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„Corona-Rebellen“ auf Kriegspfad gegen die Playmobilfigur ROBert

Gesellschaftsfeindlich und egoistisch: "Corona Rebellen"; Screenshot Facebook

Gesellschaftsfeindlich und egoistisch: Corona Rebellen; Screenshot Facebook

Durch Feinfühligkeit, Intelligenz oder soziales Verhalten ist die Facebook-Gruppe der Corona-Rebellen bisher noch nie besonders aufgefallen: Dort werden auch gerne mal antisemitische Inhalte und täglich irgendwelche AfD-News geteilt.

Ansonsten fällt die Gruppe vor allen durch Verbreitung von allerlei Falschinformation und Hasskommentare gegen die Bundesregierung auf.

Seit gestern läuft über diese Gruppe ein Shitstorm gegen ein Video auf der YouTube-Plattform der Brandstätter-Gruppe, die das beliebte Kinderspielzeug der Marke Playmobil produziert.

Erbärmlich, verlogen und menschenfeindlich: „Corona Rebellen“

Na, schon gesehen? Ich kotz im Strahl. So manipulieren sie die Kleinsten lautet der Text zum Beitrag der Corona-Rebellin Isabel N. – nicht die hellste Kerze auf der Torte – vom 2. Juni 2020.

Verlinkt ist im Beitrag die wiederverwendbare Mund-Nasen-Maske vom Playmobil (COVID-19: PLAYMOBIL produziert Corona-Schutzmasken). Ein typischer Desinformationsbeitrag in der Lügengruppe Nr. 1 auf Facebook: Die Masken gab es zum damaligen Zeitpunkt nur für Erwachsene.

Die Maskenpflicht ist aktuell Dauerthema bei den Corona-Rebellen: Liebe Kinder! Die Masken sind Quatsch. Die Regierung hat gelogen ist der Titel eines Videos, das am 8. Juli 2020 verlinkt wurde. Zu finden ist dieses Video mit zweifelhaften Inhalt auf dem YouTube-Kanal von KenFM.

Corona-Rebell Heiko R. teilte am 8. Juli 2020 einen Ausschnitt aus den ZDF-Nachrichten:

Achtung! FAKE NEWS DELUXE!  „Bereits über 130 Millionen an Menschen sind in den USA nach einer Infektion mit dem Virus gestorben“ Also fast 1/3 der Bevölkerung.

Lautet der Titel des Beitrages: Gezeigt wird ein Video, in dem der Nachrichtensprecher diese Aussage macht. Dort endet dann das Video. In der Sendung im ZDF hat er sich sofort auf 130.000 Menschen korrigiert. FAKE NEWS also mal wieder nur bei den verlogenen Corona-Rebellen, nicht im ZDF.

Manchmal geht es auch unfreiwillig komisch zu bei den Corona-Rebellen: Die Corona-Rebellin Heike S. gewährt am 4. Juli 2020 in der Gruppe interessante Einblicke in ihr – offensichtlich – sehr spannendes Strandverhalten: Den BILD-Artikel Timmendorfer Strand: Urlauberin schleppt Corona in Ostsee-Badeort ein kommentiert Heike S. in ihrem Beitrag mit einem merkwürdigen Vergleich:

Ist sie erkrankt oder wurde nur eine Infektion nachgewiesen? Möchte nicht wissen, wie viele dort mit unerkannten HIV usw. am Strand rumliegen

Ja, wenn die Infektionswege vergleichbar wären: Dann könnten man sich die Masken wirklich sparen und ein wenig entspannter mit der Lage umgehen. Wenn man jedoch nicht am Strand laufen kann ohne in Gefahr zu geraten sich das HI-Virus einzufangen, dann hat man allerdings ein massives Problem mit der eigenen Selbstkontrolle.

Beliebt in der Gruppe: Koordinierte Hass-Attacken

Gerne werden in der Gruppe auch Umfragen Zum Thema Maskenpflicht / Impfungen geteilt – um nach der Herbeiführung von Ergebnissen, die dem Gruppengeist entsprechen, die Macht der Gruppe zu feiern.

Auch die Aktion der Schülervertretung an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Moers (Die Ruhrbarone haben berichtet!) ist Thema bei den Intelligenz-Rebellen: Der Beitrag von Mecit Uzbay wird ebenso in der Gruppe geteilt wie die Berichterstattung im Blog de GWUP – selbstverständlich mit einem negativen Schwurbelbemerkung.

Shitstorm gegen Meinungsfreiheit an der Schule; Screenshot Facebook

Shitstorm gegen Meinungsfreiheit an der Schule; Screenshot Facebook

Aktuell haben die Corona-Rebellen einen neuen alten Feind: Playmobil – oder um genau zu sein: Ein Video des Spielzeugherstellers: Die sinistre Brandstätter-Gruppe! Die nur ein Ziel hat: Nämlich unschuldige Kinder mit Masken und Videos politisch umzuerziehen. So sehen es zumindest die Corona-Rebellen, die jeden Verschwörungsblödsinn glauben und verbreiten.

Bitte was soll das ? Wollen die unsere Kinder zerstören? Mann kann nicht kommentieren aber Liken oder Disliken. Macht was !!!!!

schreibt Corona-Rebell Maik H. – in übermaskuliner Rechtschreibung – zu einem YouTube-Video, auf dem ROBert (Eine virtuelle Playmobil-Figur!) den Nutzen der Nase-Mund-Maske erklärt.

ROBert erklärt die Nase-Mund Maske | PLAYMOBIL Film für Kinder

Bereits in der Vergangenheit hat Robert – mit der Zielgruppe Kinder – über Corona aufgeklärt: Warum man sich die Hände waschen sollte und wieso man Oma und Opa nicht so oft sehen kann wie zu Zeiten vor der Coronakrise.

Aufklärung ist natürlich ein Dorn in den Augen der Corona-Rebellen: Der Aufruf zum Disliken des Videos war bisher leider erfolgreich: 911.422 Aufrufe hatte das Video seit dem 26.04.2020, Über 1300 Likes, wenige Dislikes:

Diese sind jetzt, nach dem Shitstorm der gesellschaftsfeindlichen Spinnertruppe, auf über 3910 gestiegen.

Corona-Rebellen im Kampf gegen Playmobil-Männchen; Screenshot YouTube

Corona-Rebellen im Kampf gegen Playmobil-Männchen; Screenshot YouTube

Was irgendwie irritiert: Für ein falsches Foto wird man auf Facebook relativ leicht gesperrt. Ein missverstandenes Meme kann einem im größten sozialen Netzwerk richtig Stress einbringen.

Weshalb der Betreiber nicht gegen Gruppen vorgeht, die gezielt Desinformation betreiben und Hass gegen andere schüren – auch wenn es sich nur um einen virtuellen Playmobil-Roboter handelt: So richtig verständlich ist diese Politik seitens Facebook nicht.

Die Gewinner dieser Aktion der „Corona Rebellen“ sind jetzt – so oder so – die Kinder: Der Algorithmus, den YouTube bei der Bewertung eines Videos nutzt, zählt jede Interaktion mit dem Video. Und listet dieses entsprechend besser. Dank der „Corona Rebellen“ bekommen das Video also jetzt mehr Menschen zu sehen als zuvor.

Der jungen Zielgruppe werden die negativen Bewertungen egal sein.

RuhrBarone-Logo

5 Kommentare zu “„Corona-Rebellen“ auf Kriegspfad gegen die Playmobilfigur ROBert

  • #1
    GMS

    Das Geschäftsmodeel von Facebook ist Interaktion und Bindung. Das funktioniert mit hochemotionalen Themen (insbesondere Hass) besonders gut.

    Das ist aber nichts neues und führt unter anderem zu dem aktuell laufenden Werbeboykott großer Marken. Mir stellt sich allerdings die Frage, warum ein Reporter der über Facebook schreibt das anscheinend nicht weiß.

  • #2
    Peter Ansmann Beitragsautor

    @GMS: Klar läuft Bindung über Interaktion. Bei "Hass" wird hier aber bei FB inkonsequent gehandelt. Eine Foto mit Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck mit einem bissigen Kommentar, wie "Nazimumie will ins EU-Parlament" -> Da sperrt Facebook schnell wegen "Hassrede". Wenn aber in einer Gruppe nur Hass geteilt wird und zu Shitstorms aufgerufen wird: Da passiert irgendwie nichts, außer Ermahnungen: Die hab es bereits gegen die "Corona Rebellen".

  • #3
    GMS

    @Peter Ansmann
    Da spielt vermutlich ein überfordertes Kontrollgremium oder genauer gesagt schlechte KI in Verbindung mit schlecht ausgebildeten Prüfern plus die sehr weitreichende Definition von Redefreiheit in den (Un)Vereinigten Staaten vion Amerika eine Rolle.
    Und bei Twitter ist es ja auch nicht besser.
    Eine Lösung ist derzeit auch nicht wirklich in Sicht. Hilfreich ist zwar, dass verstärkt über die Machenschaten dieser Konzerne diskutiert wird, aber es massiv an Kompetenz im Politikbetrieb. Hier rächt es sich dass sich bislang zuwenig Wissenschaftler (vor allem Sozialwissenschaftler, Psychologen, Philosophen und Politologen) ernsthaft mit dem Thema beschäftigt haben in einer Form die in der Öffentlichkeit iund Politik wahrgenommen wird.

  • #4
    Berthold Grabe

    Also Hassatacken kann ich keine Feststellen, Hass sit etwas anderes.
    Hier findet sich eine Menge eine voreingenommenen Meinungen von verärgerten Menschen ,die jegliche Objektivität verloren haben!
    Ich halte es auch für fragwürdig das Thema Coronamasken zu Gechäftszwecken zu missbrauchen.
    Es bleibt festzuhalten, das diese Menschen sich in ihrer Vorstellung verrannt haben und durch Argumente nicht mehr erreicht werden können.
    Das ist ein Problem, aber ein Verbot solcher Gruppen ist eher Kontraproduktiv.
    Man muss sehr genau unterscheiden zwischen rechtlich beanstandbaren Posts und solchen die nur in einer verqueren Realitätsvorstellung gefangen sind.
    Mit den Worten Hass und Verboten wird man diesen Phänomenen nicht beikommen, sondern nur die Irrationalitäten verstärken und bei den Empfänglichen nur den Verdacht nähren, das wohl was dran ist, wenn so radikal darauf reagiert wird..
    Hass ist auch auf der Kritikerseite zu finden, die unbedingt negieren wollen, das es Menschengruppen gibt,die nicht von Vernunft geleitet sind und denen man deshalb anders begegnen müsste.

  • #5
    Berthold Grabe

    Diese Konzerne bieten zunächst nur eine Kommunikationsplattform an. Und die ist so breit verfügbar dass die Menge an Post und auch Seiten nicht überschaubar ist.
    Die Unternehmen versuchen mit Suchalghoritmen bestimmter Ausdrücke und Schlagworten rechtlich relevantes auszufiltern. das aber hat Grenzen.
    vor allem da obige Darstellungen diese Grenzen nicht sichtbar überschreiten und auch rechtlich kaum Angriffspunkte bestehen,soweit es hier dargestellt wurde.
    Ich habe durchaus Verständnis für die Empörung, sehe aber nicht wie das rechtsstaatlich beschnitten werden kann, ohne letztlich die Meinuingsfreiheit der Willkür Preis zugeben, wei l das nicht abgrenzbar ist.
    Dieser emotionalen Wut müssen wir anders beikommen als mit Gegenhass und Verboten, wollen wir das Kinde nicht mit dem Bade ausschütten.

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