das Fanzine mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht einmal lesen werden. 😉

RuhrBarone-Logo

8 Kommentare zu “Schwatzgelb.de beklagt Stimmung beim BVB: Wer keine Probleme hat, der macht sich welche!

  • #1
    Klaus Lohmann

    Übrigens kein Wort der selbsternannten "Fanabteilungs-Postille" zum aus gegebenen Anlass wirklich notwendigen Protest einiger wirklich echter Fans gegen Antisemitismus (inkl. Plakat "Ihr Schicksal – unsere Mahnung. Nie wieder") beim gestrigen Spiel.
    https://www.wr.de/sport/fussball/bvb/bvb-fans-beklagen-schlechte-stimmung-im-dortmunder-stadion-id216303181.html

  • #2
    ke

    VIP-Tribüne und Choreo-Künstler haben beide eine Gemeinsamkeit:
    Man merkt nicht mehr am Geräuschpegel, was auf dem Platz passiert.

    Anfeuern, Auspfeiffen, … das ist alles zu banal.

    Der heutige Fan macht Politik, fährt nur zu anderen Vereinen, wenn die anderen Vereine nach dem eigenen Maßstäben zertifiziert wurden ….

    Was war das früher einfach. So mit reiner Emotion.

  • #3
    walter stach

    Robin,
    ich denke, daß das "Herumnnörgeln" wenigen Fans nicht im geringsten die Freude der weltweitem (!) Anängerschaft des BVB mindern kann -das gilt mit Blick auf das 5:1 gestern , mit Blick auf die spielerischen Leistungen der Mannschaft und nicht zuletzt mit Blick auf den Tabellenplatz.
    Wer z.B. am Freitag von London nach Do geflogen ist und mitbekommen hat, mit welcher Vorfreude sich Fans auf England über das bevorstehende Spiel unterhalten haben, kann sich ausmalen, wie begeistert sie den Rückflug angetreten haben und sich auf weitere Spiele des BVB freuen.
    Also…..
    Soll nörgeln wer will. Mich stört das nicht.

    PS
    Auf einem anderen und hier bei den Ruhrbaronen schon mehrfach aufgeschlagenem Blatt stehen Betrachtungen darüber, ob sich nicht seit "einigen Jahren" ganz generell Veränderungen Im Verhalten der Zuschauer im Stadion -folglich auch in DO- feststellen lassen und Erwägungen über die Gründe für solche Verhaltensänderungen.

    Das gilt u.a. mit Blick auf viele Besucher im sog. VIP-Bereich, von denen ich den Eindruck habe, daß sie aus allen möglichen Gründen ins Stadion gehen, aber primär nicht, um ein Fußballspiel erleben und um sich für ihre Mannschaft engagieren zu können bzw. um mit ihr Freud und Leid teilen zu wollen. Und das merkt "man " eben auch an ihren "mäßigen" Beifalls – oder Missfallensbekundungen.

    Das gilt aber auch mit Blick auf die (wachsende?) Zahl derjenigen, für die der Stadion -Besuch bestenfalls "so nebenbei" etwas mit ihrer Begeisterung für den Fußballsport und mit "ihrer Liebe" zu ihrer Mannschaft zu tun hat, denen es primär um Randale, Krawalle, pöbeln, saufen geht unddie sich "demgemäß" im Stadion bemerkbar machen -oftmals zum Entsetzen vieler Fußball-Fans.

    Derzeit, so scheint mir, bilden diese beiden Gruppierungen unter den regelmäßig rd. 83.ooo Zuschauern im Stadion des BVB noch die Ausnahme. Sollten die irgendwann die Mehrheit stellen, hätte ich vermutlich Grund, über ihr Verhalten zu nörgeln. Noch ist das nicht zu.

    Robin,
    wir BVB-er habe derzeit wie seit langer Zeit nicht mehr Anlass ,über Fußballspiele, die von "unserer Mannschaft" bestritten werden, tagelang zu diskutieren, und zwar stets positiv. Hoffentlich bleibt es noch lange so. Und daran wird mich keine Nörgelei, von wem auch immer, hindern..

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Als das Nörgeln weniger Fans würde ich das nicht bezeichnen, Walter. Die haben schon einiges an Lesern. Bei Facebook sind sie rund 8 Mal größer als die Ruhrbarone (108.000 zu 14.500 Follower) und bei Twitter haben sie auch etwas mehr als wir hier (29.000 im Vergleich zu unseren rund 24.000 (21.000 + 3.000)). Die erreichen mit ihren Texten also schon recht viele Leute, speziell eben BVB-Fans… Allerdings wohl nicht die von ihnen aktuell so kritisierten Fans, die keine Stimmung im Stadion machen. Eher das Südkurven-Klientel.

  • #5
    walter stach

    Robin,
    Dein Hinweis "auf die Leserschaft" -etwa im Vergleich zu der der Ruhrbarone- kann mich nicht dazu bringen, um meine Wortwahl "nörgeln/Nörgler" zu korrigieren.
    Es mag ja so sein, daß diese Nörgelei den Empfindungen mancher Süd-Kurven-Fans Rechnung tragen -nicht allen (!)-, aber das ändern nichts an meiner momentanen Verfaßtheit als BVB-Fan( erfreut über die Gesamtleistung der Mannschaft, begeistert von dem, was sie uns spielerisch zeigen und nicht davon angetan, daß durch einige Süd-Kurven Fans jetzt Kritik an anderen Fans , und zwar in ihrer überwältigen Mehrheit im Stadion!!- geübt wird. Was soll denn damit bewirkt werden? Diese überwältigen Mehrheit der Stadion-Besucher wird sich ganz sicher nicht von den betr. Süd-Kurven -Fans "vorführen" lassen . Werden demnächst die betr. Südkurven-Fans ihre ganze Energie einsetzen gegen "die anderen BVB-Fans" im Stadion und wie werden die reagieren? Irre, daß ich darüber angesichts der momentanen sportlichen Lage des BVB überhaupt nachdenken muß – wegen dieser Nörgler bzw. wegen dieser Nörgelei-.
    Robin,
    wenn die Vereinsführung, z.B. mittels des Stadionsprechers, die Fans im Stadion bitten/auffordern würde, noch mehr als bisher ihre Mannschaft wie auch immer während des Spieles zu unterstützen, würden die Stadion-Besucher dem , da bin ich mir sicher, gerne folgen.

    Im übrgein haben die betr. Fans nach ihrem Boykott des Spieles in Leipzig doch Anlass darüber nachzudenken, warum es auch ohne sie geht!

    Also…
    Nachdenken und diskutieren unter den Fans, wie "man" gemeinsam noch mehr tun könnte, um die Mannschaft zu unterstützen? Ja, das kann "man" nicht nur tun, daß sollte "man" auf jeden Fall versuchen, aber nicht so wie geschehen und wie hier kommentiert. Das ist kontraproduktiv mit Blick auf das vorgebliche Ziel, die Mannschaft noch mehr als bisher durch möglichst alle (!!) Fans zu unterstützen.

    Robin,
    ich denke im Moment über den Sieg des FCB gegen Stuttgart nach und frage mich, ob und wie das Duell BVB/FCB weitergehen wird. Von Spiel zu Spiel. Und das kommende Wochenende verspricht diesbezüglich besondere Spannung -der BVB in Frankfurt und der FCB in Leverkusen!!
    Die Nörgler und deren Nörgelei bleiben dabei "weitestgehend" Außen vor.

  • #6
  • #7
    thomas weigle

    Tatort, BVB: Dortmund, Hauptstadt der Mimosen. Seid froh, dass über euch geredet wird. Und kauft schon mal `ne Klinikpackung Antidepressiva für nächsten Samstag. Ihr könnt ja schon mal die Südtribüne in eine schwarz-gelbe Klagemauer umwidmen, kicher. Forza SGE.

  • #8
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @thomas: Das Spiel in Frankfurt wird natürlich kein Selbstläufer. Ich denke, das ist allen im BVB-Lager klar. Antidepressiva sind bei möglichen Punktverlusten also nicht nötig. 😉

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