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SPD-Solidaritätsaktion in Moers: Bastelspaß mit Alufolie

Aluhutträger in Moers: Rolf Grüter, Ibrahim Yetim, Kyra Sänger, Konrad Göke, Paul Stucki, Patrick, Tom Sauer; Foto: Peter Ansmann

Aluhutträger in Moers: Rolf Grüter, Ibrahim Yetim, Kyra Sänger, Konrad Göke, Paul Stucki, Patrick, Tom Sauer; Foto: Peter Ansmann

Es ist einiges in Bewegung geraten beim Shitstorm gegen die Geschwister-Scholl-Schule in Moers, den Corona-Leugner wegen einer Aktion der Schülervertretung der Gesamtschule vom Zaun gebrochen hatten:

Die, aktuell ausgesetzte, Aktion der Schülervertretung an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule wird nach den Ferien fortgesetzt. DIE PARTEI Moers – die mit der Aktion “Dein Aluhut gegen verstrahltes Gedankengut” auf ein befürchtetes Einknicken wegen des Shitstorms reagierte – hat diese Aktion nun gestoppt – und lobt die Schule für ihre klare Haltungt; Die ausgelobten 100 Euro werden an an die Schülervertretung gespendet. Der Verein Erinnern für die Zukunft zeigte sich ebenfalls solidarisch mit der Aktion an der Schule.

Der Schulpate der Geschwister-Scholl-Gesamtschule und Vorsitzende der SPD in Moers, Ibrahim Yetim (MdL), hatte für den gestrigen Freitag zum Bastelnachmittag in den Räumen des SPD-Ladenlokals in der Moerser Fußgängerzone geladen.

Das Outfit erinnert ein wenig an das von Prinzessin Aura aus den Flash-Gordon-Verfilmungen der 30er Jahre: Kyra Sänger, stellvertretende Vorsitzende der Jusos in Moers; Foto: Peter Ansmann

Das Outfit erinnert ein wenig an das von Prinzessin Aura aus den Flash-Gordon-Verfilmungen der 30er Jahre: Kyra Sänger, stellvertretende Vorsitzende der Jusos in Moers; Foto: Peter Ansmann

Petrus war der Soliaktion der SPD Moers offensichtlich freundlich gesinnt: Beim Aufbruch nach Moers sah es wettermäßig düster aus: Bei der Ankunft am Ladenlokal der SPD in Moers, kurz nach 15.00 Uhr, wurde gerade auf den Sonnenschein reagiert: Tisch und Stühle wurden in die Fußgängerzone, vor die Geschäftsräume der SPD, verlegt.

Die Stimmung war sehr gut: Neben Ibrahim Yetim, Mitgliedern der SPD und solidarischen Moersern schauten selbstverständlich auch einige Lehrer und der Schulleiter der betroffenen Schule vorbei. Gesprächsthemen beim Basteln war der Shitstorm gegen die Schule, wie es mit dem Projekt der Schülervertretung weitergehen wird und – klar- abstruse Verschwörungstheorien.

Ibrahim Yetim und Rolf Grüter: Alles safe! Dank Aluhüten; Foto: Peter Ansmann

Schulpate Ibrahim Yetim und Schulleiter Rolf Grüter: Alles safe! Dank Aluhüten; Foto: Peter Ansmann

Trotz anstehender Kommunalwahlen: Von Wahlkampf und Parteipolitik war, überraschenderweise, bei diesem Event wirklich überhaupt nichts zu spüren. Ohne die Location und mein Wissen, dass es sich um eine SPD-Veranstaltung handelt: Ich hätte mich genauso gut auf einer Solidaritätsveranstaltung der CDU, APPD, FDP oder der Partei DIE PARTEI befinden können. Die gestoppte Aktion Dein Aluhut gegen verstrahltes Gedankengut der letztgenannten Partei, war selbstverständlich auch Thema bei der Verarbeitung von Alufolie.

Konrad Göke, Paul Stucki (vorne): Spaß mit Alufolie; Foto: Peter Ansmann

Konrad Göke, Paul Stucki (vorne): Spaß mit Alufolie; Foto: Peter Ansmann

Natürlich sorgte der Tisch vor dem SPD-Ladenlokal mit fremdartig gekleideten Gestalten für Aufsehen: Moers ist schließlich nicht Duisburg. In diesem idyllischen Städtchen fällt man durchaus noch auf wenn man sich in Alufolie kleidet. Passanten bleiben stehen, schauen neugierig und fragen nach den Hintergründen des Treibens.

Für Gesprächsstoff in der Basteltruppe sorgen einige, jüngst eingetretene, negative Entwicklungen in den Leben von einem der Initiatoren des Shitstorms: Eine treibende Kraft der Kampagne gegen die Aktion der Schule hatte inzwischen, wegen einer auf seiner Facebook-Seite beworbenen “Anti-Corona-Creme” (Screenshot im Beitrag Moers: Geschwister-Scholl-Gesamtschule kapituliert vor Trollen!) unangenehmen Besuch: Der Beitrag, in dem die Anti-Corona-Creme am letzten Mittwoch noch angepriesen wurde, ist zwischenzeitlich entfernt worden.

Auf negative Bewertungen der Facebookseite von Mrs. Perfect Cosmetics reagierte der Betreiber mit der Androhung von Anzeigen, weil die bewertenden Personen noch nie im Geschäft gewesen wären: Auf Telegram, dem virtuellen Kommunikations-Paradies für Verschwörungstheoretiker, rief er ironischerweise andere Anhänger von #StayAwake in der Gruppe AntiCorona2020 – Deutschland dazu auf, sein Unternehmen positiv zu bewerten.

Dieser Beitrag wurde später gelöscht.

Kaiserwetter in Moers: Gute Laune beim Basteln; Foto: Peter Ansmann

Kaiserwetter in Moers: Gute Laune beim Basteln; Foto: Peter Ansmann

Der Bumerangeffekt sorgt in den Gesprächen am Tisch für Belustigung: Vor zwei Wochen waren 20 Schüler an einem Projekt zum Thema Fake-News und Verschwörungstheorien, mehr oder weniger unter sich, beschäftigt. Dank Mario Ćorić aus Moers und Mecit Uzbay aus Krefeld hat dieses Projekt jetzt deutschlandweite Aufmerksamkeit erhalten:

Auch Ibrahim Yetim, Schulpate und verantwortlich für den Bastelnachmittag in Moers, ging später bei der Beantwortung von Fragen der Ruhrbarone auf diese Ironie ein.

Ein Verschwörungstheoretiker müsste glauben: Diese beiden Protagonisten haben das Schulprojekt bewusst gepusht: Black Propaganda, State of the Art.

Rolf Grüter, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, und andere anwesenden Mitglieder des Lehrerkollegiums sind wegen der Solidarität und dem Zuspruch, auch auf Facebook, sichtlich gut gelaunt.

Gegen 16:30 Uhr endete der Bastelnachmittag in Moers:

Eine sehr gelungene und vor allem öffentlichkeitswirksame Aktion der SPD Moers.

Die Ruhrbarone haben natürlich noch ein paar Fragen.

Rolf Grüter, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Moers; Foto: Peter Ansmann

Rolf Grüter, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Moers; Foto: Peter Ansmann

Die Ruhrbarone haben im ersten Beitrag die erste Reaktion der Schule, die nach Kapitulation vor der Kampagne aussah, kritisiert. Aktueller Stand: Die Aktion  der Schülervertretung geht nach den Ferien weiter, wie die Schule am 1. Juli 2020 auf ihrer Facebookseite mitteilte.

Rolf Grüter, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, beantwortete die Fragen der Ruhrbarone.

Ruhrbarone: Wer hat den Anstoß gegeben zur heutigen Aktion?

Rolf Grüter: Die kam aus der SPD.

Ruhrbarone: Wie stehen Sie zu diesem Bastelnachmittag?

Rolf Grüter: Ich fand die Idee pfiffig. Ich bin immer strikt parteipolitisch neutral, solange ich im Amt bin. Aber so eine Aktion und den besonderen Umständen, da bastel ich mit.

Ruhrbarone: Wie geht es weiter mit der Aktion in der Schule?

Rolf Grüter: Die wird fortgesetzt. Aber in welcher Form, das werden wir gemeinsam entscheiden wenn das neue Schuljahr angefangen hat. Aber jetzt, zu dem Zeitpunkt, kriegen wie die Schülervertretung und die beteiligten Lehrer nicht mehr in Kommunikation darüber.

Deshalb war ja zu entscheiden, im Laufe dieser Woche bzw. kurz davor: Wie gehen wir jetzt mit der Situation um? Und dann war klar: Wir führen das Thema fort. Aber die Form klären wir dann, wenn wir wieder Gelegenheit haben darüber zu sprechen.

Ruhrbarone: Wobei der Shitstorm ja eher klein war.

Rolf Grüter: Ja, das haben Sie ja geschrieben. Das ist für mich auch eine erste Erfahrung. Ich bin persönlich nicht dauernd in den sozialen Medien unterwegs. Warum wir jetzt so entschieden haben, haben wir ja versucht auch zu erklären.  Da kam ja gleich die Reaktion “Ihr knickt ein und kapituliert!”  – was wir ganz anders sehen. Das war Thema bei uns: Abzuwägen wie geht man mit der Situation um.

Ein Lehrer der betroffenen Schule; Foto: Peter Ansmann

Ein Lehrer der betroffenen Schule; Foto: Peter Ansmann

Auch einige Lehrer der Schule sind anwesend beim Althut-Bastelnachmittag.

Ruhrbarone: Zufrieden mit dem heutigen Nachmittag?

Lehrer: Ja, das ist eine sehr schöne Aktion. Das ist ganz toll von der SPD, dass die sich engagieren für das Projekt. Super. Hat mir sehr viel Spaß gemacht mitzumachen.

Ruhrbarone: Wie ist das Projekt in der Schule gelaufen und wie geht es weiter?

Lehrer: Wir werden uns nach den Ferien mit der Schülervertretung zusammensetzen und dann beraten wie wir weiter vorgehen. Wir werden uns sicherlich neu aufstellen und mit einem neuen Projekt wieder an den Start gehen und klar: Die Schülervertretung wird weiterhin Meinung zeigen.

Ibrahim Yetim (SPD): Der Schulpate der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hatte zum solidarischen Bastelnachmittag nach Moers geladen; Foto: Peter Ansmann

Ibrahim Yetim (SPD): Der Schulpate der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hatte zum solidarischen Bastelnachmittag nach Moers geladen; Foto: Peter Ansmann

Ibrahim Yetim ist Schulpate an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule und war, als Vorsitzender der SPD Moers, am gestrigen Freitag Gastgeber der Veranstaltung. Auch an ihn haben die Ruhrbarone ein paar Fragen.

Ruhrbarone: Wie ist es heute aus deiner Sicht gelaufen?

Ibrahim Yetim: Also ich bin sehr zufrieden mit dem Zulauf der dagesessen ist. Was auch wiederum zeigt, dass das Thema bei den Menschen angekommen ist und dass sie sich damit auch auseinandersetzen und mitbekommen, dass Verschwörungstheoretiker unterwegs sind. Und dass man auch ein deutliches Zeichen dagegen setzen muss.

Wie kann es eigentlich sein, dass man so ein Schulprojekt nicht machen kann, nur weil einige Leute meinen, es passt ihnen nicht in den Kram.

Ruhrbarone: Du bist ja auch Schulpate an der betroffenen Schule. Weißt du, wie es weitergeht?

Ibrahim Yetim: Soviel ich weiß, wird das Thema nach den Sommerferien nochmal mit den Schülern besprochen. Und jetzt wird man sich damit auseinandersetzen was da eigentlich passiert ist. Wie es eigentlich sein kann, dass nur weil einer unzufrieden ist – dann in seiner Internetblase dafür sorgt dass die Schule mit Hass- und Spammails zugemüllt wird um Druck zu machen. Was das eigentlich bedeutet.

Das passt ja auch genau in die Zeit. Wir kriegen ja mit, dass Ehrenamtliche und Politiker, dass diejenigen, die sich für unsere Gesellschaft einsetzen, immer konfrontiert werden mit denjenigen, die eine andere Meinung vertreten. Was macht das eigentlich mit einem?

Wie kann es eigentlich sein, dass man so ein Schulprojekt nicht machen kann, nur weil einige Leute meinen, es passt ihnen nicht in den Kram.

Aluhut-Alarm in der Fußgängerzone von Moers; Foto: Peter Ansmann

Aluhut-Alarm in der Fußgängerzone von Moers; Foto: Peter Ansmann

Ruhrbarone: Was weißt du über positive Resonanz zu dem Projekt?

Ibrahim Yetim: Was ich bis jetzt mitbekommen habe, von Leuten die über die Situation gelesen haben und über die Ruhrbarone davon erfahren haben: Die sind alle völlig entsetzt darüber, dass in dieser Art und Weise ein Druck ausgeübt wurde. Und die finden das gar nicht gut.

Das Schöne ist wiederum: Dass sich plötzlich ganz viele Menschen damit beschäftigen. Das wäre wahrscheinlich niemanden aufgefallen. Da hätten sich 20 Schüler mit beschäftigt. Und jetzt beschäftigt sich damit die halbe Bundesrepublik. Also für die Schule und für die Sache ist es eigentlich super gelaufen.

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6 Kommentare zu “SPD-Solidaritätsaktion in Moers: Bastelspaß mit Alufolie

  • #1
  • #2
    Berthold Grabe

    Traurig daran ist, das die SPD hier das tut, was Trump in den USA auch falsch macht, sie polarisiert nur weiter, statt zu vermitteln. Es reicht nicht einfach trotzig die "richtige" Gegenposition einzunehmen und die Ausgrenzung so nur zu vertiefen. Damit behebt man das Problem nicht, man verschärft es!
    Genau wie Trump sich gegen Radalierer verwahrt ohne gleichzeitig auch Verständnis für die Probleme aufzubringen, die diese Umtreiben.
    Sicher ist der Shitstorm falsch, unwürdig und gefählrich.
    Aber nur Öl ins Feuer zu gießen durch ausschließlich Beharren auf das Richtige gegenüber Menschen die jedes Vertrauen verloren haben, das dies richtig sein könnte, ist unverantwortlich dilletantisch!
    Hier geht es gar nicht mehr um richtig oder falsch sondern um verlorenes Vertrauen.
    Und das politische Establishment ist so von sich überzeugt,das es sich nicht mal die Mühe macht Vertrauen zurückzugewinnen, sie erklärt einfach alle zu Gegnern des Systems, die ihr Vertrauen verloren haben .
    Es ist nicht mutig den Applaus des Systems zu provozieren, als ob das den nächsten Shitstorm verhindern könnte. Mutig wäre es die Scheinheiligkeiten des Systems aufzugreifen und wirklich unbequeme Fragen aufzuwerfen.

  • #3
    thomas weigle

    #3 Was haben sie eingeworfen, bevor sie ihren Kommentar shrieben. Das muss ein tolles Zeug sein. Wo kann man das bekommen?
    Ich bin in derBewertung der Aktion jedenfalls bei @Peter Ansmann.

  • #4
    Peter Ansmann Beitragsautor

    @Berthold Grabe:

    Eine Schule – 20 Schüler – behandelt ein Projekt. Irgendeinem Hansel passt dies nicht und er startet einen Shitstorm und spamt die Schule mit Hassemails zu zu. Um nichts anderes geht es bei der Aktion der SPD. Wenn irgendwelche Impfgegner, Gates-Hasser, Islamisten oder Nazis über das Bildungsprogramm in der Schule bestimmen würden, würde etwas verkehrt laufen.

    Wobei ich der letzten Aussage von Ibrahim Yetim zu 100% beipflichten würde:

    "Das Schöne ist wiederum: Dass sich plötzlich ganz viele Menschen damit beschäftigen. Das wäre wahrscheinlich niemanden aufgefallen. Da hätte sich 20 Schüler mit beschäftigt. Und jetzt beschäftigt sich damit die halbe Bundesrepublik. Also für die Schule und für die Sache ist es eigentlich super gelaufen."

    Gebracht hat der Shitstorm von #StayAwake wenig. Außer für die Schule.

  • #5
    Berthold Grabe

    @Peter Ansmann

    ich bin ganz bei Ihnen was die Ausgangslage angeht.
    Hier aber nimmt eine Partei dazu in einer Weise Stellung, die weder das Problem behebt, noch hilfreich für die Schule ist, sondern nur Trittbrett fährt beider Empörung.
    Das ist nicht ihre Aufgabe. Würde die Partei ihre Hausaufgaben machen, übrigens auch alle anderen Parteien, gäbe es das Problem gar nicht!
    Aufgabe der Parteien wäre es diejenigen,die das Vertrauen verloren haben zurückzugewinnen, dafür reichen aber so bequeme Populismen nicht aus. Das mag die angegriffenen bestätigen nichts falsch gemacht zu haben, ist aber das Gegenteil von Problemlösung.
    Deshalb kann ich auch dem zweiten Teil ihrer Ausführung nicht zustimmen.
    Es wäre gut,wenn sich dadurch viele mit dem Problem beschäftigen, tun sie aber nicht, sie werden nur mit den hässlichen Symptomen beschäftigt!
    Was nur Verhärtung von Positionen erzeugt, Empörung, aber keine echte Auseinandersetzung oder gar Lösung mit den Ursachen.
    Es ist wie früher als der Pastor über die untersten Schichten als unmoralisches Pack predigten, weil sie logen, stahlen und Gewalt anwendeten und die bessere Gesellschaft sich rechtschaffen darüber erhob. Sie hatten auch nicht Unrecht, aber sie ignorierten die Ursachen.
    Verbessert hat sich das erst, als man die Ursachen beseitigte.
    Und das ist hier nicht anders.

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