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Dortmund: So viel Terror steckt im „TddZ“

Grinsend mit Sonnenbrille Zschäpes Brieffreund Robin Schmiemann. Vorne Rechts Thorsten Heise. Bild: Sören Kohlhuber
Im roten Shirt, mit blauer Kappe "Combat 18" Mann Marko Gottschalk. Bild: Sören Kohlhuber

Im roten Shirt mit blauer Kappe: „Combat 18“-Mann Marko Gottschalk. Bild: Sören Kohlhuber

Am Samstag sind knapp 1000 Neonazis durch den Dortmunder Westen marschiert. Von „HTLR“-Transparenten und „HKNKRZ“-Shirts war schon an anderer Stelle zu lesen. Aber ein Blick auf die Teilnehmer beim „Tag der deutschen Zukunft“ lohnt sich. Wir haben uns (nur) zwei Demonstranten aus Dortmund angeschaut, die besonders für rechten Terror stehen: Marko Gottschalk und Robin Schmiemann, zwei Neonazis aus dem Stadtteil Brechten.

„Hail to Combat 18 – Hail to the Terrormachine“ singt Marko Gottschalk in einem Song seiner Band „Oidoxie“. Und Gottschalk und seine Kameraden haben auch versucht, das Konzept von „Combat 18“ umzusetzen und eine rechtsextreme Terrorzelle in Dortmund aufzubauen. Schießübungen und eine Orientierung an den rassistischen „Turner Diaries“, in denen der Aufbau von Terrorzellen geschildert wird, prägten die „Combat 18“ Zelle. Sie soll über mehrere Pumpguns und eine Maschinenpistole verfügt haben. Auch Michael Berger, der im Sommer 2000 drei Polizisten und anschließend sich selbst umbrachte, soll an den Schießübungen beteiligt gewesen sein. Die Gruppe agierte dabei immer unter staatlicher Aufsicht, der V-Mann des Verfassungsschutzes Sebastian Seemann war Teil von ihr. Nachdem er aufgeflogen war, wurde ihm vom Verfassungsschutz eine neue Identität verschafft.

Marko Gottschalk lebt erst seit kurzem wieder in Dortmund. Die letzten Jahre verbrachte er mit Frau und Kind in Schweden. In seine alte Heimat ist er alleine zurück gekommen. Beim „Tag der deutschen Zukunft“ begrüßte er alte Kameraden und schüttelte auch bereitwillig jungen Fans die Hand. Die meisten werden ihn wohl nicht nur wegen seiner Musik bewundern.

Grinsend mit Sonnenbrille Zschäpes Brieffreund Robin Schmiemann. Vorne Rechts Thorsten Heise. Bild: Sören Kohlhuber

Grinsend mit Sonnenbrille: Zschäpes Brieffreund Robin Schmiemann, vorne rechts Thorsten Heise. Bild: Sören Kohlhuber

Ein weiterer Rückkehrer in die Dortmunder Neonaziszene ist Robin Schmiemann. Auch er soll Teil der „Combat 18“-Zelle gewesen sein. Schmiemann verbrachte die letzten Jahre im Gefängnis, 2007 hatte er einen Supermarkt in Brechten überfallen und dabei einen tunesienstämmigen Kunden angeschossen. Den Überfall hat Schmiemann nach eigenen Aussagen auf Druck des V-Manns Sebastian Seemann begangen, weil dieser Geld für ein geplatztes Drogengeschäft zurück bekommen wollte. Kurz nach seiner Haftentlassung Anfang des Jahres sagte Robin Schmiemann im NSU-Untersuchungsausschuss in Düsseldorf aus (unser Bericht) – oder besser gesagt: sagte quasi nichts. Eine gewisse Berühmtheit erlangte Schmiemann, als seine Brieffreundschaft zu Beate Zschäpe bekannt wurde. Schmiemann selbst sagt, er wollte Zschäpe unterstützen, er habe Hafterfahrung und da käme seine „soziale Ader“ durch. Beim „Tag der deutschen Zukunft“ bewegte sich Schmiemann über weite Strecken in der Nähe des thüringischen NPD-Kaders Thorsten Heise. Heise hatte enge Kontakte zu Holger Gerlach, der im Münchener NSU-Prozess wegen seiner umfassenden Unterstützung des Kerntrios angeklagt ist.

Unter dem Schutz von mehreren tausend Polizisten konnte in Dortmund also das erweiterte Umfeld des NSU-Netzwerks aufmarschieren. Der „Tag der deutschen Zukunft“ bot den rechten Terrorfreunden eine gute Gelegenheit, alte Kontakte zu pflegen und neue aufzubauen. Welche Konsequenzen dies haben wird, ist nicht abzusehen.

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