Endlich gab es wieder Schlagzeilen, die Hoffnung statt Krisenstimmung verbreiteten. Doch wer bei der jüngsten Mitgliederversammlung genau hinhörte, merkte schnell: Die Euphorie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der FC Schalke 04 noch immer auf einem finanziellen Drahtseil balanciert.
Fußball verkauft sich derzeit gut. Foto: Robin Patzwaldt
Kaum zu glauben, wie berechenbar das Fußballland Deutschland inzwischen geworden ist. Zwei Siege zum WM-Start? Bundestrainer Julian Nagelsmann ist plötzlich der große Heilsbringer, die Nationalmannschaft ein Geheimfavorit und der WM-Pokal gefühlt schon halb im Handgepäck.
Dann verliert man im sportlich bedeutungslosen dritten Gruppenspiel mit 1:2 gegen Ecuador – und sofort wird wieder die nationale Selbsthilfegruppe eröffnet. Alles ist plötzlich schlecht. Der Trainer kann’s nicht, die Spieler können’s nicht, der DFB sowieso nicht. Ganz ehrlich: Diese permanente Aufregung geht mir inzwischen deutlich mehr auf die Nerven als die Niederlage selbst.
Hört auf, Paraguay größer zu machen, als es ist
Jetzt also Paraguay. Und plötzlich wird wieder so getan, als würde Deutschland im Sechzehntelfinale auf eine Mischung aus Brasilien 1970, Spanien 2010 und Barcelona unter Pep Guardiola treffen. Nein. Tut es nicht.
Paraguay ist unangenehm. Paraguay kämpft. Paraguay wird Deutschland das Leben schwer machen wollen. Herzlichen Glückwunsch – genau das macht bei einer Weltmeisterschaft praktisch jeder Gegner. Aber wer ernsthaft vom WM-Titel träumt, darf sich von Paraguay nicht aus dem Wettbewerb kegeln lassen. Fertig.
Vom WM-Pokal dürfen bei der WM 2026 längst nicht alle 48 Teilnehmer träumen. Foto: Robin Patzwaldt
Schon als die FIFA die Aufstockung der Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 48 Teilnehmer beschloss, war die Kritik groß. Viele Experten, Fans und Beobachter warnten damals davor, dass die Qualität des Turniers leiden würde. Die FIFA ignorierte diese Bedenken weitgehend und verkaufte die Reform als Chance für mehr Nationen, mehr Vielfalt und mehr globale Aufmerksamkeit. Nach den ersten Tagen der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zeigt sich jedoch immer deutlicher: Die Kritiker hatten recht.
Das neue Zinnen-Logo des VfL Wolfsburg ab Mai 2026. Quelle: Wikipedia, Lizenz: GemeinfreiDas Logo des VfL Wolfsburg zwischen den Jahren 2002 und Mai 2026. Quelle: Wikipedia; Lizenz: Gemeinfrei
Der Abstieg des VfL Wolfsburg aus der 1. Fußball-Bundesliga ist perfekt – und die Häme im Land hält sich in Grenzen? Ganz im Gegenteil. Viele Fans quer durch die Republik dürften den Niedergang des Werksklubs sogar mit einem gewissen Genuss verfolgt haben. Zu oft wirkte der Klub in den vergangenen Jahren wie ein seelenloses Konstrukt zwischen Konzernzentrale, Mittelmaß und überhöhten Ansprüchen. Dass die Niedersachsen nun nach der bitteren Relegationspleite beim SC Paderborn 07 den Gang in Liga 2 antreten müssen, überrascht daher nur noch bedingt.
Und dennoch blieb im Zuge dieses Absturzes ein bemerkenswerter Aspekt bislang weitgehend unbeachtet: die groteske Beschäftigung des Klubs mit seinem Logo – ausgerechnet in den entscheidenden Tagen eines dramatischen Abstiegskampfes.
Das kleine Stadion in Paderborn. Quelle: Wikipedia, Foto: Sunnysteffen, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Es gibt diese Fußballabende, an denen man als neutraler Zuschauer eigentlich nur verlieren kann. Der heutige gehört zweifellos dazu. Wenn der VfL Wolfsburg und der SC Paderborn ab 20:30 Uhr am Pfingstmontag um den letzten Platz in der Bundesliga kämpfen, geht es zwar offiziell um Millionen, Prestige und sportliche Existenz.
Für viele Fußballromantiker geht es aber vor allem um eine unangenehme Erkenntnis: Egal, wer gewinnt – so richtig freuen kann man sich darüber nicht.
Es gab eine Zeit, da hielt ich Julian Nagelsmann für nahezu den Idealtyp eines modernen Trainers. Jung, eloquent, taktisch brillant, mutig in seinen Entscheidungen und dabei meist angenehm bodenständig. Als Fan von Borussia Dortmund habe ich mir vor einigen Jahren sogar gewünscht, ihn irgendwann einmal an der Seitenlinie meines Lieblingsvereins zu sehen.
Nagelsmann wirkte wie jemand, der frischen Wind in den deutschen Fußball bringen könnte – nicht nur sportlich, sondern auch menschlich.
Der MSV Duisburg hatte sich über Monate hinweg in eine Position gearbeitet, in der der Traum von der lange ersehnten Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga endlich Realität werden konnte. Es brauchte nur noch einen Heimsieg und zumindest die Relegation wäre dem MSV nicht mehr zu nehmen gewesen. Gegen die Viktoria aus Köln, für die es in diesem Spiel schon um nichts mehr ging, sollte das doch doch wohl möglich sein. Die Stadt war elektrisiert, die Menschen euphorisiert, die Straßen rund um das frühere ‚Wedaustadion‘ überfüllt mit Hoffnung, Bierdunst und blau-weißer Leidenschaft. Duisburg lebte. Zumindest für ein paar Stunden.
Marcel Schmelzer (Mitte) einst bei einer Vertragsunterschrift in Dortmund. Archiv-Foto: BVB
Marcel Schmelzer war einst eines der Gesichter einer goldenen Ära bei Borussia Dortmund. Als bodenständiger Linksverteidiger aus den eigenen Reihen verkörperte er genau das, was viele Fans an ihrem BVB so schätzten: Identifikation, Loyalität und Verlässlichkeit. Unter Jürgen Klopp gehörte Schmelzer zu jener Mannschaft, die 2011 und 2012 deutsche Meisterschaften gewann und Borussia Dortmund national wieder in die Spitze führte.
Damals schien vieles darauf hinzudeuten, dass Schmelzer langfristig zu einer prägenden Vereinsfigur werden könnte. Er war Stammspieler, Nationalspieler und später sogar Mannschaftskapitän. Die Voraussetzungen, um sich dauerhaft einen Platz unter den ganz Großen der Vereinsgeschichte zu sichern, waren ohne Zweifel vorhanden.
Doch bereits in diesen frühen Jahren zeigte sich auch, dass Schmelzer
Nach dem Wiederaufstieg als Zweitliga-Meister 2025/26 kehrt einer der emotionalsten, traditionsreichsten und fanstärksten Vereine des Landes zurück auf die große Bühne. Dass Schalke in der abgelaufenen Zweitligasaison nicht durchgehend glanzvollen Fußball spielte, rückte angesichts des Saisonausgangs letztlich in den Hintergrund. Entscheidend war der von Millionen herbeigesehnte Wiederaufstieg – und vor allem die Art und Weise, wie Verein und Anhängerschaft diesen begleiteten.
US-Präsident Donald Trump. Offizielles Porträtfoto zur Amtseinführung 2025. Foto: Daniel Torok Lizenz: Gemeinfrei
Man reibt sich inzwischen ja regelmäßig die Augen, wenn man morgens die Nachrichten öffnet. Nicht, weil der Kaffee noch nicht wirkt – sondern weil sich die Realität immer öfter wie ein schlecht geschriebener Satireartikel liest. Heute also wieder so ein Moment: USA wollen Italien zur Fußball-WM einladen. Statt Iran. Klar. Warum auch nicht gleich Brasilien gegen Liechtenstein tauschen, wenn’s gerade passt?
Der Clou: Es ist nicht der 1. April. Es ist einfach nur ein ganz normaler Tag im Jahr 2026. Und „normal“ ist dabei das eigentlich Erschreckende.
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